vom einfachen
neulich abends war mir so
als gäbe es etwas wichtiges
zu bedenken
als müsse ich mir zeit nehmen
nur für mich
habe mich darum ans fenster gesetzt
und eine kerze angezündet
die habe ich übrigens
in der marienkirche geklaut
den herrn wird’s nicht weiter stören
für ihn brannten schon an die 100 stück
da wird er wohl auf die eine verzichten können
dafür habe ich es abends hell
geh jetzt nämlich öfter in die kirche
habe also im kerzenschein nachgedacht
über mein leben und so
einfach nur nachgedacht
und da fing es an
so ein komischer schmerz
in mir
und plötzlich sind mir tränen gekommen
und ich habe es gespürt
das ist es jetzt
das ist mein leben
und ich wollte es greifen, es festhalten
aber das ging nicht
und dann war der moment vorbei
vom einfachen
-
Auf Eulen Schwingen
- Sphinx
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Re: vom einfachen
Einfach so
Was mir an dem Gedicht gefällt und jetzt gehe ich gleich auf die Technik ein, ohne dass es nur technisch sein soll, ist:
a)
Die Wahl des Genres "reimlose Lyrik in freien Rhythmen"
b)
Der Verzicht auf eine artifizielle Überpointierung der Zeilen. Da vertraut jemand auf die Alltagstauglichkeit der Poesie und die Poesietauglichkeit des Alltags.
Und seiner Sprache.
c)
Die Vakuumtechnik in der Installation des Lyrischens Ichs: Eine emotionale Bewegung im Moment der "kirchengespeisten Kerzenmeditation" wird konstatiert, aber nicht vertieft oder gar gedeutet. Eine sehr spezifische Situation, der gegenüber viele Gedichte kalt und blässlich und abstrakt wirken.
Der Leser wird aktiviert, er kann - wenn er will - die Nullstellen mit eigenen Gedanken, Bildern und Erinnerungen füllen, aber sicher nicht beliebig, sondern in dem Spielrahmen, den der Kontext skizziert: Jemand, der jetzt wieder in die Kirche geht, öfter, aber nicht weil er gläubig geworden wäre.
d)
Und rhythmisch und im Zeilenumbruch findet sich eben doch Präzision, die Wörter dort entwickeln ihre Aura, aber ohne schräge Verkünstelung wie man sie aus der Bachmann-, Eich- und Moderne-Tradition (sattsam) kennt.
Ein Vertrauen auf das Einfache, statt auf das Komplexe.
e)
Kleiner Bonustrack:
Der Wind pfeift auf dem Flaschenhals
der Schluchten von Cua:
Das Röhren der Hirsche,
das heisere Krächzen der Reiher über den Halden
und das Heulen der Wölfe
sind die drei Dissonanzen seiner Skala.
(unbekannter irischer Mönch des 9. Jahrhunderts in einer Randbemerkung beim Abschreiben der Bibel.)
greets
aes
Was mir an dem Gedicht gefällt und jetzt gehe ich gleich auf die Technik ein, ohne dass es nur technisch sein soll, ist:
a)
Die Wahl des Genres "reimlose Lyrik in freien Rhythmen"
b)
Der Verzicht auf eine artifizielle Überpointierung der Zeilen. Da vertraut jemand auf die Alltagstauglichkeit der Poesie und die Poesietauglichkeit des Alltags.
Und seiner Sprache.
c)
Die Vakuumtechnik in der Installation des Lyrischens Ichs: Eine emotionale Bewegung im Moment der "kirchengespeisten Kerzenmeditation" wird konstatiert, aber nicht vertieft oder gar gedeutet. Eine sehr spezifische Situation, der gegenüber viele Gedichte kalt und blässlich und abstrakt wirken.
Der Leser wird aktiviert, er kann - wenn er will - die Nullstellen mit eigenen Gedanken, Bildern und Erinnerungen füllen, aber sicher nicht beliebig, sondern in dem Spielrahmen, den der Kontext skizziert: Jemand, der jetzt wieder in die Kirche geht, öfter, aber nicht weil er gläubig geworden wäre.
d)
Und rhythmisch und im Zeilenumbruch findet sich eben doch Präzision, die Wörter dort entwickeln ihre Aura, aber ohne schräge Verkünstelung wie man sie aus der Bachmann-, Eich- und Moderne-Tradition (sattsam) kennt.
Ein Vertrauen auf das Einfache, statt auf das Komplexe.
e)
Kleiner Bonustrack:
Der Wind pfeift auf dem Flaschenhals
der Schluchten von Cua:
Das Röhren der Hirsche,
das heisere Krächzen der Reiher über den Halden
und das Heulen der Wölfe
sind die drei Dissonanzen seiner Skala.
(unbekannter irischer Mönch des 9. Jahrhunderts in einer Randbemerkung beim Abschreiben der Bibel.)
greets
aes
aes
(auf!eulen schwingen)
(auf!eulen schwingen)
Re: vom einfachen
Ein sehr beachtenswertes Gedicht. Freut mich, es gelesen zu haben.
Mir ist noch kein komischer Schmerz untergekommen - und, wenn es tatsächlich komisch war, dann war es sicher keine Empfindung, die den Namen Schmerz verdient. Ich glaube, hier wäre der Gebrauch des Wortes "merkwürdig" oder "seltsam" zutreffender.
Ansonsten kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen.
MfG,
[) i r k
so ein komischer schmerz
Mir ist noch kein komischer Schmerz untergekommen - und, wenn es tatsächlich komisch war, dann war es sicher keine Empfindung, die den Namen Schmerz verdient. Ich glaube, hier wäre der Gebrauch des Wortes "merkwürdig" oder "seltsam" zutreffender.
Ansonsten kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen.
MfG,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
-
Auf Eulen Schwingen
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Re: vom einfachen
Das mit dem "komisch", dear dirk, ist interessant.
Mir scheint das Lexem "komisch" hat heutzutage zwei Bedeutungen:
a) haha, lachenerregend
b) seltsam, von der Norm abweichend
("er lacht so komisch")
Und sicherlich liegt der Erregung von Lachen oft eine Normabweichung der nicht ernsthaften Art zugrunde.
Man vergleiche auch den "Wortschatz Leipzig":
ist Synonym von: absonderlich, absurd, albern, amüsant, drollig, eigen, eigenartig, eigenbrötlerisch, eigentümlich, erstaunlich, grotesk, herzig, humoristisch, kurios, lächerlich, lachhaft, läppisch, makaber, merkwürdig, närrisch, originell, possenhaft, possenhaft, putzig, putzig, schalkhaft, seltsam, skurril, sonderbar, sonderlich, spaßhaft, spaßig, trocken, ulkig, ulkig, wunderlich
Die Variante b gehört eher in die saloppe, gesprochene Sprache, ist aber auch schon Schriftdeutsch:
- Trotzdem, es ist irgendwie komisch, wenn man vor dem neuen Haus des Bundeskanzlers steht und sich die Sache mit dem Haus mal durch den Kopf gehen lässt. (Quelle: Der Spiegel ONLINE)
- Auch wenn es schon komisch ist, wie wenig so ein SPD-Landeschef und so ein SPD-Generalsekretär offenbar erfährt. (Quelle: Der Spiegel ONLINE)
- Einen Union-Fanclub scheint es nicht zu geben, komisch, denn in der Alten Försterei ist es doch viel schöner als auf der Baustelle Olympiastadion. (Quelle: Der Spiegel ONLINE)
- "Das ist schon komisch, dass im letzten Moment alles von einem Spiel abhängt", sagt Peter John Lee. (Quelle: Der Spiegel ONLINE)
Der Vergleich klingt komisch, weil der Militär-Airbus A 400 M keine Urlaubsreise ist, aber er stammt von Reinhard Mußgnug und sollte ernster genommen werden. (Quelle: Der Spiegel ONLINE)
Das Lyrische Ich bei rotfeder operiert mit einem saloppen, alltagssprachlichen Code, fern von Hochsprache und damit verbundener Konnotation wie "Bemühtheit", "Wichtigkeit" oder "Bedeutsamkeit".
Insofern scheint mir das "komisch" (also Variante b) im Gedicht über allerlei "Einfaches" gut gesetzt. Dirk insistiert auf der Variante a?
greets
aes
Mir scheint das Lexem "komisch" hat heutzutage zwei Bedeutungen:
a) haha, lachenerregend
b) seltsam, von der Norm abweichend
("er lacht so komisch")
Und sicherlich liegt der Erregung von Lachen oft eine Normabweichung der nicht ernsthaften Art zugrunde.
Man vergleiche auch den "Wortschatz Leipzig":
ist Synonym von: absonderlich, absurd, albern, amüsant, drollig, eigen, eigenartig, eigenbrötlerisch, eigentümlich, erstaunlich, grotesk, herzig, humoristisch, kurios, lächerlich, lachhaft, läppisch, makaber, merkwürdig, närrisch, originell, possenhaft, possenhaft, putzig, putzig, schalkhaft, seltsam, skurril, sonderbar, sonderlich, spaßhaft, spaßig, trocken, ulkig, ulkig, wunderlich
Die Variante b gehört eher in die saloppe, gesprochene Sprache, ist aber auch schon Schriftdeutsch:
- Trotzdem, es ist irgendwie komisch, wenn man vor dem neuen Haus des Bundeskanzlers steht und sich die Sache mit dem Haus mal durch den Kopf gehen lässt. (Quelle: Der Spiegel ONLINE)
- Auch wenn es schon komisch ist, wie wenig so ein SPD-Landeschef und so ein SPD-Generalsekretär offenbar erfährt. (Quelle: Der Spiegel ONLINE)
- Einen Union-Fanclub scheint es nicht zu geben, komisch, denn in der Alten Försterei ist es doch viel schöner als auf der Baustelle Olympiastadion. (Quelle: Der Spiegel ONLINE)
- "Das ist schon komisch, dass im letzten Moment alles von einem Spiel abhängt", sagt Peter John Lee. (Quelle: Der Spiegel ONLINE)
Der Vergleich klingt komisch, weil der Militär-Airbus A 400 M keine Urlaubsreise ist, aber er stammt von Reinhard Mußgnug und sollte ernster genommen werden. (Quelle: Der Spiegel ONLINE)
Das Lyrische Ich bei rotfeder operiert mit einem saloppen, alltagssprachlichen Code, fern von Hochsprache und damit verbundener Konnotation wie "Bemühtheit", "Wichtigkeit" oder "Bedeutsamkeit".
Insofern scheint mir das "komisch" (also Variante b) im Gedicht über allerlei "Einfaches" gut gesetzt. Dirk insistiert auf der Variante a?
greets
aes
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(auf!eulen schwingen)
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Re: vom einfachen
Ich insistiere nicht. Ich sage nur meine Meinung. Die zwei Bedeutungsebenen von "komisch" sind mir durchaus bekannt, ich finde dennoch, dass "komisch" hier komisch klingt. Vielleicht insistiere ich doch.
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: vom einfachen
tatsächlich bin ich der meinung, dass das hier zur welt gebrachte LI genau "komisch" meint und auch sagt, "merkwürdig" oder "seltsam", durchaus auch in erwägung gezogen, trifft es nicht, dieser mensch, ein "einfacher" mensch denkt und sagt in dieser situation "komisch", besser kann ich es nicht erklären.
ansonsten danke an dirk und aes für textarbeit und interesse.
rotfeder, die auch insistiert
ansonsten danke an dirk und aes für textarbeit und interesse.
rotfeder, die auch insistiert
Re: vom einfachen
ein mini-schäkler ( das "die" vor den tears)
aber sonst - vom einfachen gut !
und was die komisch-konferenz angeht, weh tun kann´s auf gar vielerlei art - also ist deine definition von schmerz vollkommen ok.
riemsche
aber sonst - vom einfachen gut !
und was die komisch-konferenz angeht, weh tun kann´s auf gar vielerlei art - also ist deine definition von schmerz vollkommen ok.
riemsche
„To hell with circumstances; I create opportunities.“ – Bruce Lee
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Auf Eulen Schwingen
- Sphinx
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Re: vom einfachen
Dear dirk, dear kasparov, dear rotfeder
Kurz noch mal zur "Komisch-Konferenz":
Kam von mir vielleicht zu dozierend und aufgeblasen rüber, dear dirk. Natürlich sind die Bedeutungen a und b dem Profi bekannt. Und die Bedeutung (c) auch, siehe ob, die Kombination. Und wir sind uns vermnutlich einig, die Verwendung b fidnet sich gern in der Alltags- und Umgangssprache.
Die Frage ist, ob man im Gedicht ein b dominant setzen kann, bei dem ein a allenfalls nur angetippt wird. Mir schien, das lyrische Ich verwendet einen alltagssprachlichen, pathosfernen, hochsprachefernen Code. Das ist sehr angenehm, weil es nicht bedeutungsschwanger und auf hohem Kothurn einherschreitet.
Daher scheint (mir) "komisch" (in der Variante b+c) sehr passend im lyrischen Fließtext von rotfeder.
greets
aes
Kurz noch mal zur "Komisch-Konferenz":
Mir ist noch kein komischer Schmerz untergekommen - und, wenn es tatsächlich komisch war, dann war es sicher keine Empfindung, die den Namen Schmerz verdient. Ich glaube, hier wäre der Gebrauch des Wortes "merkwürdig" oder "seltsam" zutreffender
(ne Art c)Mir scheint das Lexem "komisch" hat heutzutage zwei Bedeutungen:
a) haha, lachenerregend
b) seltsam, von der Norm abweichend
("er lacht so komisch")
Und sicherlich liegt der Erregung von Lachen oft eine Normabweichung der nicht ernsthaften Art zugrunde.
Kam von mir vielleicht zu dozierend und aufgeblasen rüber, dear dirk. Natürlich sind die Bedeutungen a und b dem Profi bekannt. Und die Bedeutung (c) auch, siehe ob, die Kombination. Und wir sind uns vermnutlich einig, die Verwendung b fidnet sich gern in der Alltags- und Umgangssprache.
Die Frage ist, ob man im Gedicht ein b dominant setzen kann, bei dem ein a allenfalls nur angetippt wird. Mir schien, das lyrische Ich verwendet einen alltagssprachlichen, pathosfernen, hochsprachefernen Code. Das ist sehr angenehm, weil es nicht bedeutungsschwanger und auf hohem Kothurn einherschreitet.
Daher scheint (mir) "komisch" (in der Variante b+c) sehr passend im lyrischen Fließtext von rotfeder.
greets
aes
aes
(auf!eulen schwingen)
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Re: vom einfachen
Leute, ihr müsst mich nicht überzeugen und rotfeder scheint ohnehin ihren eigenen Kopf zu haben, was ja auch gut so ist. Ich denke ein paar unterschiedliche Meinungen/Ansichten/Geschmacksurteile können uns gar nicht schaden.
Vielleicht hast du Recht, AES. Ich bin das wirklich weniger begründbar und wissenschaftlich angegangen, und hab das einfach sehr intuitiv beurteilt - nach meinem persönlichen Sprachempfinden und nach meinem persönlichen Begriff von Schmerz. Und das passte eben - für mich (!) - nicht zusammen. Das ist alles. Aber ich sehe auch ein, dass man es durchaus als "normabweichend" - oder eine Mischung aus a) und b) lesen kann. Wie gesagt, ich bin darüber gestolpert, aber das muss ja nichts heißen.
Ein fröhlicher Gruß in die Runde,
[) i r k
Mir schien, das lyrische Ich verwendet einen alltagssprachlichen, pathosfernen, hochsprachefernen Code. Das ist sehr angenehm, weil es nicht bedeutungsschwanger und auf hohem Kothurn einherschreitet.
Daher scheint (mir) "komisch" (in der Variante b+c) sehr passend im lyrischen Fließtext von rotfeder.
Vielleicht hast du Recht, AES. Ich bin das wirklich weniger begründbar und wissenschaftlich angegangen, und hab das einfach sehr intuitiv beurteilt - nach meinem persönlichen Sprachempfinden und nach meinem persönlichen Begriff von Schmerz. Und das passte eben - für mich (!) - nicht zusammen. Das ist alles. Aber ich sehe auch ein, dass man es durchaus als "normabweichend" - oder eine Mischung aus a) und b) lesen kann. Wie gesagt, ich bin darüber gestolpert, aber das muss ja nichts heißen.
Ein fröhlicher Gruß in die Runde,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
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- Sphinx
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Re: vom einfachen
Ähh,
Meinungsvielfalt sollte bei einer Textdeutung nicht verletzt werden, rotfeder hat sicher ihren eigenen Kopf und entspannt sollte es auch zugehen in fröhlicher Runde.
Dies zu bekräftigen nun aus Robert Gernhardts "Hell und Schnell" ein flinkes Sonett.
Anonymus
Der Unverbesserliche
Man fragte mich: »Heißt's fragte oder frug?«
Ich sagte drauf: »Ich wähle immer fragte,
da man ja auch statt sagte nicht spräch sug,
was schlecht dem Ohr und Sprachgebrauch behagte.«
Der andre sprach: »Ich werde draus nicht klug,
man sagt doch auch nicht schlagte oder tragte?«
Ich sprach: »Ausnahmen sind nur schlug und trug;
doch tug, rug, zug und wug noch keiner wagte.
Nun, wird der Zweifel, der bisher Sie nagte
und plagte - und nicht etwa gar nug und plug –
behoben sein, ob richtig frug, ob fragte?«
Der andre sprach: »Sie haben recht« und schlug
sich an die Stirn, als ob ihm Licht nun tagte,
»verzeihen Sie, daß ich so töricht frug.«
greets
aes
Meinungsvielfalt sollte bei einer Textdeutung nicht verletzt werden, rotfeder hat sicher ihren eigenen Kopf und entspannt sollte es auch zugehen in fröhlicher Runde.
Dies zu bekräftigen nun aus Robert Gernhardts "Hell und Schnell" ein flinkes Sonett.
Anonymus
Der Unverbesserliche
Man fragte mich: »Heißt's fragte oder frug?«
Ich sagte drauf: »Ich wähle immer fragte,
da man ja auch statt sagte nicht spräch sug,
was schlecht dem Ohr und Sprachgebrauch behagte.«
Der andre sprach: »Ich werde draus nicht klug,
man sagt doch auch nicht schlagte oder tragte?«
Ich sprach: »Ausnahmen sind nur schlug und trug;
doch tug, rug, zug und wug noch keiner wagte.
Nun, wird der Zweifel, der bisher Sie nagte
und plagte - und nicht etwa gar nug und plug –
behoben sein, ob richtig frug, ob fragte?«
Der andre sprach: »Sie haben recht« und schlug
sich an die Stirn, als ob ihm Licht nun tagte,
»verzeihen Sie, daß ich so töricht frug.«
greets
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