Short-and Sweetness of classical poetry-lines
Verfasst: 27.01.2007, 16:45
German Snoopy, poet, iceskater,
speaking about Disticha,
then explicating in German verses
"Die modernen Dichter können mich nicht kratzen"
his point of view, a well defined position.
A classical metric form is the distichon, consisting of a hexameter, a six footed metric line, and a pentameter, a five footed metric line. Both lines are dactylic ( _ ..) or spondeic ( _ _ ) in structure, i.e. the feet consists of syllables grouped in the following pattern: "long-short-short" or "long-long".
The pentameter, however, is not a sequence of five times a dactylus, like the hexameter is a sequence of six times a dactylus, it is two times two and a half dactylus with a caesura, a pause, in the middle.
Thus, the distichon looks like this (in a scheme):
_ ..| _ ..| _ ..| _ ..| _ ..| _ x|| (or variations with spondei) -> hexameter
_ ..| _ ..| _ || _ ..| _ ..| _ || -> pentameter
The shortness of this two lined verse lead to the short-and-sweetness of the content.
Die modernen Dichter können mich nicht kratzen
Elegische Distichen
von
German Snoopy
Berlin 1913
Über Berlin dahin im Winter watet der Eisbär,
Barsches, knirschendes Weiß deckt die Bäume des Parks.
Siehe, dort drängt sich die Jugend zum See, zur spiegelnden Eisbahn,
Weithin wiegt sich die Schar auf dem bekuften Schuh.
Wie sie sich suchen und fliehn! Schräg flattern die Shawls der Mädchen,
Wo sich die Lieblichste zeigt, stürmen ihr Jünglinge nach.
Zaghaft zunächst, ufernah, versucht sich das lyrische Ich,
Doch in die Weite ganz keck streb ich schließlich hinaus,
Distichen ritzet mein Fuß in den endlos schimmernden Spiegel.
Über mir ziehet ein Aar stetig die ruhige Bahn.
Oben schläft einsam Apoll. Wann denkt noch seiner ein Schreiber?
Heute beherrscht den Diskurs Benn und ähnliches Volk.
Ich leb in vergangener Zeit. Und sprech in verschollenen Zungen,
Ach, wie ist mir egal, dass mich der Tag* nicht versteht.
*
Z.B. die krause Else Lasker-Schüler.
Wie sie diesen Benn anhimmelt, das ist doch wohl nicht auszuhalten? Der Beleg?
Am 25. Juni 1913 schreibt Else Lasker-Schüler in der "Aktion" einen Essay mit dem Titel "Doktor Benn":
speaking about Disticha,
then explicating in German verses
"Die modernen Dichter können mich nicht kratzen"
his point of view, a well defined position.
A classical metric form is the distichon, consisting of a hexameter, a six footed metric line, and a pentameter, a five footed metric line. Both lines are dactylic ( _ ..) or spondeic ( _ _ ) in structure, i.e. the feet consists of syllables grouped in the following pattern: "long-short-short" or "long-long".
The pentameter, however, is not a sequence of five times a dactylus, like the hexameter is a sequence of six times a dactylus, it is two times two and a half dactylus with a caesura, a pause, in the middle.
Thus, the distichon looks like this (in a scheme):
_ ..| _ ..| _ ..| _ ..| _ ..| _ x|| (or variations with spondei) -> hexameter
_ ..| _ ..| _ || _ ..| _ ..| _ || -> pentameter
The shortness of this two lined verse lead to the short-and-sweetness of the content.
Die modernen Dichter können mich nicht kratzen
Elegische Distichen
von
German Snoopy
Berlin 1913
Über Berlin dahin im Winter watet der Eisbär,
Barsches, knirschendes Weiß deckt die Bäume des Parks.
Siehe, dort drängt sich die Jugend zum See, zur spiegelnden Eisbahn,
Weithin wiegt sich die Schar auf dem bekuften Schuh.
Wie sie sich suchen und fliehn! Schräg flattern die Shawls der Mädchen,
Wo sich die Lieblichste zeigt, stürmen ihr Jünglinge nach.
Zaghaft zunächst, ufernah, versucht sich das lyrische Ich,
Doch in die Weite ganz keck streb ich schließlich hinaus,
Distichen ritzet mein Fuß in den endlos schimmernden Spiegel.
Über mir ziehet ein Aar stetig die ruhige Bahn.
Oben schläft einsam Apoll. Wann denkt noch seiner ein Schreiber?
Heute beherrscht den Diskurs Benn und ähnliches Volk.
Ich leb in vergangener Zeit. Und sprech in verschollenen Zungen,
Ach, wie ist mir egal, dass mich der Tag* nicht versteht.
*
Z.B. die krause Else Lasker-Schüler.
Wie sie diesen Benn anhimmelt, das ist doch wohl nicht auszuhalten? Der Beleg?
Am 25. Juni 1913 schreibt Else Lasker-Schüler in der "Aktion" einen Essay mit dem Titel "Doktor Benn":
Benn.
Er steigt hinunter ins Gewölbe seines Krankenhauses und schneidet die Toten auf. Ein Nimmersatt, sich zu bereichern an Geheimnis.
Er sagt: »tot ist tot«. Dennoch fromm im Nichtglauben liebt er die Häuser der Gebete, träumende Altäre, Augen, die von fern kommen. Er ist ein evangelischer Heide, ein Christ mit dem Götzenhaupt, mit der Habichtnase und dem Leopardenherzen. Sein Herz ist fellgefleckt und gestreckt.
Er liebt Fell und liebt Met und die großen Böcke, die am Waldfeuer gebraten wurden. Ich sagte einmal zu ihm: »Sie sind allerleiherb, lauter Fels, rauhe Ebene, auch Waldfrieden, und Bucheckern und Strauch und Rotrotdorn und Kastanien im Schatten und Goldlaub, braune Blätter und Rohr. Oder Sie sind, Erde mit Wurzeln und Jagd und Höhenrauch und Löwenzahn und Brennesseln und Donner.« Er steht unentwegt, wankt nie, trägt das Dach einer Welt auf dem Rücken.
Wenn ich mich vertanzt habe, weiß nicht, wo ich hin soll, dann wollte ich, ich wäre ein grauer Samtmaulwurf und würfe seine Achselhöhle auf und vergrübe mich in ihr. Eine Mücke bin ich und spiele immerzu vor seinem Angesicht. Aber eine Biene möcht ich sein, dann schwirrte ich um seinen Nabel.
Lang bevor ich ihn kannte, war ich seine Leserin; sein Gedichtbuch - Morgue - lag auf meiner Decke: grauenvolle Kunstwunder,Todesträumerei, die Kontur annahm. Leiden reißen ihre Rachen auf und verstummen, Kirchhöfe wandeln in die Krankensäle und pflanzen sich vor die Betten der Schmerzensreichen an. Die kindtragenden Frauen hört man schreien aus den Kreißsälen bis ans Ende der Welt.
Jeder seiner Verse ein Leopardenbiß, ein Wildtiersprung. Der Knochen ist sein Griffel, mit dem er das Wort auferweckt. –