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sonnenloch
Verfasst: 10.07.2007, 19:13
von Edekire
1.
ich habe den sommer beschlossen
erwache mit verregneten augen
liege, stecke die stücke meiner welten zusammen
ich habe den sommer beschlossen
2.
sommerblass träum ich mich westwärts
rückwärts, in fremde hände
hör an der schranke im regen die gleise singen
südlich, träum ich mich
3.
lachend schieb ich gesichter
in deckung, stecke welten ineinander
mit blauen nagelmonden, verregneten augen
errat ich gesichter
4.
dann wünsch ich mich gläsern, sonnenbleich
ebenhölzern in fremde hände mit
schnellem atem, geöffnetem mund, die augen
verregnet hab ich den sommer beschlossen
Re: sonnenloch
Verfasst: 10.07.2007, 20:55
von Patina
toll gefällt mir, ede.
ist viel drin und fängst den anfang wieder auf. vielleicht würd ich die zahlen weglassen. ich finde, die stören in der lyrik...
und diese sätze gefallen mir sehr...
"hör an der schranke im regen die gleise singen"
"mit blauen nagelmonden, verregneten augen
errat ich gesichter"
Re: sonnenloch
Verfasst: 10.07.2007, 23:03
von Edekire
freut mich das es dir gefällt. ja die zahlen. manchmal stehe ich auf zahlen weil sie so viel struktur erzwingen wollen und manchmal mag ich das. hier.. ich weiß nicht. mal drünber nachdenken. aber erst mal drüber schlafen.

Re: sonnenloch
Verfasst: 25.07.2007, 17:39
von Kato
Mir gefällt dieser Text auch, Edekire!
Wobei ich wegen der Zahlenverwendung zuerst angenommen hatte, du würdest hier abgeschlossene Sequenzen aneinander reihen wollen. Was ja nicht stimmt.
Deshalb würde ich hier überlegen, in der ersten Strophe die Anfangs- und Schusszeile (noch) nicht genau wortgleich zu wählen, da sie so beim Lesen einen Abschuss impliziert, der weder gewollt noch da ist.
Gruß, Kato
Re: sonnenloch
Verfasst: 26.07.2007, 14:38
von Edekire
das ist wirklich eine überlegung wert, vor allem weil diese wirklih wortgleiche wiederholung so nur dieses eine mal auftritt.
hmm. ich habe das gefühl das die änderung mir schwer fallen wird. aber ich werde darüber nachdenen.
vielen dank
Re: sonnenloch
Verfasst: 31.07.2007, 22:38
von Flocke
Guten Abend, Ede...
Ich finde es gut so, wie es ist, einzig die Zahlen wären für mich verzichtbar.
Deshalb würde ich hier überlegen, in der ersten Strophe die Anfangs- und Schusszeile (noch) nicht genau wortgleich zu wählen, da sie so beim Lesen einen Abschuss impliziert, der weder gewollt noch da ist.
Die gleichen Zeilen an Anfang und Ende stören mich nun nicht, eher schließen sie mir den Kreis wieder. Wobei sie nicht wortgleich sein müssen, da kann ich Kato recht geben.
Toller Text mal wieder.

)
Flocke
Re: sonnenloch
Verfasst: 13.09.2007, 19:42
von [) i r k
Ich mag dieses Gedicht. Wollte ich schon lange mal gesagt haben, nur die richtigen (?) Worte fehlten mir. Fehlen mir noch immer.
Dieses Poem vermag, mich sehr tief zu berühren. :-&
By the way: Der nächste Sommer wird besser, "mit Sonnenschein von Juni bis September und nicht so naß und so sibirisch". Davon ist überzeugt:
[) i r k
Re: sonnenloch
Verfasst: 13.09.2007, 22:22
von Poeta
In der Tat, schon die verregneten Augen würden eine Lektüre erfreulich machen. Wirklich sehr poetisch und lyrisch vielfältig!
Liebe Grüße
Poeta