Sei gegrüsst, Poeta!
Ich gebe zu, ich habe zuerst ein ähnliches Gefühl gehabt wie Flocke: Sehr plakativ. Dein - wenn ich Dich recht verstehe - eigentliches Anliegen (Begriffsverwirrung) wird von der Aktualität geradezu niedergetrampelt: Radrenndoping, Fundamentalisten, Umweltverschmutzung... weiah. Und wenn man sich unter diesen Bedeutungsbergen wieder hervorgewühlt hat, kommst Du und sagst "April, April... es geht um die Begriffe."
Nichts gegen Inspiration durch Aktualität - aber sei etwas nachsichtiger mit Deinen Kritikern, wenn Du uns dermaßen auf die falsche Fährte lockst
Nun aber zum Begriff "positiv". Ich finde, Dein Text geht aus zwei Gründen daneben:
1.) Du bist ein wenig unaufrichtig. Abgesehen vom ersten Fall (Doping) gebrauchst Du die Formel "positiv getestet" im übertragenen Sinne, und nicht im allgemeingebräuchlichen. Im Grunde stellst Du die Begriffsverwirrung, die Du nachher in Frage stellst, selbst erst her.
2.) Du tust, als habe "positiv" nur eine zulässige (Haupt)bedeutung, nämlich "gut". Und das stimmt, wie Dir selbst klar sein wird, nicht. Je nach Kontext wechselt es die Bedeutung, der gemeinsame Oberbegriff ist nicht "gut" sondern "zutreffend". Du verengst also den Begriff "positiv" auf eine bestimmte Bedeutung und prangerst danach an, dass er auch in anderen Zusammenhängen gebraucht wird. Gegenfrage: Was wäre das Ziel? Jeden Begriff nur einem bestimmten Zusammenhang zuzuordnen? Dann viel Spaß mit "schön" und "Liebe"
Ein Gegenbeispiel, nur um zu klären, dass ich selbstverständlich nicht der Meinung bin, jeder Begriff könne beliebig in jedem Kontext gebraucht werden: "Hinrichtung" zum Beispiel ist ein ursprünglich sehr eng definierter Begriff. Er bezeichnet eine gesetzlich legitimierte Tötung. Jetzt hört man dauernd in den Nachrichten, dass irgendwelche Geiseln "hingerichtet" worden seien. Das ist ein Beispiel für Verfälschung durch Gebrauch eines engen Begriffes im falschen Kontext.
Schönes Wochenende
Razor