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wer wir sind
Verfasst: 05.11.2007, 11:58
von Glaukos
Wer wir sind.
Richard Wagner
Spielt in einer SymphonicMetalBand
(er hat keine Kinder)
Wolfgang von Goethe
Programmiert Computerspiele
(vor allem nachts)
Adolf Hitler
Ist ein Rapper, den alle lieben
(Bis in den Tod, den er bald sterben wird)
(vor aller Augen)
(er nimmt Drogen)
Josephine Baker
Ist ein Pornostar mit gewaltigen Brüsten
(selbst du findest sie geil)
Vincent Van Gogh
Ist Entwicklungshelfer in Tansania
(und dennoch unglücklich)
(er kann nicht anders)
Kassandra
Moderiert eine Esoterik-Talkshow
(und spielt gerne Schach)
Christoph Columbus
Leitet die NASA
(er träumt von Reisen zum Mars)
(er ist homosexuell)
Sappho von Lesbos
Ist Synchronschwimmerin
(sie badet so gern)
(nicht nur in Gefühlen)
James Cook
Entwickelt Google Earth
(singt in Nightclubs)
(& verkleidet sich gerne als Captain Cook)
Giordano Bruno
Ist Marylin Manson
(er hat kein Gesicht)
(würde sehr gerne sterben)
(am liebsten schon heute)
Jesus von Nazareth
Ist Bettler vorm Bahnhof
(er rasiert sich nicht mehr)
(er ist glücklich)
((und du bist es auch))
+++++++
(mal wieder eines der - bei mir seltenen - spontangedichte ...)
Re: wer wir sind
Verfasst: 06.11.2007, 22:07
von buddhabrot
(((schön)))
Re: wer wir sind
Verfasst: 07.11.2007, 23:14
von riemsche
I am what I am (gloria gaynor)
den guten alten ludwigVan hätte ich jetzt mehr in der heavyMetalecke erwartet, dasses auch mit nem gesunden ohr weniger geht, zeigt ja eatTheRich-lenny von motorhead. symphoMetal würde ich wagner zutrauen, die entsprechenden extendendMaxiversionen auch ..
Re: wer wir sind
Verfasst: 08.11.2007, 02:43
von Glaukos
vielleicht tausche ich ihn mit wagner ... das ist eine gute idee

Re: wer wir sind
Verfasst: 08.11.2007, 02:43
von Glaukos
ja, zuerst wars auch heavy metal, kasparov.
dann dachte ich, heavy metal ist nicht mehr uptodate, spielt doch keine sau mehr, ist retro und passé.
ich weiß schon, metallica sind megaseller, aber die machen doch längst kein heavymetal mehr.
oder?
gibts noch richtig kerniges hm?
ich höre überall nur noch diese pop-symphonic-metal-soße

Re: wer wir sind
Verfasst: 08.11.2007, 13:18
von mög
Meine Lieblingsstrophe ist:
Sappho von Lesbos
Ist Synchronschwimmerin
(sie badet so gern)
(nicht nur in Gefühlen)
Das Josphine Baker Porno-Darstellerin ist finde ich schade. Vielleicht realistisch, aber schade.
Alle anderen Wiedergeburten finde ich nicht nur passend, sondern auch schön.
Ein Wort, das die Wirkung dieses Gedichtes auf mich ausdrückt: serenity.
Re: wer wir sind
Verfasst: 08.11.2007, 13:26
von Glaukos
merci mög!
serenity also ... das schmeichelt ja schon.
ich komme wohl langsam in die obere hälfte eines menschen leben ... *smile
josephine war ein wildes weib ... als ich las, dass sie am schluss auf der bühne bzw. nach dem auftritt gestorben ist (herzversagen?), da ... war ich schon sehr angetan.
(ich glaube, sie hatte sogar mal was mit frida kahlo ... na, es gibt diese und jene art porno: erniedrigende pornos und huldigende pornos. eine wie pamela anderson wird doch eigentlich stark behuldigt ... nicht erniedrigt ... für mich ist porno ein neutrales wort ...)
meine schwierigste strophe bzw. die, die ich am wenigsten gelungen finde, ist die mit james cook ... finde aber keine lösung dazu.
Re: wer wir sind
Verfasst: 08.11.2007, 13:36
von Glaukos
und der titel ist ziemlich ... äh ... scheiße ... oder?
Re: wer wir sind
Verfasst: 08.11.2007, 13:47
von mög
Ha, ich weiß jetzt ganz genau, was mir an der Josephine Baker Strophe nicht gefällt.
Es ist nämlich durchaus nicht das Wort "Porno".
In allen anderen Strophen erfahren wir in der Klammer etwas über die Person selbst. (Sogar Wolfgang Goethe Strophe - _er_ programmiert vor allem Nachts). Meistens erfahren wir sogar ein bisschen, wie es der Person mit dem neuem Leben geht, wie sie sich jetzt fühlt. Die Person steht im Vordergrund.
Bei der Josephine Baker Strophe erfahren wir aber nur etwas über die Fremdeinschätzung, die Außenwirkung. Ihre Subjektivität gerät in den Hintergrund. Sie wird dadurch - ich entschuldige mich im Vorhinein für die Phrase, aber sie trifft es einfach - "zum Objekt degradiert". Das Objekt empfindet nicht, das Objekt wird beurteilt.
Ich will dir hier wirklich nichts unterstellen, ich bin sicher, das war völlig unabsichtlich. Man muss bei diesen Sachen schon sehr sensibel sein.
Du darfst mir jetzt auch gerne feministische Überempfindlichkeit vorwerfen - ich werde diesen Vorwurf tragen wie ein Ehrenzeichen - aber ich bin ernsthaft überzeugt, dass es dein an sich sehr schönes Gedicht ungemein verbessern würde, wenn du das änderst.
Du musst einfach nur eine Aussage mit Josephine als Subjekt hinzufügen.
Etwa so:
Josephine Baker
Ist ein Pornostar mit gewaltigen Brüsten
(selbst du findest sie geil)
(sie dich aber nicht).
Re: wer wir sind
Verfasst: 08.11.2007, 13:55
von mög
Und den Titel finde ich übrigens großartig.
Was sagt uns das Gedicht: Ganz gewöhnliche Programmier, Porno-Darstellerinnen, Entwicklungshelfer usw. sind in Wahrheit all diese außergewöhnlichen Persönlichkeiten.
Folglich sind auch wir, die gewöhnlichen Leser, viel mehr als unsere alltägliche, banale Existenz vermuten lässt.
Überhaupt hebt das Gedicht diese ohnehin blöde Unterscheidung "gewöhnlich/außergewöhnlich"/"langweilig/glamoröus" wunderschön auf und genau durch diese Aufhebung entsteht auch diese herrliche, über den Dingen schwebende Leichtigkeit.
Re: wer wir sind
Verfasst: 08.11.2007, 14:26
von Glaukos
danke dir.
das mit josefine überdenke ich.
eine zeile zusätzlich kann nicht schaden. dein vorschlag ist sehr witzig ... würde zur schlusszeile passen.
ja, das objektsein - das spiegelt sich wieder. aber es ist auch eine leise kritik am "konsumenten". er findet sie geil, quasi als wolle er das gar nicht, aber müsse sie geil finden, weil ... es eben nicht anders geht.
öhem. das ist aber auch nur eine nachträgliche deutung meinerseits.
der entwicklungshelfer van gogh: das kommt übrigens daher, dass gogh zeitweise bei einem priester gearbeitet hat als betreuer von - schlagmichtot, bergarbeitern in einer bergarbeitersiedlung, wenn ichs recht memoriere.
er war also nicht immer maler.
(aber immer unglücklich; herzlich-innig unglücklich, wie ich finde)
tja, die welt ist schon komisch, die schamanen von früher sperrt man heute ins irrenhaus, und die irren von früher sind heute unsere präsidenten ... wenn übergewichtige frauen in mode sind, dann haben die es sehr leicht im leben. wann anders rennen sie rum und müssen sich immer entschuldigen ... für etwas, das zu großen teilen einfach nur in ihrer natur liegt.
eigentlich ist dieses gedicht für mich ein gedicht über moden.
was hältst du von der cook-strophe? streichen?
Re: wer wir sind
Verfasst: 08.11.2007, 21:56
von DerBaum
komisch das keiner was zur Adolf Hitler Zeile sagt, ich finde die ziemlich idiotisch, was soll der dort?
Re: wer wir sind
Verfasst: 08.11.2007, 22:24
von Glaukos
na dann sag doch mal, was dich stört
Re: wer wir sind
Verfasst: 09.11.2007, 01:29
von mög
Seltsam, Adolf habe ich eigentlich überlesen.
Aber geliebt haben denn vorher auch schon zu viele und jetzt stirbt er immerhin vor allen Augen an Drogen, das ist natürlich noch keine ausreichende Befriedigung meines Bedürfnisses nach poetic justice, aber wenigstens ein Ansatz.
Warum nicht?
Re: wer wir sind
Verfasst: 09.11.2007, 05:59
von DerBaum
Ich finde es halt seltsam, diesen Idioten einfach unter ein paar Künstlern zu nennen, das macht etwas beliebig das nicht beliebig sein darf, aber gut, nun steht er nunmal da, man muss keine große Diskussion darüber machen.