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Zeitspiegel
Verfasst: 15.11.2007, 23:13
von Prokrustres
Ein Schritt vorwärts
Zwei zurück
Du läufst im Kreis
Stillstand
Und doch dreht die Welt sich weiter
Viel zu schnell
Ist alles vorbei
Ist alles geschehen
Doch in Wahrheit bist du ganz am Anfang
Du gehst weiter, tanzt
Lachend und singend
Verspielst du dein Leben
Warum an Gestern denken?
Warum an Morgen denken?
Tanzend in die Dämmerung
Winkst du dir selbst noch einmal
In dem Spiegel deiner Seele
Und sagst leise schreiend
"Auf Wiedersehen?!"
Tut mir Leid, dass ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe. War in den letzten Wochen sehr beschäftigt und werds auch weiter sein, aber ab und an muss ich einfach mal reinschneien

Re: Zeitspiegel
Verfasst: 20.11.2007, 00:57
von mög
Hic transit gloria mundi, hm?
Immer diese Diesseits-Verschmähung.
Vanitas-Gedanke und so.
Hat ja beim letzten Gedicht auch schon wer angemerkt.
Bloß hatten wir das alles schon mal im Barock, und zwar viel schöner und besser. Und formvollendeter. (Ich kanns halt nicht lassen).
So bleibt das leider wieder mal nur ein Fall für die Kirchenzeitung.
(Ich mag übrigens Kreisbewegungen. Es sind ja nicht immer nur Teufelskreise.)
Re: Zeitspiegel
Verfasst: 20.11.2007, 19:30
von andres
Ein Gedicht für die Kirchenzeitung? ......toll, wirklich!.....
Kann man da beitreten?
Hab nähhmlich alles abgegrasert und nichts gefunden. Ich weiß, jetzt kommt gleich das "Lass das sein". Sorry, schon zuspät.
Noch was ernsthaftes zum Gedicht: Gefällt mir! Das lyrische Ich ist scheinbar an einen Wendepunkt gekommen. Desillusioniert schaut es zurück, durchhaut rückblickend und orientiert sich neu. Neu ist im Prinzip alt aber doch anders. Das ganze wird von einer schon fast tragischen Grundstimmung getragen, ein Hauch von trauriger Abschiedseuphorie liegt in der Luft.
Insgesamt sicher keine neue Thematik, auf mich wirkts aber.
mfg
andres
Re: Zeitspiegel
Verfasst: 20.11.2007, 20:22
von mög
Kann man da beitreten?
Der Kirche? Aber sicher, die freut sich.
Ich will Prokrustes jetzt nicht unbedingt unterstellen, dass er hier missionieren will, bitte nicht falsch verstehen.
Das war nur ein Tipp, wer sowas eventuell veröffentlichen würde.
Übrigens kann ich bei der Gelegenheit auch eingestehen, dass vermutlich so ziemlich alles schon mal besser und schöner und formvollendeter da war. Aber das Schöne an der von mir geschätzten Form von Kreisbewegungen ist ja, dass sie spiralförmig verlaufen. Man kehrt immer wieder zu bekannten Positionen zurück, aber man gibt den Sachen eine neuen Dreh. Der fehlt hier.
Re: Zeitspiegel
Verfasst: 20.11.2007, 20:26
von andres
Sag mal ehrlich: Willst du hier missionieren, Prokrustres?

Re: Zeitspiegel
Verfasst: 21.11.2007, 16:46
von Prokrustres
*gg* andres... meine mission liegt darin, meine willensfreiheit zu nutzen und auch andere dazu aufzufordern. also ja!
"Geschüttelt ach von unbekannten Fiebern,
Zitternd vor eisigen spitzen Frostpfeilen,
Von dir gejagt, Gedanke!
Unnennbarer! Verhüllter! Entsetzlicher!"
dürfte dir gefallen

und du dürftest wohl auch wieder einmal den sinn dahinter erkennen und wissen was ich damit sagen will.
ich bin mir sicher du kennst auch "Selma, das Schaf". hat mir heute sehr gefallen in der vorlesung; 3 rahmen, 1 geschichte, 3 verschiedene aussagen - ein kinderbuch.
zur tatsächlichen auseinandersetzung mit kirchlichen institutionen möchte ich nur sagen: ich habe gott und dem blinden glauben, oder man könnte auch sagen, der deontologischen ethik, abgeschworen. wenn es einen gott gibt, so wird er nicht meinen glauben sondern mein leben richten. wenn es ihn nicht gibt, muss ich sowieso nichts erwarten.
Re: Zeitspiegel
Verfasst: 21.11.2007, 16:59
von Prokrustres
kleiner nachtrag:
tut mir leid, dass ich vergessen habe mich zur vanitas-idee zu äußern.
ich verschmähe das diesseits, oder das hier und jetzt, keineswegs. ich lebe sehr wohl in der gegenwart und manchmal auch für den moment. es gibt lust- und leidvolle momente, und manchmal zahlt man für seine lust mit leid, manchmal zählt nicht das, was man tut, sondern warum man es tut, manchmal zählt auch gar nichts mehr. siehst du meine signatur? das leben ist nicht berechenbar.
Re: Zeitspiegel
Verfasst: 21.11.2007, 19:48
von mög
ich verschmähe das diesseits, oder das hier und jetzt, keineswegs. ich lebe sehr wohl in der gegenwart und manchmal auch für den moment.
Tja, das kommt halt in deinen Gedichten nicht zum Ausdruck.
Signatur gilt nicht.
Re: Zeitspiegel
Verfasst: 21.11.2007, 20:19
von Prokrustres
mag sein, aber warum sollte ich gedichte schreiben die irgendwas beweihräuchern/gutheißen oder einfaches glück ausdrücken? nur weil es spaß macht? dann kann ich kinderbücher schreiben oder comics. wenn ich nur glücklich sein will brauche ich keine poesie oder literatur. dazu reicht meine freundin und ein einfaches leben in dem ich meine bedürfnisse stillen kann. "lieber ein unglücklicher sokrates als ein glückliches schwein" hat mill gesagt. ich finde, das ist ein durchaus zutreffender satz.
wenn du durch meine gedichte nur eine seite meiner gedanken siehst, bzw. ich nur leichte depressionen ausdrücke kannst du ja gar nicht anders, als zu denken ich sei so. ich kann dir jedoch versichern dem ist nicht so. ich kann auch außerhalb meines kellers lachen. *g*
Re: Zeitspiegel
Verfasst: 21.11.2007, 20:26
von Jack Swallow
Na ja, wenn du lieber ein unglücklicher Sokrates wärst als ein glückliches Schwein, solltest du deinen Mitmenschen noch besser auf die Nerven gehen, oder?
Re: Zeitspiegel
Verfasst: 22.11.2007, 00:57
von mög
Ach, Prokrustes, mich interessiert ja eigentlich gar nicht so sehr, wie du privat so bist.
Könnte es vielleicht sein, dass die Alternative zu Dieseits-Verschmähung nicht zwangsläufig Happy-Peppy-Geschmalz sein muss? Könnte es sein, dass es da noch etwas anderes gibt? (Und nein, das muss keineswegs eine "goldene Mitte" sein, ein lauwarmer Kompromiss. Es gibt so viele Möglichkeiten.)
Im übrigen verneige ich mich vor jedem der einfaches Glück ausdrücken kann.
Re: Zeitspiegel
Verfasst: 23.11.2007, 01:29
von Prokrustres
nunja vllt. wäre es mal ein erstrebenswertes ziel einfaches glück in gedichtsform zu bringen, momentan mag ich jedoch lieber die ernsten gedichte, solche die in gewisser weise das auf und ab des lebens wiederspiegeln. denn irgendwo ist es doch immer ein ausgleich zwischen glück und unglück, eine balance die das leben selbst sich hält. wenn mann glück und unglück ausgleichen kann erhält man doch irgendwo einen nullpunkt. das ist etwas schwer auszudrücken, in reiner gefühlsform, und deshalb am besten momentbezogen dargelegt, jedoch nie allgemeingültig, sondern rein subjektiv.
Re: Zeitspiegel
Verfasst: 27.11.2007, 19:34
von mög
For the record:
Mein Einwand war keineswegs ein Plädoyer für Objektivität.
Re: Zeitspiegel
Verfasst: 27.11.2007, 20:52
von Jack Swallow
"Glück ist ein Entschluß"
(Rene Descartes)