Seite 1 von 1

some¹bla²me4³

Verfasst: 25.03.2008, 22:26
von Hugo Homunkulus
Mittelmaß

Dichtung: das ist Richtung,
keine Selbstgerechtung,
keine Sprachverrichtung.

Dichtung ist Gewichtung,
nicht eiskalte Schlächtung,
nicht lauwarme Schlichtung.

Dichtung: das ist Nichtung,
nicht Freispruch, noch Ächtung,
sondern Urteilsverzichtung.

Dichtung: das ist Schichtung,
Alltagsschrottverflechtung,
metaphorische Verpflichtung.

Sie ist Denkverdichtung
und nicht Wortverknechtung;
sie ist Sehnsucht und Suche nach Lichtung.

Re: some¹bla²me4³

Verfasst: 27.03.2008, 13:25
von KaRe
Hallo Hugo Homunkulus,

das Wort "Mittelmaß" bezieht sich nicht als BeWertung auf dein eigenes Gedicht, oder? Vielleicht ist es das auch - nein? Aber wie darf ich das verstehen? Wenn es darum ginge, beim Dichten das Mittelmaß, also eine Angemessenheit beim Einsatz der Mittel in Bezug auf die Wertigkeit der Textaussage zu finden... hast du dann dein Ziel erreicht?
Ich lese deinen Text wie einen Witz, eine Verballhornung des Dichters, der sich ernsthaft (oder in deinem Fall in gespielter Ernsthaftigkeit) mit Reimen, Wörtern, mit Sprache eben auseinandersetzen will und dabei große Gefühle hegt.
Die fünf Strophen sind in eine enge Form gepresst, eine Hymne an das gute deutsche "-ung" und die "Dichtung". Das riecht mir nach Veräppelung.
Demnach beziehe ich den Titel "Mittelmaß" als inhaltlichen Gegensatz zum darauffolgenden Text. Der Dichter will die Höhen der Dichtung erleben und betet schon allein das Wort "Dichtung" vier mal zu Anfang der Strophe, es folgen an jedem Versende das höchste wissenschaftlich/vergeistigte "-ung". Das ganze endet wie es kommen musste mit lang gezogenen Vokalen aus "Sehnsucht" und "Suche".
Also, ich würde das gerne mal gelesen hören, diese Hymne an den sehnsuchtsvoll reimenden Dichtungsdichter.
Und einzig und allein der Titel "Mittelmaß" weist letztendlich - nachdem ich das Gedicht gelesen habe - daraufhin, dass es wirklich eine Veräppelung ist.
Eine gelungene Posse, in meinen Augen.
Allerdings, wie würdest du schreiben, wenn du eine "echte" Hymne dichten würdest? Das fände ich jetzt anschließend an deinen Text spannend. Immerhin verraten die Zeilen doch, worum es dem Dichter geht (Richtung, Gewichtung, Nichtung - was das auch bedeuten mag, Schichtung, Denkverdichtung). Was wäre, wenn der Dichter sich nicht selbst veräppeln würde? Dann würde er nicht "Mittelmaß" dichten, oder?
Da sage ich: Hugo Humunkulus, steh zu deinem Namen, den du trägst, und ich meine nicht den, den du zum Jux angenommen hast ;-)

PS: Übrigens das Titelthema finde ich auch äußerst treffend und passend auch zu deinem Auftreten "someone blame to me for three" - wenn das dein Wunsch ist...

Re: some¹bla²me4³

Verfasst: 28.03.2008, 00:42
von Hugo Homunkulus
Bla means bla.