Hallo Vanessa,
also, was ich ganz cool an deinem Gedicht finde, ist, dass du die erste Zeile...
Verlassen zwischen vier Wänden, sitze ich hier und du dort.
... am Ende wiederholst und jeweils einen unterschiedlichen Reim folgen lässt. Einmal "Ort" und einmal "fort". Das hat was!
Ein kühler Wind zieht mich zu dir,
Ähm, hast du schon mal einen Wind gesehen, der zieht? Mhh, das scheint mir ein seltsames Lüftchen zu sein... dann eher ein Sog, ein Unterdruck oder sowas? "Wolken ziehen" mit dem Wind... aber Wind weht und treibt doch eher, oder? Das mit dem Ziehen funktioniert nur beim Segeln und Fliegen...
Ah, egal, ist vielleicht ein bisschen Erbsenzählerisch von mir!
Die Zeit, sie trängt uns auseinander...
Interessante Zeile! Schade, dass das nicht weiter erklärt oder beschrieben wird.
Kleiner Tipper: trängt => drängt
Ich weiß, ich weiß, wir sollen das mit der Rächtschraibung nicht so genau nehmen bei dir. Ich mach das nur, um dich zu ärgern. :-p
Jedoch die Sonne scheint in mir, im Herzen weiter fort, fort...
Warum schreibst du hier 2mal "fort"?
Mit dem Anfang des Gedichtes habe ich folgendes Problem:
Verlassen zwischen vier Wänden, sitze ich hier und du dort.
Dieses "sitze ich hier und du dort" habe ich anfangs so gelesen, als würden beide da gemeinsam sitzen. Also: "sitze ich hier" in einer Ecke "und du dort" in der anderen Ecke "zwischen vier Wänden". Ich glaube, du musst das Komma anders setzen:
Verlassen zwischen vier Wänden sitze ich hier, und du dort.
Ich weiß, du findest das bestimmt kleinlich, aber dieses kleine Komma macht einen großen Unterschied. Nächste Zeile:
Jedoch die Sonne scheint herein und zieht mich fort von diesem Ort.
Dass du hier bereits den Reim benutzt, der dein Gedicht nachher abschließt ("fort"), ist keine gute Idee. Reime sind einzigartige, vergängliche Geschöpfe - sie glimmen auf, leuchten kurz, verglühen nach kurzer Zeit und sind dann für immer verschwunden (innerhalb eines Gedichtes!). Daher muss man sie ganz vorsichtig und genau an der richtigen Stelle einsetzen. Die absichtliche Wiederholung ("dort" - "dort") ist klasse, diese eher zufällig wirkende Wiederholung ist weniger gut.
Jedoch die Sonne scheint herein und zieht mich fort ...
Ein kühler Wind zieht mich ...
Dieses doppelt-gemoppelte "zieht mich" - ist dir das aufgefallen? Ist das Absicht? Die warme Sonne... der kühle Wind... und beide ziehen dich... sind das die Sonnen- und Schattenseiten deines Liebsten?
Liebe Grüße,
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