Hallo [) i r k,
vielen Dank für deine detaillierte und erhellende Kritik.
[) i r k hat geschrieben:meine kritik ist da schon recht "erbsenzählerisch" und subjektiv gefärbt
Ach, subjektiv gefärbt ist meiner Meinung nach gerade im Bereich Lyrik jede Kritik mehr oder weniger, und als "erbsenzählerisch" empfinde ich deine Kritik ganz und gar nicht, vielmehr als differenziert. Gerade das gefällt mir sehr gut, denn ich erfahre damit sehr viel darüber, ob angedachte Wirkungen erzeugt werden oder nicht.
Gerade weil es sich hier um eine Textwerkstatt handelt, habe ich einen Text ins Forum gestellt, bei dem ich selbst nicht weiß, ob er funktionieren kann.
Genau wie dich stört auch mich etwas an dem Text. Deine Kritik bringt mir sehr viel, da ich mit ihr schon Ansätze geliefert bekomme, an welchen Stellen ich nacharbeiten sollte. Da ich mit der jetzigen Form unzufrieden bin, kann ich auch ruhig einige Erklärungen zum Verständnis liefern (, womit sich die jetzige Textform natürlich von selbst erledigt hat).
[) i r k hat geschrieben:diese strophe gefällt mir klanglich sehr gut, aber inhaltlich wirkt sie sehr "statisch" auf mich. hier gibt es mit "brechen" nur ein verb. die substantive dominieren und lassen das ganze etwas... (was ist das passende wort?)... träge(?), zäh(?) auf mich wirken... dagegen stelle ich mir ein rotlichtviertel recht lebendig und quirlig vor.
Es soll hier um eine Aufzählung gehen, darauf komme ich noch zurück. Ich muss noch überlegen, wie ich die sprachlich etwas auffrischen kann.
[) i r k hat geschrieben:inhaltlich ist mir die position des erzählers/LIs ein bisschen zu eindeutig. oder wiederum: statisch. den tenor von "rotrand", "biedere", "brechen", "schlunde", "verkohlter", "schlamm" empfinde ich persönlich als stark abwertend oder verurteilend. angesichts eines themas wie prostitution ist mir diese eindeutigkeit moralisch zu naheliegend.
Dieser Kritikpunkt ist für mich sehr wichtig, weil er bedeutet, dass mein Text nicht funktioniert. Es soll genau andersherum sein. Das LI soll, und offensichtlich ist das "für" in der ersten Strophe ein zu schwacher Marker, ein Fürsprecher sein und dabei die Abwertungen und Verurteilungen derjenigen aufgreifen, die es in der zweiten Strophe kritisiert; verkürzt und eindeutiger etwa so:
1. Strophe
für das angeblich so dreckige
für alles, was ihr sagt, das es sei
2. Strophe
seid nicht gerade ihr die, die es auflisten, die es von oben herab betrachten und aus der nähe?
seid nicht gerade ihr die, die sich daran nicht sattsehen können?
Daher auch der Ekel erst in der zweiten Strophe.
[) i r k hat geschrieben:dieses kurze hintereinander von "sage" und "rage" stört mich. es sieht aus wie ein reim (gelesen), aber es ist keiner (gesprochen). und auch der abschließende reim "zweier" - "galgengeier" verstört mich eher. warum schließt das gedicht mit einem reim? welchem sprachlichen zweck dient das?
ich kann es schwer festmachen, aber irgendwie fügen sich die worte in dieser letzten strophe für mich nicht zu einem ganzen zusammen. sie disharmonieren. aber vielleicht war ja gerade das deine absicht? schon einen gewissen klanglichen "ekel" zu erzeugen. kann das sein?
Es ist genau so, wie du es vermutest: Ich will mit Disharmonie sprachlichen Ekel erzeugen. Daher auch der falsche Reim, das Nicht-Wort ("punkt-punkt-ie") und der Reim in einem nicht reimenden Gedicht.
Hier muss ich sicherlich noch einmal sehr genau die Stilmittel hinsichtlich ihrer Tauglichkeit überprüfen.
Also nochmals vielen, vielen Dank. Deine Kritik ist eine, wie ich sie gerne habe. Ich werde sicherlich noch eine überarbeitete Textfassung ins Forum stellen, kann nur noch nicht sagen, wann das geschehen wird.
lg
hginsomnia