Hallo DerBaum,
ich habe mittlerweile einige Texte von dir gelesen und muss sagen, du verstehst es häufig, sehr stimmungsvolle lyrische Prosa zu entwerfen (mein absoluter Favorit bislang ist der Text: "eine fällt aus einem roman").
Auch diesmal gelingt es dir meiner Meinung nach, einen Text im Fluss zu erschaffen, zu dem ich auch gar nicht mehr als ein paar Anmerkungen schreiben möchte (, der Rest steht für sich):
DerBaum hat geschrieben:wir suchen doch alle das licht und die entfernung davon
wir suchen das gleichnis
wir bekennen
Sehr schön, diese Antiklimax der ersten drei Verse. Ich weiß, dass ich den Eingangsvers schon mal gehört hab, komme aber nicht drauf, von wem dieses Zitat stammt (- Google gibt auch nichts her, vielleicht kannst du mir helfen).
Dazu vielleicht noch ein Zitat von Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach:
Jeder Mensch hat ein Brett vor dem Kopf – es kommt nur auf die Entfernung an
Beim Folgenden bin ich mir nicht ganz sicher:
DerBaum hat geschrieben:oh
wir sind wirklich die besten
Ich glaube aber, es wäre besser, den Absatz komplett zu machen und den exponierten Stand der Interjektion aufzuheben. Der Absatz muss natürlich bleiben, um die Grenze von Wesens- zu Seinsbeschreibung, vom Antrieb zur Tätigkeit zu kennzeichnen.
DerBaum hat geschrieben:wir kraulen unsere hodensäcke
wenn wir welche haben
wir lassen unseren geschlechtsteilen freien lauf
Hier würde ich etwas kürzen, der zweite Vers gefällt mir nicht so gut. Alternativ dazu könnte man etweder schreiben, "wir kraulen unsere eier ...", oder (, was ich noch besser fände), "wir kraulen unsere geschlechtsteile / wir lassen ihnen freien lauf" (auch wenn mit beiden Vorschlägen die Konnotation "männlich und ohne Eier" verlorenginge).
DerBaum hat geschrieben:wehe es fällt einem ein dass nicht so zu sehen
dann setzen wir unser eilfertiges ego in das posting
Hier sehe ich den Textfluss ein wenig ins Stocken geraten und würde leicht kürzen, etwa: "fällt einem das anders ein / setzen wir unser eilfertiges ego ins posting"
Die letzen vier Verse finde ich wunderbar: Dieses Spiel mit der Nacht, dem vor sich selbst gewarnt werden, der Trockenheit, dem Austrinken der Warnungen ... und dann dieser Abschlussvers !
lg
hginsomnia