hundepfeife

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
hginsomnia
Klio
Beiträge: 590
Registriert: 03.09.2009, 05:04

hundepfeife

Beitragvon hginsomnia » 19.09.2009, 06:26

kurz vor cuxhaven
bekam er kaum noch luft
in berlin hatte er es geahnt
es beginnt mit einer hundepfeife

jetzt ist es hörbar

er war an einer tankstelle
gestanden um neun uhr
und hatte zigaretten gekauft
und hustenbonbons

wie er in die tasche blickte
sah er seinen einzigen stift
zerbrochen
und holte geld heraus

vor dem notfallschalter
hechelte er eine apothekerin
fragte ob sie ihm helfen könne
und er nickte
und sie meinte sie könne ihm nicht helfen
weil er kein rezept dabei habe
und dann gab sie ihm das medikament

er schlief ein im auto
wachte auf das medikament in seiner hand
und es war nicht besser

er fährt zum krankenhaus
fällt beim aufschlagen
der fahrertür hinaus
und einer fragt ob er ihm helfen könne
und er nickt

Perry
Melpomene
Beiträge: 711
Registriert: 26.02.2009, 21:48

Re: hundepfeife

Beitragvon Perry » 19.09.2009, 17:18

Hallo hginsomnia,
leider sehr viel Prosaisches und wenig Lyrisches.
Wobei ich das "Übertragene" im Bild der Hundepfeife zwar erahne, aber nicht genau benennen kann (vermutlich pfiff er aus dem letzten ...).
Auch das gut platzierte zweimalige Nicken gefällt mir, wobei das erste vermutlich bereits eptileptische Züge trägt, denn eigentlich wär die Apothekerin mit einer Geste dran gewesen.
Was gar nicht passt, ist das "hechelte er eine Apothekerin", da fehlt wohl ein "an."
Ich würde hier viel stärker verdichten und die Hundpfeife besser ausarbeiten.
LG
Perry

hginsomnia
Klio
Beiträge: 590
Registriert: 03.09.2009, 05:04

Re: hundepfeife

Beitragvon hginsomnia » 19.09.2009, 18:06

Es war vielleicht ein Fehler, den Text unter 'Gedichte' zu setzen und nicht unter 'Texte', weil man unter 'Texte' ja nicht sagen kann, dass ein Text nicht lyrisch ist, unter 'Gedichte' aber ... das schaut man sich an, dann sagt man, warum ist das lyrisch, dass sich einer Zigaretten kauft, müsste der nicht Feuerfalter kaufen und auch keine Hustenbonbons, das müssten EInhörner sein und sowieso ist alles viel zu deutlich, müsste alles undeutlicher sein. Da steht ja alles drin, so deutlich kann man ja nicht sein, dann diese Zeilensprünge sind schon ein Leid, ist doch alles prosaisch, viel zu wenig unterflächig.

riemsche
Apollon
Beiträge: 5001
Registriert: 02.11.2006, 21:38
Wohnort: Österreichs milder Westen

Re: hundepfeife

Beitragvon riemsche » 20.09.2009, 21:42

ja. verdichten wär das wunschprogramm, kriegt man aber nicht immer passend, außer man zahlt genug dafür oder machts selber :-)
nach dem /jetzt ist es hörbar/ ist m.E. noch viel mehr an lyr.storyentwicklung drin, auch wenns dabei in worten weniger wird.
zB.
an einer tankstelle
um neun uhr
zigaretten und husten
bonbons gekauft

bringt dich das auf ideen?
lGr

hginsomnia
Klio
Beiträge: 590
Registriert: 03.09.2009, 05:04

Re: hundepfeife

Beitragvon hginsomnia » 21.09.2009, 02:06

riemsche hat geschrieben:noch viel mehr an lyr.storyentwicklung drin


riemsche hat geschrieben:bringt dich das auf ideen?


durchaus,
durchaus für eigentlich den gesamten text,
durchaus deswegen mein kommentar nicht nur mit ;-) versehen
durchaus auch die frage darin

bis jetzt muss er für mich geschrieben gestanden sein & nicken & hinausfallen & da sein als reaktion außerhalb von assoziation

verdichtung ist der verdichtung ihr sein wunschprogramm :-)
durchaus eine paradoxie, gleichzeitig trenn- und untrennbar

lg
hginsomnia

DerBaum
Klio
Beiträge: 526
Registriert: 13.03.2007, 19:46

Re: hundepfeife

Beitragvon DerBaum » 21.09.2009, 14:16

Natürlich ist es ein Gedicht und dazu noch ein
feines,
alleine das Bild mit der Apothekerin ist klasse,
überhaupt dreht sich alles sondersam im Kreis,
allerdings
es ist keine Apothekerin
es ist eine Apothekenhelferin,
ich kenn die nämlich,
die ist Eintracht Frankfurt Fan,
das fehlt auch noch in dem Gedicht

[) i r k
O livro Admin
Beiträge: 2920
Registriert: 19.01.2002, 21:41
Wohnort: Düsseldorf

Re: hundepfeife

Beitragvon [) i r k » 21.09.2009, 19:32

Schließe mich dem Herrn Baum auch an. Ich mag das Gedicht. Wobei ich immer mehr eine Schwäche entwickle für Gedichte, die an der Oberfläche prosaisch wirken, während sich beim Lesen zwischen den Zeilen das Poetische entfaltet. Und dies macht das Gedicht ganz gut, finde ich. Da steht einiges zwischen den Zeilen.

Ich überlege gerade auf einer interpretativen Ebene, was der "arme Hund" für ein medizinisches, für ein psychosomatisches Problem hat?
es beginnt mit einer hundepfeife

jetzt ist es hörbar

Las sich für mich beim ersten Mal wie Tinnitus. Erst unhörbar, dann durch Stress oder starke nervliche Anspannung ein Nerven zerfaserndes Klingeln oder Piepen im Ohr.
vor dem notfallschalter einer apotheke
hechelte er eine apothekerin

Dieses doppelte "apotheke" und "apothererin" so kurz aufeinander find ich nicht so schön... und bei "hechelte" scheint noch irgendein Adverb zu fehlen: hinterher-hecheln, an-hecheln o.ä.

Vielleicht besser:

"vor dem notfallschalter
hechelte er eine apothekerin an"

?

Hecheln klingt nach Kurzatmigkeit. Vielleicht hat er einen Nervenzusammenbruch und atmet deshalb total verkrampft? Oder doch Asthma? Wobei auch an Asthmaanfall psychosomatisch sein kann.
fällt beim aufschlagen
der fahrertür hinaus

Schön, die Steigerung im Gedicht. Am Ende kann er anscheinend nicht einmal mehr laufen, noch sprechen... wie ein Hund auf "allen Vieren".

Minimal-Kritik: Ich finde aus der Hund-Analogie müsste sich (sprachlich) noch mehr herausholen lassen.

Gruß,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

hginsomnia
Klio
Beiträge: 590
Registriert: 03.09.2009, 05:04

Re: hundepfeife

Beitragvon hginsomnia » 22.09.2009, 00:10

Vielen Dank,

ich überlege gerade, dass die Apothekerin, die mir, soweit ich mich erinnere, erzählt hat, sie sei kein Fußballfan, ja fast schon ein Fußballgegner, mit der Helferin zusammenarbeiten könnte.
An Apothekennotfallschaltern herrscht ohnehin immer viel zu viel Betrieb. :-)

Da es jetzt schon zweimal vorkommt, sage ich es einmal: "Er spricht natürlich nie".
Es geht über drei Zeilen:

vor dem notfallschalter einer apotheke
hechelte er eine apothekerin
fragte ob sie ihm helfen könne

Natürlich kann das "an" zwischen den Zeilen stehen, aber es kann da nicht stehen.

Über das Problem der Doppelung muss ich noch nachdenken.

lg
hginsomnia

[) i r k
O livro Admin
Beiträge: 2920
Registriert: 19.01.2002, 21:41
Wohnort: Düsseldorf

Re: hundepfeife

Beitragvon [) i r k » 22.09.2009, 02:24

:damn:
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)


Zurück zu „Gedichte“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 19 Gäste