new haiku sessions
Verfasst: 28.06.2003, 02:41
Das Haiku (oder Haikai, wie es auch genannt wird) ist eine japanische Gedichtform. Es "ist die kürzeste aller lyrischen Formen, die in der Weltliteratur irgend zu Bedeutung gelangten" (Dietrich Krusche). Sein Reiz besteht für mich zum einen in seiner Formstrenge, in der vorgegebenen Beschränkung auf wenige Worte und Silben, zum anderen in der Prägnanz und Unmittelbarkeit, die dadurch entsteht. Wo der sprachliche Raum so klein ist und man gezwungen ist, sich kurz zu fassen, sich auf das Wesentliche zu beschränken, wird man das Gewicht und die Bedeutung, ja auch den Klang jedes einzelnen Wortes intensiver empfinden.
Ich lade Euch hiermit ein, gemeinsam mit mir diese "new haiku session" zu gestalten und Euch selbst einmal an dieser eigentümlichen Form zu versuchen. Hier sind die Spielregeln:
Ein Haiku umfasst siebzehn Silben – nicht mehr und nicht weniger. Dabei wird eine etwas längere Zeile mit sieben Silben von zwei Zeilen mit jeweils fünf Silben umschlossen:
eine katze streift
durch die beete und das laub,
das lockere laub
– – – – –
– – – – – – –
– – – – –
"Abgesehen von seiner Begrenzung auf siebzehn Silben, kennt das Haiku drei 'Regeln'. [...] Die Regeln lauten:
(1) Haiku soll, und sei's nur in einer Andeutung, einen Naturgegenstand erwähnen außerhalb der menschlichen Natur;
(2) es soll sich auf ein einmaliges Ereignis (eine einmalige Situation) beziehen;
(3) das Ereignis (die Situation) soll als gegenwärtig dargestellt und nicht als vergangen berichtet sein.
Die Regel 1 erfährt eine Spezifizierung durch die Auflage, daß mit dem Naturgegenstand zugleich eine bestimmte Jahreszeit gegeben oder wenigstens angedeutet sein solle. All diese Regeln zielen auf das gleiche: Das Haiku soll konkret sein.
Durch die Einbeziehung eines Dings außerhalb der menschlichen Innerlichkeit wird das Haiku anschaulich; die Festlegung auf ein bestimmtes Ereignis (eine bestimmte Situation) verhindert das Abschweifen ins Sentenzenhaft-Allgemeine; die Beschränkung auf die Gegenwart macht die Konfrontation mit den Dingen unmittelbar, scheidet die deutende Bewusstheit des Danach von vornherein aus." (Dietrisch Krusche)
Wer mehr über das Haiku erfahren möchte, dem möchte ich eine Auswahl von Dietrich Krusche ans Herz legen, der einige klassische Haiku von Bashō, Buson, Issa, Shiki und anderen zusammengestellt und mit einem kurzen, aufschlussreichen Essay zu Form, Kontext und Entstehungsgeschichte des Haiku versehen hat:
HAIKU. Japanische Gedichte.
München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2002
So jetzt aber genug der Vorrede!
Ich lade Euch hiermit ein, gemeinsam mit mir diese "new haiku session" zu gestalten und Euch selbst einmal an dieser eigentümlichen Form zu versuchen. Hier sind die Spielregeln:
Ein Haiku umfasst siebzehn Silben – nicht mehr und nicht weniger. Dabei wird eine etwas längere Zeile mit sieben Silben von zwei Zeilen mit jeweils fünf Silben umschlossen:
eine katze streift
durch die beete und das laub,
das lockere laub
– – – – –
– – – – – – –
– – – – –
"Abgesehen von seiner Begrenzung auf siebzehn Silben, kennt das Haiku drei 'Regeln'. [...] Die Regeln lauten:
(1) Haiku soll, und sei's nur in einer Andeutung, einen Naturgegenstand erwähnen außerhalb der menschlichen Natur;
(2) es soll sich auf ein einmaliges Ereignis (eine einmalige Situation) beziehen;
(3) das Ereignis (die Situation) soll als gegenwärtig dargestellt und nicht als vergangen berichtet sein.
Die Regel 1 erfährt eine Spezifizierung durch die Auflage, daß mit dem Naturgegenstand zugleich eine bestimmte Jahreszeit gegeben oder wenigstens angedeutet sein solle. All diese Regeln zielen auf das gleiche: Das Haiku soll konkret sein.
Durch die Einbeziehung eines Dings außerhalb der menschlichen Innerlichkeit wird das Haiku anschaulich; die Festlegung auf ein bestimmtes Ereignis (eine bestimmte Situation) verhindert das Abschweifen ins Sentenzenhaft-Allgemeine; die Beschränkung auf die Gegenwart macht die Konfrontation mit den Dingen unmittelbar, scheidet die deutende Bewusstheit des Danach von vornherein aus." (Dietrisch Krusche)
Wer mehr über das Haiku erfahren möchte, dem möchte ich eine Auswahl von Dietrich Krusche ans Herz legen, der einige klassische Haiku von Bashō, Buson, Issa, Shiki und anderen zusammengestellt und mit einem kurzen, aufschlussreichen Essay zu Form, Kontext und Entstehungsgeschichte des Haiku versehen hat:
HAIKU. Japanische Gedichte.
München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2002
So jetzt aber genug der Vorrede!