Hallo näherungsweise,
zunächst finde ich es schön, einen Text zu lesen, bei dem ich eine tiefere Komposition als die der 1. Ordnung erkennen kann. Ich mache das unter anderem daran fest, dass ich bei der Stelle, an der ich eigentlich ins Stolpern hätte kommen müssen, nämlich dem "was das", nicht ins Stolpern kam (, was sicherlich an der phonetischen Nähe zu war's das liegt).
Hinsichtlich der Referenzobjekte bin ich etwas unsicher. Anders als Perry sehe ich die Planeten nicht wörtlich, sondern sprichwörtlich. Ich versuche mal eine Deutung der Strophen vorzunehmen:
1. Strophe:
Eine Ideologie seht über meinem Handeln oder zumindest wird mein Handeln von einer oder mehreren Ideologien beeinflusst. Das, was mir erscheint, sind Ableitungen daraus.
2. Strophe:
Ich stehe auf schwankendem Boden, lebe auf Messers Schneide, was gleichzeitig mein Dasein determiniert.
3. Strophe:
Meine Gedanken und Gefühle entwickeln sich aus dem indifferenten Wechselspiel mit Beobachtetem.
4. Strophe:
Meine Veränderungen setzen nichts außer Kraft oder Alles geht seinen Lauf. Das Einflussgebiet ist nicht vorhanden.
5. Strophe:
Ich werde gelenkt, von denen, die ich nicht sehen kann, von einer geheimen Macht, die ich nur erahne.
6. Strophe:
Meine Ziele verschwimmen im Fluss der Störungen. Die Ablenkung lässt den Blick für's Essentielle vernebeln.
Die letzte Strophe ist meines Erachtens etwas unglücklich, weil sie die vorher genannten Referenzobjekte 'planeten in der bahn', 'schatten kabinett' und 'weißes rauschen' in ihrer Existenz negiert und auch stilistisch ausbricht. Mir gefiele hier ein Vierzeiler besser, etwa wie folgt:
"um mich herum
und in mir drin
ist das was
was ist das"
Den 3. Vers habe ich aus Kongruenzgründen umgestellt. Er könnte jetzt auch als Frage gelesen werden, was ihm zusätzliche Deutungsmöglichkeiten verleiht. Die ursprüngliche Deutung bleibt aber auch erhalten.
Ich kann mir den Text übrigens sehr gut laut vorgelesen vorstellen.
lg
hginsomnia