Juten Morgen Perry,
ich gestatte mir selbst mal einen Ausblick über deinen Text hinaus, baue mir eine hermeneutische Brücke, deren Pfeiler dieser Text darstellen soll. Ich bitte, zu bedenken: Es ist früh

. Vielleicht gelingt es mir ja trotzdem.
Einige deiner Texte schildern eine Tradition, ein kulturelles Wissen / Erbe, das sie dann in die Neuzeit oder besser in das postmoderne Individuum brechen; so auch hier. Ich habe erstmal nichts dagegen. Mein Problem ist ein anderes: Vielfach gehen so Texte nicht über das Muster Nacherzählung vs. Pointe hinaus. Ich versuche, das mal hier am Text zu erläutern.
Perry hat geschrieben:Wenn es still wird, nur noch
dein Gaumensegel flattert,
kriechen sie aus Ecken, Schränken,
zerren dich aus deinem Körper,
veranstalten ein Kesseltreiben.
Ja, das tun sie so, die Mahre: Sie zerren Leute aus Körpern, aus Ecken kriechen sie, wenn sie nicht gar der Mythologie nach auf Todesrössern geritten kommen.
In der Neuzeit kriechen sie von mir aus auch aus Schränken, besonders in Kinderzimmern (was im Übrigen für ein sehr boshaftes LI stünde). Aber das ist alles ein Zitat. Natürlich zitierst du nicht direkt, aber die nimmst einfach mit, was die Mythologie, scheinbar, aber da kann ich mich irren, besonders die nordische Mythologie so liefert. Du zitierst das Gewusste. Problem dabei: Das ist nicht von dir, was für den Text hier bedeutet, dass er nicht von dir ist, nichts neues liefert, keinen Input für verzweigte Gedanken.
Na okay, ein paar Kleinigkeiten nimmst du doch aus dir, so scheint mir. So tanzen die Mahre. Warum das so ist, ist mir nicht klar. Bis auf die naheliegende Verzweigung zu den zweiten sagenhaften Blutsaugern (Tanz der Vampire) reimt sich hier nichts zusammen.
Tja, und jetzt veranstalte ich mal ein Kesseltreiben mit dem Vers "veranstalten ein Kesseltreiben". Warum tun die das und vor allem, wen grenzen sie ein, den Körper oder die Seele? Was ist da los? Die reißen doch eh die Seele hinaus oder ganz einfach: Für ein Kesseltreiben benötigt es ein Objekt, seiend, sonst steht da nur so etwas wie: "Ich veranstalte ein Kesseltreiben." Schön, Kessel buntes, Kessel kessel, Kasselkessel, Krautkessel ...
So, jetzt gehts in die Pointe:
Perry hat geschrieben:Geblendet von grünem Licht,
fällst du zurück ins Bodenlose.
Der Radiowecker zeigt drei Uhr.
Du glaubst schon lange nicht mehr
an die Wirkung von Eisenkraut.
Na gut, war ja eh klar, dass es ein Traum war, Mahre halt. Warum das LD ins Bodenlose fällt, ist mir nicht klar, aber vielleicht wird das ja auch vom LI bestimmt, quasi als Vereinnahmung oder Befehl: "Man fällt ..." oder "Falle ...". Das Bodenhafte ist doch gerade das, was nach dem Traum kommt. Die Pointe ist das noch nicht, ebensowenig wie der Radiowecker, übrigens ein Horrorradiowecker, der mit seinem bösen, grünen Licht blenden kann. Jetzt steht er da und zeigt drei Uhr. Mehr kann er auch nicht machen. Und dann kommt sie, die Pointe. Hmm, ich glaube, das sollte sie sein. Ich habe sie verpasst. Das LD glaubt an eine Wirkung nicht, die eh nicht festgestellt wurde. Eisenkraut. Eisenkraut!
Eisenkraut?
Warum?
Ich sehe weder den mythologischen noch den pharmazeutischen Zusammenhang. Vielleicht habe ich etwas verpasst, aber dieser Pointe gehört auf jeden Fall auch eine verpasst. Das ist meines Erachtens noch nicht mal so "ha, ha, ha, er kann nicht schlafen" oder "ach so, er schlief". Das ist Achselzucken aus Unverständnis. Die Pointe ist nicht verwebt. Das LD könnte auch nicht mehr an die Wirkung von Alkohol glauben oder blubbblubb.
Wie gesagt, solche Probleme fehlgeleiteter Pointen und unkreativer Nacherzählung sehe ich in einigen deiner Texte. Vielleicht irre ich mich. Es ist früh

.
lg
hginsomnia