Schreie
machen sich breit
in seinen Adern
einen Ausweg
suchend
Strömend
umwinden ihn
Massen, unförmig
aus Menschen
Der Schrei
sein Protest
gegen ihren Alltag
bleibt stecken
in ihm
Zurück
bleibt er
und gleicht sich an
das ist sie
unsere Medizin
unser Gift
für die Welt
Der angepasste Schrei
-
hginsomnia
- Klio
- Beiträge: 590
- Registriert: 03.09.2009, 05:04
Re: Der angepasste Schrei
Guten Abend,
nur eine kleine Einschätzung meinerseits:
Mir behagt an diesem Gedicht nicht, dass es mir zu eindimensional und eindeutig scheint, so in die Richtung: "Ja, unsere Gesellschaft fordert und fördert den Opportunismus, dem man sich nicht entziehen kann."
Natürlich ist da was dran, aber das klingt für mich zu sehr nach reaktionärem Jammern (nur zu Verdeutlichung: Ich beziehe mich immer nur auf den Text. Es gab da schon Missverständnisse.)
Außerdem bricht die 1. Strophe aus dem Zusammenhang. Es ist irgendwie, als gehörte diese erste Strophe in ein anderes Gedicht, weil ihr (inkonkreter) Schrei sich in Strophe 3 (konkret) wiederfindet, ohne aber im Vorhinein zwingend notwendig zu sein.
Sprachlich auch ein paar Anmerkungen:
Das holpert mir syntaktisch (wie der gesamte Text) doch sehr.
Mir läuft auch häufig die Begriffskombination "unförmige Masse" über den Weg. Da frage ich mich: "Warum?"
Eine Menschenmasse ist ja gerade formhaft; viele Gesichter, viele Ellenbogen ... - eine klebrige Masse ist unförmig; viel Klebstoff u.s.w. - eine kritische Masse ist theoretisch; in der Physik, der Soziologie et cetera.
Auch kann ich mir nur eine Masse aus Menschen vorstellen, die dem lyr. Er begegnet, es umringt. Das ist ja gerade der Sinn des Begriffs 'Masse', seine Einzelteile im Ganzen benennbar zu machen. Der massive Massenplural müsste mir erst nach erklärt werden.
"Das ist sie" - Was ist sie?
Ich weiß, dass die Angleichung, der Opportunismus hier als Subjekt gemeint ist, aber das ist doch arg umständlich und nicht eingängig formuliert. Warum nicht einfach etwas wie:
"und gleicht sich an / nimmt unsere Medizin ..."
Soweit erstmal.
lg
hginsomnia
nur eine kleine Einschätzung meinerseits:
Mir behagt an diesem Gedicht nicht, dass es mir zu eindimensional und eindeutig scheint, so in die Richtung: "Ja, unsere Gesellschaft fordert und fördert den Opportunismus, dem man sich nicht entziehen kann."
Natürlich ist da was dran, aber das klingt für mich zu sehr nach reaktionärem Jammern (nur zu Verdeutlichung: Ich beziehe mich immer nur auf den Text. Es gab da schon Missverständnisse.)
Außerdem bricht die 1. Strophe aus dem Zusammenhang. Es ist irgendwie, als gehörte diese erste Strophe in ein anderes Gedicht, weil ihr (inkonkreter) Schrei sich in Strophe 3 (konkret) wiederfindet, ohne aber im Vorhinein zwingend notwendig zu sein.
Sprachlich auch ein paar Anmerkungen:
SchwarzeTinte hat geschrieben:Strömend
umwinden ihn
Massen, unförmig
aus Menschen
Das holpert mir syntaktisch (wie der gesamte Text) doch sehr.
Mir läuft auch häufig die Begriffskombination "unförmige Masse" über den Weg. Da frage ich mich: "Warum?"
Eine Menschenmasse ist ja gerade formhaft; viele Gesichter, viele Ellenbogen ... - eine klebrige Masse ist unförmig; viel Klebstoff u.s.w. - eine kritische Masse ist theoretisch; in der Physik, der Soziologie et cetera.
Auch kann ich mir nur eine Masse aus Menschen vorstellen, die dem lyr. Er begegnet, es umringt. Das ist ja gerade der Sinn des Begriffs 'Masse', seine Einzelteile im Ganzen benennbar zu machen. Der massive Massenplural müsste mir erst nach erklärt werden.
SchwarzeTinte hat geschrieben:Zurück
bleibt er
und gleicht sich an
das ist sie
unsere Medizin
unser Gift
für die Welt
"Das ist sie" - Was ist sie?
Ich weiß, dass die Angleichung, der Opportunismus hier als Subjekt gemeint ist, aber das ist doch arg umständlich und nicht eingängig formuliert. Warum nicht einfach etwas wie:
"und gleicht sich an / nimmt unsere Medizin ..."
Soweit erstmal.
lg
hginsomnia
Re: Der angepasste Schrei
Hallo Schwarze Tinte,
ich denke auch, dass aus dem Thema vorallem bildlich mehr herauszuholen ist.
"Schreie", ich würde bei der Einzahl bleiben, "machen sich breit / in den Adern / einen Ausweg suchend"
Der Schrei könnte ein Adrenalinstoß sein, aber einen Ausweg aus den Adern wird er wohl nicht finden, außer das LI verletzt sich selbst.
Ich denke, das Bild ist etwas zu kompliziert, um einen fließenden Einstieg in den Text zu ermöglichen.
Vorschlag:
Der Schrei
breitet sich aus,
sucht nach Gehör
in der Masse.
LG
Perry
ich denke auch, dass aus dem Thema vorallem bildlich mehr herauszuholen ist.
"Schreie", ich würde bei der Einzahl bleiben, "machen sich breit / in den Adern / einen Ausweg suchend"
Der Schrei könnte ein Adrenalinstoß sein, aber einen Ausweg aus den Adern wird er wohl nicht finden, außer das LI verletzt sich selbst.
Ich denke, das Bild ist etwas zu kompliziert, um einen fließenden Einstieg in den Text zu ermöglichen.
Vorschlag:
Der Schrei
breitet sich aus,
sucht nach Gehör
in der Masse.
LG
Perry
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