nussschale

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
hginsomnia
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nussschale

Beitragvon hginsomnia » 30.11.2009, 16:57

nussschale

am entsommerten
tag müde
verzerrte halb
gare nuss

kopfgedreht schal
entfernt von mir
rauscht entlang
die dumme

1. Fassung

nussschale

am entsommerten
tag müde
verzerrte halb
gare nuss

kopfgedreht schal
entfernt von mir
die dumme
fließt entlang

[) i r k
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Re: nussschale

Beitragvon [) i r k » 30.11.2009, 20:54

Ist das die sprichwörtliche "hohle Nuss"?

Kann die Nuss entlang fließen? Ist das nicht eher ein vorbei schwimmen?

"an entsommerten / tag" ist eine schöne Wendung, gefällt mir spontan. Da habe ich sofort einen Spätsommer und eine gewisse Überdrüßigkeit vor Augen.

Grüße,
[).
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

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Re: nussschale

Beitragvon Poeta » 30.11.2009, 21:37

Die Dumme dürfte ein Fluss sein (Lüchow-Dannenberg oder so). Aber sonst steige ich noch nicht ganz durch.
'Entsommerter Tag' gefällt mir, obwohl es ein bisschen nach 'entjungfert' klingt (obwohl das ja vielleicht auch nichts macht).

Liebe Grüße
Helmut

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Re: nussschale

Beitragvon hginsomnia » 01.12.2009, 06:14

Morgen zusammen,

ich hoffe, es ist beides (Fluss und hohle Nuss) zu erkennen und noch ein wenig mehr.

Ich habe mal die letzten beiden Zeilen verdreht. Ist glaub' ich deutlicher, gefällt mir auch besser :-) .

Ja und dann war ich auch eine dumme Nuss: 'Fließen' geht natürlich nicht, wenn ich beides will, 'schwimmen' dann aber auch nicht - hmm, semantisches Problem, Hilfe :-)) .

Ich hab' mir mal mit 'stürmen' ausgeholfen, wegen z.B. jemand stürmt in einen Laden u.s.w. ;-)

Ja, gefällt mir ganz gut soweit, aber ich habe keine Ahnung, ob das so stehen bleibt.
Weitere Vorschläge?
Jederzeit willkommen!

:-)

lg
hginsomnia

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Re: nussschale

Beitragvon Perry » 01.12.2009, 22:22

Hallo higinsomnia,
ein etwas vertracktes Ding, da die Nussschale ja irgendwie etwas mit schwimmen zu tun haben könnte. Warum die Nuss aber "halbgegart" verze(h/r)rt wird, verstehe ich nicht. Ein anderer Ansatz wäre vielleicht das Ganze als Metapher für einen zulange in der Sonne gegarten Kopf zu betrachten, dann bekommt auch die "dumme (Nuss)" zu ihrem Recht.
Vorschlag:

nussschale

am entsommerten
tag müde
verzerrt die halb
gare nuss

kopfgedreht
entfernt von mir
stürmt entlang
die dumme

LG
Perry

hginsomnia
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Re: nussschale

Beitragvon hginsomnia » 02.12.2009, 08:27

Morgen Perry,

Danke für deinen Vorschlag, aber ich wollte auf etwas anderes hinaus.

Perry hat geschrieben:Warum die Nuss aber "halbgegart" verze(h/r)rt wird, verstehe ich nicht.


Die Nuss wird ja nicht verzerrt, sondern sie wirkt aus der Entfernung verzerrt auf das LI. Ich weiß nicht, ob ich das 'halbgare' der Dialektik zuschreiben muss, aber ich kenne es z.B. auch als Beschreibung für ein junges, naives Wesen oder, um eine andere idiomatische Wendung zu benutzen, für jemanden, der noch grün hinter den Ohren ist ;-) .
Natürlich kann ich nicht behaupten, die phonetische Nähe zu 'verzehrt' sei nicht beabsichtigt gewesen ;-) , dann aber, so hoffe ich, erkennbar gemacht zu haben, im Sinne von sich verzehren oder jemanden verzehren, mit Haut und Haaren, der einem nicht gut bekommt.

lg
hginsomnia

[) i r k
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Re: nussschale

Beitragvon [) i r k » 06.12.2009, 18:58

Hallo hginsomnia,
Ja und dann war ich auch eine dumme Nuss: 'Fließen' geht natürlich nicht, wenn ich beides will, 'schwimmen' dann aber auch nicht - hmm, semantisches Problem, Hilfe :-)) .

Ich hab' mir mal mit 'stürmen' ausgeholfen, wegen z.B. jemand stürmt in einen Laden u.s.w. ;-)

Hmm, "stürmen" finde ich jetzt wieder zu deutlich bzw. damit geht dir die zweite Bedeutungsebene ("Fluss") verloren...

... wie wäre es mit:
kopfgedreht
entfernt von mir
rauscht entlang
die dumme

Mit dem Rauschen hättest du zum einen das gefasst, was du eigentlich sagen wolltest:
Ich hab' mir mal mit 'stürmen' ausgeholfen, wegen z.B. jemand stürmt in einen Laden u.s.w. ;-)

Also Rauschen im Sinne von "Geräusch".

Zum zweiten hast du die Metapher mit dem Fluss wieder mit drin:
ich hoffe, es ist beides (Fluss und hohle Nuss) zu erkennen

Zum dritten bekommst du durch den "Rausch" noch eine dritte Bedeutungsdimension hinein. Und "Rausch" finde ich persönlich sehr passend. Ich habe mir kürzlich "Die Leiden des jungen Werther" als Bühneninszenierung angeschaut - und das war ein Rauschzustand, den ich dort präsentiert bekam. Mit dem notwendigen Absturz, der darauf folgte. Obwohl, das muss ich noch ergänzen, Werther nun alles andere als eine hohle Nuss ist.

MfG,
[) i r k
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Re: nussschale

Beitragvon hginsomnia » 07.12.2009, 04:29

Hallo [) i r k,

[) i r k hat geschrieben:Hmm, "stürmen" finde ich jetzt wieder zu deutlich bzw. damit geht dir die zweite Bedeutungsebene ("Fluss") verloren...


Das mit die Bedeutungsebene 'Fluss' verlorengeht, sehe ich nicht ganz so. Es heißt ja auch z.B., die Oder stürmt entlang, also fließt sehr schnell.

Aber:

Ich finde 'rauschen' auch besser.

[) i r k hat geschrieben:Zum dritten bekommst du durch den "Rausch" noch eine dritte Bedeutungsdimension hinein. Und "Rausch" finde ich persönlich sehr passend. Ich habe mir kürzlich "Die Leiden des jungen Werther" als Bühneninszenierung angeschaut - und das war ein Rauschzustand, den ich dort präsentiert bekam.


Genau wegen dieser dritten Bedeutungsdimension, die, wie ich finde, hier sehr schön sich einfügt. Aber auch insgesamt ist 'rauschen' eher das Wort, was mir wohl nicht eingefallen ist.

[) i r k hat geschrieben:Obwohl, das muss ich noch ergänzen, Werther nun alles andere als eine hohle Nuss ist.


Ja, der junge Schreiberling, also Werther jetzt ;-) ... seine Leiden lese ich jedesmal besser, weil ich sie mir, wie ja viele, zunächst in der Schule und deshalb fast zwangsläufig außerhalb meines Herzens einverleiben musste. :-)

lg
hginsomnia

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Re: nussschale

Beitragvon [) i r k » 12.12.2009, 14:24

:-)

Ja, der junge Schreiberling, also Werther jetzt ;-) ... seine Leiden lese ich jedesmal besser, weil ich sie mir, wie ja viele, zunächst in der Schule und deshalb fast zwangsläufig außerhalb meines Herzens einverleiben musste. :-)


Wie wahr. Im Kern war das die Gründungsursache für O livro - ursprünglich ja mal als Lesekreis geplant. Als ich die Schule verließ, hatte ich direkt eine Antipathie gegen Goethe. "Die Leiden des jungen Werther" waren dann der Bruch dieser Konditionierung (musste ich Q sei dank in der Schule nicht lesen).

Und inzwischen wird Jowovogo in jedem Jahr interessanter für mich. Ich war dieses Jahr auch erstmals in Weimar und hab mir das Haus am Frauenplan angesehen, hab erstmals den "Faust" gelesen, hab mich mit den Briefen zwischen Goethe und Schiller beschäftigt, diese doch recht unterschiedlichen Freunde und vor kurzem war ich bei einer Lesung von Rüdiger Safranski, der sich in seinem neuen Buch auch mit der Freundschaft zwischen den beiden beschäftigt. Macht er mit viel Tiefe und dennoch anekdotenhaft leichtfüßig. Ich würde aber generell empfehlen, lieber die Briefe zu lesen, die auch im Buch von Safranski die eigentlichen Highlights darstellen.

MfG,
[) i r k
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Re: nussschale

Beitragvon riemsche » 12.12.2009, 18:44

die legende liest sich spannender ;-) aber das kennen wir ja, gell riemsche(:->))
nein im ernst, ich beschäftige mich öfter mit deinen beiträgen, wie ich antworte
und ich kann mich noch gut an das erste mal hier erinnern wo ich mir in der 2/3
verzog sich
wünschte, nun nach deiner änderung schon weniger fest
lGr

hginsomnia
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Re: nussschale

Beitragvon hginsomnia » 13.12.2009, 21:22

editiert :-)

lg
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Re: nussschale

Beitragvon [) i r k » 14.12.2009, 19:04

Kannst du die erste Version, die du hier eingestellt hast, noch mal posten? So zum Vergleich. Fände ich spannend.
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Re: nussschale

Beitragvon hginsomnia » 15.12.2009, 23:17

Ja, okay, ich mach das mal, auch wenn ich mich vom Original ja schon verabschiedet habe :-)) .


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