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einfache wunder

Verfasst: 08.12.2009, 21:34
von DerBaum
tarzan hat mir gesagt
man braucht nicht springen
wenn man nicht springen will

meine mutter sagte mir
tarzan habe eine warze
auf der linken backe

ich sagte
wenn tarzan eine warze
auf der linken backe hat
brauche ich doch nicht springen
oder

mein großvater nahm das
oder
und machte eine laune daraus

du musst auf deinen schatten achten
sagte tarzan
wenn dein schatten dir sagt
dass du springen sollst
dann spring

ich sagte
zu meiner mutter
wenn tarzans schatten
hinter ihm her ist
werde ich ihm helfen

meine mutter sagte
wenn tarzan hilfe braucht
wird er deinen namen
auf blaues papier schreiben
es wird dauern bis du es lesen kannst
aber wenn du es gelesen hast
wirst du verstehen
dass man nicht springen muss

Re: einfache wunder

Verfasst: 09.12.2009, 20:36
von [) i r k
Nichts ist sinnlos. Ich weiß zwar nicht genau, was du mir damit sagen willst, aber das Gedicht gefällt mir schon mal. :-)

Re: einfache wunder

Verfasst: 10.12.2009, 00:02
von DerBaum
Alles ist sinnlos Herr Dirk
sonst würde man gar nicht überleben

Re: einfache wunder

Verfasst: 10.12.2009, 00:15
von [) i r k
Den muss ich mir merken, Herr Hut!

Re: einfache wunder

Verfasst: 10.12.2009, 00:17
von DerBaum
[) i r k hat geschrieben:Den muss ich mir merken, Herr Hut!



merken ist auch sinnlos :-D

Re: einfache wunder

Verfasst: 10.12.2009, 00:23
von [) i r k
Sinnlos ist sinnlos. :-p

Re: einfache wunder

Verfasst: 10.12.2009, 05:57
von hginsomnia
oder
man macht's wie die kinder
die geben allem einen namen
die nennen ihren schatten knut
mit vornamen mit nachnamen
vielleicht
irgendwas mit p
die vergessen knut
manchmal
wenn sie über pfützen springen
und rufen ihm dann zu
nur mut knut
als wäre er ein hund
oder etwas anderes


Mir gefällt dein Text sehr gut. Wunderbar, wie du das Sprichwort aus den Wörtern holst, in die Personen trägst, dann ausgießt auf Papier, um es wieder wörtlich werden zu lassen, es zurückholst und zur Entscheidungsfrage machst.

Dazu kommen dann zauberhafte Sätze wie:

DerBaum hat geschrieben:mein großvater nahm das
oder
und machte eine laune daraus


Ich weiß noch nicht, ob ich das 'und' streichen würde, ist ja eine Abwägung zwischen narrativer Geschwindigkeit und Disambiguität.

Soweit mein Eindruck. Es gibt in diesem Text was zu entdecken, also werde ich ihn sicherlich noch mehrere Male gerne lesen.
Das ist ein ganz eigenständiger Beitrag zur Textkritik und natürlich noch viel viel mehr.

lg
hginsomnia

Re: einfache wunder

Verfasst: 10.12.2009, 20:31
von [) i r k
hginsomnia hat geschrieben:Das ist ein ganz eigenständiger Beitrag zur Textkritik und natürlich noch viel viel mehr.

Kann mir jemand mal einen Schubs geben? Ich verstehe den Text nicht.

Re: einfache wunder

Verfasst: 12.12.2009, 08:20
von hginsomnia
[) i r k hat geschrieben:Kann mir jemand mal einen Schubs geben? Ich verstehe den Text nicht.


Oh, ich weiß nicht, ob ich das jetzt machen sollte,
als hätte ich den ganzen Text entschlüsselt,
was ich nicht habe, und dann,
das habe ich gelernt,
gibt es auch noch diese Befindlichkeiten der Autoren
und ich hoffe, hier keine zu verletzen,
nein,
ich hoffe sogar, ich könnte hier
gar keine verletzen.

Ich will mich nicht zum Deutungsbevollmächtigten machen, auch noch vor dem Autor ;-) .

Vielleicht soviel:

Der Titel scheint mir nicht ganz zufällig gewählt, könnte sogar mit einem von deinen Kommentaren zusammenhängen ;-), aber ich glaube, ich erzähle dir hier nichts neues. Jedenfalls habe ich das Gedicht auch als Beitrag zur Textkritik gelesen.

Im Zentrum steht das Sprichwort (halt der eigene Schatten und das Springen).
Was aber tun, wenn der Schatten bleibt?
Da ist der Versuch, jemandem zu helfen, diesen Schatten loszuwerden.
Der Wunsch nach Hilfe besteht nicht in dem eigentlichen Wunsch, sondern im Text, der einen anfleht (beim Namen), zu helfen. Daher, so scheint mir, ist auch der Name Text.
Hat man verstanden, hat man geholfen, heißt das immer noch nicht, die Entscheidung, zu springen, jemandem abgenommen zu haben.
Ich könne jetzt noch ein paar Dinge interpretieren, (der satirische oder entscheidungsunfreudige Großvater [bin da noch unentschlossen] oder Tarzan als Mängelexemplar,) aber, wie gesagt, das ist nicht der Weisheit letzter Schluss, und das Gedicht weckt ja auch gerade den Entdeckergeist.

ich habe übrigens eine dieser befindlichkeiten
im supermarkt getroffen sie kaufte
tomaten
wir haben uns übers wetter nicht
einigen können

lg
hginsomnia

Re: einfache wunder

Verfasst: 12.12.2009, 13:23
von riemsche
phasenweise weniger tarzan und mehr like luckyLuke und -finde ich- für männchen
was meinte da wohl sweetLadyJane dazu? werde schneller wie dein schatten? (:->)) dreh dich um?
ich habe mich mittlerweile als leser damit arrangiert, dass dir in deiner art von wortung ge/sagt/es typisch Hut wie Baum ist, und das isses auch. geb allerdings offen zu, dass ich deiner sicht der dinge nur dann folgen kann, wenn ichs mir auf riemsche buchstabiere, aber zumindest das klappt immer besser :-)

Re: einfache wunder

Verfasst: 12.12.2009, 13:52
von [) i r k
Der Titel scheint mir nicht ganz zufällig gewählt, könnte sogar mit einem von deinen Kommentaren zusammenhängen ;-), aber ich glaube, ich erzähle dir hier nichts neues.

Stimmt, genau soweit war ich gekommen. Aber trotzdem war dieses große Brett vor meinem Kopf, bis...

Im Zentrum steht das Sprichwort (halt der eigene Schatten und das Springen).
Was aber tun, wenn der Schatten bleibt?
Da ist der Versuch, jemandem zu helfen, diesen Schatten loszuwerden.
Der Wunsch nach Hilfe besteht nicht in dem eigentlichen Wunsch, sondern im Text, der einen anfleht (beim Namen), zu helfen. Daher, so scheint mir, ist auch der Name Text.

Heureka!

:thanx: @ hgisomnia

Re: einfache wunder

Verfasst: 12.12.2009, 21:58
von DerBaum
Tatsächlich ist der Satz aus einem Kommentar von Dirk
und zu Wunder, wenn ich an meine Kinderzeit denke
fällt mir immer Tarzan ein und was mir immer besonders
gefiel war, wenn er in Schwierigkeiten war, das mochte
ich sehr, ich mag es wenn Helden in Schwierigkeiten sind,
da werden sie sehr irdisch und sehr verletzlich, das gefällt
mir, das gefällt mir auch an wirklichen Gedichten, dass
sie verletzlich daherkommen, selbst wenn man über
sie lachen kann

Re: einfache wunder

Verfasst: 13.12.2009, 00:38
von [) i r k
Habe das Gedicht heute zwei Freunden vorgelesen. Kam sehr gut an und lässt sich auch sehr gut lesen. ;-)