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das gehirn der uhr
Verfasst: 23.03.2010, 02:22
von hginsomnia
"für das gehirn der uhr"
sagte der uhrenmacher
als ein kunde seinen schwarzen mantel
nicht mehr
ausziehen konnte
und ich dir in die falten sah
schneidend wie eine absage
mit eingravierten initialen
die öl vermisste
"fehlt die zeit"
Re: das gehirn der uhr
Verfasst: 23.03.2010, 18:51
von [) i r k
Hi hg.,
dachte schon, du bist unser überdrüssig geworden!

Kurze Nachfrage:
und ich dr in die falten sah
Ist dieses "dr" ein Typo - oder gewollt?
Gruß,
[) i r k
Re: das gehirn der uhr
Verfasst: 25.03.2010, 03:05
von hginsomnia
Hi [) i r k,
ne, so schnell werdet ihr mich nicht los

.
Ähm, Tippfehler

!
'dir' wäre die richtige Schreibweise gewesen.
lg
hginsomnia
Re: das gehirn der uhr
Verfasst: 08.04.2010, 18:05
von [) i r k
Hallo hginsomnia,
lange aufgeschoben... Ich mag dieses Gedicht. Und, so schwer ich mich damit tue, etwas "herauszulesen", umso viel mehr kann ich "hineinlesen".
Vor allem mag ich das Paradoxon und die Doppeldeutigkeit des Satzes, der das Gedicht einrahmt. Das Fehlen einer Zeit, die hier gleichzeitig als Wirkung und Ursache gelesen werden kann. Charmant.
Ich mag die Andeutung des Todes (also ein Auslaufen oder Stehenbleiben der Zeit) in der zweiten Strophe. Oder auch die Hast oder das Eingezwängtsein in die Zeit.
Das plötzliche Auftauchen eines lyrischen Ichs und eines gegenüber gestellten "dir" in der dritten Strophe verwundert mich... irritiert mich. Das "in die Falten sehen" wiederum erscheint mir ganz großartig, weil die Falten in ihrer Vieldeutigkeit sowohl mit dem vorher erwähnten Mantel oder mit einem alten Gesicht oder auch mit der Dimension Zeit selbst korrespondieren. Die Falten eines Gesichtes sind ja selbst eine Art Uhr.
"Schneidend wie eine absage... der öl fehlte" wendet das Gedicht plötzlich in eine ganze andere Richtung für mich. Klingt dann eher nach einem Beziehungsthema.
Einziger Kritikpunkt meinerseits: Das räumlich sehr nahe "fehlte // fehlt" am Ende des Gedichtes solltest du evt. nochmal einer stilistischen Revision unterziehen.
Spannendes Gedicht und viel Raum (oder sollte ich besser sagen: Zeit?) für eigene Gedanken.
MfG,
[) i r k
Re: das gehirn der uhr
Verfasst: 09.04.2010, 15:36
von hginsomnia
Ty [) i r k,
mit dem Einführen des lyr. Ichs wollte ich das Gedicht etwas öffnen, ebenso mit der Absage (auch natürlich Absage an das Leben i.s.v. Zeit, aber auch als Beziehungsthema intendiert, so weit nur).
Die Doppelung zum Ausgang war bewusst so gesetzt, aber jetzt, nachdem du mich darauf aufmerksam gemacht hast, muss ich auch sagen, dass sich dies sprachlich eleganter lösen lässt.
Ich behelfe mir erstmal so: die öl vermisste (das vermissen passt hier, so weit glaube ich zumindest bis jetzt, ganz gut)
lg
hginsomnia
Re: das gehirn der uhr
Verfasst: 09.04.2010, 16:18
von riemsche
dirk hat ja schon eine ganze palette an lesemöglichkeiten ausgebreitet. auch ich mag das gedicht wegen seiner dreh-und wendemöglichkeiten.
du schreibst in deinem kommentar selbst: das vermissen passt hier ...
finde ich auch, warum also /vermisste/ ?
//
denen
die öl vermissen
fehlt die zeit
//
wäre etwas offtopic extrahiert mE ein ökoAnsatz, gute gedanken wieder zu er_gehen
lGr
Re: das gehirn der uhr
Verfasst: 09.04.2010, 17:50
von hginsomnia
Hi riemsche,
dank dir, aber mit 'vermissen' müsste ich schon eine ganze Menge an Kohärenz über'n Haufen werfen, da sich das Verb ja auf die doppelt (sprachlich wie inhaltlich) personifizierte Absage bezieht. Dein Subjekt 'denen' kommt in dieser Form ja nicht vor, die fehlende Zeit bezieht sich im Zusammenhang elliptisch auf die Absage ('wenn ...'), natürlich nicht nur.
Der Öko-Ansatz scheint mir, aber natürlich nur mir jetzt, tatsächlich etwas Off-Topic zu sein, also nicht grundsätzlich, aber das sehe ich noch nicht.
Kommt vielleicht mit der Zeit

.
lg
hginsomnia
Re: das gehirn der uhr
Verfasst: 09.04.2010, 20:21
von [) i r k
die öl vermisste
... macht mich irgendwie nicht glücklich.
Darum biete ich auch mal ein paar Alternativen an:
- die nach öl lechzte / lechzt
- die nach öl schrie / schreit
- die nach öl verlangte / verlangt
Oder:
"Für das gehirn der uhr"
... der öl fehlte
"war/ist/sei keine zeit"
Mit variierenden Grüßen,
[) i r k
Re: das gehirn der uhr
Verfasst: 09.04.2010, 23:30
von hginsomnia
hmm,
'vermissen' war meine erste Assoziation.
Die letzte Zeile würd' ich gerne so stehen lassen, vor allem wegen dem Absoluten 'die Zeit'.
'Schreien' und 'lechzen' empfinde ich nun meinerseits als zu stark.
'Verlangen' wäre für mich eine Option.
Ich klammere also erstmal gedanklich die vorletzte Zeile aus und denke weiter drüber nach.
lg
hginsomnia