vier

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
espressonist
Minotauros
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vier

Beitragvon espressonist » 19.05.2010, 21:01

Vier

Spitzenbeengt gesetzt in einen Raum,
gezwängt ungelenk,
bewegt sich kaum.
Nach oben, nach unten
allseitig gewunden
nichts erreicht.
Obwohl noch enger,
wünsche ich,
du wärest hier.

shuya
Prometheus
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Re: vier

Beitragvon shuya » 20.05.2010, 10:27

find ich gut & gefällt auch.
allerdings und das ist jetzt 100% subjektiv:
die worte & damit erzeugten bilder
sind so hübsch verquer, dass es mich fast ärgert, dass du am ende eine so klare auflösung preis gibst.

kürzlich hat perry an mir kritisiert, dass ich vllt. einer der menschen bin, die denken ein text, der so kryptisch ist, dass ihn kein arsch mehr versteht sei allein dadurch gut.
ich hab ein weilchen drüber nachgedacht, weil ich mir selbst des öfteren den vorwurf schon gemacht habe - und trotzdem noch kryptischer weiter schreibe.
was mir als (wie immer temporäres) ergebnis vorliegt ist simpel.
ich betrachte literatur ähnlich wie fotografie.

lt. Hirsch gibt es meines Wissens nach 3 Sorten von Fotografien.
1. die Darstellende. Ich mache ein Bild, von etwas, das da ist. So wies gerade da ist und wie ich gerade da bin.
Das Bild steht für nichts ausser dem Objekt, dass es darstellen soll - dieses wird auch meist zentral von formatfüllend abgebildet.

2. ich weiß nicht mehr wie ers formuliert hat: aaaber die Sinngebende. Die Anregende/Verschachtelte Fotografie.
Ein Teller Suppe, der so Fotografiert ist, dass man den Duft wahrzunehmen glaubt. Ein erschossenes Kind, ausserhalb des Fokus - und die Landschaft um das Kind - innerhalb des Fokus, ein Tatort-Foto, das versucht die Geschichte der bereits vergangenen Tat einzufangen. Eine langzeitbelichtung im Kino, deren unscharfen Punkte aufzeigen, wer wie viel gelacht hat.

3. die Abstrakte Fotografie. Die Auflösung von Objekten in Strukturen, Formen. Wo Teilhaftigkeiten zu alleinstehenden Werken werden.
Die Struktur der Baumwurzel, Menschlicher Haut, geometrische Formen im Licht... etc.

keine der oben genannten Kategorien bietet sich zum Vergleich untereinander an.
Sie erfüllen einfach verschiedene Funktionen.

Was mir an der Auflösung deines Textes nicht gefällt, ist, dass es eine Auflösung gibt (subjektiv, wie besagt.)
- der Text bewegt sich zwischen Struktur und Sinnbild.
- plötzlich, wird er zum Schnappschuss einer gegebenen Situation.
Der Schnappschuss muss nicht sein, er nimmt dem Betrachter m.E. mehr weg, als er ihm geben kann.
Jetzt konkret auf den Text bezogen zumindest.

Ich glaube ausgelöste Gefühle genügen oft,
die Transportation von verengung und beklemmung im Raum.
Eine Verlustangst um das was sich nicht im eigenen Besitz befindet.
Eine Erwartung mit Bedingung in die Zukunft, dass etwas anderes als wir selbst uns retten wird
gepaart mit der Erfahrung, dass das nicht passiert.

Das sind alles Dinge, die wir vermutlich alle kennen - schon bevor man uns mit einem Schnappschuss zu enträtseln versucht,
und vielleicht auch besser davor, ist es erst das eigene, plötzlich jedoch ein fremdes Gefühl.

//
ich hoffe das ging nicht in den falschen Hals.
Ist nämlich n toller Text :)

espressonist
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Re: vier

Beitragvon espressonist » 21.05.2010, 20:56

au mann - auf jeden fall ein paar sehr charmante gedanken.... ich kann dem eine ganze menge abgewinnen..;)- aber ich glaube ich mach genau das gleiche wie du- nämlich einfach soweiter und igel mich weiter ein in meinen stil...meintest du mit den >verqueren< bildern eigentlich nicht zueinanderpassend oder eher einfach nur verwirrend???
lg- meee

riemsche
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Re: vier

Beitragvon riemsche » 21.05.2010, 22:05

ich kann dir bis zum ende folgen, nur sind mir da noch zuviele worte, wo wenige _die gut gesetzt bereits vorhanden_ die enge taktung beim lesen vorgeben. mein gefühl, muß aber ganz und gar nicht deiner art zu schreiben entgegenkommen. drei passagen: gezwängt ungelenk - beides in einem atemzug, das eine bedingt, das andere eigen_verschulden. ich würde keine gegenüberstellung, sondern die pärchen wählen. beengt/gezwängt + ungelenk/gesetzt . dann /allseitig/ wo ich /allseits/ erwartete. nummer drei ist /obwohl noch enger/ obwohl ist m.E. nicht nötiger vorspann, möglicherweise ein sehnsüchtigeres /dennoch/ in den umbruch. und wenn du ein verlangen schlußendlich so klar formulierst - dann würd ichs einfach nOch intensiver machen.
tja nu, die _in guter absicht dir vielleicht etwas zU geraffte_ grüblerversion sähe dann so aus:

Vier

Beengt, gezwängt
ungelenk, gesetzt
bewegt sich kaum.
Nach oben, unten
allseits gewunden
erreicht_nichts.
Enger, noch enger
dennoch
wünsche ich,
du wärest hier.
____


ein MissYou_gedanke mit klammeräffchen vom feinen, den du mir da vermittelst

lGr

espressonist
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Re: vier

Beitragvon espressonist » 22.05.2010, 00:13

hey- also der vorschlag für das ende gefällt mir sehr gut- vor allem die gedoppelte enge- das ist genau das, was ich eben dort hervorheben wollte....:)

Miss You ist richtig- klammeräffchen gibts nur im Zoo...


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