ein Abend in Frankfurt

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
shuya
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ein Abend in Frankfurt

Beitragvon shuya » 04.07.2010, 17:28

godzilla mit babelbeinen, wie er durch die metaphysik stapft.
es pochen kafkas schlaefen.
bei jedem schritt ein nervenfeuer staerke sieben.
debattierclubtreffen dreiszig, nullneun viertes quartal
konzentrationsgelage
synergie die teilchenfuge
aus der traeume kommen.

nachts anektiere ich kleine flecken,
aus dem raum gezirkelt auf zelluloid.
es ist als haette ich, noch halb im schlaf, die augen kurz geoeffnet.
eine frau weidet sich aus und ihr blick spricht von hingabe.

erinnert an hannah, ein duennlippiges laecheln aufgelegt
- ich bin zu alt für spiegel –
und daran wie ich immer meine zu verstehen.



Bild

Greta
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Re: ein Abend in Frankfurt

Beitragvon Greta » 06.07.2010, 11:25

ich bin ein bisschen zerrissen, was dieses werk angeht, weil ich manche stellen ganz wunderbar stimmungsvoll finde, die sprechen für sich, durch melodie und rhythmus, und andere die ich nicht lesen kann ohne zu denken, das verstehe ich nicht. ich meine, ich lese gedichte nicht, um sie zu verstehen, oder nur um sie zu verstehen. aber ich mag nicht wenn es sich mischt, das verstehen mit dem nichtverstehen, das einfach stimmung erzeugen mit dem an den verstand appellieren, oder vielleicht würde ich es mögen, wenn es sehr gut gemacht ist, aber dann wäre es so gut gemacht, dass ich es nicht merken würde, dass da beides ist. verstehst du ein bisschen, was ich meine?

und um das ein wenig zu belegen, nenn ich dir den einstiegssatz, godzilla, gut, da habe ich noch ein bild, aber wieso hat er babelbeine, die türme von babel, verständnislose beine, das ist mir zu viel, da falle ich raus, eigentlich steige ich erst richtig ein bei jedem schritt ein nervenfeuer staerke sieben, da ist man auf unsicherem grund, vielleicht auch weil godzilla den boden zum wanken gebracht hat, leider holst du mich gleich wieder zurück in den debattierclub ... na ja und so setzt sich das fort. Was ich schade finde, weil ich denke, da ist potenzial, das sich selbst wieder verhindert...

shuya
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Re: ein Abend in Frankfurt

Beitragvon shuya » 06.07.2010, 12:30

ja, ich hab ähnliche überlegungen dazu,
also verstehe ich was du meinst.
ich werde es noch ein paar mal hin- und her wenden
(hatte ich auch schon gemacht, wobei ich denke ich viele "verständnisbrücken" rausgenommen habe)

es fiel mir schwer etwas damit zu machen,
wahrscheinlich habe ich den text deshalb auch hier reingesetzt, kritik könnte vllt. durchaus helfen, dachte ich mir.
mir kommt eine serielle abfolge von einzelnen bildern, die sich aber untrennbar zueinander verhalten.

(godzillas beine sind gebaute beine, sind monumentale beine, sind beine die einstürzen oder aber laufen
kafka hat godzilla gebaut, kafka ist godzilla, sein kopf schmerzt, er gebährt mit jedem schritt oder aber einsturz,
das meint wohl der debattiertclub, der debattierclub ist wohl kafka im sinne des bildes dass der debattierclub von kafka hat
[wer weiß woher godzilla hier kommt? vielleicht das größte wesen der modernen vorstellungskraft], die synergie diskutierender
menschen schafft bilder, gedanken, schafft sich selbst ein wesen, godzilla ist wohl aus der synergie des unmuts entstanden, eine maschine, modernste technik
mit der anlehnung an die sterbende natur in form und farbe von dinosauriern [eine sehr seltsame idee], eine frau weidet sich aus,
wie der debattierclub sich ausweidet, kafka schafft, der godzilla ist, der ideen schafft, aber das bild wirkt seltsam verträumt [die synergie nährt sich vom traumähnlichen zustand], ihr blick der von hingabe spricht [synergie nährt sich von hingabe, auch], aber es ist nur ein foto - es ist ein ausschnitt den ich wähle, auszirkle, ich schaffe diese frau,
die den debattierclub schafft, der kafka schafft, welcher godzilla ist, der aufgescheucht ist [von was?]
hannah wird zu alt für spiegel, lippen und haar dünnen aus, sie findet sie wird zu alt für spiegel als wären spiegel etwas, aus dem man herauswachsen kann, wie aus puppenspiel und zeichentrickfilmen, oder klamotten (?) - ich denke an hannah mit babelbeinen, die nicht aufhören zu wachsen (tut es weh, aus dem spiegel heraus zu wachsen? das hätte ich fragen müssen, jetzt finde ich es zu spät dafür))
- das soll nicht sagen "das steht in dem text", das soll nur sagen "darüber mache ich mir gedanken und suche formgebung"

ich bin mir sicher, es gibt diesbzgl. noch ein paar stationen abzulaufen.
das will ich gerne tun, bäldigst.

Greta
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Re: ein Abend in Frankfurt

Beitragvon Greta » 06.07.2010, 15:36

das sind ja sehr spannende überlegungen, aber das ist ja nicht, was dein gedicht braucht, eine interpretation, ich weiß ja immer nicht so direkt wie das gehen soll, wie man einander helfen kann ein gedicht zu verbessern.
ich mag deine überlegungen zu godzilla, trotzdem ist das was wirkt in diesem gedicht, mein eigenes bild von einem riesigen "ungeheuer", das den boden der tatsachen erschüttert, (das die schöne strophe mit dem nervenfeuer einleitet) und sehr gefällt mir die idee aus einem spiegel herauszuwachsen, die frage ob das weh tut. nur, das ist es wohl, es sind einzelne bilder und vielleicht ist nicht einmal das das problem, sondern, dass du sie zusammenbringen willst, wer weiß, vielleicht sind sie ja stark genug um einfach so für sich zu existieren? oder vielleicht haben die einzelnen bilder viel mehr kraft, so dass eines konsequent zu ende gedacht, viel besser ein gedicht tragen könnte?
sehr gut, wenn du noch mehrere stationen ablaufen willst, gerne auch noch und bäldigst ;-)

shuya
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Re: ein Abend in Frankfurt

Beitragvon shuya » 07.07.2010, 12:53

1. Geschichtgeburt

godzilla mit babelbeinen, wie er durch die metaphysik stapft.
mit jedem schritt ein nervenfeuer stärke sieben.
es pochen kafkas schläfen.
durch das lichtsieb erinnerung sacken träume.
licht zerbrochen zu farbe.
der kopf eine helle kammer
in der gedanken immer wieder neu
belichtet werden.
aus tiefem schlaf heraus
augen die sich lüften
um einen bruchteil jetzt durch die netzhaut zu lassen.
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2. Patina

bei einem besuch meiner mutter, es regnet.
als sie sich zu gehen anschickt, zieht sie eine mütze über,
unter der sie ihre rot leuchtenden haare verstaut.
mir fallen die vielen falten, die sich in ihr gesicht gelegt haben, zum ersten mal auf.
ich blicke ihr durch das fenster nach, wie sie sich auf ihrem fahrrad durch den regen müht
und muss an hannah denken.

hannah, ihr dünnlippiges lächeln aufgelegt
"ich bin zu alt für spiegel", sagte sie
ohrringe in ein mannequin stechend.
ich stellte mir hannah mit babelbeinen vor, die nicht aufhören wollten zu wachsen.
wir schwiegen. meine brust zog sich zusammen.
vielleicht hatte ich gespürt, dass es hier vorbei war,
dass ich dieses bild von ihr nie wieder würde abschütteln können.

"this is goodbye", hatte sie ein halbes jahr später dann am bahnhof gesagt.
die stimme so weit weg, in diese altmodischen klamotten gestopft
als der zug anfuhr. sie wie aus der zeit gefallen dort stand und mir nachsah.
kam mir schon nach einigen stunden wie eine erinnerung aus kindertagen vor.
----------------------------------------------------------------------

mal zwei andere versuche damit umzugehen.

Greta
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Re: ein Abend in Frankfurt

Beitragvon Greta » 08.07.2010, 15:37

Patina gefällt mir sehr gut.

riemsche
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Re: ein Abend in Frankfurt

Beitragvon riemsche » 15.07.2010, 00:00

spiceMelange genascht? :-))
ich mag diese sprache, würde aber in minimalen teilbereichen noch möglichkeiten in bezug auf sprachfluss in betrracht ziehen
dbzgl. grübler:

// (bei) jede(m)R schritt ein nervenfeuer staerke sieben. //

(synergie) die teilchenfuge, aus der
(aus der) traeume kommen. SYNERGIE.

es ist als haette ich, noch (halb) im HALBschlaf, die augen kurz geoeffnet. //

Lg riemsche

Näherungsweise
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Re: ein Abend in Frankfurt

Beitragvon Näherungsweise » 17.10.2010, 20:32

ich mag das wort synergie nicht... aber ansonsten gefallen mir diese drei texte sehr gut, sogar die eigeninterpretation, vielleicht patina noch etwas besser als die anderen.
Besuch mich mal... in meinem kleinen Blog-Haus


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