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fliegenfischer

Verfasst: 21.09.2010, 18:07
von Perry
wenn ich schreibe, werfe ich die schnur weit
hinaus über die glitzernde oberfläche,
platziere meine gedankennymphen dort,
wo noch niemand verführerisch lockte,
warte, dass die forellen beißen.

kann man ihre schuppenzeichnung lesen,
eröffnen sich einem geheimnisvolle welten,
die von wanderungen zu fernen laichgründen
und magischen meerestiefen erzählen.
manchmal werfe ich sie zurück, wenn mir

ihre geschichte noch unvollständig erscheint.

Re: fliegenfischer

Verfasst: 21.09.2010, 19:20
von shuya
platziere meine gedankennymphen dort,
wo noch niemand verführerisch lockte,

mh, den satz finde ich schwierig.
vielleicht weil er sehr überheblich klingt - "wo noch niemand lockte" impliziert ein: "ich bin der erste", wenn ich das richtig verstanden habe :)

Re: fliegenfischer

Verfasst: 23.09.2010, 16:44
von Perry
Hallo shuya,
überheblich sollte es sicher nicht klingen, denn es ist vermutlich der Antrieb eines jeden bemühten Autors nach Neuem zu suchen, auch wenn es letztlich kaum möglich sein wird. ;-)
Danke für deine Sicht und LG
Perry

Re: fliegenfischer

Verfasst: 24.09.2010, 10:22
von shuya
Perry hat geschrieben:denn es ist vermutlich der Antrieb eines jeden bemühten Autors nach Neuem zu suchen, auch wenn es letztlich kaum möglich sein wird. ;-)
Perry


sehe ich auch so.
vielleicht gehört das dann auch genau so in den text.
ein element des zweifels (keines negativ aufgeladenen) wäre glaube ich dem text sehr förderlich.
stünden wir auf einem Ozean des Bewusstseins, er wäre mehr ein Sieb aus schwarzen Stellen, unsere Selbstzensur ist so ausgeprägt -
und tut der Autor nicht auch das, in den schwarzen Stellen fischen, die weder er/sie noch die anderen greifen können - ohne ein outcome, eine vorstellung davon, was dort sein könnte - zumindest habe ich oft das Gefühl schreiben impliziert zu einem Teil auch die kurzzeitige Aufgabe des Ichs im eigenen Vorstellungsvermögen
um das Ich als etwas begreifen zu können, dass man auf Papier bringen kann.
Es ist kein all zu gemächliches fischen, meist, es reisst und zerrt an der Angel - alles will seine Aufmerksamkeit, alles will ans Licht und gleichermaßen will alles den Fischer in die Tiefe ziehen - beide Kräfte entstehen und erzeugen eine Art entfremdung im Schreibprozess, in der die sonst so klaren Konturen zwischen Subjekt und Objekt verschwimmen: man den Fischer vom Fang nicht mehr unterscheiden kann - sie zu einem verschmelzen, was sie ja von vorn herein auch eigentlich waren.

Das ist ein sehr interessanter Prozess, der m.E. neben der Ruhe auch den Sturm in sich trägt, gleichermaßen sehr wild und offen wie schweigsam verschlossen wirkt
vielleicht teilst du da ja zu teilen meine Ansicht - in dem Fall wäre vielleicht eine Fortsetzung deines Textes nicht verkehrt - sozusagen um die simultanen Prozesse nebeneinander zu stellen.
Hier stehst du noch als das Kontrollorgan, sorgfältig abgezeichnet von der Umwelt deines Ichs - vielleicht magst du auch diese Abzeichnung an anderer stelle noch verlieren? :)

grüße

Re: fliegenfischer

Verfasst: 05.10.2010, 14:30
von Perry
Hallo shuya,
danke für deine interessante Weiterführung meines Schreib-Fischenvergleichs.
Fliegenfischen hat etwas mit einer Rangordnung zu tun, da ist der überlegene Fischer/Schreiber und das nach Futter/Aufmerksamkeit suchende Tier/Wort.
Wie wäre es einen Kampf auf Augenhöhe wie einst Kapitän Ahab mit Mobby Dick oder sogar den eines unterlegenen Tauchers mit einem weißen Hai als Vergleich zu verwenden. Im Moment sind meine Schreiberfahrungen noch nicht so selbstzerstörerisch, dass es mich dazu drängt, aber wer weiß, vielleicht kommt das noch. ;-)
LG
Perry