Ranziges und Dummes (Teil 1)

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.

Ranziges und Dummes (Teil 1)

Beitragvon Hamburger » 01.08.2002, 20:40

Noch ohne Titel

Den ganzen Winter geträumt das es schneit
Lauscht dauernd wie die Stille schreit
Erträgt das Ertragen, nerviges Spiel
Vage Erinnerung, dumpfes Gefühl

Alles ist Warten, alles ist Bangen
Alles ist Beten, alles Verlangen
Nichts ist unmöglich, wie sie meint
doch enttäuscht stellt sie fest:
die Sonne scheint!
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Re: Ranziges und Dummes (Teil 1)

Beitragvon gelbsucht » 01.08.2002, 21:35

Ich glaub es nicht!

Nein, ich glaub es nicht!

Das muß ich erst einmal verarbeiten, bevor ich etwas dazu sage.

8-o
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Re: Ranziges und Dummes (Teil 1)

Beitragvon Hamburger » 01.08.2002, 23:03

Hallo gelbsucht!

Verarbeiten? Ähhh, hab ich was falsch gemacht? Ist das Gedicht soooo schlecht? Sollte ich schuldbewusst sein? Ich bin sehr gespant auf deine Antwort und erwarte sie dringend: Bitte erlöse mich durch sie von meiner Qual...

Grüße vom Hamburger
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Re: Ranziges und Dummes (Teil 1)

Beitragvon gelbsucht » 02.08.2002, 02:16

Keine Bange, ham,

ich meinte, ich mußte erst einmal verarbeiten, daß du hier mit einem Gedicht aufwartest. Ich habe ja mit allem gerechnet ... nur nicht eben damit. Das ist also wirklich mal eine Überraschung!

"Ist das Gedicht soooo schlecht? Sollte ich schuldbewusst sein?" Glaubst du wirklich es ist schlecht? Überhaupt keinen Funken Selbstvertrauen? Das Gedicht ist, wie ich finde, richtig gut, es hat seine Schwächen und Macken, aber es hat mich bewegt, es hat mich berührt und das ist immer ein gutes Zeichen. Noch mehr: ich habe mich sogar mit dieser "sie", obwohl sie im Gedicht nicht gut weg kommt, identifizieren können.

Einige Detailanmerkungen:
>Den ganzen Winter geträumt das es schneit
Korrektur: Den ganzen Winter geträumt, daß es schneit

>Lauscht dauernd wie die Stille schreit
Ich würde hinter "Lauscht" bereits ein "sie" einfügen. Dadurch wird dieser Vers rhythmischer und das "sie" taucht nicht erst im zweiten Teil der letzten Strophe auf. Das ist vielleicht etwas spät, um ein Personalpronomen und damit einen anonymen Personenbezug einzuführen. -- das ist übrigens meine Lieblingszeile und das anschließende "erträgt das Ertragen".

Was mir sehr gut an dem Gedicht gefällt, ist das verzögerte Ende, indem am Schluß der Paarreim durchbrochen wird und ein schwebender Vers eingeschoben wird -- das ist ein sehr schöner Kunstgriff, der den Spannungsbogen am Ende des Gedichtes auf intelligente Weise hinauszögert. Leider finde ich die Pointe "die Sonne scheint" etwas schwach.

Wie das "Verlangen" in die Reihe "Warten", "Bangen", "Beten" paßt, ist mir noch etwas schleierhaft, aber es ist durchaus gut, eine solche Reihe zu brechen, damit sie nicht zu monoton und erwartbar wird -- und ich muß ja auch nicht alles verstehen.

Diese Gedicht hat mich, wenn ich ehrlich bin, ziemlich neugierig auf die Frau und das Ereignis, das dahintersteckt, gemacht.

Fazit: Du solltest öfter Gedichte schreiben! Das ist mein Ernst. Und der Titel "Ranziges und Dummes (Teil 1)" läßt mich ja hoffen, daß es noch ein "Ranziges und Dummes (Teil 2)" gibt. Übrigens, was dem Gedicht fehlt, ist ein anständiger Titel.

Liebe Grüße,
El -überrascht- Mundo
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Re: Ranziges und Dummes (Teil 1)

Beitragvon Hamburger » 02.08.2002, 12:12

Hallo gelbsucht!

Erst einmal danke für die recht positive Kritik. Ich bin wirklich - mein voller Ernst - überrascht darüber. Es stimmt auch, das ich bezüglich dem Thema "Gedichte" keinen Funken Selbstvertrauen habe, vielleicht hielt ich das Gedicht auch daher für schlecht. Aber ich wollte meine bisherigen Grenzen überwinden und habe deshalb hier mit einem Gedicht aufgewartet.
Deinen Detailanmerkungen kann ich nur zustimmen. Das Komma habe ich eingesetzt und das "sie" in der ersten Strophe hinter "Lauscht" auch (es hört sich so wirklich rytzhmischer an). Ich finde nicht nur die Pointe, sondern die zweite Strophe generell etwas schwach geraten, aber nun komme ich schon zum Inhaltlichen, doch da möchte ich noch nicht hin ohne eine Erklärung zu Beginn: Der Titel "Ranziges und Dummes" sollte sich eignen um schlechte Gedichte darunter zu versammeln, sie kritisieren zu lasen und daraus zu lernen. Allerdings habe ich für dieses nun eher positiv beurteilte Gedicht einige Ideen für eine Fortsezung, die dann auch - aber eben metaphorisch - deutlicher erklärt "was dahinter steht".
Ob ich jetzt eher bei meinem Ursprungsplan bleibe oder erst einmal dieses Gedicht fortsetze, habe ich noch nicht
entschieden. Bei ersterer Vorgehensweise würde ich dann in einem kleinen Text noch ein wenig was zu dieser Frau und dem Ereignis was dahintersteckt sagen, bei zweiterer wäre das ja nicht nötig...mal sehen.
Eine Titelidee habe ich leider noch nicht, aber das ich öfter Gedichte schreiben soll ist wirklich eine verwegene Idee. Ich fühle mich trotzdem geschmeichelt (warte nur bis die ganzen anderen "Ranziges und Dummes"-Teile auf den Markt kommen) und werde bald versuchen - nachdem ich entschieden habe wie es mit diesem Gedicht weitergeht - die für mich nächste unüberwindbar scheinende Grenze zu überwinden, die da lautet: die Kritik deiner Gedichte in Angriff nehmen.

Bis denn,

Ham-hocherfreut-burger
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Re: Ranziges und Dummes (Teil 1)

Beitragvon gelbsucht » 02.08.2002, 19:53

Hallo ham,

vielleicht solltest du noch eine überarbeitete Version anfügen bzw. den Originalbeitrag oben editieren!?

Kann es sein, daß die Tante, von der du mir einmal erzählt hast, dahintersteckt?

Und was "verwegene Ideen" angeht: jeder Mensch braucht neue Herausforderungen, um sich weiterentwickeln zu können.

MfG,
gelbsucht
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Re: Ranziges und Dummes (Teil 1)

Beitragvon Hamburger » 03.08.2002, 13:25

Hallo gelbsucht!

Ich habe mich entschieden nichts zu editieren, nichts fortzusetzen - kurz: keine Änderungen mehr am Gedicht fortzunehmen (auch wenn ich das Komma und das Personalpronomen für mich persönlich in den Text eingefügt habe).
Im "Zombieland" funktionieren nicht nur Wiederholungen, sondern auch Fortzsetzungen und genau deshalb habe ich mich entschieden, wie ich mich entscheiden habe.
Bevor aber "Ranziges und Dummes" (Teil 2) folgt, möchte ich noch etwas zu dem Gedicht sagen.
Meine Tante steckt nicht dahinter, obwohl diese "sie" sehr gut auf sie passen würde. Zentrales Thema des Gedichtes ist die Einsamkeit und der dringend bestehende Wunsch, das die Außenwelt, die Umgebung, die eigene Einsamkeit nachvollziehen, mitfühlen, sich in sie hineinversetzen kann. Da dies prinzipiell 1:1 oder auch nur annäherungsweise unmöglich ist habe ich den Schmerz, den "sie" fühlt, dadurch hervorgehoben, das "die Sonne scheint", wodurch der Kontrast deutlich wird.
Vorzuwerfen ist mir, das ich das Gedicht nicht konsequent zu Ende geführt habe. Ursprünglich waren sechs Strophen geplant, in denen auch gezeigt werden sollte, wie unmöglich es ist, die eigene Einsamkeit, eine innere Leere, auszudrücken und gut verstanden zu werden - wie du sagst:"Jeder hat sein Leiden".
Der verzweifelete Versuch es denoch zu tun, die tiefe Sehnsucht einen Menschen zu finden, der einen zumindest besser versteht als all die anderen und die Gründe für die eigene Einsamkeit sollten ebenfalls dargelegt werden.
Aber letztlich ist mir nichts Ansprechendes mehr dazu eingefallen, schon lange nicht, und daher lasse ich es für dieses Gedicht (das allerdings noch weitere Aspekte hat, beispielsweise "Vage Erinnerung" - es muss da mal irgendwas oder irgendjemanden gegeben haben, der die eigene Sehnsucht nach Verständnis erfüllte) dabei bewenden.
Vom Thema allerdings wende ich mich nicht ab. Es ist ein Thema, was mich angeht, wie du überrascht feststellen wirst, aber jeder hat ja seine Leichen im Keller und ich werde bestimmte Leichen ebensotief vergraben und nicht zur Besichtigung freigeben wie der Eine oder Andere auch.

Bis denn,

Ham-nachdenklich-burger

Ich wünsch dir was. Bis denn!
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Re: Ranziges und Dummes (Teil 1)

Beitragvon gelbsucht » 04.08.2002, 20:38

Hallo Nachdenker,

zuerst wollte ich ausdrücklich darauf hinweisen, daß es mir bei der ersten Zeile nicht unbedingt um das Komma ging. So penibel bin ich dann doch nicht. Aber jemand mit Abi sollte schon wissen, wann man "das" mit s und wann mit ss bzw. ß schreibt. :-D

Von deinen Äußerungen, daß du hier keine überarbeitete Version anfügen bzw. die alte editieren möchtest, war ich ehrlich gesagt enttäuscht. Schließlich ist das der Sinn dieses Unternehmens hier: man stellt etwas vor, lernt aus seinen Fehlern, überarbeitet es ... Und was soll bitte dieser Hinweis auf "Zombieland"? Das hier ist weder eine Fernsehserie, noch wird dieses Etikett uns und unseren Besuchern gerecht.
Zentrales Thema des Gedichtes ist die Einsamkeit und der dringend bestehende Wunsch, das die Außenwelt, die Umgebung, die eigene Einsamkeit nachvollziehen, mitfühlen, sich in sie hineinversetzen kann.
Einsamkeit habe ich wohl als zentrales Thema erkennen können, aber das zweite, der Wunsch, daß die Außenwelt sich einfühlt in die Welt des Einsamen und Verständnis zeigt, habe ich nicht darin wiederfinden können. Insofern stehen hier Intention und Ergebnis im Widerspruch. Es geht zwar entfernt um Wünsche und Hoffnungen, aber diese bleiben vage und unbestimmt und die "Außenwelt" als Bezugspunkt des Wünschens und Wartens kommt in dem Gedicht meiner Meinung nach überhaupt nicht vor -- abgesehen von der Schnee-Sonne-Metapher, die mir erst jetzt verständlich geworden ist.
Es ist ein Thema, was mich angeht, wie du überrascht feststellen wirst, aber jeder hat ja seine Leichen im Keller
Das überrascht mich dann tatsächlich: dich geht Einsamkeit etwas an -- obwohl du in einer Beziehung lebst? Aber nun gut, wir wollen die Leichen im Keller nicht durch unser Gelächter aufwecken, zu welchem Zwecke wir uns nach unten begeben haben. Gehen wir die Treppe hoch, vergessen wir nicht das Licht auszumachen und schauen wir nach, ob draußen die Sonne scheint oder ob der verkorkste Sommer zurückgekehrt ist. :-p

Nachdenkliche Grüße,
El -neuerdingsleichtzuüberraschen- Mundo
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Re: Ranziges und Dummes (Teil 1)

Beitragvon Hamburger » 13.08.2002, 11:12

Hallo gelbsucht!

Ich werde mich bemühen, in Zukunft dem Status eines Abiturienten gerecht zu werden, obwohl ich das Komma ja immer noch als wichtiger ansehe...

Zur Sache: Du hast mich leicht missverstanden aber vielleicht habe ich mich auch nicht deutlich genug ausgedrückt. Ich kenne sehr wohl den "Sinn des Unternehmens hier", doch ich habe geschrieben, das ich zu diesem Gedicht keine überarbeitete Version mehr anfügen will, da mir dazu einfach nichts Ansprechendes mehr einfällt. Das heisst noch lange nicht, das ich nun niemals mehr Gedichte überarbeiten und editieren werde. Das ist keinesfalls meine Absicht. Nur bei diesem Gedicht werde ich das nicht tun - aus erwähnten Gründen.
Auch der Hinweis auf das "Zombieland" war ganz anders gemeint: Ich hatte dabei nicht an den Leser gedacht, sondern an mich, den Autor. Ich wollte nicht der Autor sein, der dieselben Elemente noch einmal durch den Wolf dreht, nur weil ihm keine andere Ausdrucksform für sie einfällt - das ist alles. Dass man Leser und Autor wohl nicht so getrennt betrachten kann ist mir durch deinen Beitrag aufgegangen und deshalb entschuldige ich mich bei allen Lesern, die sich gekränkt gefühlt haben. So war es wirklich nicht gemeint.

Die inhaltliche Kritik an meinem Gedicht ist korrekt. Ursprünglich sollten es sechs Strophen werden, in der all die Themen, die intendiert waren und die du jetzt zu Recht vermisst (und noch weitere), angesprochen werden sollten. Aber es ist einfach zu lange her, das ich das Gedicht begann und ich kann mich nicht mehr in die damalige Stimmung hineinversetzen, deshalb lass ich es erst einmal unbearbeitet, auch wenn jetzt Ergebnis und Intention teilweise im Widerspruch zueinander stehen.

So weit meine Antwort.

Bis denn!

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