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die schwarze linie

Verfasst: 03.01.2011, 20:32
von anika
unerlässlich frisst sich die schwarze raupe
von der wunde am ringfinger in die blutbahn
richtung herz

mein geliebter
wie oft hast du mir das salz aus den augen gestohlen

ich beobachte die wandernde schwarze linie
auf weißem porzellan
setze striche mit dem kuli
um sie aufzuhalten

mein geliebter wie oft hast du mich sanft
in das laken gestreichelt

die wunde klafft
in sattem rot in rohem fleisch

mein geliebter wie oft tief im winter
lief deine heizung nur für mich

der vorhof der wunde
flimmert in sanftem blau

mein geliebter dieser tage im sommer
rinnt mir frost durch die glieder
deine heizung läuft nicht

die schwarze linie –
ich halte sie nicht auf
immer weiter kriecht sie
bis sie mein herz trifft

Re: die schwarze linie

Verfasst: 04.01.2011, 03:38
von shuya
mh, ich ecke an einigen stellen an:
1. ich komm auf viele beschreibungen nicht ganz klar

unerlässlich frisst sich die schwarze raupe
von der wunde am ringfinger in die blutbahn
richtung herz


z.B. dass die raupe schwarz sein muss, erscheint mir unnötig. die linie die sie zieht ist schwarz.
du erwähnst das herz hier oben

und am ende - der tragik halber- noch mal hier:
bis sie mein herz trifft


das kann weg.

2. der gewollte sprung zwischen dem verflossenen liebhaber und der raupe a.k.a. "verzweiflung" (o.ä.)
klappt nicht.
das wirkt mehr wie ein aus dem englisch übersetzter song von irgendeiner nu-metal band in dem es im refrain um liebe geht
und in den strophen um die arme seele die von einem tier aus dem erdreich symbolisch verseucht wird.
das zieht sich selber ins lächerliche, beide seiten leben nicht gut nebeneinander
und zeigen sich gegenseitig die unzulänglichkeiten auf.

3. ich würde nach lesen des textes behaupten (wohlgemerkt ich behaupte wirklich)
dass 60% des textes nicht dem verstärken des bildes dienen soll, sondern dazu dient aufzuzeigen, wie "groß" das gefühl im bild zu sein hat.
suggestion > bildwelt, glaube ich, ist eines der größten probleme, denen man sich als künstler in sämtlichen künsten ausgesetzt sieht.

ich empfehle das eigene ego und den schmerz den man mit etwas verbindet, vor der tür zu lassen, wenn man auch für andere schreiben oder produzieren möchte.

der vorhof der wunde
flimmert in sanftem blau

hier ist dir eine wundervolle formulierung gelungen,
wenn ich vorschlagen darf, sollte sich an dieser betrachtung auch der text aufhängen.

wir haben es im grundsatz mit einem sehr reduzierten bild zu tun.
der raum erfährt keinerlei beschreibung.
wenn wir den ex raus lassen, stört auch kein glorifiziertes geisterbild und kein gefühl diese stille beobachtung.
es handelt sich hierbei im grundsatz nämlich um eine beobachtung.

ein haariges tier, schwarz und blind
trifft auf eine kleine warme öffnung
und kriecht hinein, bahnt sich weg.
aus dem tier wird ein strich.
ein countdown.
der raum ist weiss, eine variable.
die haut ist weiss (porcellan)
es kontrastieren erst zwei lebewesen
die zu kontrastierenden farben verschmelzen
zu einem gemälde.
erst dann greift der angegriffene organismus ein,
aber nicht sinnvoll, nicht effektiv, mehr aus einer beobachterposition aus
wie ein kind das eine ameise sieht
nimmt die frau einen stift
und piekst die linie an,
entsinnt sich einer raupe, die da wohl mal war,
überzeichnet den schwarzen strich
mit königlichem blau (wir erinnern uns, des blauen und des schwarzen bluts - und des roten in der mitte. ein mögliches bild?)
die wunde pulsiert in blau.
eben jenem blau.

ein tryptichon.
ein teil aus weiss. ein teil aus schwarz. ein teil aus blau.

vielleicht kann ich dir mit diesem bild
die liebesgeschichte ausreden
und dich zur malerei bewegen.

es sei empfohlen
gruß aus frankfurt.

Re: die schwarze linie

Verfasst: 04.01.2011, 13:16
von anika
vielen dank für deinen ausführlichen kommentar, shuya. sehr hilfreich, danke.

hier noch ein versuch:



blutvergiftung

unerlässlich frisst sich die raupe
von der wunde am ringfinger
in die blutbahn

ich beobachte
die wandernde schwarze linie
auf weißem porzellan
setze striche mit dem kuli
um sie aufzuhalten

der vorhof der wunde
flimmert in sanftem blau

rot gezackter schlund
die wunde klafft
in rohem fleisch

die schwarze linie –
ich halte sie nicht mehr auf
immer weiter kriecht sie
bis sie mein herz trifft

Re: die schwarze linie

Verfasst: 15.01.2011, 11:04
von riemsche
blutvergiftung

unerlässlich frisst sich die raupe
von der wunde am ringfinger
in die blutbahn
noch keine leerzeile. könnte weitergehen.
(ich beobachte) das braucht es nicht. das liest man ja schon
(die)unter bezug auf die raupe /ihre/ schwarze linie
auf weißem porzellan
hier würde es dann das /ich/ des beobachters brauchen setze striche mit dem kuli
um sie aufzuhalten

der vorhof (der wunde) die wunde kommt ja erst ins bild und wird dann auch erwähnt
flimmert in sanftem blau
auch hier würde ich das bild nicht mnit einer leerzeile trennen
rot gezackter schlund
die wunde klafft
i(n)m rohe(m)n fleisch

die schwarze linie –
ich halte sie nicht mehr auf
immer weiter kriecht sie
(bis sie mein herz trifft)das klingt so nach zielkoordinaten. wie wärs zB mit einem präzisen /bis in mein herz/ ?


blutvergiftung ist ein sehr sachlicher titel. alternativen?
rust never sleeps (:->)) vielleicht mal neilYoung hören ...
lGr