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Meer I

Verfasst: 18.01.2011, 19:35
von dietherkabow
Meer I


Wir hatten das berstende Meer erreicht -
wir waren ein bisschen benommen.
Uns hat dieser Regen schon aufgeweicht,
sonst wären wir sicher geschwommen.

Wir standen und rangen nach Rauschen
nach Brausen, nach Seeluft, nach Salz.
Ich mochte dort nicht mit dir tauschen.
Ich küsste dir flehend Hals.

Wir standen und Möwen umkreisten
ein Leuchthaus. Du sagtest verletzt
Ich hätte dir soviel verheißen
Und gar nichts gehalten bis jetzt.

Wir hatten das berstende Meer erreicht -
wir waren ein bisschen benommen.
Dann hast du mir einen Kaffee gereicht,
ich habe ihn dankbar genommen.

Re: Meer I

Verfasst: 19.01.2011, 13:51
von Perry
Hallo Dieter,
schön dich hier zu lesen und dann auch gleich mit einem Gedicht zum Meer, meinem Lieblingthema.

Leider ist es damit aber schon vorbei mit meiner Freude, denn als ich die erste Strophe gelesen hatte, entfuhr mir unwillkürlich ein "Ähm."
Ich will dir diesen ratlosen Ausdruck natürlich gerne erläutern:

Wir hatten das berstende Meer erreicht -
wir waren ein bisschen benommen.
Uns hat dieser Regen schon aufgeweicht,
sonst wären wir sicher geschwommen.

Die Wiederholungen in den Zeilenanfängen"wir hatten, wir waren, uns hat, ... wären wir" machen den Text schwer wie einen vollgesogenen Schwamm (Absicht?).

Das Bild "das berstende Meer" ist auf den ersten Blick eindrucksvoll anders, aber auf den zweiten wirkt es nur, wenn das Meer zugefroren wäre, was ich wegen des Regens eher für unwahrscheinlich halte.

Die Schlussfolgerung in den letzten beiden Zeilen kann ich nicht nachvollziehen. Wären sie denn geschwommen (worin?), wenn der Regen sie (die Kleidung?) nicht aufgeweicht hätte?

Ich will jetzt vorerst nicht weitermachen, sondern erst einmal abwarten, ob du mit meiner Kritik etwas anfangen kannst.
LG
Perry

Re: Meer I

Verfasst: 20.01.2011, 00:59
von riemsche
könnte dazu in deinem bekanntenkreis wer mit dem versalzenen harmonium .... wär bestimmt hilfreich. am anfang hast du den rhythmus ja schon im griff. das mit der wortung hat perry schon angesprochen. ich halt mich da raus. kenne egOn (:->)) irgendwann nach dem stolperer /flehend/ isser weg. der takt, die regelmäßigen drehungen. vielleicht war der anker schon oben. oder die kette zu kurz. ich kann mir das wirklich gut als shanty vorstellen. einen etwas melodramatischen welchen. wunschdenken am ende mit etwas ziemlich banalem abzuwürgen, funktioniert. wenn mann so will und die richtigen trostworte findet. der kleine heiße italiener kommt mir da abiz zu banal um die ecke. aber klappe riemsche, sonst marschierst du noch über die planke :-) allerdings nicht, ohne vorher zumindest die erste strophe auf eine dir möglichst ähnliche weise abzusingen. locker werden_ und los

Da waren wir also am berstenden Meer
und beide ein bisschen benommen.
Das anzüglich Nasse wog ziemlich schwer,
sonst wären wir sicher geschwommen.

krieg ich auf wunsch auch geräppetHin (:->)) na_schoNe idee?
lieben gruss vom riemsche

Re: Meer I

Verfasst: 21.01.2011, 04:21
von dietherkabow
Ja, a weng pathetisch ist das schon. Ich habe versucht mit den Bildern zu arbeiten, sonst hätte ich schreiben müssen: eine Liebesbeziehung hat sich überlebt und der eine wartet darauf, dass der andere die Trennung vollzieht, aber stattdessen macht man weiter wie bisher. Von daher kann ich deine Kritik zwar nachvollziehen, allerdings nicht konkret darauf antworten: ja, Anapher gewollt; Wasser kann natürlich nicht bersten... und so weiter. Wenn du Lust hast kannst du versuchen auch die restlichen Verse auseinanderzunehmen :- D

@riemsche: ähm... danke, nach den ersten Entschlüsselungsversuchen wusste ich auch deine Veräppelung zu schätzen.

Re: Meer I

Verfasst: 21.01.2011, 09:35
von riemsche
guten morgen,

nix mit dich veräppeln. ganz im gegenteil. vielmehr mich selbst. weil mir dieses hinauszögern von etwas unvermeidlichem ebenso keine unbekannte ist, wie meine gewöhnungsbedürftige art, sehr direkt zu kommentieren. der shanty für schiffsleute war für mich ab dem lesen deiner ersten strophe im kopf präsent. und ich weiß, kenn das von mir, dass es zuweilen die passende musikbegleitung braucht, um gedanken rhythmisch zu papier zu bringen. daher der part mit dem harmonium. dass du es auch ohne diesen kommentar samt ähm in den richtigen hals bekommen hast, ja dir deswegen sogar die mühe machst, riemsche denkschreibe zu entschlüsseln, das weiß ich auch zu schätzen :-) ich dankeDIR.

lGr