Nanu,
wer hat sich denn da zu uns verirrt? Also, Surjanov, dass du dem Jungen Lektorat einmal untreu wirst und dich zu uns verirrst, hätte ich am wenigsten erwartet. Aber ich freu mich außerordentlich über deinen kleinen Abstecher, denn ich bin schon lange ein heimlicher Fan deiner Gedichte ... nur komme ich bei JL höchstens noch zum Lesen. Auf jeden Fall: herzlich willkommen bei O livro. Noch ein Forumhopper, aber in bester Gesellschaft.
Das Gedicht ist schön. Es hat so ein unbeschwertes Meer-und-Sonne-Flair. Klingt alles irgendwie ein bisschen nach Urlaub und Liebe, nach salziger Luft und dem Heißhunger der Leidenschaft.
Rot schlingert,
pocht mein weiches Herz.
Nach meinem Gefühl ist das "pocht" überflüssig und der Vers ohne noch besser:
Rot schlingert
mein weiches Herz
Was mir etwas seltsam an dem Gedicht vorkommt – ist der Textfluss und Spannungsverlauf. Wie soll ich das ausdrücken? Es wirkt wie eine Momentaufnahme auf mich, das ganze Bild schwebt, es gibt keine Steigerung und keinen Bruch, das Ostinato dieser kurzen Aussagesätze (abgesehen vom Imperativ des ersten Satzes) ... jede Strophe scheint nach demselben Akkord zu greifen. Der Text bleibt schemenhaft und allgemein: Wolke, Himmel, Sonne, Schiff, Herz, Dampfer, Brecher ... ich weiß nicht, so schön das Gedicht auch ist, es fehlt mir etwas. Alles, was es bei mir hinterlässt, ist eine kleine Leere. Schön, aber stumpf.

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