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zwischen zwei

Verfasst: 30.09.2011, 02:51
von shuya
aus dem rasenden zug
geht der blick auf das buschwerk
feingliedrig verwobene fenster
mit rahmen aus ästen und blättern

wir blicken verwundert hinaus
und sprechen darüber
wie die nahtlosen bilder entstehen
aus den häusern dahinter
oder den landschaften aus korn und mais

du fragst ob das denn
wirklich ist
und ich frage was denn
wirklich ist
und dann lachst höhnisch über meinen zynismus
den ich doch nie habe hinein legen wollen in die frage, sie war ehrlich gemeint
und ich bin enttäuscht
hätte mit dir an diesem abend
doch noch die welt in
feingliedrig verwobene fenster
mit rahmen aus ästen und blättern
aus dem rasenden zug
gehen unsere blicke ins feld

und der himmel
feingliedrig verwobene fenster
mit rahmen aus den kondens
- in kürze erreichen wir
streifen der flugzeuge
gefrorene abgase, in feinste kristalle verpackt,
licht brechend, licht brechend
dem horizont seinen schrecken nehmend
wäre dein lachen nicht gewesen
ich hätte darüber
noch gerne mit dir
- feingliedrig verwobene fenster
ich hätte darüber noch gerne mit dir gesprochen
in diesen letzten minuten
und sie hätten nicht genügt

und ich hätte über den bahnsteig hastend,
über meine schulter noch die letzten sätze
dir zu gerufen
diese intimität über die köpfe anderer hinweg
in all ihre ohren
und nur in deinen bliebe dieses klingeln
das einer fahrradklingel, ein einzigartiges
ein katzenglöckchen
meine stimme in der menge
durch stimmen verwobene fenster
aus schall ein erkennen
und wir verblieben dabei, still einvernehmlich
dass der himmel sich ähnlich verhält
wie die häuser
oder die felder aus korn und mais
mir genügt das
- worüber lächelst du?
mir genügt das wissen um die vorstellung
es hätte so
wenn nur dein lachen, meine wut über dein lachen
es will mir genügen, nur die vorstellung weil ich
diesen einen moment nur
diesen ärger nicht schlucken kann und von den eiskristallen
der flieger sprechen, bevor der sackbahnhof uns schluckt
bevor die stadt sich uns einverleibt
und wir wieder hunger bekommen, müde, müde, müde werden
unsere eingeschlafenen füße beginnen zu kribbeln und zu schmerzen
nichts verwoben nur lose verknüpft
die geschwindigkeit der anderen
die mir fremd ist
uns diktiert
- warum lächelst du?
und diktiert
und diktiert
es ist nichts.
es ist nichts, sage ich.

Re: zwischen zwei

Verfasst: 02.10.2011, 15:27
von ernstblumenstein
Hallo shuya
Ich versuche, mir ein paar Gedanken über diesen langen und sehr anspruchsvollen Text zu machen. Er ermüdet mich fast ein wenig und ich frage mich, ob du deine Stimmungen im Gedicht kürzer hättest schreiben können? Ich glaube nicht. Nach mehrmaligem Lesen des Gedichtes empfinde ich eine schöne und feine Poesie, die du in Schwingungen, Gesprächen, Erwartungen, Missverständnissen, Entäuschungen, Wünschen und Sehnsüchten gekonnt ausdrückst.
Ganz stark auch die Schlussphase des Gedichtes, wo du aus deinem Traum oder Ausflug (oder beides zusammen) zurückkehrst in das wirkliche Leben. Ich füge hier noch einige "aus dem Text gerissene Sequenzen", die es mir besonders angetan haben, an:
...und wir verblieben noch dabei
...mir genügt das
...es hätte so
...diesen einen Moment nur
...bevor die Stadt uns einverleibt
...nichts verwoben, nur lose verknüpft
...die mir fremd ist, uns diktiert
...und diktiert
...es ist nichts.

Meiner Meinung nach ist es sehr viel - ein ganz sinnliches Gedicht.
Liebe Grüsse Ernst

Re: zwischen zwei

Verfasst: 08.10.2011, 09:35
von riemsche
shuya hat geschrieben:aus dem rasenden zug
geht der blick auf das buschwerk
feingliedrig verwobene fenster
mit rahmen aus ästen und blättern


wenn ich gerade dabei bin (:->)) auch hier guck ich sehr gerne alles und bis zum schluss durch. aber wegen dem rasenden zug und mangels kopfhörer abiz schneller ;-) für shuya ein ansatz?

rasender zug
der blick in den busch
feingliedrig verwobene fenster
rahmen aus ästen und blätter

lGriemsche

Re: zwischen zwei

Verfasst: 11.10.2011, 20:08
von Kastell
zwischen zwei, also,

sehr selten macht realismus doch spaß, meint, shuya dankend, kastell

Re: zwischen zwei

Verfasst: 12.10.2011, 13:15
von shuya
Er ermüdet mich fast ein wenig

das kann ich sehr gut verstehen
mich auch - und die frage ist berechtigt gestellt.
aber ja, vermutlich stimmt es trotzdem irgendwie so - langatmig und mürbe wies geworden ist.

Meiner Meinung nach ist es sehr viel - ein ganz sinnliches Gedicht.

danke vielmals! das ist schön zu hören

wenn ich gerade dabei bin (:->)) auch hier guck ich sehr gerne alles und bis zum schluss durch. aber wegen dem rasenden zug und mangels kopfhörer abiz schneller ;-) für shuya ein ansatz?

ich sehe, dass du die geschwindigkeit zu erhöhen versuchst, aber das wollte ich diesmal vermeiden.
"der blick in den busch"
"geht der blick auf das buschwerk"
ich glaube dass ich in so einem fall lieber bei meinem satz bleibe,
diese drei wörter mehr (die man in beinahe jeder zeile rausstreichen könnte, das ist sicher übertragbar)
die das ganze in die länge ziehen und sperrig machen
gefallen mir ganz gut.
ich sehe und verstehe aber deinen punkt und ich denke, dass man es wirklich problemlos runterbrechen und verkürzen könnte
und es wäre mit sicherheit auch nicht verkehrt. vielleicht denk ich ja mal dran und mach eine zweite version davon um zu gucken wie sichs dann lesen würde einfach des experimentes willen

sehr selten macht realismus doch spaß, meint, shuya dankend, kastell

spaß ist ein tolles wort in diesem kontext, das ehrt enorm (:

an euch drei liebe grüße!