ich beteilige mich mal nicht an der diskussionerstmal.. willkommen im forum, ein reichlich verspätetes, aber ich war in letzter zeit nicht so in kommentar-stimmung.
es ist spannend, in letzter zeit habe ich viel über celan gelesen (hier und an anderen stellen)
und habe ihn selbst vor einer weile auch als referenz herangezogen (allerdings nur die todesfuge).
weiß jemand ob es dafür einen speziellen anlass gibt oder sind das zufälle? (nur aus interesse)
So, nun aber zum Text:
Entgegen deiner anderen texte wirkt dieser hier erstaunlich nüchtern.
mehr wie ein fiktionaler bericht als ein eigentliches gedicht.
da würde auch meine kritik beginnen zu greifen.
in der letzten ode an celan die hier gepostet wurde habe ich sehr stark das "heranwagen" an den dichter kritisiert und befunden, dass der mann celan nicht stark genug in den text eingearbeitet wurde.
ich will das hier vermerken, mir aber sparen das noch weiter auszuführen.
es gibt für mich ein paar höhen und tiefen in dem text
und ohne zu ausholend zu werden
groß finde ich folgende bilder:
sie hören den fluss
er liegt in paris
er wird auch heute noch dort sein
vergraben hat man nur sie
die flüsse läßt man dort wo sie sind
nur manchmal fängt man sie ein
um sie am verschwinden zu hindern
- dieses hier, könnte für sich stehen, als gedicht meine ich.
sehr geschickt gelegt, wenn man es vom rest des textes isoliert
aber es geht unter, im text selbst.
warum das so ist, darauf will ich gleich noch kurz eingehen.
nächstes bild:
so still war es in ihm (stell ich mir vor)
als wäre etwas in ihm geboren
was frieren wird wenn er nicht geht
auch sehr stark - und vermutlich das einzige in dem gedicht, dass mich persönlich dem geist celans näher bringt.
die geburt einer idee, eines vagen gefühls, dieser kurze reset der darauf folgt, etwas kindliches, etwas fröstelndes und unruhiges.
ein meines erachtens nach sehr mächtiges bild, eines sehr mächtigen gefühls
getrübt allerdings von einer inkonsequenz.. dem "stell ich mir vor"
es steht da,
wirklich als hättest du böse kommentare und leser erwartet
wie eine entschuldigung dafür, dass du den namen celans in den mund nimmst
und zerbricht das bild gleichermaßen das noch mitten in seinem aufbau inbegriffen ist.
ich will jetzt, um dann auch auf die tiefen einzugehen
nochmal auf das "untergehen" einzelner elemente im text zurück kommen.
trotz seines - sogar fertig ausformulierten - großartigen potentials, dass das text HAT
verliert er alle seine wirkung, bereits beginnend am anfang (mit leichter aufholjagd am ende).
der text hat keine dichte, obwohl er ja, wie oben gesagt, sehr gute beobachtungen enthält, an denen in sich nichts zu kritteln ist.
seine schwäche ist der fehlende zusammenhalt
zwischen einzelnen zeilen. er wirkt mehr wie eine kollage, die mehr schlecht als recht zusammengeklebt wurde
und jetzt wo sie nun mal da hängt
zeigt man sie eben auch anderen.
es ist auch eins meiner lieblingsworte, wenn es um texte geht:
verdichtung!lose vernetzte zeilen, die nicht zueinander passen
eine stimmung hier, eine andere da,
das übliche, was sich einstellt, wenn man zu vieles wollte aber nicht unbegrenzt sendezeit hat: das ergebnis wird wahllos.
es stimmt: der zusammenhalt ist über die geschichte gegeben. die geschichte eines menschen, der einen namen und eine ortsbeschreibung bekommt, der einen blick und ein gefühl haben darf
und ein ort, in dem vieles begraben liegt, viel geschichte vordergründig,
dessen flüsse aber weiterfließen,
noch rauschen
wenn der mann und seine schritte verhallt,
generationen unter der erde liegen,
die gefühle in die welt gesandt und bereits neutralisiert im gleichklang unseres tickenden universums schwingen
aber ein text ist ein körper
nicht nur ein informationsträger, sondern eben ein organismus
der betrachter macht ihn durch die betrachtung zur verlängerung seines geistes
und somit lebt der text, so er gelesen wird.
jeder körper muss, um klare konturen haben, eben auch eine gewisse dichte aufweisen
und genau hier stimmt etwas nicht,
der text ist schwammig
stimmungsarm, trotz starker bilder hat er mich keine sekunde berührt.
genau da liegt der hund begraben
und genau da würde ich empfehlen noch einmal von vorne anzufangen.