"..."

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
Archäopterix
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"..."

Beitragvon Archäopterix » 22.08.2002, 16:55

"..."

Mama, spielst du mit mir
KEINE ZEIT
auf dem Spielplatz?
KEINE LUST
Mama, die Sonne scheint!
IS MIR EGAL
Mama, was is´n los?
LASS MICH IN RUH


Mama, das is Fred.
INTRESSIERT MICH NICH
Mama, er ist mein Freund.
VERSTEH ICH NICH
Mama, ich liebe ihn.
WILL ICH AUCH NICH VERSTEHN
Mama, ich bin schwul!
GEHT MICH AUCH NIX AN...
In mir schlummert ein Genie - nur wird das Biest nicht wach...

Hamburger
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Re: "..."

Beitragvon Hamburger » 23.08.2002, 12:38

Hallo Archäopterix!

dieses Gedicht ist ziemlich gut. Ich habe daran nichts Wesentliches zu kritisieren und denke, Interpretationsarbeit ist hier nicht nötig.

Aber der Titel, denn solltest du ändern. Er ist ziemlich platt. Du solltest versuchen ein Bild für "Aneinander vorbei" zu finden. Alle Arbeit brauchst du dem Leser ja nicht abzunehmen und gerade die Bildersprache ist sehr viel tiefsinniger als die 1:1-Übertragung dessen in Worte was man ausdrücken will. Also, wenn du diese Platitüde noch ersetzt, dann würde ich sagen 1A!

Ham-dankefürdasgedicht-burger
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Re: "..."

Beitragvon Archäopterix » 23.08.2002, 14:17

Hallo Hamburger,

Vielen Dank!!!

Mit dem Titel bin ich selbst auch nicht ganz zufrieden, es ist mir aber bisher noch kein passenderer eingefallen. Sobald es soweit ist wirst du es sicher bemerken...

LG
Archäopterix
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Re: "..."

Beitragvon Hamburger » 23.08.2002, 20:57

Hallo nochmals!

Mir ist ein Titel für das Gedicht eingefallen, der glaube ich ziemlich treffend wäre:"Einsamer Dialog".

Was hälst du davon?

Gruß,

Ham-kreativ?-burger
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Re: "..."

Beitragvon Archäopterix » 25.08.2002, 18:53

Hallo Hamburger,

nicht schlecht, dein Titelvorschlag. Allerdings ist mir selbst inzwischen etwas eingefallen...Wie findest du es?

LG
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Re: "..."

Beitragvon Hamburger » 25.08.2002, 21:37

Hallo Archäopterix!

Ich finde deinen Titelvorschlag wesentlich besser als meinen. Nun habe ich an dem Gedicht nichts mehr zu kritisieren und es gefällt mir rundum.

MFG,

Ham-mehrmehrmehrGedichtehaben-burger
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Re: "..."

Beitragvon gelbsucht » 25.08.2002, 22:32

Hallo Archäopterix,

als Titel hätte ich kurz "Dialog" in Ahnlehung an Mr. Ham klasse gefunden ... beim Lesen bekommt man dann spitzt, daß es ironisch gemeint ist und für Ironie bin ich immer zu haben. Dagegen "..." finde ich etwas nichtssagend.

Ich finde dein Gedicht ... jetzt müßte etwas kommen, so in der Art: gut oder schlecht, schön oder nicht so schön. Aber dieses Werturteil will ich heute mal umgehen und meine persönliche Meinung zurückstellen.

Aber ich habe eine sachliche Kritik: zwischen der ersten und zweiten Strophe ist ja wohl (inhaltlich) einige Zeit vergangen. Das hat bei mir allerdings zu dem Eindruck geführt, daß hier Ursache und Folge geschildert werden, nämlich: das Kind wurde als es jung war sehr vernachlässigt (Erste Strophe; Ursache) und daher rührt seine Homosexualität (Zweite Strophe; Folge). Ich weiß, wahrscheinlich hast du das nicht so beabsichtigt, aber meine Kritik bezieht sich nur darauf, daß man es durchaus so (heraus)lesen, so verstehen, so mißverstehen kann. Und diese Lesart rückt das Gedicht doch in ein sehr merkwürdiges Licht.

MfG,
gelbsucht
"Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung." (Heinrich Heine)

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Re: "..."

Beitragvon Hamburger » 26.08.2002, 13:55

Hallo Archäopterix, Hallo gelbsucht!

Der Kritik bezüglich des Titels möchte ich mich nicht anschliessen. Warum ist dieser Titel denn nichtssagend, gelbsucht? Er drückt doch mehr als jedes Wort das aneinander vorbei sprechen und die Leere des Dialogs aus, wenn wir den Inhalt des Dialogs mal auf eine - eben nicht vorhandene - zwischenmenschliche Ebene abklopfen.
Also ich nehme den Titelgeber hier in Schutz, obwohl ich deinen Vorschlag, nämlich einfach nur "Dialog" noch über meinen stellen möchte, was die Qualität betrifft.
Denn die Ironie die damit ausgedrückt würde und auf die du hinweist, käme so noch besser zum Tragen als im etwas melancholischen Vorschlag "Einsamer Dialog" meinerseits.
Der zweiten Kritik gelbsucht`s stimme ich eher zu. Jetzt bin ich doch wieder nicht ganz zufrieden mit dem Gedicht (gelbsucht, Du hast mein Leben zerstört!), denn es muss Zeit vergangen sein zwischen der ersten und zweiten Strophe, ausser erwachsene Männer spielen gerne auf dem Spielplatz - und dann noch mit Mama...
Allerdings möchte ich die Folgerung gelbsucht`s einschränken, die das heisst, das Kind sei homosexuell geworden, weil es früher vernachlässigt wurde.
Man kann es auch anders sehen: Das Kind wurde immer vernachlässigt, sowohl bei den kleinen Dingen des Alltags (auf dem Spielplatz spielen) als in für es selber existenziell wichtigen Fragen um dem Umgange damit (sexuelle Ausrichtung). Es findet, egal worüber gesprochen wird, niemals eine verständnisvolle Reaktion
der eigenen Mutter. Dies ist sein Leiden und das sollte geschildert werden - mehr nicht.
Wie gesagt, so kann man das sehen. Auf mich wirkte die zweite Strophe die ganze Zeit nicht, deshalb sehe ich es auch so, als eine Folge auf die erste Strophe im Sinne Ursache-Wirkung.
Mich stört nur seit jetzt der Zeitsprung, den man irgendwie eleganter und nicht so abprubt hätte hinbekommen können. Andererseits: Wie hätte man das tun sollen ohne den Überraschungseffekt am Schluss zu verlieren?

So weit meine Anregungen!

Bis denn!

Ham-naseweis-burger
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Re: "..."

Beitragvon Archäopterix » 26.08.2002, 17:59

Hallo gelbsucht, Hallo Hamburger,

@gelbsucht: schön, dss du wieder aus dem Urlaub zurück bist - ich hatte dich schon vermisst.

Das Gedicht und Ich im Allgemeinen:
Meine Gedanken beim Lesen des Gedichts: (ja, in der Tat, ich schreibe ohne mir Gedanken zu machen! Erst beim nachträglichen lesen dessen was ich geschrieben habe wird mir klar, was ich damit sagen wollte, könnte,...)
Es geht mir schlicht und ergreifend um die Gleichgültigkeit zwischen den Menschen, die selbst vor familiären Beziehungen nicht halt machen. Außerdem um die fast nicht mehr vorhandene Gabe des Zuhörens.

LG
Archäopterix
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Re: "..."

Beitragvon gelbsucht » 26.08.2002, 20:09

@Archäopterix
So etwas ähnliches habe ich mir schon gedacht, ich meine, worum es dir in dem Gedicht gegangen sein könnte. Das ändert allerdings nichts an der angesprochenen, immanenten Problematik.

@hamburger
Warum ist dieser Titel denn nichtssagend, gelbsucht? Er drückt doch mehr als jedes Wort das aneinander vorbei sprechen und die Leere des Dialogs aus, wenn wir den Inhalt des Dialogs mal auf eine - eben nicht vorhandene - zwischenmenschliche Ebene abklopfen."
Also ganz allgemein gesprochen assoziere ich mit drei Punkten das, was du darin implizierst, überhaupt nicht. Was bedeuten diese drei Punkte denn eigentlich? Wenn ich sie in einem Text lese, bedeuten sie eine Auslassung, ein Und so weiter, ein Et cetera. Darin ist noch nichts von einer Dialogform enthalten. Im Gedicht selbst begegnen uns diese drei Punkte genau in der Bedeutung des "usw.", denn sie bilden den Abschluß des Gedichtes. Der Leser verallgemeinert aus den beiden Strophen: es setzt sich fort, immer der selbe Dialog, den wir in den zwei Strophen exemplarisch zu Gesicht bekommen haben. Aber ein "USW." oder ein "ETC." finde ich persönlich sehr nichtssagend als Titel, denn es sagt mir nichts darüber, was mich inhaltlich erwartet. Ein prägnanter Titel, ein Wort, ein kurzer Satz würde ich dem also immer vorziehen.

MfG,
gelbsucht
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Re: "..."

Beitragvon Hamburger » 27.08.2002, 15:48

Hallo ihr Beiden!

Ich hatte erst gedacht, der Titel solle nun lauten "...". Nun habe ich noch einmal hingeschaut und er lautet ja tatsächlich ...
Man verzeihe mir, der Umzug strengt an, kann schon nicht mehr lesen. Ich gebe gelbsucht`s Kritik recht, wenn der Titel weiter so lautet, wie er momentan lautet. Würden hingegen die - von mir schon von Beginn an eingebildeten - Anführungszeichen hinzugefügt, so würde das genau auf die "Leere des Dialogs" hinweisen, von der ich sprach. In diesem Fall würde ich in dem jetzt schon in die Geschichte eingehenden "Streit um die drei Punkte" meine Argumentation aufrecht erhalten.

Liebe Grüße,

Ham-legastheniker-burger
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Re: "..."

Beitragvon gelbsucht » 27.08.2002, 19:56

"Alles sehr merkwürdig", sagte der Fuchs und wurde von einem umfallenden Baum erschlagen.

Wie hieß denn eigentlich der erste, der ursprüngliche Titel?
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Re: "..."

Beitragvon Hamburger » 28.08.2002, 12:05

Kurze Frage, kurze Antwort: Der ursprüngliche Titel hieß "Aneinander Vorbei". Meine Kritik dazu - siehe zweiter Beitrag.

MFG,

Ham-...-burger
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Re: "..."

Beitragvon cute sushi lunches » 28.08.2002, 21:52

Ich weiß ja nicht ob es daran liegt,dass ich weiblich bin,aber ich finde dieses Gedicht oder wie man es auch nennen soll einfach nur flach und unsensibel.
Warum hat denn Mama keine Zeit für ihr Kind?Was ist mit Papa?Warum wird hier überhaupt nur der Mutter ein Vorwurf gemacht?Und dann auch noch diese platte Aussage:*Man soll dich mehr um seine Kinder kümmern*,die einem ja schon nach zwei Zeilen förmlich entgegenschreit.
Anstatt irgendwelche Hintergründe zu erläutern klagt das Gedicht doch nur die Mutter an.Nur die Mutter,wohlgemerkt.
Außerdem,es wurde schon an anderer Stelle bemerkt,sieht es so aus,als wäre der Junge schwul geworden,weil seine Mutter sich früher nicht um ihn gekümmert hat.Frei nach dem Motto:Einsame Kinder werden homosexuell.
Fehlende Kommunikation in Familien ist ein aktuelles und wichtiges Thema,das aber hier für meine Begriffe einfach nur platt rüberkommt.

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Re: "..."

Beitragvon Hamburger » 29.08.2002, 12:11

Hallo cute sushi lunches!

Ich weiß ja nicht ob es daran liegt, dass ich männlich bin, aber ich finde dieses Gedicht weder flach noch unsensibel.
Wäre es kein Dialog oder wäre am Schluss kein Überaschungseffekt vorhanden, so würde ich dir zustimmen. Ich finde, das es insbesondere der Überraschungseffekt ist, der das Gedicht so gut macht. Daher habe ich auf eine Erhellung der Hintergründe verzichten können. Ich denke, und jetzt setze ich mich richtig in die Nesseln und werde insbesonder gelbsucht`s Widerspruch hervorrufen, es muss nicht immer tiefsinnig sein. Die einfache Darstellung ist nicht automatisch platt. Gerade die Idee mit den beiden Dialogen, zwischen denen ein Zeitsprung liegt, finde ich eigentlich recht gelungen.
"Politisch korrekt" hätte man natürlich beide Elternteile anklagen müssen, aber muss "Political correctness" gleich solche Ausmaße annehmen?
Nach wie vor kann ich die Gleichung "Junge wurde homosexuell weil keiner für ihn Zeit hatte" so nicht erkennen, worauf ich schon in früheren Beiträgen verwiesen hatte.

Freundliche Grüße,

Ham-contra-burger
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