Warten auf Godot, erster Teil
Verfasst: 20.01.2012, 10:10
und da hat sie sich eingenistet
unter den haaren der haut
schieferplatten ineinandergekrallt
flechten die häuser sich
zur stadt
taucht sie in den farn
und nicht wieder auf
er: wo fangen wir an?
Nehebkau steht, als ein Fixstern, auf der Mitte der Bühne.
sie: mit dem monolog.
er: mit dem monolog. gut.
Nehebkau spricht: ruhig, deutlich und langsam. er bewegt sich hierbei nicht,
er hat keine mimik und keine gestik.
flüsternd treibt die schaar, das passieren, das passieren.
es ergibt sich, valdes schreibt auf einen zettel, schon tot schreibt er noch
auf einen erdachten zettel eine anzüglichkeit und faltet sie
wird daraufhin durchgereicht, zur schönen, schlanken
wie er sagt und man erinnert sich ihrer
ihrer unruhigen hände, ihre shiva hände, ständig am nesteln
der ruhigen augen, die viel zu alt, in die ferne der gezeiten stieren
um sie herum dieser maelstrom aus körper, so unruhig! fanden alle
der ihre augen betont, ein großer, flackernder lidschatten aus fleisch
man erinnert sich ihrer und weiß wen er meint
sie kichert beim lesen
soviel dazu.
ich nenne seinen namen, valdes.
ich nenne sein gesicht, zwei brauen, zwei augen, eines ein wenig offener als das andere. einen mund, eine hälfte etwas tiefer als die andere. eine nase,
die noch an zwei brüche erinnert, einer mit sechszehn, der nächste mit neunundzwanzig. 1982, im jahr des hundes geboren, 2006, im jahr des hundes verendet.
es treten auf:
Lisa, Florence, die Witwe Tanaka mit Tochter, Valdes
Nehebkau dreht den kopf zu ihnen, da sie die bühne betreten, er verfolgt sie mit seinem blick.
sie ziehen vor ihm daher und bleiben stehen, da sie die sicht auf ihn vollständig verdecken.
Nehebkau spricht weiter.
die welt der götter ist in drei teile zerbrochen
und wurde die farbe, der weg und die zeit.
seitdem passieren die menschen vor mir
und seitdem gibt es den tod.
vor mir passieren sie und hinter mir werden sie eins.
sie: Florence! wenn sie den zettel in der rechten halten beim auftritt, können die zuschauer ihn nicht sehen. könnten sie ihn in zukunft in der linken halten?
florence: sicherlich.
Florence nimmt den zettel in die linke hand.
florence: jetzt die unterhaltung mit valdes, ja?
sie: ja, die unterhaltung mit valdes. nicht lapidar werden, kein chit-chat, bleib in der rolle
Florence dreht den Kopf zu Valdes und lächelt.
Florence spricht.
das kam von ihnen, nicht?
Valdes setzt an zu antworten, sie lässt ihn aber nicht zu wort kommen.
sehr freundlich von ihnen, wirklich, danke sehr, vielen dank
aber nun wissen sie, es ist rührend, wirklich rührend, höchst rührend das alles
und doch, sie sollten wissen, falls sie nicht unterrichtet sind meine ich, sie sollten bescheid wissen, noch ein schritt und
dann, wie soll ich sagen, wie soll ich das ausdrücken, warten sie, mhm, ja dann, also dann wars das, nicht?
hier endet die reise, thank you for traveling, bitte aussteigen, auf nimmernimmer, verstehen sie?
Valdes nickt.
sie: also, valdes, fühlen sie sich in ihre rolle ein, wer sind sie? wo kommen sie her? wie sind sie aufgewachsen? warum schreiben sie den zettel?
valdes: nun, ich bin valdes, ich komme aus portugal, ich bin in ärmlichen verhältnissen aufgewachsen, aber auf bildung legte man wert.. ich habe mich nach oben gearbeitet, den zettel schrieb ich, um der frau zu imponieren.
sie: ja sicher, imponieren. aber warum jetzt? wenn sie nicken, wie nicken sie? ich meine, da muss doch was da sein?
valdes: amüsement vielleicht?
sie: ja! gut! amüsement! lächeln sie verhalten, sein sie amüsiert! also nochmal.
dann, also dann wars das, nicht?
hier endet die reise, thank you for traveling, bitte aussteigen, auf
nimmernimmer, verstehen sie?
Valdes nickt, sichtlich amüsiert.
Florence spricht weiter.
ja gut, aaalso, jetzt haben sie mich aber aus dem konzept gebracht
ich meine, guter mann, also ihre absichten, charmant, charmant
aber ich bereite mich hier aufs sterben vor, also nein, ich bereite mich hier aufs verschwinden vor. verstehen sie? ich meine, da fängt man doch keine romanze an, sozusagen, das ist ja dramatisch! da löst man sich vom leben, da hängt man im wartesaal, pudert sich das näschen noch ein letztes mal, alles los lassen, alles los lassen, sagt man sich und macht das auch noch
um am ende, ganz zum schluss, noch eine bekanntschaft zu schließen?
sich nochmal ans leben zu hängen, zwei minuten vor finish?
sie: ich glaube den letzten nebensatz streichen wir, die zwei minuten meine ich. können sie das nochmal ohne wiederholen?
ganz zum schluß noch eine bekanntschaft zu schließen?
sich nochmal ans leben zu hängen?
sie: ja das ist besser, viel besser. florence, valdes, vermerken sie sich das auch in ihrem textbuch. valdes, ich würde ihren monolog jetzt gerne vorziehen,
die szene mit florence ist mir noch zu instabil, da würde ich gerne noch mal ans textbuch und ein paar änderungen vor der nächsten probe vornehmen.
also überspringen wir das und gehen direkt in den monolog, ja?
also, florence, sie können dann schon gehen.
florence: wissen sie ob die bar gegenüber schon auf hat?
witwe tanaka: nein, erst ab 18 uhr.
florence: mhh, nagut, danke dir. naja, machts gut!
Florence ab.
sie: formation habt ihr im kopf für den monolog?
Witwe Tanaka und ihre Tochter gehen weiter nach links, Nehebkau in die hintere rechte Ecke, Valdes tritt vor.
sie: herr ansari, können sie den spot auf Tanakas richten?
ja, so ist gut. und dann die drei fluter, die von vorne bis hinten in der bühnenmitte. ja, da wo valdes steht. ich will so eine art lichtflur von vorne bis hinten. und der eiserne vorhang muss noch auf, können wir den hochziehen? ich brauche mehr tiefe für das stück.
ansari: das dauert aber n weilchen.
sie: kein problem, dann warten wir.
10 Minuten verstreichen. Tanakas Tochter setzt sich in der Zwischenzeit, Nehebkau und Valdes sprechen über einen Film im Kino, den sie zusammen gesehen haben. Tanaka wartet ruhig.
sie: okay, auf position bitte. valdes, monolog.
Valdes spricht.
die gestaute hitze zwischen den wänden der mietswohnung.
eine frau und ich, ein kater in der hinteren ecke des zimmers,
fünf pflanzen, jeweils ein porcellanteller als untersetzer.
ich erinnere den ventilator, sein geräusch, den staub im lichtblock
zwischen den halb zugezogenen vorhängen
und da hat sie sich eingenistet
unter den haaren der haut
eine idee oder ahnung.
Valdes dreht sich um und läuft bis zur hälfte des bühnenteils hinter dem eisernen vorhang, er steht fast im dunkeln.
unter den haaren der haut
schieferplatten ineinandergekrallt
flechten die häuser sich
zur stadt
taucht sie in den farn
und nicht wieder auf
er: wo fangen wir an?
Nehebkau steht, als ein Fixstern, auf der Mitte der Bühne.
sie: mit dem monolog.
er: mit dem monolog. gut.
Nehebkau spricht: ruhig, deutlich und langsam. er bewegt sich hierbei nicht,
er hat keine mimik und keine gestik.
flüsternd treibt die schaar, das passieren, das passieren.
es ergibt sich, valdes schreibt auf einen zettel, schon tot schreibt er noch
auf einen erdachten zettel eine anzüglichkeit und faltet sie
wird daraufhin durchgereicht, zur schönen, schlanken
wie er sagt und man erinnert sich ihrer
ihrer unruhigen hände, ihre shiva hände, ständig am nesteln
der ruhigen augen, die viel zu alt, in die ferne der gezeiten stieren
um sie herum dieser maelstrom aus körper, so unruhig! fanden alle
der ihre augen betont, ein großer, flackernder lidschatten aus fleisch
man erinnert sich ihrer und weiß wen er meint
sie kichert beim lesen
soviel dazu.
ich nenne seinen namen, valdes.
ich nenne sein gesicht, zwei brauen, zwei augen, eines ein wenig offener als das andere. einen mund, eine hälfte etwas tiefer als die andere. eine nase,
die noch an zwei brüche erinnert, einer mit sechszehn, der nächste mit neunundzwanzig. 1982, im jahr des hundes geboren, 2006, im jahr des hundes verendet.
es treten auf:
Lisa, Florence, die Witwe Tanaka mit Tochter, Valdes
Nehebkau dreht den kopf zu ihnen, da sie die bühne betreten, er verfolgt sie mit seinem blick.
sie ziehen vor ihm daher und bleiben stehen, da sie die sicht auf ihn vollständig verdecken.
Nehebkau spricht weiter.
die welt der götter ist in drei teile zerbrochen
und wurde die farbe, der weg und die zeit.
seitdem passieren die menschen vor mir
und seitdem gibt es den tod.
vor mir passieren sie und hinter mir werden sie eins.
sie: Florence! wenn sie den zettel in der rechten halten beim auftritt, können die zuschauer ihn nicht sehen. könnten sie ihn in zukunft in der linken halten?
florence: sicherlich.
Florence nimmt den zettel in die linke hand.
florence: jetzt die unterhaltung mit valdes, ja?
sie: ja, die unterhaltung mit valdes. nicht lapidar werden, kein chit-chat, bleib in der rolle
Florence dreht den Kopf zu Valdes und lächelt.
Florence spricht.
das kam von ihnen, nicht?
Valdes setzt an zu antworten, sie lässt ihn aber nicht zu wort kommen.
sehr freundlich von ihnen, wirklich, danke sehr, vielen dank
aber nun wissen sie, es ist rührend, wirklich rührend, höchst rührend das alles
und doch, sie sollten wissen, falls sie nicht unterrichtet sind meine ich, sie sollten bescheid wissen, noch ein schritt und
dann, wie soll ich sagen, wie soll ich das ausdrücken, warten sie, mhm, ja dann, also dann wars das, nicht?
hier endet die reise, thank you for traveling, bitte aussteigen, auf nimmernimmer, verstehen sie?
Valdes nickt.
sie: also, valdes, fühlen sie sich in ihre rolle ein, wer sind sie? wo kommen sie her? wie sind sie aufgewachsen? warum schreiben sie den zettel?
valdes: nun, ich bin valdes, ich komme aus portugal, ich bin in ärmlichen verhältnissen aufgewachsen, aber auf bildung legte man wert.. ich habe mich nach oben gearbeitet, den zettel schrieb ich, um der frau zu imponieren.
sie: ja sicher, imponieren. aber warum jetzt? wenn sie nicken, wie nicken sie? ich meine, da muss doch was da sein?
valdes: amüsement vielleicht?
sie: ja! gut! amüsement! lächeln sie verhalten, sein sie amüsiert! also nochmal.
dann, also dann wars das, nicht?
hier endet die reise, thank you for traveling, bitte aussteigen, auf
nimmernimmer, verstehen sie?
Valdes nickt, sichtlich amüsiert.
Florence spricht weiter.
ja gut, aaalso, jetzt haben sie mich aber aus dem konzept gebracht
ich meine, guter mann, also ihre absichten, charmant, charmant
aber ich bereite mich hier aufs sterben vor, also nein, ich bereite mich hier aufs verschwinden vor. verstehen sie? ich meine, da fängt man doch keine romanze an, sozusagen, das ist ja dramatisch! da löst man sich vom leben, da hängt man im wartesaal, pudert sich das näschen noch ein letztes mal, alles los lassen, alles los lassen, sagt man sich und macht das auch noch
um am ende, ganz zum schluss, noch eine bekanntschaft zu schließen?
sich nochmal ans leben zu hängen, zwei minuten vor finish?
sie: ich glaube den letzten nebensatz streichen wir, die zwei minuten meine ich. können sie das nochmal ohne wiederholen?
ganz zum schluß noch eine bekanntschaft zu schließen?
sich nochmal ans leben zu hängen?
sie: ja das ist besser, viel besser. florence, valdes, vermerken sie sich das auch in ihrem textbuch. valdes, ich würde ihren monolog jetzt gerne vorziehen,
die szene mit florence ist mir noch zu instabil, da würde ich gerne noch mal ans textbuch und ein paar änderungen vor der nächsten probe vornehmen.
also überspringen wir das und gehen direkt in den monolog, ja?
also, florence, sie können dann schon gehen.
florence: wissen sie ob die bar gegenüber schon auf hat?
witwe tanaka: nein, erst ab 18 uhr.
florence: mhh, nagut, danke dir. naja, machts gut!
Florence ab.
sie: formation habt ihr im kopf für den monolog?
Witwe Tanaka und ihre Tochter gehen weiter nach links, Nehebkau in die hintere rechte Ecke, Valdes tritt vor.
sie: herr ansari, können sie den spot auf Tanakas richten?
ja, so ist gut. und dann die drei fluter, die von vorne bis hinten in der bühnenmitte. ja, da wo valdes steht. ich will so eine art lichtflur von vorne bis hinten. und der eiserne vorhang muss noch auf, können wir den hochziehen? ich brauche mehr tiefe für das stück.
ansari: das dauert aber n weilchen.
sie: kein problem, dann warten wir.
10 Minuten verstreichen. Tanakas Tochter setzt sich in der Zwischenzeit, Nehebkau und Valdes sprechen über einen Film im Kino, den sie zusammen gesehen haben. Tanaka wartet ruhig.
sie: okay, auf position bitte. valdes, monolog.
Valdes spricht.
die gestaute hitze zwischen den wänden der mietswohnung.
eine frau und ich, ein kater in der hinteren ecke des zimmers,
fünf pflanzen, jeweils ein porcellanteller als untersetzer.
ich erinnere den ventilator, sein geräusch, den staub im lichtblock
zwischen den halb zugezogenen vorhängen
und da hat sie sich eingenistet
unter den haaren der haut
eine idee oder ahnung.
Valdes dreht sich um und läuft bis zur hälfte des bühnenteils hinter dem eisernen vorhang, er steht fast im dunkeln.