vom verschwinden der dinge
verstehe ich nichts
was sich entfernt
und was sich erlöst
abgegrabene zahnreihen
ein fieberglühendes gesicht
entkleidet sie sich
taucht sie in den farn
und nicht wieder auf
Florence steht alleine auf der bühne
sie: was bedeutet es zu verschwinden?
florence: davon habe ich keine klare vorstellung
sie: aber eine unklare?
florence: ja, sicher, aber..
sie: aber.. ?
florence: das ist schwer zu
sie: perfekt, spielen sie!
Florence also spricht.
zwischen mir und der welt
ist ein widerstand
der, meine ich, dort immer war:
ich erinnere mich
an die metzgerei in der rue montparnasse
wo mich die mutter am tag vor weihnacht
lichterketten und gebeine
zwischen den chic zweier boutiquen eingeklemmt
das rohe fleisch, zwei schmeißfliegen
und kaltes licht
mein liebhaber und ich
ein kupferstich mit einem stier
in berlin, die mauer schon in trümmern
es liegt ein stück davon im empfangsbereich
verschmitzt liegt es da
auf eine weiße krankenbare hätte ich
mein liebhaber dringt in mich ein
und ich fühle das erste mal nichts
als wäre dort etwas
verschwunden, ein stück intimität
das ich nicht wieder finden sollte
zeit meines lebens und auch nicht im tod
wie schließt man frieden mit sich selbst?
sie (sichtlich gerührt): florence! ich bin glücklich, wirklich sehr zufrieden – sie wissen ja, es war vakant, fasst hätte ich diese blonde – wie hieß sie noch? – aber ich bin wirklich zufrieden, großartig.
Florence ab.
sie: mein herr, könnten sie?
er steht von den rängen des publikums, nämlich gesagt der sechsten reihe, platz 16 der hinteren tribüne auf und geht ohne hast in richtung bühne.
vor der bühne angekommen bleibt er stehen, mit dem rücken zu ihr.
er spricht.
Florence also schließt einen pakt mit ihrem bild von sich
der wie folgt die klauseln beinhaltet
erstens, dass
der schein zu wahren ist, ferner weil schein und anstand das selbe bedeuten
zweitens, dass
die würde des menschen nur so lange unantastbar ist wie man dem gegenüber einen schein vorsetzt
sie schließt diesen pakt
indem sie zu ihrem friseur geht, danach in eine boutique,
später landet sie in einem bücherladen
und kauft dort ein buch, über dessen autor sie kürzlich in einer diskussion
noch behauptet hatte dass er,
der als ein von allen gefeierter aufklärer galt,
nur ein kettenhund umformulierter ausbeutungsmethoden sei.
eine bemerkung auf die sie recht stolz gewesen ist und die alle am tisch mit einem nachdenklichem gesicht hinterlies, woraufhin ein schweigen eintrat, dass florence siegessicher mit einer runde pastisse auf ihre rechnung unterbrach.
so war die alte Florence.
die neue Florence allerdings gleicht einer aufziehpuppe
eine im sinne jener, die man aus neugier aufzieht
weil man nicht genau erkennt, ob sie tanzen oder singen
lachen oder weinen wird.
die neue Florence bringt fernerhin mehr zeit für ihre toilette auf
die neue Florence kann reden wie ein wasserfall
und ficken wie eine göttin
und nur wer lange genug bleibt
aber das lässt sie nur selten zu
sieht die brüche, das nervöse zucken
wenn die kraft für flüssige bewegungen nicht weiter reicht.
zwei männer in straßenkleidung tragen eine alte badewanne, eine solche mit löwenfüßen, auf die bühne. in der badewanne steht ein einfacher holzstuhl. einer der beiden männer hat einen gartenschlauch auf der schulter aufgerollt, der hinter der bühne mit einem wasseranschluß verbunden ist. der schlauch rollt sich langsam ab, während die männer auf die andere bühnenseite gehen und rutscht dabei undvorteilhaft und behindernd den arm des mannes herunter. ferner bildet der halb gespannte schlauch ein hindernis, das über die bühne gespannt wird. in der vorderen ecke stellen die beiden die badewanne ab, befestigen den schlauch an ihr, so dass er gespannt wird. nehmen den stuhl aus der wanne und schalten das wasser ein.
einer von den beiden geht zur ersten reihe und stellt den stuhl direkt vor einem imaginären zuschauer auf.
sie setzen sich an den bühnenrand und unterhalten sich lapidar über die verspätung des auszubildenden heute morgen.
er derweil, betrachtet sie dabei und steigt dann vorsichtig und ein wenig umständlich über den schlauch, geht zurück zu den rängen und setzt sich auf seinen alten platz.
Florence betritt die bühne erneut. in ihrer rechten ein abschminktuch, in der linken eine entsprechende creme.
sie: nicht zu viel erotik!
florence: ich weiß, ich bin alleine im bad.
sie verlässt die bühne und geht auf den stuhl zu, der vor der ersten reihe für sie aufgestellt wurde.
ebenfalls umständlich über das hindernis steigend.
das gesicht des zuschauers, an dessen platz der stuhl aufgestellt ist, wird ihr als spiegel dienen.
die badewanne rauscht und lärmt dabei, als das wasser eingelassen wird.
Warten auf Godot, Florence verschwindet (1 von 2)
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