Fugger

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
shuya
Prometheus
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Fugger

Beitragvon shuya » 22.04.2012, 05:47

der schrei der seide
hallt durch den festsaal
in der mitte der alten welt, stehen und lauschen
zieht zentrische kreise
als sei ein stein ins wasser gefallen
und ein paar hundert jahre
schlüge es aus in den äther

vor die sonne schiebt sich ein planet
als kleiner schwarzer fleck
einige volle tage
geht er mit ihr unter
auf zelluloid und in schleife
drehen die bilder später an der wand
vom geräusch gebannt, die vollzählige familie
vermengen sich vergangenheit und gegenwart
zu einem zeitanzeiger in der projektion

eine kontaktlinse an der zungenspitze
in einem auge rot
und wir dazwischen, irgendwo, wie wind
es hätte stehen bleiben können
bis die letzte dampfmaschine abgeschaltet
und das öl aus der erde abschließend gepumpt
unsere permanente katastrophe einem aprupten ende
zugeführt
und so viel trauer, so viele schaufeln erde, dass es sich türmt auf dem grab
wir vom thema abkommen und nicht mehr zurück finden
aus einem verlust, einer zeit heraus
der nichts mehr wichtig ist und alles

der schrei der seide
durch das vielköpfige rauschen
geht sie und vor ihr teilt sich der adel
das meer, eine hand, einen tanz lang
vielgesagter blicke, nachgesprochener gesten
erliegt das reh, einem schuss nahe der hüfte
und wie sie blicken, stockenden atems
brannte sich mir ein, vermengte sich
über die jahre und ich kann es nicht vergessen
wie das fallen lassen, unmöglich noch einmal von falschem stolz
gerade gebogen
gehen, umstürzen, vielleicht im aufprall
bemerken was sich mir entzogen hat
was noch fehlt um abzuschließen

Perry
Melpomene
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Re: Fugger

Beitragvon Perry » 27.04.2012, 19:23

Hallo shuya,
das Wägen der Worte gefällt mir gut, allerdings bin ich sehr bald "vom Thema" Fugger" abgekommen.
Für mich ein wenig zu weit ausgeholt von diesem großen Handelsgeschlecht hin zu "unserer permanenten katastrophe etc."
LG
Perry

Herbert Eiter
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Re: Fugger

Beitragvon Herbert Eiter » 28.04.2012, 03:56

Perry hat geschrieben:das Wägen der Worte gefällt mir gut, allerdings bin ich sehr bald "vom Thema" Fugger" abgekommen.
Für mich ein wenig zu weit ausgeholt von diesem großen Handelsgeschlecht hin zu "unserer permanenten katastrophe etc.

Wem nützt eigentlich so ein belangloser, oberflächlicher, stumpfsinniger, pauschaler, gedankenloser, arroganter, herablassender, überheblicher, geistloser, unsinniger, bedeutungsloser, uninspirierter, schnöder Kommentar?

Wenn wir auf eins deiner Gedichte so etwas ablassen würden, würdest Mordio und Zeter schreien.

Fragt sich der heiter, der
H. Eiter
and all the lousy little poets coming round ...

Perry
Melpomene
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Re: Fugger

Beitragvon Perry » 29.04.2012, 10:42

Hallo H. Eiter,
wenn Du immer mit sovielen Vorurteilen durchs Leben läufst, wundert es mich nicht, dass du so ein kommentarischer Griesgram bist. ;-)
Für mich heißt mein Komm eher, dass ich die Wortwahl durchaus ansprechend finde, nur mit dem Thema Fugger nicht immer unter einen Hut bringe.
Trink mal weniger Essig, sondern lieber was Süßes und spar Dir deine Schimpftirade für was wirklich Aufregendes auf.
LG
Perry

shuya
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Re: Fugger

Beitragvon shuya » 29.04.2012, 12:07

mh.. muss sich immer alles selbst erklären?
ich hege eine engere beziehung zu einer fugger und spreche mit ihr des öfteren über die familie, wie man das so tut.
zu teilen schreibe ich über ihren blick, sie hat rehaugen, aufgeregte rehaugen die meiste zeit, manchmal glasen sie.
wir tanzen gerne, wie man das so tut.

ich weiß nicht ob es diese information braucht um das gedicht annehmen zu können, als etwas das sich der historisierenden betrachtung der familie entrückt - ich weiß, dass es das tut, bin auch ganz froh darüber, dass ich eben jene klassische betrachtung nicht nötig habe.. genug involviert bin in der gegenwart, dass die vergangenheit nur beiwerk ist zu meinem hier, sonst hätte ich auch nicht darüber geschrieben.. nehme ich an.

ja entrückung ist vielleicht das stichwort, dass mir wichtig ist..
die meiste lyrik bedient erwartung.
die meiste kunst bedient erwartung.
wie davon weg kommen, erwartungen wecken und dann etwas stillen, dass sich ausserhalb dieser erwartungen bewegt
und die erwartung offen lassen..?
für mich ebenso ein wichtiges thema..
dass ich sogar zitiere in dem text..
an dieser stelle:
wir vom thema abkommen und nicht mehr zurück finden
aus einem verlust, einer zeit heraus
der nichts mehr wichtig ist und alles


spätestens hier dachte ich, sei der baustein gelegt, meine intention zu verdichten,
der anfang spricht von einem ausschlag
zentrische kreise im äther der zeit, die diese familie basis ihres aufpralls in die geschichte zieht.. oder die um sie herum ziehen..
der impakt ist noch heute spürbar, wo seine quelle schon längst in die historie gesunken, ihrer eigentlichen aktualität beraubt,
heute mehr als teil vieler weiterer kreise, krisselig, noch ein paar letzte bahnen zieht..

die familie gibt es noch, in diversen formen, manchmal kommen sie zusammen und sehen sich ihr leben an, wie man das so tut.
es ist meist ein vororts leben, ein wohlbehütetes,
da ist ein bild, von einem mädchen, dass ihre kontaktlinse säubert, deren eines auge rot ist,
sie ist die sehnsucht, vielleicht, sie ist ein normales kind, vermutlich
in ihr liegt nicht mehr als das eigentliche abbild, dass sie beschreibt..
sie ist nicht historisch, ihr name schon

ich versuche eine utopie und eine dystopie der zukunft zu vermessen, dann komme ich ab, entferne mich von der historisierung, schließe auch die vage zukunftsidee ab,
sie darf verpuffen vielleicht, das wäre fair.. sie ist nur spekulation, wirtschaft, beerdigung eines systems, einer ära egal,

lass uns in die gegenwart gehen
die augen einer fugger wie ein geschossenes reh, für mich ist sie keine fugger
aber ihr körper ist der antiker schönheiten,
eine einzige mächtige wölbung von weiblichkeit
und in den augen glas, die ursprüngliche schönheit der großen maler
ein gesicht wie ein reh
wir tanzen, wie prototypen, wenn wir tanzen gibt es keine zeit, wir sind in jeder zeit inbegriffen
vorhin sprach ich ein mädchen an, dass vielleicht die sehnsucht ist,
vielleicht schließt es mit eben diesem gefühl
einer unverstandenen sehnsucht,
die auch eine historische ist, weil eben so ewig immerda,
dass sie jedes herschergeschlecht schon überlebt und jeden krieg, sich bemächtigt als kollektive geste.

muss ich das alles so ausformulieren? wohl kaum, ich glaube nicht, das ist nur eine sicht, nehmen wir sie als möglichkeit.
nichts kommt von ungefähr, wenn du den gedanken von "wahllosigkeit" bereit bist fallen zu lassen, bist du auch bereit dich einzulassen
was wartet sind immer geschichten.

wer sich über den stil des malers ärgert, oder sein motiv,
wird niemals die malerei in ihrer schönheit betrachten, sondern
immer nur als bedienelement der eigenen vorstellungen
kant hat das in der kritik der urteilskraft treffend beschrieben,
an seinem ästhetikbegriff mag ich mich hier gerne bedienen.

viele grüße
und genieß(t) die sonne (:

Perry
Melpomene
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Re: Fugger

Beitragvon Perry » 29.04.2012, 17:20

Hallo shuya,

danke für deine Erläuterung, die natürlich etwas Licht in deine Intention bringt.
Glaubst Du, dass ein Leser ohne Beweggründe wie

- ich hege eine engere beziehung zu einer fugger und spreche mit ihr des öfteren über die familie,
- der anfang spricht von einem ausschlag zentrische kreise im äther der zeit, die diese familie basis ihres aufpralls in die geschichte zieht
- die familie gibt es noch, in diversen formen, manchmal kommen sie zusammen und sehen sich ihr leben an etc.

überhaupt eine Möglichkeit hat, hinter diese historisch und autobiografisch verwobene Geschichte zu blicken.

Ich glaube nicht, muss aber auch nicht sein, wenn du z.B. den prägenden Titel weglässt und einfach die Lebens-/Liebesgeschichte einer Frau mit historischer Verwurzelung und des LI erzählst. Ob es gut ist in diese Story auch noch Geschichtsaufarbeitung mit Blick auf das Jetzt und Künftiges einzuarbeiten ist wohl eher fraglich. Für mich wäre das ein Ansatz für ein Prosawerk (Die Fuggerin etc.).

Was deinen Schreibstil anbelangt, habe ich kein Nichtgefallen/Ärger geäußert, meine Kritik galt nur dem inhaltlichen Ansatz.

Nun zu deinem lyrischen Ansinnen:

"ja entrückung ist vielleicht das stichwort, dass mir wichtig ist..
die meiste lyrik bedient erwartung.
die meiste kunst bedient erwartung.
wie davon weg kommen, erwartungen wecken und dann etwas stillen, dass sich ausserhalb dieser erwartungen bewegt
und die erwartung offen lassen..?"

Das ist ein hehrer Vorsatz, den sich wohl jeder ambitionierte Künstler gern auf die Fahne schreiben möchte. ;-)
Leider zerstörst Du diesen bereits mit dem Titel, der ja für sich Erwartung pur ist.
Auch brichst Du mit einer -zumindest für mich wichtigen lyrischen Regel- möglichst nicht direkt darüber zu schreiben, was Du aussagen möchtest, sondern dieses über die Bildsprache bzw. Metaphern zwischen die Zeilen zu stellen.

Soweit meine Sicht was das Formale anbelangt. Falls es sich ergibt, äußere ich mich gern auch noch konstruktiv zur Umsetzung.

LG
Perry


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