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frampton: nostalgia

Verfasst: 26.05.2012, 11:44
von shuya
die fotografie auf der herdplatte
sie brennt noch einmal licht
im aufbäumen in den raum stemmen
skulptur, organisch dann
staub und auflösung

sie zuckt noch einmal licht
bevor sie verschwindet
in die zimmerluft ich atme sie noch
drei tage bis ich lüfte

Re: frampton: nostalgia

Verfasst: 26.05.2012, 15:38
von Perry
Hallo shuya,

scheint ein schmerzliches Abschiedsritual zu sein, dieses Fotoverbrennen (hat Frampton das mal besungen?).

Sprachlich würde ich mir bei der Zeile
"im aufbäumen in den raum stemmen"
statt des "in den" ein "(im) sich in den" besser gefallen oder das "zu normale" Aufbäumen weglassen (stemmt sich in den raum).

Statt "Staub" würde ich die präzisere Asche nehmen.

Das "nocheinmal" indiziert ein vorhergehendes Brennen, das aber wenig logisch erscheint, denn warum sollte das Feuer zum Schluss noch einmal aufflackern, wenn die Nahrung fast verbraucht ist. Ich könnte auf das "noch einmal" in beiden "licht" Bildern verzichten.

Den Schluss könnte ich mir verkürzt auf "tagelang" gut auch ohne das Lüften vorstellen.

Vielleicht ist ja was Brauchbares für dich dabei.
LG
Perry

Re: frampton: nostalgia

Verfasst: 28.05.2012, 19:46
von riemsche
mensch da war ich 14 und im stadtkino stand sowas ( veränderung einer sichtweise? ) nie aufm spielplan. Peter schrieb zwar das nette stück show me theWay und konnte mit der gitarre bauchreden aber mit Hollis hatte er soviel ich weiß nix am hut :-)
mir fehlt die _wahrscheinlich ziemlich tricky oder auch überraschend einfach zu bewerkstellende_ facette, dass der plot des erzählers nichts mit dem bild, dass da momentan am burnen ist, zu tun hat. was möglicherweise in worten so einiges verändern dürfte. darum auch keine textarbeit.
lGriemsche

Re: frampton: nostalgia

Verfasst: 18.06.2012, 06:53
von shuya
riemsche hat geschrieben:mensch da war ich 14 und im stadtkino stand sowas ( veränderung einer sichtweise? ) nie aufm spielplan. Peter schrieb zwar das nette stück show me theWay und konnte mit der gitarre bauchreden aber mit Hollis hatte er soviel ich weiß nix am hut :-)
mir fehlt die _wahrscheinlich ziemlich tricky oder auch überraschend einfach zu bewerkstellende_ facette, dass der plot des erzählers nichts mit dem bild, dass da momentan am burnen ist, zu tun hat. was möglicherweise in worten so einiges verändern dürfte. darum auch keine textarbeit.
lGriemsche


ja..
dieser bruch ist clever

denn im ersten bild geht man noch krampfhaft auf die suche nach seinen hinweisen (und wird in vielen fällen fündig)
man GLAUBT ihm, will ihm auch glauben
und plötzlich
noch während er spricht, bricht man mit dem glauben

er löst die beziehung von sprache und motiv auf
und hebt den betrachter kurz aus der betörenden stimmung dieser (wirklich wundervollen) bilder in kombination mit diesen (wirklich wundervollen) erzählungen
heraus, zwingt ihn sich zu orientieren.. aufzuwachen
.. zu verstehen oder zumindest auf die suche nach verständnis zu gehen..
bevor dann der eigentliche modus operandi verstanden wird und der betrachter sich darauf einstellt.

starkes ding.

übrigens hat die criterion collection eine wahre frampton orgie veröffentlicht in der u.a. das video mit einem so wundervollen kontrast und so starkem klang aufbereitet wurde, dass einem wirklich die spucke wegbleibt.

//
ich habe diesen part nicht einfließen lassen
denn
- dieser aspekt ist ein filmischer, den frampton.. wie in jedem kurzfilm.. eingebaut hat um bewusst auf das medium zu referrieren (wie es üblich ist, bei jenen künstlern, die ein medium nicht aufgrund von bequemlichkeiten sondern um des mediums willen verwenden.. die kunstkritik behandelt das bis heute viel zu verkürzt)

allein aufgrund dieser tatsache wäre es m.E. falsch ein literarisches mimikri diesem kunstgriff gegenüber zu versuchen,
mich hat der skulpturale aspekt interessiert,
diese fluxus-skulptur, die ihren wortwörtlichen zenit in dem moment erreicht, in dem das motiv verschwindet
und der träger nicht mehr funktion bedient..
sondern selbst kunst wird.
ein magischer moment, den ich bar jeder beschreibung empfinde / der text von mir ist höchstens eine indexikalische notiz gegen das vergessen.. mehr bringe ich nicht zustande bzw. höher ist mein anspruch nicht -
das mag,
so hoffe ich, für manchen betrachter
etwas anderes sein.

//
schön übrigens, dass du auf die suche gegangen bist (:
schon in diesem Zuge Stan Brakhage angesehen?
http://www.youtube.com/watch?v=IyrJGbGq8WE

Re: frampton: nostalgia

Verfasst: 19.06.2012, 20:35
von riemsche
aufs interessante stichwort geh ich gern auf die suche :-) hab mir auch irgendwie schon gedacht, dass dein hauptaugenmerk dem geschehen auf der heissen platte gilt. apropos haupt-und augenmerk - in sachen zeilenumbruch (zB ... in die zimmerluft ich atme sie noch ... verliert gemeinsam mE an wirkung) heute schon gepuzzelt? (:->))
lGriemsche