wie sie sehen, sehen sie nichts

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
shuya
Prometheus
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wie sie sehen, sehen sie nichts

Beitragvon shuya » 18.06.2012, 05:48

wir sind als wolfspack groß gezogen
nocturne op neun no 1 bb min
die erinnerungen ordnen sich an
eine einwegkamera, des schießens willen
haben wir sie gestohlen
und den film, nie entwickelt

wäre mein vater nicht in depressionen
nocturne op fünfzehn no 3 g min
wäre mehr zeit zuhause drauf gegangen
und ich hätte das cello nicht aufgegeben

/
drei schaufeln schnee, wir rennen,
unbezahlt
lohnfrei
über die felder fährt eine maschine
und schreibt uns wege, grund genug
sie auch zu gehen
/

und dann hält die sehnsucht ein
nocturne op siebenundzwanzig no 1 c# min
ich steuere dagegen und werde impotent
noch immer habe ich den baseballschläger nicht vom blut
bereinigt, oder die vergangenheit
wir fahren nach frankreich, die frauen dort
sehen mich an und lächeln, aber ich lächle nicht zurück
nocturne op siebenundzwanzig no 2 dd maj
ich trinke alleine, mir fällt allerlei ein
das sich nicht merken lässt
also vergesse ich es wieder

/
der flieder im dornbusch
und.. drei dornen in der hand
ich ziehe sie, gleichmut
und ein bisschen wut
in der stimme zittern noch andere
mit, die gerne zum zug gekommen wären
hätte ich ihnen eine gegeben,
dann wäre die nacht nicht so still
/

ich gebe die metrik auf, den rythmus
nocturne op 32 no 2 ab maj
wenn poincaré das chaos auf ein blatt bringen kann
muss ich nicht weiter nachdenken
bis etwas passiert
es geschieht einfach

das ist doch das spannende, wenn es sich verselbstständigt hört die verantwortung auf, wir können es abstoßen und gehen. der urheber ist eine summe im moment, der vergeht und abschließend verschwindet / dann in drei reihen aufgestellt, in fünf tagen fußmarsch an anderer stelle noch einmal in drei reihen aufgestellt, dann einige meter vorwärts und zum stillstand wieder in drei reihen aufgestellt, als da jemand kommt und vom sublimen spricht, ein denkmal haut und jahre darauf verstirbt, das denkmal einige hundert kilometer später angekarrt und in ein museum aufgestellt, als index quasi, erst einmal bleibt, ab hier geht die reise auf bildern vonstatten auf denen sich in reihe aufgestellt, menschen dazu gesellen, fotografieren und weitergehen, das bild hunderte kilometer später an anderer stelle noch einmal aufgestellt in drei reihen mit einer schale - vielleicht - und einer vase, einem glas wasser und zuhinterst ein spiegel, bevor die wand anfängt und ein neuer raum beginnt, in reihe zu dem eben verlassenen, dann fügen sich die fragen in neue ohne eine antwort schuldig zu bleiben, wir dürfen sie abstoßen und gehen. der urheber ist eine summe im moment, der vergeht und abschließend verschwindet.

hamlet stirbt an fieber
nocturne op fünfzehn no 1 f maj
hamlet erfährt von einem geist, dass der neue könig
ein giftmischer ist und seine mutter eine hure
ich habe schon aufregendere inszenierungen gesehen
in meinem leben

/
steht die sonne am zenit
wird der schatten diffus
in den behring werken
träumt ein mann vom fliegen
auf eine gasflasche gestützt
andere würden den zeigefinger heben
wenn der keilriemen quietscht wird das für alle
unangenehm, zum glück kann man nicht all zu weit hören
und er quietscht nur, solange die karre auch fährt
kompromisse stellen sich manchmal automatisch ein
die zeit ist ein diplomat
wenn ein hippo gähnt, gähne ich meistens mit
//
für den index:
zwei gedankenstriche heißen
dass ich einen gedanken übersprungen habe
//
zum ende kommt der jäger
mit seiner flinte
und einem fuchsschwanz am gesäß
die industrie hat ihm eine isomatte genäht
die besonders geräuscharm ist
aus tarnfarbenstoff, das nickt der jäger dankend ab
und schläft seitdem ein bisschen leiser
sechszig euro leichter
uffm konto

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