Seite 1 von 1

ohne titel

Verfasst: 23.07.2012, 00:14
von shuya
1.

in mir wüten drei unzen trauer
sie verdrehen die worte
ich setze mehrmals an und breche ab

wir könnten noch ein weilchen
länger in den himmel starren
auf die lichter in denen
alle zeiten vermengt sind

meine kindheit auf den straßen der stadt
rast auf einen gasriesen zu
wir lernen uns kennen
noch einmal
auf einem fernen stern, ganz klein, im abbild des ganzen


2.

der ganzen nutzlosen tragödie will ich
dem werk, das keine kunst ist,
eine kunst entgegensetzen, die kein werk ist
ein entropischer kreis aus dem
unerschöpflich alles wird

der den produziert, der ihn denkt
einen mond, der einen mond spiegelt
symbiose
einen geist, der einen geist spiegelt
und katalyse
eine geste, die eine geste spiegelt
unter all denen die ich bin
war ich einmal hamlet, einmal nur

3.

acht stunden sind kein tag
drei unzen trauer verdampfen
wir wachen auf und sind bemüht
den anderen nicht zu wecken, steigen übereinander
putzen uns die zähne leise, dafür eine minute länger
beugen uns über den toaster um ein wenig wärme einzufangen
erst sie, dann ich, sie darf zuerst

4.

abgeschlossen
ist es, wenn keine wunden übrig sind
ohne öffnungen hört das leben auf
der körper hat keinen platz im geist
wie der geist kein raum ist
und er verdampft

das werk, das keine kunst ist
drei unzen schwer und
nicht aufwacht, nicht geweckt werden kann, die demarkationslinie
am ende der vorstellungskraft, einteilt zwischen alles und nichts
das verschwindet, nichts zurück lässt
keine katalyse und keine entropie
nicht einmal licht übrig bleibt
dass wir uns nie wieder kennen lernen, auf einem fernen stern
ankommen, vermengt im ganzen, nein
nicht einmal hamlet, nicht die wärme, zähne, ohne kindheit
keine jugend an der haltestelle
nichts, nicht einmal trauer

Re: ohne titel

Verfasst: 24.07.2012, 15:07
von C_some1_2_smile_4
Hallo Shuya,

das klingt nach einem sehr persönlichen Abschnitt in (D)einem Leben.
Ist das aus Deinem Leben?

Meine Kritik ist dann mein persönilcher Geschmack:
- Es fehlt noch ein (persönlicher) Titel
- die Nummerierung kannst Du (glaube ich) raus lassen.
- anstatt direkt "war ich einmal Hamlet" vielleicht mehr indirekt "war ich einmal wie Hamlet"

Ansonsten hat mich das berührt, vor allem das Wärmen am Toaster..

Gruß

M.

Re: ohne titel

Verfasst: 24.07.2012, 16:27
von Perry
Hallo shuya,

die "drei unzen trauer" tragen einen gut durch den Text, auch wenn ich die philosophischen und interstellaren Abstecher nicht als Hinführung bräuchte, für die wirklich berührenden Bilder in der dritten Strophe. Die Anlehnung an Hamlet würde ich aus dem Text herausnehmen, wenn Du ihn unbedingt brauchst, setze in doch als Titel darüber, vielleicht mit einer persönlichen Schattierung wie "aufgewogen wie hamlet."

LG
Perry

Re: ohne titel

Verfasst: 24.07.2012, 21:27
von riemsche
kann nicht anders und hoff auf entspannt gute miene :-) beschäftige mich derzeit intensiv mit deinem intro. und wart erst mal ab, wie dir das _(raus) /rein/_ in dir eigene sprache passt. will mich da in deinem universum abiz vergalloppieren ...

in mir wüten drei unzen trauer
sie verdrehen die worte
ich setze mehrmals an und breche ab

wir könnten noch ein weilchen
länger in den himmel starren
auf (die) lichter (in denen)
/die/ alle zeiten (ver)meng/en/(t sind)

meine kindheit (auf) /rast/ (den straßen der stadt)
(rast) /in den strassen der stadt/ auf einen gasriesen zu
wir lernen uns kennen
noch einmal
/auf einem fernen stern(2), /ganz klein(3), /im abbild des ganzen(1)

lGriemsche

Re: ohne titel

Verfasst: 04.08.2012, 09:19
von riemsche
habs nicht aus den augen verloren. auch nicht aus dem gedächtnis. dann zu teil2 der mir außerordentlich gut gefällt - nicht nur wegen dem kreis ;-)

der ganzen nutzlosen tragödie will ich
dem werk, das keine kunst ist,
eine kunst entgegensetzen, die kein werk ist
ein entropischer kreis //in und// (aus dem)
//aus dem// unerschöpflich alles wird

der den produziert, der ihn denkt (eine möglichkeit: schafft)
einen mond, der einen mond spiegelt
symbiose
einen geist, der einen geist spiegelt
und katalyse
eine geste, die eine geste spiegelt
unter all denen die ich bin
war ich einmal hamlet, einmal nur

liebe grüsse an Shuya (auf urlaub?)
riemsche