Warum es Liebe war oder auch nicht

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
Pentzw
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Warum es Liebe war oder auch nicht

Beitragvon Pentzw » 07.01.2013, 14:57

Letzthin verliebte ich mich.
Kommt selten vor – aber wahr.
Wer war sie – ihr fragt zurecht und nicht,
wie war sie – denn das ist bekannt.
Nun gut, ihr sollt’s erfahren oder lieber nicht?
Auch wenn ich weiß, es sagt mehr über mich
als über sie – denn sie ist bekannt.

Okay, Ärztin in der Neurologie –
aber nein, nicht auf stationärer Behandlung begegnete ich ihr, sondern
tatsächlich in einer Disko – romantisch nicht?
Gut, sie tat mir leid, so mager, so ungelenk, so ohne Sex-Appeal.
Nun gut, jetzt ist’s heraus. Und?

Letzthin verliebte ich mich –
kommt selten vor – aber wahr.

War sie nur Skelett? Nein,
sicherlich nicht, sie war Mensch, lügen würde ich
andersherum.
Nun, ihr wisst nicht, wer sie war,
ihr wisst nur, wie sie war - das ist bekannt,
trotzdem sie anders war.
Sie war nicht der Tod, wenn ihr das meint,
nein, weil sie nicht tot war, voll des Lebens, für mich, nur für mich.

Und ich verliebte mich in sie –
kommt selten vor – aber wahr.

Warum es Liebe war? Ihr merkt, ich kann’s nicht
sagen.
Wer sie war – ihr fragt zurecht, aber ich glaube, es war Ich,
vielmehr, was fehlt davon.
Sie, das, was mir fehlt und ich, das war ein Paar.
Deswegen war wahre Liebe da.

Näherungsweise
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Re: Warum es Liebe war

Beitragvon Näherungsweise » 23.01.2013, 21:26

Liest sich wie ein Selbstgespräch. Etwas ziellos vielleicht?

Ich könnte mir folgendes vorstellen, damit der Text funktioniert: Das lyrische Ich verbannen. Das lyrische Wir mit einem silbernen Pflock umbringen und ein für alle mal einäschern. Ein Brainstorming / eine Charakterisierung über eben jene Ärztin machen. Bildhaft. Beschreibend. Anschaulich. Wirklichkeitsnah. Wie sah sie aus? Was machte sie liebenswert? Was trank sie? Was sagte sie? Was sagte sie nicht? Wie flogen ihre Haare durch die Luft? Wie roch sie? Was waren ihre Eigenheiten, ihre Ticks? Was faszinierte den "Erzähler" / dich an ihr. Dann alle Wertungen und nicht-bildhaften Beschreibungen aus der Charakterisierung / aus dem Gedicht entfernen ("so ungelenk, so ohne Sex-Appeal"), alle rhetorischen Floskeln ("War sie nur Skelett?"), alles Monologisierende ("Nun gut, jetzt ist’s heraus. Und?"). Dann versuch alles in der Charakterisierung, was dir sprachlich zu naheliegend erscheint durch andere Bilder / Metaphern / Umschreibungen / Gleichnisse zu ersetzen. Aber dezent. Weglassung ist auch gut. Streichen ist überhaupt des Dichters wichtigstes Werkzeug. Wähle nur das Beste aus, das, was dir wirklich gefällt. Dann Dramatisieren: Am besten die Elemente des Brainstormings / der Charakterisierung auf kleine Zettel schreiben. Und dann spielen, sortieren, umstellen, ergänzen. Beginne mit den Einfachen und steige zum Ungewöhnlichen / Besonderen / Hervorstechenden auf.

Versuch's mal, vielleicht wird dich und uns, deine geduldigen Leser, das Ergebnis überraschen.

Grüße,
nw.
Besuch mich mal... in meinem kleinen Blog-Haus

Pentzw
Pegasos
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Re: Warum es Liebe war

Beitragvon Pentzw » 21.04.2013, 23:49

Treffen erstes Mal

Letzthin verliebte ich mich.
Kommt selten vor – aber wahr.
Wer war sie – ihr fragt zurecht und nicht,
wie war sie – denn das ist bekannt.
Nun gut, ihr sollt’s erfahren oder lieber nicht?
Auch wenn ich weiß, es sagt mehr über mich
als über sie – denn sie ist bekannt.

Okay, Ärztin in der Neurologie –
aber nein, nicht auf stationärer Behandlung begegnete ich ihr, sondern
tatsächlich in einer Disko – romantisch nicht?
Gut, sie tat mir leid, so mager, so ungelenk, so ohne Sex-Appeal.
Nun gut, jetzt ist’s heraus. Und?

Letzthin verliebte ich mich –
kommt selten vor – aber wahr.

War sie nur Skelett? Nein,
sicherlich nicht, sie war Mensch, lügen würde ich
andersherum.
Nun, ihr wisst nicht, wer sie war,
ihr wisst nur, wie sie war - das ist bekannt,
trotzdem sie anders war.
Sie war nicht der Tod, wenn ihr das meint,
nein, weil sie nicht tot war, voll des Lebens, für mich, nur für mich.

Und ich verliebte mich in sie –
kommt selten vor – aber wahr.

Warum es Liebe war? Ihr merkt, ich kann’s nicht
sagen.
Wer sie war – ihr fragt zurecht, aber ich glaube, es war Ich,
vielmehr, was fehlt davon.
Sie, das, was mir fehlt und ich, das war ein Paar.
Deswegen war wahre Liebe da.





Treffen zweites Mal

Gut, Wissenschaftler würden sagen:
Sie ist die Ergänzung eines momentan instabilen,
sich ungenügenden Ichs,
der Proband unterliegt nur
einem momentanen Impuls,
suchend einen Ausgleich für etwas,
eine Äquilibration, was da Liebe
heißen mag, nichts als
Osmose, glasklare Un-
schärferelation im Wortsinne.
Nun, ich könnte nichts dagegen sagen, nein. Aber
es ist schön, einfach be-
glückend.




Treffen drittes Mal

Es ist hässlich, es ist schrecklich.
Warum nur wieder ich auf meine Verrücktheiten abgefahren bin?
Die Dame, die wirklich Ärztin ist, ent-
puppte sich als ehemalige Juristin. Zwar
schon am ersten Tag stolz verkündet, nur jetzt
mauserte sie sich schrecklich klar dahingehend, als sie wies
jegliche klitzekleine Berührung mit Igitt-Gestik zurück.
Mensch, wenn ich ihr ausgeliefert wäre, was würde ich noch ver-
rückter werden als ich ohne-
hin schon
bin.


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