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bushalt

Verfasst: 12.05.2013, 16:28
von hginsomnia
eine bushaltestelle zum verfallen
geplant wie diese erledigt ihre
bank von selbst und sich

in den bewohnern einer gegend
die platt auf grasnarben
der deiche blickt

deren grün bereits überholt
vom halt scheint und ein bus
der kommt zur vollen stunde

verplant an den ortschaften
vorbei zum rest einer landstraße
bleibt stehen

als gäbe es einen zusteiger
der sich sputete
wenn die die sich kennen

woanders sind wer
wollte es ihnen verübeln
ein gefährt einer blamage

gleich auf dem asphalt
und schotter ruckelnd
zu vergessen

zu dem sie aus den kernen
der gespuckten dörfer weit
liefen nicht platz

zu nehmen auf dem morschen
regenfeld das als sitz galt
früher dort wo

vor einer woche ein mädchen litt
unter einem mann
den niemand kannte

von qual soll nicht die rede sein
denn einer müsste hier weiter schreiben
und der passende platz fehlt

Re: bushalt

Verfasst: 15.05.2013, 11:58
von Perry
Hallo hginsomnia,
die aufgelassene Bushaltestelle als Symbol des Verfalls gefällt mir gut, auch die zeilenübergreifenden Bilder.
Zum Schluss habe ich das Gefühl, dass Du mit dem "ein Mädchen litt" unbedingt noch etwas "Aktion" reinbringen wolltest. ;-)
Ich würde das Ganze etwas mehr verdichten.
LG
Perry

Re: bushalt

Verfasst: 15.05.2013, 19:12
von riemsche
zum verfallen geplant. hm. ich mag deine beobachtung in detail und zusammenhang. passagenweise steig ich im fluss gelesen nicht ganz durch. zB

eine bushaltestelle zum verfallen geplant wie diese erledigt ihre bank von selbst und sich in den bewohnern einer gegend die platt auf grasnarben der deiche blickt

das mit dem /erledigt sich/ ist klar. aber /IN den bewohnern/ ?

und da perry schon ein VERDICHTEN würdet, bin ich jetzt stille und warte :-D

lGriemsche

Re: bushalt

Verfasst: 18.05.2013, 15:24
von hginsomnia
hallo zusammen,

danke für eure kommentare. ich habe nun wirklich keine ahnung, was ihr unter verdichtung versteht. vielleicht, vermutlich ist das nicht meine vorstellung vom begriff. so als schlagwort kann ich damit jedenfalls nichts anfangen.

@ riemsche

ja, in den bewohnern. passt schon so.

@ perry

naja, ich hab' ja das gedicht geschrieben, von daher wäre es irgendwie blöd, wenn ich jetzt sagen würde, du hast da etwas wichtiges übersehen. jedenfalls sind die letzten beiden strophen hintergrund und keine beigabe. wegen dieser bekommt die beschreibung einer bushaltstelle für mich überhaupt erst tiefe. ein solches ereignis, wie es dort angedeutet wird, mit 'aktion' zu beschreiben, halte ich für mindestens ungünstig.

trotzdem danke für eure eindrücke

lg
hginsomnia

Re: bushalt

Verfasst: 18.05.2013, 19:46
von Perry
Hallo hginsomnia,
was ein Autor schreibt und was ein Leser liest ist manchmal nicht das Gleiche. ;-)
Ob eine Vergewaltigungsbeschreibung an einer aufgelassenen Bushaltestelle einem lyrischen Text Tiefe gibt ist sicher Ansichtssache.
LG
Perry

Re: bushalt

Verfasst: 26.05.2013, 20:02
von [) i r k
hmmmm. und nochmal hmmmm.

erst die verlassenheit und das verfallen eines ortes (man kann den zahn der zeit richtig hören, wie er hier kaut) und dann das unmittelbare, unerwartete grauen, das hinter dem banalen auftaucht.

der schluss, wo es eigentlich interessant wird...

von qual soll nicht die rede sein
denn einer müsste hier weiter schreiben
und der passende platz fehlt


... klingt für mich persönlich nach dem eingeständnis des erzählers, nicht die angemessenen worte zu finden. ich würde das lieber weglassen, da das versagen und die befindlichkeit des erzählers angesichts des angedeuteten ereignisses zurücktreten sollten.

die beschreibung des ortes bekommt am schluss plötzlich eine ganz neue dimension. von dieser seite auf jeden fall eine gute "wendung". aber es bleibt doch ein ungleichgewicht in dem text, wo das wesentliche zugunsten einer beschreibung ausgespart bleibt und am ende ein fundamentales schweigen trohnt.

aber vielleicht kann man es auch gar nicht besser machen.

mfg,
[) i r k

Re: bushalt

Verfasst: 27.05.2013, 17:40
von hginsomnia
hmm,

es ging mir hier ja ums Nicht-Beschreiben und nicht ums Nicht-Beschreiben-Können. Der Ort (die Bushaltestelle) ist eins versinnbildlichtes Schweigen und Wegschauen. Das Grauen findet sich nicht im Angedeuteten, in der ausgelassenen Erzählung, sondern z.B. im morschen Regenfeld, in den gespuckten Dörfern, in den Grasnarben ...

Nicht die Tat ist Zentrum, sondern die Reaktion darauf. Wäre es die Tat, müsste ich sie auch beschreiben.

aber ich schaue noch mal drüber.

lg
hginsomnia