Hallo Perry und hmm, Perry,
wir haben hier das Problem, dass die Bilder nicht zur Situation passen und teilweise auch die Wörter nicht zu den Bildern, also ein für ein Gedicht immenses Problem.
Perry hat geschrieben:wieder liegt das glück auf der anderen seite
soll‘s der weg durch die nasse hölle
oder das schwindelnde einer hochbrücke sein
Es wäre eher die "feuchte hölle", größer stellt sich aber das Problem mit dem "schwindelnden" dar. Ich vermute, ich glaube, - jedenfalls weiß ich es nicht sicher - du möchtest das Schwindellerregende signalisieren, aber dir ist der Begriff zu sperrig. So aber, also in der Verkürzung auf das Trügerische, funktioniert das nicht, selbst wenn der Leser die erste Variante mitdenkt, da er jene nur als Wortfindungsfehler des Autors ausmacht. Nun könnte man ja sagen, das Trügerische hat doch auch seinen Reiz. Ja, könnte man, wenn man in Folge nicht erführe, dass es sich um eine Autobahnbrücke handeln muss.
Hier gehen nämlich die Bilder mit der Schilderung auseinander. In Strophe 1 werden die Bahnen für die Vorstellung von einem Wanderer nahezu alternativlos gelegt. Meine Assoziation ging jedenfalls in diese Richtung (vgl. "Weg", "Nässe", "Schwindel (erregend)" als Signale für eine direkt körperliche und nicht durch die Wände eines Fahrzeuges abgemilderte Erfahrung).
Dann aber:
Perry hat geschrieben:das kürzere übel gewählt heißt es tief luftholen
bevor es hineingeht in die röhren durch die
sich der verkehr mal ein- mal mehrzügig drängt
Abgesehen davon, dass wir später ("Stau") erfahren, dass sich der Verkehr wohl mehrzügig drängt (und das bei vermutetem Ort auch nie anders ist), dachte ich hier noch: Was, wir haben hier einen todesmutigen Wanderer, der durch einen Autobahntunnel will und vorher nochmal tief Luft holt?
Meine Gedanken wurden dann hier überholt:
Perry hat geschrieben:eingefahren ins unterirdische gibt es kein zurück
es tropft von der decke wie schweiß von gehörnter
stirn einbrechender elbteufel albt das gehirn
Also doch ein Autofahrer, der sich nicht in den vorherigen Bildern abzeichnet, im Gegenteil!
Hier dürfen wir also zurecht vermuten, dass wir durch den Elbtunnel geleitet werden. Nun habe ich keine Vorstellung davon, was ausgesagt werden soll, wenn der "Elbteufel (ich nehme an eine Art Wahnvorstellung, möglicherweise Klaustrophobie) das Gehirn albt", ich weiß nicht, was dieses "albt" hier bedeuten soll und was es bedeutet, wenn ein Gehirn gealbt wird.
Weiter:
Perry hat geschrieben:vor dem tunnel drei km stau meldet der ndr
eine galgenfrist für all jene die nachfolgen
lemminge auf selbstmörderischer wanderschaft
Hier dann also nochmal eine Rückführung aus dem Tunnel hinaus. Der NDR signalisiert noch einmal Hamburg als Ort des Geschehens, ansonsten wird hier die 3. Strophe antizipiert (eigentlich überflüssigerweise) mit Begriffen wie "Galgenfrist" und "selbstmörderisch". Anzumerken wäre, dass "selbstmörderisch" dann eben doch wieder der falsche Begriff ist, eben weil nicht mit Todesabsicht gehandelt wird.
Und plötzlich ist auch wieder der Wanderer da, der selbstmörderische Wanderer, der gedankenlose Wanderer (Lemming) freilich, der, das wissen wir nun allerdings, gar kein Wanderer ist.
An der Stelle steige ich dann aus und frage mich, was das Ganze soll. Offensichtlich ist dir der Text gehörig durcheinandergeraten. Er ist nicht drunter oder drüber, er geht drunter und drüber.
LG
hginsomnia
edit: Zunächst nahm ich eine Katastrophe an. Das kommt davon, wenn man statt "gehörnt" "behornt" liest (lesen will)
