Genius Loci I bis IV
Verfasst: 05.11.2013, 18:35
Wo ich sie wiedertreffe: gestern,
die „Deutsche“, gestrig, und mit
jüdischem Diplomaten, einem
Amerikaner verheiratet; heute,
deutsche „Jüdin“, die niemals
nen Deutschen heiraten wollte,
sich nen Polen suchte, und alle
sind’s wiedergekehrt, die Erste
ins Armenspital hier, die zweite
möchte partout nicht ins Altersheim,
wozu nicht braucht’s jüdisch zu
sein, aber die Wahl haben’s alle
nicht mehr und kehren zurück an
ihrem Geburtsort, dem schrecklich-
barbarischen - schon merkwürdig.
Linke Buchmesse hier. Durch’s
KOMM wanken graue Herren
im Zentralsaal. Wo einst Ton-
Stein-Scherben krächzten, wartet
der Schläger auf ’ne falsche Be-
wegung von mir; ich fühl’ mich
unwohl. Jüngst auf ner Poetry-
Slam-Show: die Poetin mit der
rechten erhobenen Faust unter-
lag der mit den Elogen aufs Ko-
masaufen, hieß Shiva; als ich
fragte, wer nur gewonnen habe,
kam’s zurück: wie nur kann man
so etwas fragen – eigenartig schon.
Epidemischer Ausbruch hier:
am selben Ort vor zwei Tagen:
Apotheose des Komasaufens;
heute Agonie: schlapp, schwach,
besinnungslos, ideologiefrei, a-
ber toxiert, keine starken Posen,
sondern Kinn aufs Schlüsselbein
gefallen, um möglichst geschmeidig
zu sein, keine Glieder strecken,
sich gehen lassen in Glocke,
Kokon, Aura verschiedenster
Betäubungsmittel, wovor nur halt? –
zu fragen, verstärkte nur dies!
In den Heiligen Säulen der
Öffentlichen Bibliothek,
ehemalige Klosterräume
ist ein kontemplativer Platz,
wo man meditieren kann über
ein Schild: „Konsumzwang“.
„Staatliche Gerechtigkeit“ soll
es heißen: zahlen musst Du
für einen Kaffee als Tribut,
kommt aber jemand, der will
mehr, zum Beispiel Essen,
dann wirst Du dezent hinaus-
komplimentiert, logo, oder?
Bald wird man von Besuchern
pro Blick auf einen Dürer
einen Euro verlangen, ergo!
die „Deutsche“, gestrig, und mit
jüdischem Diplomaten, einem
Amerikaner verheiratet; heute,
deutsche „Jüdin“, die niemals
nen Deutschen heiraten wollte,
sich nen Polen suchte, und alle
sind’s wiedergekehrt, die Erste
ins Armenspital hier, die zweite
möchte partout nicht ins Altersheim,
wozu nicht braucht’s jüdisch zu
sein, aber die Wahl haben’s alle
nicht mehr und kehren zurück an
ihrem Geburtsort, dem schrecklich-
barbarischen - schon merkwürdig.
Linke Buchmesse hier. Durch’s
KOMM wanken graue Herren
im Zentralsaal. Wo einst Ton-
Stein-Scherben krächzten, wartet
der Schläger auf ’ne falsche Be-
wegung von mir; ich fühl’ mich
unwohl. Jüngst auf ner Poetry-
Slam-Show: die Poetin mit der
rechten erhobenen Faust unter-
lag der mit den Elogen aufs Ko-
masaufen, hieß Shiva; als ich
fragte, wer nur gewonnen habe,
kam’s zurück: wie nur kann man
so etwas fragen – eigenartig schon.
Epidemischer Ausbruch hier:
am selben Ort vor zwei Tagen:
Apotheose des Komasaufens;
heute Agonie: schlapp, schwach,
besinnungslos, ideologiefrei, a-
ber toxiert, keine starken Posen,
sondern Kinn aufs Schlüsselbein
gefallen, um möglichst geschmeidig
zu sein, keine Glieder strecken,
sich gehen lassen in Glocke,
Kokon, Aura verschiedenster
Betäubungsmittel, wovor nur halt? –
zu fragen, verstärkte nur dies!
In den Heiligen Säulen der
Öffentlichen Bibliothek,
ehemalige Klosterräume
ist ein kontemplativer Platz,
wo man meditieren kann über
ein Schild: „Konsumzwang“.
„Staatliche Gerechtigkeit“ soll
es heißen: zahlen musst Du
für einen Kaffee als Tribut,
kommt aber jemand, der will
mehr, zum Beispiel Essen,
dann wirst Du dezent hinaus-
komplimentiert, logo, oder?
Bald wird man von Besuchern
pro Blick auf einen Dürer
einen Euro verlangen, ergo!
wünsche Dir gelingen.