Hallo ihr Beiden,
also erstmal Silentium: Deine Beschreibung des Films hat mich so sehr abgeschreckt und hebt sich so sehr von den extrem einseitigen Lobeshymnen, die ich gelesen habe, ab, dass ich auch nicht auf die Idee kommen werde mir beide Teile irgendwann einmal auf DVD oder Video anzuschauen.
@kv: Ersetze A durch "Leben", B durch "Gedicht lesen" und C durch "Sterben".
Dann haut es hin:
Wenn du A (Leben) willst, darfst du B (Gedicht lesen) nicht machen. Denn B (Gedicht lesen) = C (Sterben). Dann B als Aussagesatz ("Ich lese das Gedicht").
Also C ("Also: Ich sterbe")
Ich glaube, ich bin deines Denkens nicht mächtig.
Zuviel des Lobes. Das ist nur ein Trick aus meinemm Logikseminar in Philosophie, einer der Brocken die ich einwandfrei verstanden habe.
Der Witz ist, dass dieses Gedicht, insofern man eine Argumentation draus macht, formal schlüssig ist. Denn formale Schlüssigkeit hat nichts damit zu tun, ob der Inhalt wahr ist oder falsch. Sondern nur damit, ob aus der Form der Vorraussetzungen die Schlussfolgerung tatsächlich gefolgert werden kann. Wenn wir alltagssprachlich sagen (so wie du es getan hast) "Das ist nicht schlüssig" bzw. "Das erschließt sich mir nicht" so meinen wir "Das stimmt nicht" bzw. "Das ist nicht wahr".
Aber das ist eben nicht die einzige Bedeutung des Wortes "Schlüssigkeit". Schlüssig kann ein Argument auch sein, wenn wir es von der Form her keinesfalls ablehnen können. Dann ist es formal schlüssig. So wie dieses Gedicht als konstruierte Argumentation eben auch formal schlüssig ist.
Ein Beispiel für ein (rein) formal schlüssiges Argument lautet:"Im Bereich der Getränke gibt es nur Tee oder Kaffee. Es ist nicht der Fall, dass auf diesem Tisch Tee steht. Also steht auf diesem Tisch Kaffee.
Als Kurzschema: Im Bereich C gibt es nur A oder B. Nicht B. Also: A.
Dies ist im konkreten ausgestalteten Beispiel (und nicht nur in diesem, es kommt darauf an, was ich einsetze) inhaltlicher Quatsch, aber formal schlüssig. Hoffe, ich habe dich jetzt nicht noch mehr verwirrt als vorher...
:-&
War auch nur so`ne kleine Spielerei von mir, da ich mich gerade gedanklich schlecht von dem wirklich guten Logik-Seminar lösen kann - selbst in meiner Freizeit nicht. Hoffe, das kam nicht angeberisch rüber. Mach dir also keine Sorgen. Da steckte wirklich nichts dahinter.
Nochmal zurück zum Gedicht: Es scheint ja so zu sein, dass der Film für das Verständnis und die Beurteilung des Gedichts dringend von Nöten ist. Das erinnert mich daran, dass ich den ersten Teil vom "Herrn der Ringe" im Kino damals dermaßen schlecht fand, dass ich diese meine Meinung in alle Welt hinausposaunte. Bei den "HDR-Fans" bekam ich vor allem einen Widerspruch immer wieder um die Ohren gehauen:"Du hast ja das Buch gar nicht gelesen. Also kannst (verschärft: darfst) du den Film gar nicht beurteilen."
Frage: Ist das so? Ist man eigentlich berechtigt, wenn man das, worauf ein künstlerisches Werk abzielt (es persifliert, es hofiert, was immer dieses "es" ist) als Nichtwissender, als Kontextloser sozusagen betrachtet, auch sein bescheidenes Urteil abzugeben? Und inwieweit ist es relevant? Inwieweit ist es für Spider relevant, wenn kv und ich damit nichts anfangen können. Schliesslich waren wir ja auch nicht die Zielgruppe...
Wie Ü-80jährige Technikskeptiker ihre Werbespots finden wird AOL wohl auch nur am Rande interessieren...
Das ist schon fast eine Frage fürs Forum "Kunst und Handwerk", oder?
Na ja, ich warte erstmal hier die Reaktionen ab.
Liebe Gute-Nacht-Grüsse von Elbe und Alster sendet...
der Hamburger