Das Kreuz mit der Familie
Verfasst: 15.06.2004, 00:02
Das Kreuz mit der Familie
Teurer als Gold war das Blut der Familie.
Mein Vater, der seltsame Zimmermann, stellte
Preßspanbalken aus Rosenholz her
und zimmerte Kreuze, zweifünfzig hoch,
drei davon standen immer im Garten.
Abends kletterten wir, die drei Brüder,
auf die Querbalken hoch und bestaunten,
die Sonne hinter den Wohnblocks verschwinden,
wir erfanden unsere Biografien,
wir wunderten uns, was war und was wird.
Mein Vater hängte sich vor der Arbeit,
es war kalt, an das mittlere Kreuz;
das härte ihn ab, erzählte er uns;
darüber schüttelte Mutter den Kopf:
„Er will nur was Besonderes sein!"
Mutter, die eulenhafte Praktikerin,
brachte uns bei, mit dem Messer das Brot
gerade zu schneiden und wie man die Zähne
von oben nach unten mit Perfektion putzt;
ich hab bis heute kein einziges Loch.
Allein bin ich, der Benjamin, übrig,
denn Freitag vergaß sich Vater am Kreuz;
Samstag erschlug beim Versuch, ihn zu retten,
das Kreuz meine Mutter, die Splitter des Holzes
vergifteten meinen zwei Brüdern das Blut.
Ich zog in das Haus meiner Eltern, die Tage
der früheren Eintracht vermisse ich sehr.
Alles so still. Doch begegnete gestern
mir meine Frau und im Keller vor mir
liegt jetzt mein erstes gezimmertes Kreuz.
Teurer als Gold war das Blut der Familie.
Mein Vater, der seltsame Zimmermann, stellte
Preßspanbalken aus Rosenholz her
und zimmerte Kreuze, zweifünfzig hoch,
drei davon standen immer im Garten.
Abends kletterten wir, die drei Brüder,
auf die Querbalken hoch und bestaunten,
die Sonne hinter den Wohnblocks verschwinden,
wir erfanden unsere Biografien,
wir wunderten uns, was war und was wird.
Mein Vater hängte sich vor der Arbeit,
es war kalt, an das mittlere Kreuz;
das härte ihn ab, erzählte er uns;
darüber schüttelte Mutter den Kopf:
„Er will nur was Besonderes sein!"
Mutter, die eulenhafte Praktikerin,
brachte uns bei, mit dem Messer das Brot
gerade zu schneiden und wie man die Zähne
von oben nach unten mit Perfektion putzt;
ich hab bis heute kein einziges Loch.
Allein bin ich, der Benjamin, übrig,
denn Freitag vergaß sich Vater am Kreuz;
Samstag erschlug beim Versuch, ihn zu retten,
das Kreuz meine Mutter, die Splitter des Holzes
vergifteten meinen zwei Brüdern das Blut.
Ich zog in das Haus meiner Eltern, die Tage
der früheren Eintracht vermisse ich sehr.
Alles so still. Doch begegnete gestern
mir meine Frau und im Keller vor mir
liegt jetzt mein erstes gezimmertes Kreuz.