Totenfest II
In bleichem Kerzenschein liegt das Lazarett,
gesprengte Mauern stinken hohl aus Löchern,
dort siechen Gestalten fahl, in wundem Bett.
Unter hölzernem Balkendach, sehr knöchern.
Hier tanzen nachts im letzten Wahn die Krücken,
auf gelben Boden, in Lumpen eng gezwängt.
Zwischen den Lagern schwingen krumme Rücken,
Gewehre sind an große Haken gehängt.
Lachen schallt dumpf durch die Flure und Zimmer,
Tänzer begegnen sich mit wildem Lächeln,
wirr die Haare, doch es scheint noch schlimmer:
ihre Worte, gesabbert, nur ein Hecheln.
Die Schwestern halten Messer wie Beile
in ihren fleischigen Händen, starr und fest,
treiben Spritzen in die Haut wie Keile.
Beim Metzgermeister gibt es vom Fleisch den Rest.
Auf den Feldern stehen Kreuze dicht gereiht,
ein Zaun aus vielen Schatten grenzt ihr Gebiet.
Mit einem Schluck aus der Flasche wohl geweiht,
geht ein weit`rer Tänzer; und`s noch oft geschieht.
copyright (c) C. Schwarz
Totenfest II
Re: Totenfest II
Hallo, Surja.
Erinnert mich an Leonhard Franks "Der Mensch ist gut", die Erzählung daraus über das Lazarett bzw. den dort arbeitenden Stabsarzt.
Vom Stil her find ich's gut, vom Inhalt geht's mir wie bei deinen Kriegsgedichten. Nicht unbedingt mein Fall. Obwohl ich so zartbesaitet auch nicht bin.
Zwei Kleinigkeiten sind mir aufgefallen:
In der ersten Strophe hast du "bleichen Kerzenschein" und "bleiche Gestalten". Scheint mir einmal bleich zuviel. Ersetzen?
Die letzten beiden Zeilen erscheinen mir wie "angehängt", will sagen, es erweckt den Eindruck, der Text müßte fertig werden und es wurde einfach noch was drangeschustert, damit es paßt.
Aus welcher Flasche trinken die da? Äther? Alkohol? Gift?
Abendgruß
Flocke
Erinnert mich an Leonhard Franks "Der Mensch ist gut", die Erzählung daraus über das Lazarett bzw. den dort arbeitenden Stabsarzt.
Vom Stil her find ich's gut, vom Inhalt geht's mir wie bei deinen Kriegsgedichten. Nicht unbedingt mein Fall. Obwohl ich so zartbesaitet auch nicht bin.
Zwei Kleinigkeiten sind mir aufgefallen:
In der ersten Strophe hast du "bleichen Kerzenschein" und "bleiche Gestalten". Scheint mir einmal bleich zuviel. Ersetzen?
Die letzten beiden Zeilen erscheinen mir wie "angehängt", will sagen, es erweckt den Eindruck, der Text müßte fertig werden und es wurde einfach noch was drangeschustert, damit es paßt.
Aus welcher Flasche trinken die da? Äther? Alkohol? Gift?
Abendgruß
Flocke
...Der den Wind kennt / besser als alle Bücher / den Baum / frag nach Wahrheit...
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Surjaninov
- Klio
- Beiträge: 542
- Registriert: 20.12.2003, 21:06
Re: Totenfest II
Flocke du gute Fee, was würde ich ohne dich machen?!!
Das mit dem doppelten "bleich" ist mir gar nicht aufgefallen. Ist das Schlimmst was passieren kann. Muss ich ändern. Ein böser Fehler.
Also sie trinken Alkohol. Sind ja eh ein bissel verrückt, und da fällt das nicht weiter auf. Die nehmen dann die Beerdigung natürlich nicht sehr ernst.
Aber auf deinen Hinweis werd ich mir das nochmal anschauen.
Danke
lieb Grüß
Surja
Das mit dem doppelten "bleich" ist mir gar nicht aufgefallen. Ist das Schlimmst was passieren kann. Muss ich ändern. Ein böser Fehler.
Also sie trinken Alkohol. Sind ja eh ein bissel verrückt, und da fällt das nicht weiter auf. Die nehmen dann die Beerdigung natürlich nicht sehr ernst.
Aber auf deinen Hinweis werd ich mir das nochmal anschauen.
Danke
lieb Grüß
Surja
Re: Totenfest II
Hallo Surja,
dieses Gedicht gefällt mir - sehr sogar. Erinnert mich etwas an eins meiner persönlichen Lieblingsgedichte von Gottfried Benn: "Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke."
Ich hab auch den Eindruck, dass bei diesem Gedicht alles zusammenpasst. Bis auf zwei kleine Ausnahmen:
Das klingt irgendwie ... als würden die dort Fleisch rausschneiden und woanders verkaufen!? Keine Ahnung, diese Stelle fügt sich für mich nicht mit dem Rest zusammen. Auch sprachlich klingt sie etwas krumm.
Das liest sich nicht besonders gut, da stolpere ich beim Lesen immer wieder drüber. Außerdem erwarte ich gerade bei so einem Gedicht am Ende noch einen Hammerschlag ... aber das hier plätschert dann einfach so aus. Irgendwie unbefriedigend dieses Ende so, wie es jetzt ist.
Ansonsten: Well done.
MfG,
[) i r k
dieses Gedicht gefällt mir - sehr sogar. Erinnert mich etwas an eins meiner persönlichen Lieblingsgedichte von Gottfried Benn: "Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke."
Ich hab auch den Eindruck, dass bei diesem Gedicht alles zusammenpasst. Bis auf zwei kleine Ausnahmen:
Beim Metzgermeister gibt es vom Fleisch den Rest.
Das klingt irgendwie ... als würden die dort Fleisch rausschneiden und woanders verkaufen!? Keine Ahnung, diese Stelle fügt sich für mich nicht mit dem Rest zusammen. Auch sprachlich klingt sie etwas krumm.
und`s noch oft geschieht.
Das liest sich nicht besonders gut, da stolpere ich beim Lesen immer wieder drüber. Außerdem erwarte ich gerade bei so einem Gedicht am Ende noch einen Hammerschlag ... aber das hier plätschert dann einfach so aus. Irgendwie unbefriedigend dieses Ende so, wie es jetzt ist.
Ansonsten: Well done.
MfG,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
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Surjaninov
- Klio
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- Registriert: 20.12.2003, 21:06
Re: Totenfest II
Dank dir Dirk,
deinen Hinweisen werde ich auf jeden Fall nachgehen. Das Ende hatte Flocke ja auch schon bemängelt. Scheint also nicht ganz zu stimmen.
Mit dem "Metztgermeister" wollte ich auf die Brutalität, mit der dort wirklich alles passiert, eingehen. Es sollte aber durchaus auch abwegig klingen. Seltsam.
Zur Dramatik will ich mal sagen, daß ich versuche am Ende keine Hammerschläge zu bringen. Eher in der Mitte und - (oder,) ganz wichtig - in der vorletzten Zeile. Das hat sich bei mir so ergeben.
Auf soetwas können wir ja mal in der sich anbahnenden Form-Diskussion näher eingehen. (wenn spider wieder da ist.)
Aber ich werde nochmal drüberschauen. Mal sehen...
Wegen der Bilder. Ich hatte mir das gedacht. Muss mal sehen ob ich das irgendwie hinbekomme. Danke auch dafür.
lg
Surja
deinen Hinweisen werde ich auf jeden Fall nachgehen. Das Ende hatte Flocke ja auch schon bemängelt. Scheint also nicht ganz zu stimmen.
Mit dem "Metztgermeister" wollte ich auf die Brutalität, mit der dort wirklich alles passiert, eingehen. Es sollte aber durchaus auch abwegig klingen. Seltsam.
Zur Dramatik will ich mal sagen, daß ich versuche am Ende keine Hammerschläge zu bringen. Eher in der Mitte und - (oder,) ganz wichtig - in der vorletzten Zeile. Das hat sich bei mir so ergeben.
Auf soetwas können wir ja mal in der sich anbahnenden Form-Diskussion näher eingehen. (wenn spider wieder da ist.)
Aber ich werde nochmal drüberschauen. Mal sehen...
Wegen der Bilder. Ich hatte mir das gedacht. Muss mal sehen ob ich das irgendwie hinbekomme. Danke auch dafür.
lg
Surja
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Surjaninov
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Re: Totenfest II
Das Fest im Lazarett
In fauligen Strömen fließt gelber Eiter,
und braunes Blut sprudelt aus vollem Mund.
Es steigt ein Sänger auf wackliger Leiter
empor, entschwebt hoch den stinkenden Grund.
Schwankend tanzen wie die Marionetten,
mit festen Klumpen aus braunem Mull verhüllt,
wie an dünnen Fäden hängend um Betten,
die Tollen, liegen bald wie Papier zerknüllt.
Lieder sprudeln aus durchlöcherten Kehlen,
aus offenen Bäuchen steigen Gerüche,
fein vom Braten und erlesenen Mehlen.
Suppen brodeln heiß in der Lagerküche.
Eingefallen, leer, scheinen die Gesichter,
die spät noch ein krummes Ballett begaffen.
Schatten spielen wild im Kegel der Lichter,
wo Wunden aus dem Bühnenboden klaffen.
Feuerwerk bricht in die reglosen Säle,
früh morgens, nach jenem rauschenden Fest.
Einige schlafen, aufgespießt durch Pfähle,
die aus der Decke brachen; trauriger Rest.
copyright (c) C. Schwarz
In fauligen Strömen fließt gelber Eiter,
und braunes Blut sprudelt aus vollem Mund.
Es steigt ein Sänger auf wackliger Leiter
empor, entschwebt hoch den stinkenden Grund.
Schwankend tanzen wie die Marionetten,
mit festen Klumpen aus braunem Mull verhüllt,
wie an dünnen Fäden hängend um Betten,
die Tollen, liegen bald wie Papier zerknüllt.
Lieder sprudeln aus durchlöcherten Kehlen,
aus offenen Bäuchen steigen Gerüche,
fein vom Braten und erlesenen Mehlen.
Suppen brodeln heiß in der Lagerküche.
Eingefallen, leer, scheinen die Gesichter,
die spät noch ein krummes Ballett begaffen.
Schatten spielen wild im Kegel der Lichter,
wo Wunden aus dem Bühnenboden klaffen.
Feuerwerk bricht in die reglosen Säle,
früh morgens, nach jenem rauschenden Fest.
Einige schlafen, aufgespießt durch Pfähle,
die aus der Decke brachen; trauriger Rest.
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Hieranonuemus
- Hydra
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- Registriert: 07.10.2002, 13:05
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Re: Totenfest II
Hi. Moment, haben wir das nicht schon gehabt? "Mann und Frau gehen..." ist von 1912, nicht? Wieso schreiben wie vor 90 Jahren? Die Reime sind auch nicht so überragend. Retro-Style? Erinnert mich an Wilhelm Klemm. Der hat auch ganz gute Kriegsgedichte geschrieben. Auch vierzeilige Strophen mit a b a b-Schema. Ich glaube, Reime lenken zusehr von der Syntax ab, vom Inhalt ab. So kommen ein paar Altertümeleien rein. "Es steigt ein Sänger auf wackliger Leiter..." zB. Oder: "und Blut sprudelt aus vollem Mund". Zuviele Adjektive, zuviel Expressionismus. Nimm die Adjektive heraus und aus dem letzten Zitat wird "und Blut sprudelt aus Mund". Klingt ein bisschen Jandl. Aber wenn die Adjektive wichtig sind, damit der Inhalt nicht verwischt, dann stimmt etwas an der Grundkonstruktion nicht.
Beste Grüsse, Norbert
Beste Grüsse, Norbert
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