Wenn ich heute nicht die Welt verändere, dann nie. Was für ein Tag. Frühling, Sonne und den ganzen Sonntag nichts zu tun. Also, raus in die Welt. Gar nichts kann mir heute mein Lächeln rauben. Gar nichts.
Ich gehe meine Strasse herunter. Überall spazieren Verliebte. Auch ich finde mal mein Glück, so viel ist sicher. Ich bin nur zu wählerisch - hoffentlich. Ich biege um die Ecke in eine kleine, verträumte Seitenstrasse und schlendere auf ein Haus zu, vor dem ein dunkelblauer Lieferwagen steht. Eine junge Frau in Jeans und dunklem T-Shirt lädt gerade ein paar Vasen in den Wagen. Sie geht wieder zurück in die Wohnung. Braune, halblange Haare mit einem dichten Dschungel aus Locken, sportliche Figur - wahrscheinlich Mitte zwanzig.
Ein wenig Hilfe beim Umzug wird sie wohl kaum abschlagen können. Ihr Fernseher, den Sie gerade versucht aus der Wohnung zu tragen, scheint mir für sie allein doch ein wenig schwer. "Hallo, kann ich Ihnen vielleicht helfen?", frage ich mit dem verklemmtesten Grinsen dieser Welt. Was für eine Ausstrahlung ich doch habe. Das scheint vorher nur noch keine bemerkt zu haben. Sie schon. Wie gebannt schaut sie mich an. Ihr Lächeln treibt mir ein wohliges Kribbeln den Rücken hinab. Und wie in einem Traum höre ich ihre Stimme: "Ja, sehr gerne. Das ist das letzte Teil, dann bin ich fertig." Gemeinsam tragen wir den Fernseher von der gefühlten Größe eines japanischen Kleinwagens in ihren Lieferwagen. Ich kann meine Augen den ganzen Weg über nicht von ihr lassen. Ein Umstand, der meinen ansonsten zumindest durchschnittlichen Gleichgewichtssinn nicht gerade im besten Licht erscheinen lässt. Wir verstauen den Fernseher im Lieferwagen direkt zwischen den Vasen und ihrer Stereoanlage, klettern heraus und schließen die Türen. Da stehe ich nun direkt vor ihr und schaue in diese wunderschönen braunen Augen. "Danke. Ich heiße übrigens Hanna.", sagt sie, gibt mir einen Kuss auf die Wange und geht in Richtung der Fahrertür. Ich kann ihr nur noch nachsehen wie sie einsteigt und den Motor startet. Hanna - mein Glück hat Locken und heißt Hanna.
Eine Chance habe ich noch. "Hanna, deine Haustür ist noch offen!", rufe ich dem anfahrenden Wagen zu. "Nein, meine Haustür ist geschlossen.", höre ich sie rufen. Ihr Lieferwagen braust davon. Sirenengeheul. Vasen, Stereoanlage und Fernseher - heute ist kein guter Tag.
Ein Kavalier, wer Böses dabei denkt?
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mondenschnee
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- Wohnort: Iserlohn
Re: Ein Kavalier, wer Böses dabei denkt?
Im Rahmen meiner extrem wichtigen Jurytätigkeit stolpere ich über diesen Text und finde... dass ihn NIEMAND kommentiert hat. Ja, watt solln dette...
Zumal er so gut ist. Kompliment, Mondenschnee!
Ja... Kompliment wofür eigentlich? Sprachlich ist der Text solide, aber nicht herausragend, die Geschichte selbst gut beobachtet und gut beschrieben, allerdings auch mit Schwächen, vor allem im Dialog:
und teilweise schreibst Du auch etwas umständlich und gewollt komisch:
Trotzdem ist der Text eindeutig besser als durchnittlich, also woran liegts... hm... ich glaube, es sind die (eigentlich einfache) Grundidee, und der geschickte Aufbau, mit dem Du sie dann umsetzt. Außerdem kleine Highlights, wie die "gefühlte Größe" und Hannas Antwort:
Man kann fast fühlen, wie sie da die Luft aus seiner Traumblase lässt. Sehr gut. Ach so, dass mit dem Kuß glaube ich nicht so recht. Aber unmöglich ist es dann wiederum auch nicht.
Alles in allem ein gelungener Text, an dem ich nur eines wirklich schlecht finde: Den Titel. Er weckt eine völlig falsche Erwartung und zieht die verklemmte Phantasie des LI in eine schmierige Richtung, die nicht dazu passt. Vielleicht ändern?
Zumal er so gut ist. Kompliment, Mondenschnee!
Ja... Kompliment wofür eigentlich? Sprachlich ist der Text solide, aber nicht herausragend, die Geschichte selbst gut beobachtet und gut beschrieben, allerdings auch mit Schwächen, vor allem im Dialog:
"Ja, sehr gerne. Das ist das letzte Teil, dann bin ich fertig."
"Danke. Ich heiße übrigens Hanna."
und teilweise schreibst Du auch etwas umständlich und gewollt komisch:
Ein Umstand, der meinen ansonsten zumindest durchschnittlichen Gleichgewichtssinn nicht gerade im besten Licht erscheinen lässt.
Trotzdem ist der Text eindeutig besser als durchnittlich, also woran liegts... hm... ich glaube, es sind die (eigentlich einfache) Grundidee, und der geschickte Aufbau, mit dem Du sie dann umsetzt. Außerdem kleine Highlights, wie die "gefühlte Größe" und Hannas Antwort:
"Nein, meine Haustür ist geschlossen."
Man kann fast fühlen, wie sie da die Luft aus seiner Traumblase lässt. Sehr gut. Ach so, dass mit dem Kuß glaube ich nicht so recht. Aber unmöglich ist es dann wiederum auch nicht.
Alles in allem ein gelungener Text, an dem ich nur eines wirklich schlecht finde: Den Titel. Er weckt eine völlig falsche Erwartung und zieht die verklemmte Phantasie des LI in eine schmierige Richtung, die nicht dazu passt. Vielleicht ändern?
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: Ein Kavalier, wer Böses dabei denkt?
Hallo,
vielleicht bin ich zu naiv, zu unschuldig oder beides - aber in mir hat der Titel vor dem Lesen nur die Erwartung ausgelöst, dass "dabei" identifizieren zu können (was ich übrigens selbst nach dem Lesen nicht zweifelsfrei könnte) und nach dem Lesen fand ich ihn irgendwie unpassend.
Mehr allerdings nicht.
Ich frag einfach mal: In welche schmierige Richtung zieht der Titel die Gedanken des LI.
(wieso überhaupt des LI? "wer" erscheint mir recht allgemein)
Es grüßt der naiv-unschuldige,
Hamburger
vielleicht bin ich zu naiv, zu unschuldig oder beides - aber in mir hat der Titel vor dem Lesen nur die Erwartung ausgelöst, dass "dabei" identifizieren zu können (was ich übrigens selbst nach dem Lesen nicht zweifelsfrei könnte) und nach dem Lesen fand ich ihn irgendwie unpassend.
Mehr allerdings nicht.
Ich frag einfach mal: In welche schmierige Richtung zieht der Titel die Gedanken des LI.
(wieso überhaupt des LI? "wer" erscheint mir recht allgemein)
Es grüßt der naiv-unschuldige,
Hamburger
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