Driving to Bratislava
Kurz hinter Schwechat geht Österreichs Beitrag zur Öffnung des Westens von der holprigen Autobahn in die Bundesstraße über. Schengen! Slowakei? Noch nicht! Also bin ich doch noch in der Heimat. Unterschiede gibt es kaum. Die Grenze eben schon. Die Felder links und rechts neben der Straße vermitteln das Gefühl von Nachtsichtgeräten, Präsenzdienern und StG 77 und? Illegalen natürlich.
„Bald fahrn wir zu denen rüber.“
„Achtung“, sag ich zum Beifahrer „die Nachbarn sind doch gar nicht solche. Die Haben nur die drin die von weiter drüben “
Verwundert beobachte ich mich selbst dabei wie ich gekünstelt einfacher zu sprechen versuche. Doch nicht nur die Sprache verändert sich bei dieser primitiven Argumente-unterstreich- Technik sondern, wie mir vorkommt, auch der Inhalt. Denn eigentlich sollte ich jetzt durch stichhaltige Argumente, in überzeugender, rethorisch perfekter Manier, dem neben mir klar machen, das denen und solche eigentlich.......
Ach was gebe ich mich mit dem Trottel ab. Ich bin zu Größerem berufen.
Wie soll ich aber Größeres bewältigen wenn ich schon mit einer „ denen“ Konfrontation nicht fertig werde? Konfrontation? Lächerlich. Nur Ausreden. Muss mich ärgern, dass anscheinend das Ergebnis meiner gedanklichen Exzerpte dieser ganzen Leitartikel, Kommentare, Analysen und Diskussionen, auf ein nüchternes drüben ein absolutes Nichts ist. Ich denke nicht weiter.
Ich muss jetzt aufpassen. Denn der Ortschaftsfünfziger ist wieder zum anpassen. Interkulturell? nein, verkehrstechnisch.
Die Stille meines Beifahrers beunruhigt mich. Wahrscheinlich habe ich ihn mehr bestätigt als gereizt Aber was habe ich eigentlich erwartet? Für den sind das da drüben sowieso alles nur slawische Arbeitsplatzkiller und...
Bald wäre ich selbst zum Killer geworden. Diese verdammten Ortschaften.
Wo bleibt meine Toleranz frage ich mich? Der kann doch denken was er will.
Aber Gesellschaft. Vorurteile, Kronen Zeitung. Ich muss doch was verändern!
Plötzlich atmet der neben mit tief ein. Etwas Unangenehmes liegt in der Luft.
„ Weißt du ich komme von da weiter drüben. Legal. Geschäftlich. In fünf Kilometern kommt die Grenze. Dann bin ich bei denen drin. Habt noch viel zu tun . Nicht nur wegen Autobahn.“
Riesen Lungenvolumen hat der. Bekomme keine Luft mehr ab.
Der dreht mir doch das Wort im Mund um. Bin doch auf seiner Seite. Der glaubt doch nicht wirklich das ich .....
Warum eigentlich nicht. Er denkt, ich sei einer derer. Welcher? Eben dieser was ich von ihm dachte. Super.
Super Angriff gegen Gesellschaft, Vorurteile und Kronen Zeitung. Vorurteile. Der Kreis schließt sich: erst ich ihn, jetzt er mich. Doch es ist meine Schuld, weil eigentlich ich ihn. Auge um Auge. Back to the Steinzeit. So wie ich. So wie alles bei uns da.
Driving to Bratislava
Driving to Bratislava
"Seien wir realistisch-fordern wir das Unmögliche" Che
Re: Driving to Bratislava
Hallo le tob!
Einen ungewöhnlichen Gegenstand hast du dir für deinen Text ausgesucht. Wenn ich geographisch nicht völlig von der Rolle bin, geht es hier um die Osterweiterung der EU, thematisiert am Beispiel eines der Beitrittskandidatenländer, nämlich der Slowakei.
Ich beschäftige mich sonst mit dem Thema überhaupt nicht, aber dein Text hat mich angeregt es einmal zu tun.
Du widmest dich inhaltlich einem interessanten Aspekt - der Wirkung der Sprache. Gerade dabei verstehst du es in einem einfachen Dialog Spannung aufzubauen, gerade auch durch das was du weglässt und was sich folglich der Leser selbst denken kann, dem du im Übrigen zwischendurch deutliche Hinweise
erteilst, worum es dir geht. (Diesbezüglich fällt mir in Bekannter ein, der mit der EU-Erweiterung ausser einem Schwarm polnischer Mitbürger, die Deutschlands Lohnniveau um bis zu 75 % senken werden, nichts verbindet)
Diese Mischung aus einem recht roh wirkenden Dialog, deinen Gedanken und dem sparsam eingesetzten trockenem Humor ("...Interkulturell? nein, verkehrstechnisch") hat mich beeindruckt.
Auch der Titel der Geschichte gefällt mir, vor allem da er in Englisch ist (passend zum Thema)
Der Schluss entzieht sich, was deine Gedanken zum sich schliesenden Kreis angeht, teilweise meinem Verständnis.
Mit wenigen Worten recht viel ausgedrückt - inhatlich einer der besten Texte bisher im Forum.
Sprachlich wirken einige Sätze etwas krude. So hätte sich für "Argumente-unterstreich Technik" ein besserer Begriff finden können. Auch "Ein riesiges Lungenvolumen hat der" anstatt "Riesen Lungenvolumen hat der" hätte eleganter gewirkt.
Das ist aber auch die einzige Kritik: Man stolpert manchmal beim Lesen über deine etwas krause Sprache, die natürlich tilweise davon bedingt wird, dass du das wiedergibst was du als Fahrer gerade denkst.
Freue mich auf deinen nächsten Text.
MFG,
Hamburger
Einen ungewöhnlichen Gegenstand hast du dir für deinen Text ausgesucht. Wenn ich geographisch nicht völlig von der Rolle bin, geht es hier um die Osterweiterung der EU, thematisiert am Beispiel eines der Beitrittskandidatenländer, nämlich der Slowakei.
Ich beschäftige mich sonst mit dem Thema überhaupt nicht, aber dein Text hat mich angeregt es einmal zu tun.
Du widmest dich inhaltlich einem interessanten Aspekt - der Wirkung der Sprache. Gerade dabei verstehst du es in einem einfachen Dialog Spannung aufzubauen, gerade auch durch das was du weglässt und was sich folglich der Leser selbst denken kann, dem du im Übrigen zwischendurch deutliche Hinweise
erteilst, worum es dir geht. (Diesbezüglich fällt mir in Bekannter ein, der mit der EU-Erweiterung ausser einem Schwarm polnischer Mitbürger, die Deutschlands Lohnniveau um bis zu 75 % senken werden, nichts verbindet)
Diese Mischung aus einem recht roh wirkenden Dialog, deinen Gedanken und dem sparsam eingesetzten trockenem Humor ("...Interkulturell? nein, verkehrstechnisch") hat mich beeindruckt.
Auch der Titel der Geschichte gefällt mir, vor allem da er in Englisch ist (passend zum Thema)
Der Schluss entzieht sich, was deine Gedanken zum sich schliesenden Kreis angeht, teilweise meinem Verständnis.
Mit wenigen Worten recht viel ausgedrückt - inhatlich einer der besten Texte bisher im Forum.
Sprachlich wirken einige Sätze etwas krude. So hätte sich für "Argumente-unterstreich Technik" ein besserer Begriff finden können. Auch "Ein riesiges Lungenvolumen hat der" anstatt "Riesen Lungenvolumen hat der" hätte eleganter gewirkt.
Das ist aber auch die einzige Kritik: Man stolpert manchmal beim Lesen über deine etwas krause Sprache, die natürlich tilweise davon bedingt wird, dass du das wiedergibst was du als Fahrer gerade denkst.
Freue mich auf deinen nächsten Text.
MFG,
Hamburger
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)
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