Wenn ich die Wohnungstür hinter mir schließe werde ich rufen. Sie wird nicht da sein, natürlich und ich werde trotzdem rufen, weil ja doch eine Antwort kommen könnte und auch weil dann ihr Name im Flur hängt und ich es mag, wenn etwas von ihr über mich hinaus geht.
Ich werde ein bisschen lauschen und überrascht sein und um ihn herumgehen, wie er da schwebt, die Tasche ablegen, die Schuhe, die Jacke.
In der Küche koche ich, das kann ich gut, ich gebe mir mühe. Das Gewürzregal habe ich für sie gekauft, doch die Farbe der Aufkleber ist schon weggenutzt, Zimt, Oregano, Majoran, ich mag auch den Klang diese Wörter. Ich werde sie laut sprechen, während ich das Fleisch schneide, sodass sie den Raum erfüllen. Ich werde auf die Uhr sehen. Zum Glück habe ich zu tun, den Abend lang. Sonst müsste ich vielleicht hinaus gehen, da ist es schwer darauf zu achten, ob sie dort mal war, oder sein wird. Bei der Arbeit werde ich nicht fragen ob sie wartet. Kann es sein, dass sie warten kann, warte ich? Ich weiß es nicht, ich werde nur die Tür schließen und auch den Schlüssel umdrehen. Ich genieße den Klang ihres Namens, welcher es auch immer sein mag, ich weiß es nicht. Ich werde langsam essen, der Mühe wegen und mich fragen ob es ihr geschmeckt hätte. Ich werde schwanken, einen Moment lang sicher, natürlich, denn schließlich habe ich für sie gekocht, den anderen Augenblick verunsichert. Ich weiß es nicht.
Wenn ich durch den Flur gehe werde ich vorsichtig sein, wo ich hintrete, denn ihr Name ist in der Zwischenzeit zu Boden geschwebt, ich will nicht darauf treten. Ich werde mich fragen ob ich nicht ein zweites mal rufen soll und einmal von dreien schnell im Arbeitszimmer verschwinden. Wenn ich rufe bleibt mir die Stille am Körper kleben. Stille kümmert sich nicht um Kleider und es fällt mir schwer mich zu konzentrieren. Heute wäre es Zeit zu rufen.
Ich werde rufen. Es wird keine Antwort kommen, sie ist nicht da. Ich werde rufen.
Flurzeit. Ich rufe. Ihren Namen, ihren Namen. Ich rufe. Bin unersättlich heute, will mich noch einen Moment vor der Stille retten. Sie kommt. Kriecht herein. Legt sich auf die Oberfläche sickert ein. Wie eine Base, welche die Oberfläche nicht schließt, sondern immer tiefer hineinkriecht. Ich warte, das ich aus dem Flur darf. Noch muss ich lauschen. Es ist Flurzeit. Stille.
Gleich wird die Zeit vergangen sein, ich werde aufatmen und gehen. Ich merke auf, ich habe gelauscht und da war etwas. Vor der Tür der Wohnungstür die ich so sicher geschlossen hatte. Jetzt darf das nicht sein, denn ich habe gelauscht und wenn sie es nicht ist werde ich nie wieder stehen dürfen und warten. Ich öffne die Tür sehr vorsichtig. Da steht sie, oder nur jemand, sie hält das Geländer umklammert mit den Fingern und sieht mich an, wie ein Mensch, der nicht weinen darf, wenn Augen auf ihn gerichtet sind.
Ich frage: bist du da?
Lauschen
Re: Lauschen
Das ist spannend, weil man sich natürlich sofort und permanent fragt, wer ist sie? Sie wird erwartet wie eine Geliebte, aber dennoch scheint die Wartende von ihrer Verspätung nicht enttäuscht, sie wird bekocht, sie kriegt ein Gewürzregal, man denkt also die ersten Absätze lang durchaus noch an eine Person. Später scheint mir, wird dann doch relativ klar: "Sie" ist wohl eher ein Gefühl. Aber was für eins? Sehnsucht? Einsamkeit? Inspiration? "Die Muse"? Melancholie? Oder doch Liebe? Wahrscheinlich eins, dass sich nicht so einfach in eine begriffliche Hülle sperren lässt.
"Sie" (bzw es, das Gefühl) bekommt jedenfalls beinahe etwas Greifbares, aber eben nur beinahe, und das ist sehr gut.
Der Text bietet viel Spielraum für Interpretationen, was natürlich auch gut ist, allerdings frage ich mich schon, ob einige Formulierungen nicht kryptischer sind, als sie unbedingt sein müssen.
zB
...und einmal von dreien schnell im Arbeitszimmer verschwinden.
Welche Male sind da gemeint? Die Male, die sie ruft? Aber wieso drei? Vorher war ja nur von einem 2. Ruf die Rede? Soll das heißen, dass sie _statt_ des 3. Rufes im Arbeitszimmer veschwindet?
Besonders gut gefällt mir, wie sie den Namen in den Flur ruft und dann darum herumgeht.
Aber jetzt muss ich noch eine Runde weiter überlegen, was wohl die gemeinte Empfindung sein könnte...
lg
mög
"Sie" (bzw es, das Gefühl) bekommt jedenfalls beinahe etwas Greifbares, aber eben nur beinahe, und das ist sehr gut.
Der Text bietet viel Spielraum für Interpretationen, was natürlich auch gut ist, allerdings frage ich mich schon, ob einige Formulierungen nicht kryptischer sind, als sie unbedingt sein müssen.
zB
...und einmal von dreien schnell im Arbeitszimmer verschwinden.
Welche Male sind da gemeint? Die Male, die sie ruft? Aber wieso drei? Vorher war ja nur von einem 2. Ruf die Rede? Soll das heißen, dass sie _statt_ des 3. Rufes im Arbeitszimmer veschwindet?
Besonders gut gefällt mir, wie sie den Namen in den Flur ruft und dann darum herumgeht.
Aber jetzt muss ich noch eine Runde weiter überlegen, was wohl die gemeinte Empfindung sein könnte...
lg
mög
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: Lauschen
Hallo Mög
Danke für deinen Kommentar, das hat mich sehr gefreut. Besonders, weil ich es mag wenn Texte vielfach deutbar sind und deine interpretation finde ich sehr spannend und interessant. Ich würde ja jetzt gerne behauten, dass ich diese überaus interessante idee auch gehabt hätte, aber hatte ich nicht. DAs sie möglich ist finde ich aber auch und shcön ist sie ebenso deshalb hast du natürlich recht.
Und jetzte weiß ich glaube ich acuh welches Gefühl ich meinen würde
Die Formulierungen muss ich villeich ein bisschen überarbeiten, die ganze Geschichte ist sehr schnell entstanden und daher nicht genau überarbeitet.
Vielen dank und liebe Grüße
Edekire
Danke für deinen Kommentar, das hat mich sehr gefreut. Besonders, weil ich es mag wenn Texte vielfach deutbar sind und deine interpretation finde ich sehr spannend und interessant. Ich würde ja jetzt gerne behauten, dass ich diese überaus interessante idee auch gehabt hätte, aber hatte ich nicht. DAs sie möglich ist finde ich aber auch und shcön ist sie ebenso deshalb hast du natürlich recht.
Und jetzte weiß ich glaube ich acuh welches Gefühl ich meinen würde
Die Formulierungen muss ich villeich ein bisschen überarbeiten, die ganze Geschichte ist sehr schnell entstanden und daher nicht genau überarbeitet.
Vielen dank und liebe Grüße
Edekire
ich wünschte ich hätte musik, doch ich habe nur worte
sarah kane
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