„Rate mal, was ich eben auf dem Speicher gefunden habe.“, fordert Maureen ihren Mann Zach auf, der gerade an seinem Schreibtisch sitzt und über eine Lektüre brütet.
„So wie es aussieht, würde ich mal sagen: Eine Kiste. Was ist damit?“ Zach nimmt seine Brille ab und reibt sich die Augen.
Maureen kniet sich auf den Boden und pustet eine Staubschicht vom Deckel. Zach setzt sich neben sie und schnipst Maureen eine kleine Staubwolke von der Nasenspitze.
„Nicht dass da jetzt meine alten Pornohefte drinnen sind, oder so was in der Art. Jeder Mann soll doch Geheimnisse haben, oder?“, fragt Zach.
Maureen öffnet die Kiste und zieht eine Augenbraue hoch. In der Kiste befinden sich Fotos, Zeitungen und sonstiger Krimskrams. Zachs Stirn legt sich in Falten und er greift nach einem silbernen Ring.
„Das glaube ich jetzt nicht.“
„Was ist das denn für eine Kiste? Und vor allem: Was ist das für ein Ring?“, fragt Maureen.
Zach schaut sich die Innenseite des Ringes an und kneift die Augen zusammen. In der Sinnenseite sind die Buchstaben „S & Z“ eingraviert. Maureen greift nochmals in die Kiste und befördert ein Bild zutage. Auf dem Bild sieht man, wie ein Junge um die 18 seine Arme um ein Mädchen gelegt hat. Beide lachen in die Kamera und die Frau hat eine Zigarette in der Hand. Zach steht auf und geht zum Fenster. Er schaut hinaus auf die schneebedeckte Straße.
„Dieser Ring war ein Geschenk einer alten Freundin von mir. Sie hieß Susan und sie hat mir eine Menge bedeutet. Ich bekam ihn als Weihnachtsgeschenk. Im Nachhinein war dieser Ring wahrscheinlich das einzige, dass ich jemals von ihr bekommen habe.“
Maureen erhob sich und ging langsam auf Zach zu. So nachdenklich hatte sie ihn schon seit langer Zeit nicht mehr erlebt; und dabei waren die beiden schon fast 8 Jahren verheiratet. Sie legte ihre Arme um seinen Bauch und ihren Kopf an seinen Rücken.
„War sie das Mädchen auf dem Bild?“, fragt sie.
Zach streichelt über Maureens Hände und schaut weiter aus dem Fenster. Eine Schneeflocke bannt sich ihren Weg über das Fenster.
„Nein. Von mir und Susan gibt es keine Bilder. Wir hatten irgendwie nie die Möglichkeit dazu, eins zu machen. Das Mädchen auf dem Foto hieß Carol und das Foto entstand, als ich sie mal besuchte. Carol war so was wie eine Brieffreundin und wir haben uns da zum ersten Mal getroffen.“ Er muss bei diesem Gedanken lächeln und drückt die Hände seiner Frau fester an sich. „Diese Kiste habe ich als einen Art Katalysator benutzt, um meinen Kopf von einigen Personen frei zu bekommen, die mir mal wichtig waren, mich dann aber verletzt haben.“
Maureen dreht Zach herum und gibt ihm einen zärtlichen Kuss auf die Lippen.
„Warum hast du mir nie davon erzählt? Von Susan und Carol? Von dieser Kiste?“
„Ich konnte es einfach nicht. Als ich dich kennen lernte, wollte ich meine Vergangenheit hinter mir lassen. Vergessen, dass es mal Menschen in meinem Leben gab, die mir sehr wichtig waren und die ich verloren habe. Ich wollte einige Fehler nicht noch mal bei dir wiederholen.“
Zach zieht seine Frau zum Sofa im Wohnzimmer und setzt sich. Maureen legt sich neben ihn, den Kopf auf seinen Beinen und lässt sich von Zach durch die Haare streicheln.
„Glaube mir: Hätten wir uns damals gekannt, hättest du mich gehasst. Ich war damals ein richtiges Ekelpacket. Ein Teenager, der nach dem Sinn des Lebens sucht und sich jedem weiblichen Wesen an den Hals schmiss, das ihm ein Gefühl von Geborgenheit lieferte.“
„Und die beiden konnten dir das liefern?“, fragt Maureen.
„Carol eigentlich nicht. Damals wusste ich nicht wirklich etwas mit dem Begriff „Liebe“ anzufangen. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wie sich das überhaupt anfühlt. Carol war einfach eine nette Freundin, mit der man lachen konnte. Sie hatte eine sehr aufmüpfige Art an sich und ich mochte sie.“
„Und was ist mit Susan?“
Zach schaut durch das große Wohnzimmer und bleibt an der Wanduhr hängen. Er denkt einen langen Augenblick nach und wendet seinen Blick wieder Maureen zu.
„Susan war meine erste wirklich Liebe. So dachte ich damals auf jeden Fall. Wir lernten uns in einem Cafe in San Fransisco kennen und wir verstanden uns auf Anhieb. Nach ein paar Wochen, eröffnete sie mir dann, dass sie sich in mich verliebt habe. Aus irgendwelchen Gründen dachte ich, dass ich sie verlieren würde, wenn ich nicht diese Gefühle erwidern würde. Also sage ich ihr, dass ich das gleiche fühle.“
Maureen erhebt sich und schaut Zach ungläubig an.
„Soll das etwas heißen, dass du sie eigentlich gar nicht geliebt hast?“
Zach druckst etwas herum und sucht nach den richtigen Wörtern.
„Mhm ... so kann man es sagen. Wie schon gesagt: Ich war damals in einer schweren Phase.“
„Wie viele Jahre lag das mit Carol und Susan zurück, als wir uns kennen lernten?“
„So etwa fünf Jahre. Ich hatte es schon aufgegeben, jemals meine Traumfrau zu finden; und dann trat da eine der wunderbarsten Menschen der Welt in mein Leben. Du hast mich wirklich verändert. Habe ich das nie gesagt?“
„Doch, hast du. Aber jetzt kenne ich die Hintergründe.“ Maureen steht auf, küsst ihren Mann und geht zur Kiste. Zach folgt ihr und hockt sich neben sie.
„Ich hatte diese Kiste bereits vergessen. Dort habe ich so viel abgelegt, dass ich in den letzten Jahren eigentlich schon vergessen habe; und jetzt kommt alles wieder hoch.“
„Hast du eigentlich mal daran gedacht, noch mal mit Susan und Carol zu reden? Zu erfahren, was sie in den letzten Jahren gemacht haben? Dass muss dich doch interessieren.“
„Ich wollte diese beiden Personen komplett aus meinem Gehirn verbannen. Es war wie ein Leben, dass ich mal geführt habe und abschließen wollte als ich dich kennen und lieben lernte. Aber ja: Es würde mich interessieren, was aus ihnen geworden ist.“
„Dann finde raus, wo sie jetzt wohnen und besuche sie. Damit du die Vergangenheit wirklich begraben kannst.“
Zach schaut zuerst in die Kiste und dann seiner Frau in die Augen.
„Bist du dir sicher. Ich weiß doch gar nicht, wo sie jetzt wohnen. Oder ob sie überhaupt noch ihren Mädchennamen haben.“
Maureen steht auf, ergreift seine Hand und blick ihn mit festen Ausdruck in den Augen an.
„Du findest doch sonst immer alles heraus. Ich möchte, dass du diese beiden Frauen findest und mit ihnen redest. Ich weiß, dass das komisch klingt, da ich deine Ehefrau bin, aber ich möchte es.“
Zach steht auf und legt die Arme um ihre Hüfte.
„Ich weiß schon, warum ich dich geheiratet habe. Ohne dich wäre ich gar nichts.“
Maureen lächelt und legt den Kopf an seine Schulter.
„Ich möchte, dass du diese Reise machst. Sehe es als Trip in die Vergangenheit an, in deren Verlauf du vielleicht noch etwas lernen kannst.“
„Wie du möchtest, Darling. Ich kann dir immer noch nicht wiedersprechen. Warum bin ich auch bloß mit einer Psychologin verheiratet?“, antwortet Zach und legt ebenfalls seinen Kopf an Maureens Schulter. Diese lächelt und drückt sich enger an seinen Oberkörper.
Es ist eine sehr schöne Stadt im Herzen Virginias, in der es Zach verschlagen hat. Ein wenig wie die Stadt Stars Hollow aus der Serie Gilmore Girls. Zach hätte es nie für möglich gehalten, mal wieder in so eine Stadt zu kommen. Er hält mit seinem Leihwagen vor einem Haus, schaut sicherheitshalber noch mal auf den Zettel und stieg dann aus. Langsam ging er auf die Eingangstür zu und schaute auf das Namensschild: Susan Walker.
„Sie ist also nicht verheiratet; oder geschieden.“, murmelt Zach und klingelte.
Man kann von ihnen hören, wie Geschirr zerklirrt und eine Frau flucht. Dann öffnet sich die Tür und Zach steht nach den ganzen Jahren wieder Susan gegenüber. Diese schaut zuerst etwas verwirrt, realisiert dann aber, wer da steht und ihr Mund klappt nach unten.
„Zach? Zach, bist du das? Was im Namen der Hölle machst du ihr?“ Susan schaut ihn mit wütenden Blick an. Zach schüttelt den Kopf und schaut zurück die Straße herunter.
„Wie ich sehe, bist du immer noch genau so freundlich wie an dem Tag, als wir uns das letzte Mal gesehen haben, Susan. Manche Sachen ändern sich halt nie.“
„Bist du nur hier, um mich zu provozieren? Oder was kann ich nach den ganzen Jahren, in denen du dich nicht bei mir gemeldet hast für dich tuhen?“
„Darf ich rein kommen? Bitte.“
Susan zuckt mit den Schultern, nickt und geht wieder zurück in das Haus. Zach schließt die Tür und schaut sich um.
„Schön hast du es hier.“, sagt er und folgt ihr in das Wohnzimmer. Susan sitzt auf dem Sofa und schluckt gerade einen Tablette. Ihr Gesichtsausdruck hat sich inzwischen wieder normalisiert.
„Was willst du von mir, Zach? Du meldest dich die ganzen verdammten Jahre nicht bei mir und dann tauchst du plötzlich wieder auf? Möchtest du mich etwa zurück?“
Zach starrt Susan an und lacht dann höhnisch auf.
„Ich bin seit Jahren glücklich verheiratet, Suze. Warum sollte ich dich zurück haben wollen?“
„Ich weiß nicht. War nur so ein Gedanke. Aber ich habe ja eh kein Glück mit den Männern. Drei Scheidungen sprechen eine deutliche Sprache. Naja; meine Schuld war’s nicht.“ Susan legt ihre Beine hoch und nippt an ihrem Martiniglas.
„Natürlich nicht. Du hattest nie schuld. Immer waren es die anderen, die den Mist gebaut haben. Aber beantworte mir bitte eine Frage: Hast du jemals daran gedacht, dass du Schuld hattest? Dass unsere Beziehung und dann die Freundschaft in die Brüche gegangen ist, zum Beispiel?“
Susan schluckt eine weitere Pille und spült sie mit Martini herunter.
„Ich habe mir nichts vorzuwerfen, Zach. Du hast damals Mist gebaut, ich habe dich verlassen, dann hast du wieder Mist gebaut und ich habe den Kontakt zu dir abgebrochen.“
Zach lehnt sich mit einem süffisanten Lächeln im Sessel zurück.
„Du glaubst wirklich, dass du mich damals verlassen hast? Soll ich dir mal was sagen, Suzie? Schon mal daran gedacht, dass ich darauf hin gearbeitet habe, dass du mich verlässt? Weil ich wusste, dass du dich wahrscheinlich von der nächsten Brücke gestürzt hättest, wenn ich dich abgeschossen hättest?“
„Aber du hast geweint, als ich dich verlassen habe. Ich habe es doch selber gesehen.“ Susan wirft eine weitere Pille ein.
„Hast du schon mal vor Glück geweint, Susan?“ Zach überlegt einen Moment. „Okay: Wie ich dich kenne, wahrscheinlich nicht. Auf jeden Fall nicht vor Glück. Und verdammt noch mal: Was sind das für Pillen?“ Zach greift nach dem Röhrchen. „Prozac? Ich dachte, du schluckst dieses Zeug nicht mehr, Susan.“
Wütend versucht Susan das Röhrchen zurück zu bekommen. „Das geht dich nicht an, Zach. Ich habe drei beschissene Ehen hinter mir. Die Beziehungen kann ich schon gar nicht mehr aufzählen. Ich brauche etwas, was mich wirklich glücklich macht.“
„Hey, du hast es zum ersten Mal zugegeben. Dich kann nichts glücklich machen, weil du zu schnell das Interesse an einer Sache verlierst. So war es immer.“
Susan kocht sichtlich vor Wut. Ihre Augen verengen sich zu Schlitzen und sie nimmt eine weitere Pille, die sie noch in der Hand hatte.
„Du hattest doch keine Ahnung, wie es in mir ausschaut, Zach! Du weiß gar nichts über mich. Ich wollte einfach jemanden, der mich hält.“
„Nein, Susan. Du wolltest jemanden, den du herumkommandieren konntest. Aber bei deinen Launen war das für mich unmöglich. Du weiß doch bis heute nicht, was Liebe überhaupt ist.“
„Du hast doch keine Ahnung. Ich weiß sehr wohl, was Liebe ist. Ich platze fast davor.“
Zach schaut auf die Fensterbank hinter Susan. Auf ihr befinden sich vertrocknete Blumen.
„Man sieht es an deinen Blumen, Suzie. Sie überleben deine ganze Liebe sogar nicht. Wahrscheinlich sind sie zu schwach.“
„Geh bitte! Du bist nur gekommen um mich leiden zu sehen.“ Susan rollt einige Tränen aus den Augen.
„Na so was: Du kannst ja weinen. Ein Wunder.“ Susan springt auf und schlägt nach Zach. Dieser weicht aus und schaut Susan triumphierend an. „Endlich hast du dein wahres Gesicht gezeigt. Ich gebe dir einen guten Rat, den ich dir schon mal vor Jahren gegeben habe. Aber wie ich sehe, hast du ihn nicht befolgt: Lass dich einweisen, Susan. Geh zu einem Seelenklempner. Und das hier ...“ Er schaut auf das Prozac-Röhrchen und wirft es auf den Boden. Das Röhrchen geht auf und die Pillen verteilen sich auf den Boden. Susan bückt sich und sammelt die Pillen auf. Zach schaut sie mit bemitleidendem Blick an. „Du tust mir wirklich leid. Ich habe gedacht, ich könnte nach all den Jahren vernünftig mit dir reden. Aber da habe ich mich wohl geirrt.“ Er geht zur Tür, verlässt das Haus und steigt in den Wagen. Zach betrachtet noch mal das Haus und gibt dann Gas.
Zach verlässt den JFK-Airport und geht mit schnellen Schritten zu einer Telefonzelle. Er durchblättert das Telefonbuch und lächelt bei einem Namen auf. „Volltreffer.“, murmelt er, schreibt sich die Adresse auf und geht zum Taxistand. Er steigt in ein Taxi und reicht den Zettel dem Fahrer. „Fahren Sie mich zu dieser Adresse.“
„Sie wollen wirklich dahin? Das ist eine ganz miese Gegend, wissen Sie.“, sagt der Taxifahrer und beschleunigt. „Dort wohnt der soziale Kaffeesatz der Stadt; und Sie sehen nicht so aus, als ob Sie dazugehören.“
„Ich möchte eine alte Freundin besuchen. Hätte nicht gedacht, dass sie zum sozialen Kaffeesatz gehört. Was ist das denn für eine Gegend? Viele Farbige und Latinos?“
„Eher das Gegenteil: Hauptsächlich Weiße. Es ist eine weiße Bronx. Für viele ist das kaum zu glauben, aber es ist real. Ihre Freundin muss es ja nicht sehr weit im Leben gebracht haben, wenn sie dort lebt.“
Die beiden schweigen eine Zeitlang und das Taxi hält vor einem Wohnhaus. Zach beugt sich zum Fahrer.
„Was macht das?“
„Noch nichts. Ich werde hier besser auf Sie warten und Sie wieder zurückfahren. Hier bekommt man ganz schwer ein Taxi. Denn wer einmal hier ist, kommt selten wieder heraus.“
„Haben Sie keine Angst, wenn das eine so üble Gegend ist?“, fragt Zach.
Der Taxifahrer greift in das Handschuhfach und holt einen Revolver heraus.
„Ich weiß mich zu schützen.“ Er grinst Zach an. „Ich werde hier auf Sie warten.“
Zach nickt und steigt aus dem Taxi. Er betritt das Wohnhaus und schaut auf dem Briefkasten nach dem richtigen Namen. Dann steigt er die knarrenden Treppen nach oben. Als er im richtigen Stockwerk ist, geht er den Gang lang. Aus den Wohnungen vernimmt er manchmal Schreie, oder wie sich Menschen anschreien. Ein Baby weint und Kinder laufen auf dem Gang hin und her. An einer Tür mit der Nummer 35 drauf, bleibt er stehen und klopft. Die Tür öffnet sich einen Spalt und Zach vernimmt eine Stimme.
„Was wollen Sie? Wenn Sie von der Polizei sind: Der Mord ist zwei Türen weiter geschehen.“
„Carol? Hier ist Zach.“
Die Tür öffnet sich jetzt ganz und Carol schaut Zach ungläubig an. Sie trägt einen Morgenmantel und ihre Haare stehen auf Sturm.
„Mhm ... ich kannte mal einen Zach. Aber eigentlich können Sie der nicht sein.“
Zach verdreht die Augen und stöhnt auf.
„Carol, bitte! Ich muss mit dir reden. Darf ich rein kommen?“
Carol schließt hinter ihm die Tür und Zach geht in den kleinen Wohnbereich. Ein Tisch, vier Stühle, ein Sofa und ein Sessel, dazu ein kleiner Tisch und Fernseher. Carol setzt sich in den Sessel und Zach auf das Sofa.
„Also, ich höre. Was hast du mir denn zu sagen?“, fragt Carol, während sie sich eine neue Zigarette dreht.
„Ich wollte ...“ Zach stoppt seinen Satz und richt die Luft im Raum. „Ist das Marihuana?“
Carol lacht glucksend und zündet sich den Joint an.
„Möchtest du auch einen Zug? Das befreit.“
„Lass mal. Ich stehe nicht so auf Gras.“ Er lehnt sich nach hinten. „Weiß du noch den Grund, warum wir damals den Kontakt abgebrochen haben?“
Carol schaut ihn wütend an und zieht am Joint.
„Du hast in meinem Freundeskreis eine Geschichte rumgereicht, in der ich indirekt als die größte Schlampe von ganz Orlando dargestellt wurde. Deswegen habe ich den Kontakt zu dir abgebrochen.“
„Ich wollte mich entschuldigen, dass ich das damals gemacht habe. Ich habe nicht über die Konsequenzen nachgedacht. Tut mir leid.“
Carol schaut Zach einige Sekunden lang an und ihr Gesicht hellt sich auf.
„Es ist Vergangenheit. Lassen wir sie ruhen. Aber danke, dass du dich wenigstens entschuldigt hast. Das bedeutet mir eine Menge.“
„Wieso bist du eigentlich in so einem Loch gelandet?“
Carol seufzt auf und drückt den Joint aus.
„Nachdem ich meine Stelle als Schreibkraft verloren habe, hat sich auch mein Freund von mir getrennt. Das hier war die letzte Möglichkeit für mich. Seitdem versuche ich mich so gut wir möglich über Wasser zu halten.“
„Eine Freundin von mir arbeitet bei einer Stellenvermittlung. Ich könnte dir ihre Telefonnummer geben.“
Zach schreibt die Nummer auf ein Blatt Papier und reicht ihn Carol. Diese nimmt ihn mit einem Lächeln an.
„Tust du mir einen Gefallen, Zach?“
„Aber klar doch.“, antwortet er.
„Du hast dich bei mir entschuldigt und zumindest mit der Nummer eine Art Wiedergutmachung geleistet. Das reicht mir. Wir leben beide unsere Leben und sollten es auch so lassen, okay?“
Zach steht auf und geht zur Tür. Er dreht sich noch mal um und sagt: „Ich wünsche dir viel Glück, Carol. Ruf bei der Vermittlung an und lass bitte die Hände von den Drogen, okay?“
„Das zweite kann ich dir nicht versprechen. Ich habe es schon so oft versucht davon loszukommen. Aber ich versuche es weiter.“
Zach verlässt die Wohnung, geht die Treppe nach unten und tritt wieder ins Freie. Das Taxi steht immer noch vor dem Haus. Zach steigt ein und der Taxifahrer dreht sich zu ihm um.
„Ich hoffe, Sie konnten das mit Ihrer Freundin regeln?“
„Ja, konnte ich. Fahren Sie mich wieder zurück um Airport? Ich muss meinen Anschlussflug nach Boston bekommen.“
„Geht klar.“, antwortet der Taxifahrer und gibt mit quietschenden Reifen Gas.
Zach sitzt in einem Starbucks und schaut sich in dem Laden um. Es sind viele junge Menschen dort. Aber auch einige Anzugträger.
„Zach Wilkinson?“, vernimmt er plötzlich die Stimme einer jungen Frau neben sich. Zach dreht sich zu ihr herum und schaut sie mit fragendem Blick an.
„Kann ich Ihnen helfen?“, fragt er.
Die Frau lacht und gestikuliert mit den Händen.
„Du erkennst mich nach zehn Jahren nicht mehr wieder? Also wirklich, Zach! Ich bin es: Bonny Carpenter.“
„Bonny? Mein Gott, du bist ja richtig erwachsen geworden. Als ich dich das letzte mal sah, warst du gerade mal 22 oder so was in der Art. Setzt dich!“ Bonny setzt sich und stellt die Handtasche neben sich auf den Boden. „Ich wusste gar nicht, dass du jetzt hier in Boston lebst. Hat es dir in Detroit nicht mehr gefallen?“
„Dort hat man als zweifache Mutter keine Chance, wenn man eine Stelle als Grafikerin haben möchtest. Also bin ich hier hin nach Boston gezogen. Arbeite jetzt als freie Grafikerin. Habe ein eigenes Haus mit einem tollen Mann. Bin seit 5 Jahren verheiratet und habe zwei Kinder. Toll, oder?“ Sie strahlt über beide Wangen. „Und du? Was machst du in Boston?“
„Ich bin seit 8 Jahren verheiratet, habe aber keine Kinder. Ich lebe in Washington und arbeite für den Kongressabgeordneten William Bone. Und nach Boston hat es mich verschlagen, weil ich von meiner Frau zu einer Reise in die eigene Vergangenheit verdonnert wurde.“
„Klingt spannend. Und welcher Teil deiner Vergangenheit erwartet dich in Boston?“
„Ich wollte Julie Meyers besuchen. Du solltest sie eigentlich noch kennen. Sie wohnte damals in Detroit mit mir zusammen.“
„Klar! Die Anwältin, oder? Kein Wunder, dass sie sich in Boston niedergelassen hat. Hier wimmelt es nur so von Anwälten. Es gibt sogar welche, die als Anwälte der Anwälte der Anwälte arbeiten.“ Bonny lacht und hält sich die Hand vor dem Mund.
„Möchtest du keinen Kaffee bei der Kälte?“, fragt Zach.
„Nein, nein. Ich muss auch weiter: Meine Kinder bei einem Freund abholen. Ich kann dir ja mal meine Nummer aufschreiben und wir telefonieren mal wieder.“
„Sehr gerne.“, antwortet Zach und bekommt von Bonny eine Visitenkarte in die Hand gedrückt. „Hast du die selber gemacht? Sieht klasse aus.“
„Danke.“, sagt Bonny, nimmt ihre Handtasche und steht auf. Sie reicht Zach die Hand. „Wir reden die Tage?“
„Aber sicher, Bonny.“ Zach nimmt die Hand an. Bonny lächelt ihn an und verlässt den Starbucks. Zach schaut ihr einen Moment lang nach, bezahlt seine Rechnung und macht sich auf zur Kanzlei, in der Julie arbeitet.
„Mrs. Meyers? Ich habe ihr einen Mann, der unbedingt mit Ihnen reden möchte. Soll ich ihn reinschicken?“
Julie drückt auf den Knopf der Sprechanlage.
„Soll rein kommen.“
Die Tür öffnet sich und Zach betritt mit einem breiten Grinsen das Büro. Er bleibt vor dem Schreibtisch stehen.
„Wie geht es meiner Star-Anwältin? Lange nicht gesehen.“
Auf dem Gesicht von Julie breitet sich ein fröhliches Lächeln aus. Sie springt aus ihren Sessel und umarmt Zach.
„Meldest du dich auch noch mal bei mir? Du hast mir versprochen, die wenigstens einmal im Monat bei mir zu melden. Auf dich kann man sich nicht verlassen, Zach.“
„Ich hatte deine Nummer leider nicht mehr, nachdem du letztes Jahr nach Boston gezogen bist. Und deine Mail-Adresse ist auch nicht mehr aktuell, kann das sein?“
Julie pfeift entschuldigend und schaut an die Decke.
„Ich habe hier eine neue bekommen. Sie lautet jetzt carla.meyers@smith-and-partners.com. Sorry, dass ich mich nicht gemeldet habe. Wir haben es wohl beider verpennt. Wie geht’s meinem Lieblings-Wohnpartner? Wie geht es Maureen?“
„Maureen geht’s es sehr gut. Sie hat noch nicht die Scheidung geantragt, also auch keine Arbeit für dich.“ Beide lachen. „Und mir geht es sehr gut. Du wirst nicht erraten, wen ich besuch habe.“
„Das ist richtig: Ich habe keine Ahnung. Sag es mir, Zach.“
„Carol und Susan. Du erinnerst dich doch noch sicher an die beiden, oder?“
„Selbstverständlich. Ich habe selten einen Mann in einer so schlechten Verfassung gesehen als dich, als du von Susan verlassen wurdest. Wärst du damals ein Pferd gewesen, hätte ich dir den Gnadenschuss geben müssen. Und? Was ist mit den beiden?“ Sie stützt den Kopf mit den Händen ab und schaut Zach gespannt an.
„Ich habe sie damals verlassen; und Susan ist dreimal geschieden.“ Er muss leise auflachen. „Ich habe es immer gewusst. Diese Frau kann sich einfach nicht für eine Sache entscheiden. Aber ein schönes Haus hat sie. Lebt in einer kleiner Stadt in Virgina.“
Julie steht auf, geht zur Kaffeemaschine, holt zwei Tassen aus dem Schrank, fühlt sie mit Kaffe und geht wieder zurück zum Tisch. Zach nimmt eine Tasse und wartet gespannt auf Julies Reaktion.
„Dreimal geschieden? Wow, mit ihr hätte ich viel Geld machen können. Ähm ...“ Sie beugt sich vor. „Ist sie immer noch auf diesem Zeug?“
„Prozac?“ Zach nickt. „Ja, ist sie. Ich glaube in der Zeit, in der ich bei ihr war, hat Susan sich einiges von dem Zeug eingeworfen. Sicherlich ist sie inzwischen immun dagegen.“
„Hat sie nie eine Therapie gemacht? Ich verstehe das nicht.“
Zach zuckt mit den Schultern und nippt an der Tasse.
„Der Besuch bei Carol war noch einigermaßen erträglich. Sie lebt in einer Absteige in New York City. Das Wohnhaus, ihre Wohnung, Carol: Alles wirkte so zusammengefallen und modrig. Es fehlten eigentlich nur noch die Ratten. Als ich Ihre Wohnung betrat, schoss mir gleich eine volle Rauchschwade Marihuana entgegen.“
„Moment mal: Sie raucht dieses Zeug immer noch? Sie hat doch schon mit 16 angefangen. Das müssen doch jetzt schon fast 20 Jahre sein. Heiliger! Sie muss ja ein Wrack sein.“ Julie war schockiert.
„Bonny habe ich übrigens auch getroffen. Wusstest du, dass sie ebenfalls hier in Boston lebt? Sie war die einzige, bei der ich nicht das Gefühl hatte mit einem Junkie zu reden. Es war sogar richtig nett. Sie arbeitet als freie Grafikerin. Verheiratet, zwei Kinder.“ Zach lächelt. „Es tat richtig gut mit ihr zu sprechen.“
„Wie hast du sie immer genannt? ‚Mein kleiner Sonnenschein’? Freut mich, dass sie glücklich ist. War doch sicher spannend, so eine Reise in die eigene Vergangenheit, oder?“
Zach nickt und stellt die Tasse wieder auf den Tisch.
„Nicht nur spannend. Es war lehrreich, weil ich über mich selber nachdenken konnte. Das kommt auch Maureen und meinen Freunden entgegen.“
Julie wickelt eine Haarlocke mit dem Finger auf und schaut Zach von der Seite an.
„Sag mal: Bin ich eigentlich auch so eine Freundin? Ich weiß, wir haben uns ein Jahr jetzt nicht gesehen; aber bin ich es noch?“
Zach lächelt, greift über den Schreibtisch nach ihren Händen und drückt sie fest.
„Aber natürlich bist du noch meine Freundin. Ich werde mich auch wieder öfters bei dir melden. Kannst du dich noch an unsere Wette erinnern, die wir abschlossen als wir zusammenwohnten?“
„Dass wir heiraten, wenn keiner von uns mit 24 einen Partner hat? Aber natürlich. Wir haben es ja beide dann doch noch geschafft.“
„Wäre es nicht so, hättest du es gemacht? Hättest du mich geheiratet?“
Julie schaut Zach einen langen Moment lang an.
„Ich hätte es gemacht. Ganz sicher sogar.“
Die beiden blicken sich einen weiteren Moment lang schweigend an. Julie steht auf, geht zu einem Schrank und öffnet die Tür.
„Wenn wir gerade dabei sind, über die Vergangenheit zu reden: Was haben wir manchmal gemacht, als wir zusammenwohnten?“
„Jeden Mittwoch nackt durch die Zimmer gelaufen? An fremden Haustüren geklingelt?“, fragt Zach lachend. Julie lacht ebenfalls und holt eine Gitarre hervor.
„Sollen wir?“, fragt sie Zach und setzt sich auf das Sofa, dass an der gegenüberliegenden Wand steht.
„Wird es deine Kollegen nicht stören, wenn du Gitarre spielst?“
„Ach quatsch. Die sind daran gewöhnt. Komm her.“
Zach setzt sich neben Julie und sie fängt an, ‚Killing me softly with his Song’ zu spielen.
Strumming my pain with his fingers
Singing my life with his words
Killing me softly with his song
Killing me softly with his song
Telling my whole life with his words
Killing me softly with his song
Zach schließt die Wohnungstür auf und betritt endlich wieder sein Zuhause. Maureen kommt aus der Küche und bindet sich die Schürze ab. Ein Lächeln liegt auf ihren Gesicht und sie umarmt Zach.
„Hast du den Trip überlebt? Die Wohnung war so leer ohne dich.“, sagt sie und küsst ihren Mann. Zach legt seine Stirn an ihre Stirn.
„Danke.“, flüstert er.
„Wofür denn?“
„Dass du mir gezeigt hast, dass ich mich mit alten Sachen auseinander setzen muss, um sie wirklich zu verarbeiten.“
Die beiden lösen sich voneinander und beide verschränken die Finger der Hand ineinander.
„Komm: Erzähl mir von deiner Reise. Ich werde dich auch nicht analysieren.“, sagt Maureen lachend und geht mit Zach ins Wohnzimmer.
Driving Sideways
-
Chandler Buffay
- Erinye
- Beiträge: 24
- Registriert: 28.11.2004, 22:03
- Wohnort: Leverkusen
Re: Driving Sideways
Hallo Chandler,
willkommen zurück im Forum. Schön dich mal wieder bei uns begrüßen zu dürfen.
Die von dir eingestellte Geschichte finde ich allerdings trotzdem schlecht. Ich werde diesmal jedoch keine ellenlange Kritik schreiben, sondern nur einige wesentliche Punkte nennen. Auf Wunsch bin ich aber bereit jeden der Punkte mit vielen Beispielen zu belegen.
1) Unmengen von beim Lesen störenden Rechtschreibfehlern. Nach wie vor gilt: Bitte vor dem Veröffentlichen der Storys eine Rechtschreibprüfung anwenden.
2) Die Moral von der Geschichte am Schluss offen serviert. Keinerlei Subtilität (wie in der ganzen Geschichte nicht). Das Ende ist lange vorhersehbar, wenngleich man als Leser immer hofft, dieser recht nahe liegende Schluss möge einem nicht vorgesetzt werden.
3) Ganz und gar unglaubwürdige Gespräche der Protagonisten. Erstes Gespräch zwischen Maureen und Zach: Total verkitscht. Zusätzlich ein sehr oberflächlich gezeichnetes Psychologinnen-Bild. Bei den anderen Gesprächen geht mir das alles viel zu schnell. Kaum wieder getroffen, 50 Sekunden später mitten in den tiefsten Gesprächen. Die tiefen Gespräche mit Dialogen, dass sich einem die Nackenhaare sträuben. Oberflächlichkeit pur.
4) Ebenso einige kleinere technische Fehler (z.B. Schneeflocke über Fenster), ärgerlich glatte Passagen (Adressen finden sich total leicht) und fragwürdige Verhaltensweisen der Protagonisten (Zach wollte angeblich mit Susan reden, macht ihr aber nur Vorwürfe was seine „Verarbeitung der Vergangenheit“ lächerlich erscheinen lässt, Carol akzeptiert fast umgehend eine Entschuldigung für eine Tat, die ihr vor Jahren sehr weh tat)
So, das war nur ein Kritik-Ausschnitt. Aber ich finde jetzt dürfen auch mal andere eingreifen und ihre Meinung sagen.
Will nicht wieder alles vorwegnehmen.
Liebe Grüße,
Ham
willkommen zurück im Forum. Schön dich mal wieder bei uns begrüßen zu dürfen.
Die von dir eingestellte Geschichte finde ich allerdings trotzdem schlecht. Ich werde diesmal jedoch keine ellenlange Kritik schreiben, sondern nur einige wesentliche Punkte nennen. Auf Wunsch bin ich aber bereit jeden der Punkte mit vielen Beispielen zu belegen.
1) Unmengen von beim Lesen störenden Rechtschreibfehlern. Nach wie vor gilt: Bitte vor dem Veröffentlichen der Storys eine Rechtschreibprüfung anwenden.
2) Die Moral von der Geschichte am Schluss offen serviert. Keinerlei Subtilität (wie in der ganzen Geschichte nicht). Das Ende ist lange vorhersehbar, wenngleich man als Leser immer hofft, dieser recht nahe liegende Schluss möge einem nicht vorgesetzt werden.
3) Ganz und gar unglaubwürdige Gespräche der Protagonisten. Erstes Gespräch zwischen Maureen und Zach: Total verkitscht. Zusätzlich ein sehr oberflächlich gezeichnetes Psychologinnen-Bild. Bei den anderen Gesprächen geht mir das alles viel zu schnell. Kaum wieder getroffen, 50 Sekunden später mitten in den tiefsten Gesprächen. Die tiefen Gespräche mit Dialogen, dass sich einem die Nackenhaare sträuben. Oberflächlichkeit pur.
4) Ebenso einige kleinere technische Fehler (z.B. Schneeflocke über Fenster), ärgerlich glatte Passagen (Adressen finden sich total leicht) und fragwürdige Verhaltensweisen der Protagonisten (Zach wollte angeblich mit Susan reden, macht ihr aber nur Vorwürfe was seine „Verarbeitung der Vergangenheit“ lächerlich erscheinen lässt, Carol akzeptiert fast umgehend eine Entschuldigung für eine Tat, die ihr vor Jahren sehr weh tat)
So, das war nur ein Kritik-Ausschnitt. Aber ich finde jetzt dürfen auch mal andere eingreifen und ihre Meinung sagen.
Will nicht wieder alles vorwegnehmen.
Liebe Grüße,
Ham
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)
-
Chandler Buffay
- Erinye
- Beiträge: 24
- Registriert: 28.11.2004, 22:03
- Wohnort: Leverkusen
Re: Driving Sideways
Das Psychologinnen-Bild ist noch nicht mal gewollt. In der eigentlichen Version der Geschichte ist Maureen eigentlich Lehrein. Da aber alle Figuren auf wirkliche Menschen bassieren (Maureen steht für meine Freundin, Carol, Susan und Bonny waren ehemalige Freundinnen; mit Julie habe ich noch Kontakt), kann ich sagen, dass die Gespräche wahrscheinlich so ablaufen würden.
Fast alle Sachen, die in der Geschichte erzählt werden, sind auch passiert: Den Ring trage ich noch am Mittelfinger, das Bild habe ich auch noch in der Schublade, die Anti-Deppresiva-Geschichte, das Grasrauchen, der Besuch im Starbucks und der Beruf von Bonny, das Gitarrenspiel von Julie.
Ich kann also wirklich nichts dafür, wenn der erste Teil so kitschig ist, da es auch von mir so gewollt ist. Alles was ich dort erzähle, würde ich auch so sagen, weil es nun mal stimmt.
Ich betrachte die Geschichte als einen Art Blick in die Zukunft. Was passiet mit Menschen, die mir mal wichtig waren; oder es immernoch sind?
Und die Sache mit dem schnellen Rausfinden von Adressen: Ich bin gut darin. Also ist das in meinen Augen keine "ärgerlich glatte Passage". Die Person, die für Julie Pate steht, kann ein Lied davon singen.
Fast alle Sachen, die in der Geschichte erzählt werden, sind auch passiert: Den Ring trage ich noch am Mittelfinger, das Bild habe ich auch noch in der Schublade, die Anti-Deppresiva-Geschichte, das Grasrauchen, der Besuch im Starbucks und der Beruf von Bonny, das Gitarrenspiel von Julie.
Ich kann also wirklich nichts dafür, wenn der erste Teil so kitschig ist, da es auch von mir so gewollt ist. Alles was ich dort erzähle, würde ich auch so sagen, weil es nun mal stimmt.
Ich betrachte die Geschichte als einen Art Blick in die Zukunft. Was passiet mit Menschen, die mir mal wichtig waren; oder es immernoch sind?
Und die Sache mit dem schnellen Rausfinden von Adressen: Ich bin gut darin. Also ist das in meinen Augen keine "ärgerlich glatte Passage". Die Person, die für Julie Pate steht, kann ein Lied davon singen.
Re: Driving Sideways
Hallo Chandler,
Na ja, woher soll das der Leser denn wissen? Aber selbst wenn: dann handelt es sich eben um ein oberflächliches Bild einer eigentlichen Lehrerin, transportiert und dem Leser dargeboten durch das Bild einer oberflächlichen Psychologin.
So würden die Gespräche ablaufen. Ich bin entsetzt, wirklich entsetzt. Solche kitschigen/oberflächlichen Gespräche führst du? Ich habe immer gehofft und auch fest darauf gebaut, dass du dir das alles nur ausdenkst. Aber dass es so was wirklich gibt…mein Weltbild gerät gerade gehörig ins Wanken… 8-o 8-o
Dass fast alles was in der Geschichte erzählt wird so passiert ist ändert aber an der schlechten Qualität der Geschichte nichts. Mir passieren auch viele Dinge die ich niemals in Texten 1:1 verarbeiten würde – eben weil das schlechte Texte wären. Der Glaube eine Geschichte erhalte so etwas wie einen Qualitätssiegel weil sie vollends oder weitgehend auf einer wahren Begebenheit beruht ist Humbug. Mit der Veröffentlichung einer Geschichte wendest du dich an Leser, die du von innen berühren möchtest. Zumindestens sollte das dein Anspruch sein. Sicher musst du dafür nicht strikt trennen zwischen realem Geschehen und kreativem Prozess. Du kannst sogar wahre Ereignisse in deine Texte einfließen lassen. Aber wenn du deinen Lesern was bieten willst, dann musst du ihnen mehr bieten als diese Abziehbildchen-Charaktere samt dieser nervigen triefenden Moral. Zumindest was die meisten User in diesem Forum betrifft, denn auch für das was du schreibst gibt es sicher eine Zielgruppe. Ich sage dir erstmal nur warum ich diese Geschichte schlecht finde und warum ich vermute das es viele weitere User hier ähnlich sehen werden. Wenn du vom Gegenteil überzeugt bist, wenn du glaubst eine weitgehende 1:1-Übertragung deiner Alltagsgeschehnisse (ich fasse es immer noch nicht… 8-o ) wäre aus bestimmten Gründen gut und tiefgründig, so ist diese Meinung dein gutes Recht. Ich habe eine andere Meinung und bin auch bereit diese ausgiebig zu diskutieren – auch noch detaillierter anhand dieser Geschichte - ,was ich ja bei anderen Geschichten von dir auch schon ausgiebig tat.
Du kannst übrigens durchaus etwas dafür, das der erste Teil so kitschig ist. Du kannst etwas für die ganze Geschichte. Denn du hast sie schließlich geschrieben. Du bist übrigens auch nicht gebunden an irgendeine Vorschrift dem Leser alles was du ihm mitteilen möchtest weitgehend offen auf den Tisch zu legen. Im Gegenteil. Gerade wenn du etwas zwischen den Zeilen mitteilst kannst du wesentlich mehr Wirkung erzielen. Doch diese Fähigkeit ist bei dir bisher nur in deinen guten Satiren zum Tragen gekommen.
So betrachte ich die Geschichte auch. Was aber an meiner gerade geäußerten Kritik nichts ändert.
Und ein letzter Widerspruch meinerseits. Ich finde die Passage immer noch „ärgerlich glatt“.
Bei Susan bekomme ich als Leser nicht mal die Methode angeboten mit der du die Adresse rausfindest, muss mir also selbst denken dass du ein toller Detektiv bist und frage mich wie du das wohl gemacht hast, bei Carol genügt ein simpler Blick ins Telefonbuch.
Wenn Letzteres bei Susan auch genügte lag keine große Leistung vor, wenn dem nicht so war hätte ich gern die geniale Methode erfahren die dich zu Susans Adresse geführt hat. Und überhaupt schließt der Leser nicht vom LI auf den Autor. Was weiß denn ich ob DU gut daran bist Adressen rauszufinden? Ich halte mich als Leser an das was ich lese und da lese ich erst, dass Zach es erst für schwierig hält die Adressen der Beiden rauszufinden (warum schreibst du das eigentlich, wenn DU so gut darin bist und Zach dir hier 1:1 gleicht?) um sie dann im weiteren Handlungsverlauf völlig problemlos nachzuforschen. Das ist ärgerlich glatt – ich bleibe dabei.
Und ich bleibe dabei das deine Satiren 1000Mal besser sind – aber wem sag ich das, wem sag ich das? (*seufz*)
Liebe Grüße,
Ham
Das Psychologinnen-Bild ist noch nicht mal gewollt. In der eigentlichen Version der Geschichte ist Maureen eigentlich Lehrein.
Na ja, woher soll das der Leser denn wissen? Aber selbst wenn: dann handelt es sich eben um ein oberflächliches Bild einer eigentlichen Lehrerin, transportiert und dem Leser dargeboten durch das Bild einer oberflächlichen Psychologin.
Da aber alle Figuren auf wirkliche Menschen bassieren (Maureen steht für meine Freundin, Carol, Susan und Bonny waren ehemalige Freundinnen; mit Julie habe ich noch Kontakt), kann ich sagen, dass die Gespräche wahrscheinlich so ablaufen würden.
So würden die Gespräche ablaufen. Ich bin entsetzt, wirklich entsetzt. Solche kitschigen/oberflächlichen Gespräche führst du? Ich habe immer gehofft und auch fest darauf gebaut, dass du dir das alles nur ausdenkst. Aber dass es so was wirklich gibt…mein Weltbild gerät gerade gehörig ins Wanken… 8-o 8-o
Fast alle Sachen, die in der Geschichte erzählt werden, sind auch passiert: Den Ring trage ich noch am Mittelfinger, das Bild habe ich auch noch in der Schublade, die Anti-Deppresiva-Geschichte, das Grasrauchen, der Besuch im Starbucks und der Beruf von Bonny, das Gitarrenspiel von Julie.
Ich kann also wirklich nichts dafür, wenn der erste Teil so kitschig ist, da es auch von mir so gewollt ist. Alles was ich dort erzähle, würde ich auch so sagen, weil es nun mal stimmt.
Dass fast alles was in der Geschichte erzählt wird so passiert ist ändert aber an der schlechten Qualität der Geschichte nichts. Mir passieren auch viele Dinge die ich niemals in Texten 1:1 verarbeiten würde – eben weil das schlechte Texte wären. Der Glaube eine Geschichte erhalte so etwas wie einen Qualitätssiegel weil sie vollends oder weitgehend auf einer wahren Begebenheit beruht ist Humbug. Mit der Veröffentlichung einer Geschichte wendest du dich an Leser, die du von innen berühren möchtest. Zumindestens sollte das dein Anspruch sein. Sicher musst du dafür nicht strikt trennen zwischen realem Geschehen und kreativem Prozess. Du kannst sogar wahre Ereignisse in deine Texte einfließen lassen. Aber wenn du deinen Lesern was bieten willst, dann musst du ihnen mehr bieten als diese Abziehbildchen-Charaktere samt dieser nervigen triefenden Moral. Zumindest was die meisten User in diesem Forum betrifft, denn auch für das was du schreibst gibt es sicher eine Zielgruppe. Ich sage dir erstmal nur warum ich diese Geschichte schlecht finde und warum ich vermute das es viele weitere User hier ähnlich sehen werden. Wenn du vom Gegenteil überzeugt bist, wenn du glaubst eine weitgehende 1:1-Übertragung deiner Alltagsgeschehnisse (ich fasse es immer noch nicht… 8-o ) wäre aus bestimmten Gründen gut und tiefgründig, so ist diese Meinung dein gutes Recht. Ich habe eine andere Meinung und bin auch bereit diese ausgiebig zu diskutieren – auch noch detaillierter anhand dieser Geschichte - ,was ich ja bei anderen Geschichten von dir auch schon ausgiebig tat.
Du kannst übrigens durchaus etwas dafür, das der erste Teil so kitschig ist. Du kannst etwas für die ganze Geschichte. Denn du hast sie schließlich geschrieben. Du bist übrigens auch nicht gebunden an irgendeine Vorschrift dem Leser alles was du ihm mitteilen möchtest weitgehend offen auf den Tisch zu legen. Im Gegenteil. Gerade wenn du etwas zwischen den Zeilen mitteilst kannst du wesentlich mehr Wirkung erzielen. Doch diese Fähigkeit ist bei dir bisher nur in deinen guten Satiren zum Tragen gekommen.
Ich betrachte die Geschichte als einen Art Blick in die Zukunft. Was passiet mit Menschen, die mir mal wichtig waren; oder es immernoch sind?
So betrachte ich die Geschichte auch. Was aber an meiner gerade geäußerten Kritik nichts ändert.
Und die Sache mit dem schnellen Rausfinden von Adressen: Ich bin gut darin. Also ist das in meinen Augen keine "ärgerlich glatte Passage". Die Person, die für Julie Pate steht, kann ein Lied davon singen.![]()
Und ein letzter Widerspruch meinerseits. Ich finde die Passage immer noch „ärgerlich glatt“.
Bei Susan bekomme ich als Leser nicht mal die Methode angeboten mit der du die Adresse rausfindest, muss mir also selbst denken dass du ein toller Detektiv bist und frage mich wie du das wohl gemacht hast, bei Carol genügt ein simpler Blick ins Telefonbuch.
Wenn Letzteres bei Susan auch genügte lag keine große Leistung vor, wenn dem nicht so war hätte ich gern die geniale Methode erfahren die dich zu Susans Adresse geführt hat. Und überhaupt schließt der Leser nicht vom LI auf den Autor. Was weiß denn ich ob DU gut daran bist Adressen rauszufinden? Ich halte mich als Leser an das was ich lese und da lese ich erst, dass Zach es erst für schwierig hält die Adressen der Beiden rauszufinden (warum schreibst du das eigentlich, wenn DU so gut darin bist und Zach dir hier 1:1 gleicht?) um sie dann im weiteren Handlungsverlauf völlig problemlos nachzuforschen. Das ist ärgerlich glatt – ich bleibe dabei.
Und ich bleibe dabei das deine Satiren 1000Mal besser sind – aber wem sag ich das, wem sag ich das? (*seufz*)
Liebe Grüße,
Ham
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 8 Gäste