RAUSCHEN

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Edekire
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RAUSCHEN

Beitragvon Edekire » 13.11.2005, 19:44

RAUSCHEN

Sie, in der Mitte. Nicht direkt hinter ihr, an die Wand gelehnt eine schwarze Pappe, gut zu sehen. Es ist grade hell genug um alles ordentlich zu erkennen.

SIE: Ich habe keine Fragen an sie. Haben sie Fragen an mich? Da, sehen sie, das ist mein Spiegelbild.

Sie zeigt auf die schwarze Pappe, die aufrecht an der Wand lehnt.

SIE: Ich gefalle ihnen nicht, das weiß ich auch so, das müssen sie nicht sagen.

Pause. Sie hockt sich zusammengefaltet auf den Boden.

SIE über ihre Knie hinweg: Sie können es nicht sehen, aber in mir ist eine Fläche, da steht ein Turm. Am Meer. Ich bin das Meer, es rauscht, wenn ich die Muscheln an mein Ohr halte. Ich habe keine Muscheln mehr und ich höre es trozdem.

Sie sieht nach oben..

SIE: Sie können das nicht hören.

Sehr laut, plötzlich, das Geräusch sich brechender Wellen, sie reagiert gar nicht darauf.

SIE: Sie können das nicht hören. Ich könnte ihnen den Turm zeigen

Sie richtet den Blick wieder nach unten, sucht mit den Fingern über den Boden..

SIE: Das Messer, das Messer, das Messer ...

Sie steht umständlich auf, geht suchend umher. Bleibt dann plötzlich sehr starr stehen, lächelt steif ins Publikum.

SIE: Ich weiß, es gibt auch sie nicht. Das ist schon in Ordnung.

Ausdruck von Mitleid.

SIE: Ich werde ihnen trotzdem den Turm zeigen.

Sie geht auf die Pappe zu, bleibt davor stehen, zieht aus der Tasche einen Schlüssel. Sie kratzt damit ein Loch in die Pappe.

SIE gleichförmig: Ich gefalle ihnen nicht, ich gefalle ihnen nicht.

Sie reißt das Loch mit den Händen größer.

SIE: Das tut nichts, es gibt sie nicht, gibt mich nicht, mich nicht, das Rauschen, rauschen.

Kurz hört man, wie von weither, noch mal Wellengeräusche.

SIE: Ich gefalle ihnen nicht...

Jemand kommt.

ER: Ich habe es gefunden.

SIE noch immer: Ich gefalle ihnen nicht ...

ER lauter: Ich habe es gefunden.

Sie dreht sich um, lässt den Schlüssel fallen.

SIE: Ja. Pause. Gib her.

Er bleibt stehen.

SIE: Gib her! Dann leer: Willst du den Turm sehen?

Sie zeigt auf die zerfetzte Pappe.

ER gleichgültig: Schön.

Schweigen.

ER: Ich mag das Wellenrauschen.

Sie starrt ihn an, knickt wieder zusammen, Postion wie vorher, weint.

SIE: Es gibt dich nicht, es gibt dich nicht, mich nicht, dich nicht ... ineinanderübergehend.

Er kommt näher, bückt sich zu ihr runter.

ER: Ist ja gut, ich gebe es dir ja.

Er gibt ihr das Messer.

Dunkel.
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Re: RAUSCHEN

Beitragvon razorback » 02.12.2005, 22:06

Wenn es eine Theaterszene sein soll, zwei formale Anmerkungen:

"Jemand kommt"

Besser "ER kommt herein". Damit der Schauspieler weiss, dass er gemeint ist.

Und anstatt die Haltung der Figur genau zu beschreiben, solltest Du eher die Stimmung beschreiben, die sie ausdrückt und die Ausgestaltung der Schauspielerin überlassen.

Ansonsten gefällt mir das gut. Ich habe natürlich keine Ahnung von dem Kontext und kann die Szene daher nicht einordnen. Aber egal. Klingt gelungen. :-D
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Re: RAUSCHEN

Beitragvon Edekire » 02.12.2005, 22:39

Hört sich sinvoll an was du da sagst. Mal sehen was ich damit noch anstelle, ich habe erstmal was anderes angefangen. dann werde ich vermutlich daran noch ein wenig ändern, auch was die szenen anweisungen angeht, die teilweise zu genau und so sind...acuh einige sätzen müssen ein bisschen schärfer werden. Mir gefällt hauptsächlih das ende, ich will aber auch den Leitsatz verbessern, sprachlich, nicht inhaltlich

kontext...ähm...mal schaun....

:-)

Lg

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