Verschlingungen
Verschlingungen
Wie Spinnfäden fallen mir die Worte auf das Papier. Unentwirrbare Wortknäule gleich Netzwerken, die deinem langen verknoteten Haar gleichen. Dort suche ich nach Gründen unserer ineinander verschlungenen Miteinander-Existenz. Manchmal fahre ich durch dein Haar, um die Knoten zu lösen, aber immer fallen die Knoten in einem Gespinst zu Boden und ich finde dich nicht mehr. Wer hätte gedacht, daß sich unter solch einem Haarschopf ein Don Juan mit der Liebe zur Geometrie verbirgt und daß eine Romantikerin ihn lieben kann. Für mich ein unerklärliches Rhizom, auf dessen Graden ich schaukelnd balanciere. Heute warst du ganz klein das erste Mal nach Jahren in meinem winzigen Schopf und hast nach mir gesucht und mich gefunden. Du hast die winzigen Verknotungen unseres Auseinanders gelöst trotz deiner Magensäure im schweren Traum. Ich glaube, du findest mich mehr als ich dich. Die Verschlingungen haben mich verschlungen. Und doch steht dein Schlund weit auf und wartet auf mich, um mich zu entführen in ein Labyrinth, in dem du ganz stier bist. Diese Sturheit löst meine Worte aus und wenn ich dich schreibe, bleibe ich.
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