amokkoma

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Patina
Prometheus
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amokkoma

Beitragvon Patina » 27.04.2007, 14:30

Amokkoma

Erika
Morgens gieße ich ja immer die Pflanzen auf dem Balkon und dann schaue ich um mich und beobachte, wer im Hinterhof sonst noch so draußen ist und kleine Geschäftchen erledigt, wie Katzen oder Kaninchen füttern oder die Wäsche aufhängen und ausschütteln, singen, pfeifen, rauchen. All diese kleinen Dinge halt, die einem auffallen, wenn man den ganzen Tag nichts mehr zu tun hat, als untätig da zu sitzen oder fernzuschauen. Ich wohne im dritten Stock. Und das ganze Haus gehört mir. Mein verstorbener Mann hat es mir vermacht.

Er war gerade mal zwei Monate nach seinem Eintritt in die Rente daheim und ist in der Badewanne umgefallen. Im Krankenhaus haben sie eine Hirnblutung festgestellt. Ich habe ihn noch besucht, hielt ihm die Hand und redete mit ihm, obwohl er nicht mehr gross antwortete. Er faselte nur etwas von einem Serum. Aber da er mir nie groß geantwortet hatte, während unseres gemeinsamen Ehelebens, hat mich das auch nicht so verwundert, daß er auch diesmal fast nichts sprach. Thomas, unser Sohn war bei diesen letzten Worten noch dabei. Abends hat es laut piiiiep gemacht von diesem technischen Gerät, an das er angeschlossen war, und er war tot.

Thomas hat mich nochmals nach seinem Tod auf das Serum hin angesprochen, ob es wichtig sei. Ich wusste nicht, was Albert tagsüber so arbeitete. Er redete ja nie groß davon. Er war Forscher. Auf welchem Gebiet wußte ich nicht. Es hatte irgendwas mit so Mikrokosmen zu tun.

Seit er weg ist, traue ich mich nicht mehr so recht aus dem Haus. Ich lasse mir alles kommen. Die Milchflaschen stehen jeden Morgen vor der Tür. Der Rapp-Getränkedienst bringt mir meinen süßen Sprudel. Und tatsächlich habe ich mir jetzt auch so eine neumodische Gemüsekiste bestellt. Nur zum Metzger oder nach Brot zum Bäcker gehe ich noch hinaus. Die Großeinkäufe erledigt mein Sohn. Als er neulich mal nicht kam, war ich echt etwas kribbelig, denn ich hatte keinen Zucker mehr. Thomas liebt doch seinen Schokoladenpudding mit Vanillesauce mit haufenweise Zucker. Und wenn er schon mal kommt, will ich ihn verwöhnen. Er ist doch schließlich mein Junge, obwohl er auch schon graue Haare bekommt, wie sein Vater. Der war am Schluß ganz weiß, so weiß, daß das Haar schon fast einen Grünstich hatte.

Jedenfalls stehe ich jetzt gerade auf dem Balkon und in dem Moment, in dem ich die Gießkanne auf meine Geranien halte, fällt mir ein neuer Nachbar auf. Er sitzt ganz unten im Erdgeschoß auf seinem Balkon und raucht und liest. Es würde mich echt interessieren, was er so liest. Er trägt einen gelben Bademantel. Also die Bademäntel von meinem Mann waren immer grau oder dunkelblau. Aber gelb? Was der sich für eine Dreistigkeit erlaubt! Aber vielleicht ist er ja noch jung und weiß nicht, daß Gelb für einen Bademantel einfach eine Unfarbe ist.

Alex
Ich klappe "Die Schönheitslinie" von Alan Hollinghurst zu und schaue nochmal auf den silbernen Einband und die schwarze Schlange, die da vom Buchrand emporkriecht. Währenddessen zünde ich mir noch eine Gauloises an und überlege mir, ob mich das Buch jetzt weiter gebracht hat. Eine Beziehung habe ich bis jetzt keine gehabt. Nur eine endlose Liste von One-Night-Stands. Und so, wie der Autor es beschreibt, scheint es schon schwer zu sein, als Schwuler irgendwo Fuß zu fassen und einen Eintritt in das etablierte Leben zu bekommen. Ich drücke die Zigarette in dem überquillenden Aschenbecher aus. Die ganze Sommernacht habe ich damit verbracht, das Buch fertig zu lesen. Nun überkommt mich eine Leere, den Wunsch nach einer Beziehung. Den Gedanken an den Arzttermin morgen, wo ich die Ergebnisse von dem Aidstest bekomme, schiebe ich weit von mir. Ich bin 25 Jahre alt, angehender Schreiberling bei dem Magazin "Stuttgart live" und für das Nachtleben verantworlich. Meine Zukunft liegt glänzend wie eine Perle vor mir. Mein Onkel hat mir haufenweise Geld vermacht, so daß ich nicht wirklich arbeiten müsste, aber es war schon immer ein Traum von mir gewesen, zu schreiben.

Erika
Thomas hat sich heute zu Besuch angekündigt. Obwohl er schon so oft von seiner Freundin gesprochen hat, hat er sie noch nie mit hierher gebracht. Ich würde sie so gerne mal sehen, aber er scheint sie wegzuschließen wie Schneewittchen in einen gläsernen Sarg.

Ich muß noch einen Erdbeerkuchen backen, Sahne schlagen und den Tisch decken. Vielleicht stelle ich ihm auch ein Gläschen Eierlikör mit einem Tupfer Kirschlikör hin. Dann können wir gemütlich klönen. Schließlich ist es immer ein besonderer Festtag, wenn Thomas kommt. Er ist die einzige Verbindung nach draußen, die ich noch habe. Die meisten Bekannten sind gestorben.

Mein Blick fällt aus dem Fenster. Dort sitzt er schon wieder in gelbem Bademantel und raucht. Um diese Uhrzeit! Es ist doch schon fast 13.00 Uhr!


Alex
Mein Blick ist wie erstarrt auf das Bild im Wartezimmer gerichtet. Meine Hände ineinander verkrampft und schweißnaß. Es ist, als ob ich auf einer Hochspannungsleitung sitze und einen Stromschlag nach dem anderen kassiere. Ich löse meinen Blick von dem Bild, einem bunten Chagall. Ich bleibe bei einem Bibelspruch hängen. Ich glaube schon lange nicht mehr, an Nichts und Niemanden. Warum müssen Ärzte in ihren Wartezimmern ihre Weltanschauung vermitteln? Kann es nicht ein neutrales Weiß geben?

Mein Name fällt. Ich erhebe mich wie in Trance und begebe mich in das Behandlungszimmer. Ich schaue auf die Plastikgelenke, die medizinischen Buchreihen, die vertrockneten Blumen und den altmodischen Teppichboden, aber es ist so, daß ich nichts bewußt wahrnehme, da ich schon oft hier saß mit kleinen Wehwehchen. Einem gebrochenen Zeh, einem Hautausschlag, mit einem Grippeinffekt oder verdorbenem Magen.

Mein Hausarzt macht mit einem lauten Rums die Türe zu. Er setzt sich und richtet seine dunklen Augen unter den buschigen Augenbrauen auf mich. Ich denke nur: „Warum zupft er sich nicht die Brauen? Hat er keinen Sinn für Ästhetik? Das Aussehen ist doch wichtig! Schon alleine als Arzt.“
„Nun, was führt Sie zu mir? Es ist eine Weile her, dass Sie hier waren.“
Ich schaue in sein Gesicht, als ob es ein schwarzes Loch wäre und presse dann heraus:
„Der Aidstest.“
„Und warum kommen Sie erst jetzt bei einer so wichtigen Angelegenheit?“
„Ähh, ich war im Ausland.“ Das war natürlich eine platte Ausrede. Es war nur so, dass ich mich nicht getraut hatte, hierher zu kommen.
Der Arzt nimmt sich die Akte und schlägt sie auf.
Ich halte den Atem an. Stehe auf und sehe aus dem Fenster. Ich kann seinen Anblick nicht ertragen.
Die Stimme im Rücken kommt metallen wie von einem Roboter an mein Ohr.
„Sie sind HIV-positiv.“
Unten auf der Straße fährt ein Krankenwagen mit lautem Tatütata vorüber. Die Autos halten und ich bleibe selber stehen mit meinen Gefühlen.
Ich habe keine Tränen. Es ist nur so, als ob alles um mich dunkel wird.
Ich drehe mich um und schaue in sein besorgtes Gesicht.
„Ich kann nichts für Sie tun. Haben Sie schon Symptome?“
„Nein.“
„Es gibt Beratungsstellen. Sie können Ihnen dort am besten helfen. Sie wissen davon?“
„Ähh, nein, das ist nicht nötig. Ich komme schon zurecht.“
Ich gehe in Richtung Tür und während ich die Schwelle übertrete, macht es einen Knacks in meinem Hirn.

Erika
Thomas hat mir mal wieder abgesagt. Ich saß dann alleine mit meinem Erdbeerkuchen und der Kanne dampfenden Kaffee wie versteinert an dem Tisch. Ich saß bestimmt eine Stunde so herum und wußte nicht wohin mit mir. Aufstehen konnte ich nicht. Essen ging auch nicht. Gerade ein Schlückchen von dem halbkalten Kaffee habe ich mir gegönnt. Bis ich mir einen Eierlikör eingegossen habe. Meine Lebensgeister sind erwacht und ich bin endlich aufgestanden, habe zuerst den gesamten Erdbeerkuchen in den Müll geschmissen und dann habe ich -eigentlich darf ich es ja niemanden sagen- eine Flasche Rotwein geöffnet. Und die habe ich dann, während ich am Fenster saß, einfach so geleert, wie man einen gesamten Eimer über Geranien gießt. Die Geranien wären ersoffen, aber ich nicht. Ich war heiter und beschwingt. Emsig und wach. Es war noch ein Glas übrig und dann habe ich in der gesamten Wohnung die Fenster geöffnet, als ob ich im zweiten Frühling wäre. Als es dunkel wurde, saß ich mit meinem letzten Glas da und dachte ich sehe, die Silhouette von dem Gesicht meines Thomas im Fenster bei diesem Neuling mit dem gelben Bademantel. Ich schaute das Weinglas an und dachte, du bist nicht ganz recht. Habe mich dann auch ziemlich schnell ins Bett gestohlen.

Thomas
Ich erhebe mich aus einem klebrigen schweißnassen Laken. Es ist nicht mein Bett und ich weiß noch gar nicht, wie mir ist. Ich weiß jedenfalls, heute habe ich die erste sexuelle Erfahrung gehabt und diese Erfahrung habe ich mir immer gewünscht- mit einem Mann. Die Frauen waren für mich immer Pistolenpulver gewesen, um meine Eltern zu beruhigen. Aber dies! Das ist nicht zu übertreffen! Was hatten wir für eine Party! Wieviel er geredet hat. Er war ja gar nicht zu stoppen. Seine feurigen fanatischen Augen. Als ob er Benzin getrunken hätte. Wenn wir Koks nahmen, nannte er das „die Schönheitslinie“. Gleichzeitig faselte er von einem britischen Autor, dessen Namen mir jetzt entfallen ist. Wahrscheinlich, weil ich immer auf seinen Arsch geguckt habe. Ärgerlich. Mein Kopf dröhnt. Ich schlüpfe in meine Jeans, gehe nochmals um das Bett und schaue ihn mir an. Das feine Gesicht ist etwas gezeichnet. Die durchzechte Nacht. Natürlich. Er müßte so alt sein wie ich. Ich forsche in meinem Gedächtnis nach seinem Namen. Meingott, er ist mir entfallen. Wie peinlich! Ich präge mir ein, beim Hinausgehen auf das Klingelschild zu schauen. Ich schiebe ihm eine leise Kußhand zu und flüstere leise: „Ok, das nächste Mal machen wir es ohne Gummi!“

Alex
Ich bin so jung und plötzlich sehe ich in jedem Hinterhalt Ungeheuer und Spinnen. Wem soll ich diese Schmach hinterlassen? Als ich die Schwelle meines Arztes überquerte, wurde ich in ein neues Leben katapultiert. Ein Leben ohne Rücksicht. Was machte ich? Ich ging in eine Bar und habe wie immer jemanden aufgegabelt. Nur diesmal ging das eine Runde härter zur Sache. Total schwanzgesteuert habe ich den letzten Schwachsinn an den Typ hingelallt. Er hat sich auf mich eingelassen. Und wir sind im Bett gelandet. Er hat auf einen Gummi bestanden, obwohl ich das nicht wollte. Der Typ ist dann danach sofort eingeschlafen. Und ich war hellwach, als ob mich eine höhere Macht befohlen hätte. Ich lief zwischen Gefühlen, wie die Wohnung zu zerdeppern und ihn nochmal für Sex zu wecken ständig hin und her. Ich schaute ihn mir mehrmals an und dachte, du wirst mein zweiter Penis werden. Ich habe ihn dann doch nicht geweckt und habe nochmal onaniert. Daß ich nach dem Sex nochmal konnte ist mir noch nie passiert. Mir war tatsächlich ein zweiter Penis gewachsen! Ich bin nochmal zu ihm hin und am liebsten hätte ich ihn in sein schönes Gesicht geschlagen. Stattdessen ging ich vom Schlafzimmer über das Wohnzimmer auf den Balkon und habe fünf Zigaretten geraucht und drei Gläser Whisky getrunken. Ich war nicht tot zu bekommen. Nach dem dritten Glas allerdings war ich dann doch etwas fertig und habe mich nochmals neben ihn gelegt.

Jetzt bin ich wach und er ist weg. Ich habe weder einen Namen noch eine Adresse. Zittrig trinke ich eine Tasse Kaffee. Richard meldet sich schon wieder. Auf dem Klo verschaffe ich mir Erleichterung.

Erika
Ich habe heute morgen meine Einkaufsrunde gedreht, da ja Thomas gestern nicht gekommen ist. Auf dem Rückweg vom Tengelmann bin ich noch beladen mit meinen Einkaufstüten ins Fischgeschäft. Dort habe ich eine Dorade mit Kartoffelsalat im Stehen gegessen. Dummerweise ist mir eine der Gräten im Hals steckengeblieben. Ich mußte so husten, daß sich alle nach mir umgedreht haben. War das peinlich! Ich werde nie wieder Fisch essen. Dabei ist doch heute Freitag und da ißt man doch Fisch. Als ich den Laden verließ, war ich so in Gedanken, daß ich in Jemanden hineingerannt bin. Als ich aufschaute, erkannte ich den jungen Mann. Es war mein Nachbar, na der mit dem gelben Bademantel. Er hatte ein feines weißes Hemd an, war frisch rasiert und roch gut nach Rasierwasser. Er war auch ganz höflich und entschuldigte sich. Dabei hätte ich mich doch entschuldigen sollen. Ich in meiner Gedankenverlorenheit! Er hat mich dann sogar gefragt, ob er mir helfen solle, die Einkaufstüten nach Hause zu bringen. Dankend habe ich angenommen, aber nicht, weil ich so zerbrechlich wäre, die Tüten nicht tragen zu können, sondern aus reiner Neugierde. Ich lud ihn auf ein Gläschen Sekt ein. Als wir anstießen, rückte ich mit der Wahrheit raus, daß ich ihn beobachtet hätte. Er war überhaupt nicht angesäuert, sondern lachte vielmehr darüber. Mir kam er fast vor wie ein alter Bekannter. Und irgendwie dachte ich in jenem Moment an Thomas. Als er sein Glas abstellte und gehen wollte, fragte ich ihn, was er da neulich auf dem Balkon so interessiert gelesen hätte.
Er antwortete: „„Die Schönheitlinie“ von Alan Hollinghurst.“
Er hatte die Tür schon hinter sich geschlossen, als mir noch etwas einfiel. Ich ging zur Tür, öffnete sie erneut und rief ihm hinterher:
„Sie können gerne mal wiederkommen, junger Mann!“
„Ja, aber gerne doch, mache ich!“
Ich wartete noch 10 Minunten, dann stahl ich mich wieder hinaus auf dem nächstbesten Weg in einen Buchladen.

Thomas
Es war sechs Uhr morgens, als ich unten auf der Straße stand und nach dem Klingelschild suchte. Mich fröstelte in der Herrgottsfrühe, da ich nur ein Hemd trug. Ich merkte mir die Klingel, die Straße und die Hausnummer. Nach ein paar Schritten überkam mich aber ein komisches Gefühl. Mir war diese Gegend bekannt. Gestern abend mußte ich so dicht im Hirn gewesen sein, daß ich nicht bemerkt hatte, daß Alex genau um die Ecke von meiner Mutter wohnte. Seltsame Fügung. Ich schüttelte den Kopf. Fuhr dann aber nach Hause und machte mich fertig für die Uni. Ich hatte gerade mein Diplom für Betriebswirtschaft fertig und wollte mich nun für den Master of Business anmelden. Mein Ziel für später war, Unternehmensberater zu werden. Davor mußte ich aber noch ins Ausland.

Während ich mich rasierte, ließ ich mir nochmal die gestrige Nacht durch den Kopf gehen. Immer wieder hämmerte mir ein Satz im Hirn. Es war so, als ob er aus dem Unterbewußten käme, denn ich erinnerte mich nicht, wer ihn gesagt hatte, wo ich ihn gehört hatte und wann Jemand den Satz zu mir gesprochen hatte: „Ich muß das verbreiten.“ Ich cremte mich mit einer 50 Euro-Gesichtscreme ein. Der Satz war aus meinem Hirn nicht zu streichen. Ich kämmte mir die dunklen Haare. Warum hatte Alex zuerst auf „ohne Gummi“ bestanden? Ich zupfte mir die Augenbrauen. War er krank? Krank im Hirn oder wollte er krank werden?

Auf der Fahrt zur Uni gingen mir seine feinen Gesichtszüge nicht aus den Augen. „Ich muß das verbreiten.“ Auf dem Sekretariat mußte ich warten. Alex war superamüsant. Er kann toll erzählen. Er hat mich gefesselt. Ich mit meinem trockenen Humor. Was fand er bloß an mir oder macht er sowas öfter, Jemanden abschleppen?
„Bitteschön, wie kann ich Ihnen helfen?“ Die sorgfältig geföhnte Blondine lächelte etwas förmlich.
„Achja, ich, ähh, ich wollte einen Studienantrag für den Master.“

Alex
Ich werfe The Best of Lou Reed ein und mache mich fertig zum Ausgehen. Ich muß mir eingestehen, daß ich heute öfters an Thomas gedacht habe, als mir lieb ist. Was hat er, was Andere nicht haben? Ich trinke einen Whisky nach dem anderen. Als ich vor dem Spiegel das hellrosane Hemd zuknöpfe meldet sich Richard. Es ist so, als ob er mit meinem Kopf spräche. Heute abend, yeahh, heute abend werden wir es verbreiten. Unter unsere Lieblinge. Diese Kanalratten! Diese fadenscheinigen Gummificker. Wir müssen uns nur eine dunkle Bar aussuchen und es dort auf dem Klo treiben. In einer dunklen Bar, wo alle so dicht sind, daß sie nicht wissen wer und was sie sind. Oder in einer Unterführung unter den Pennern. Dort könnte man es doch wie ein Karnickel vermehren. Ich ziehe mir das dunkelblaue Jacket über. Rücke den Kragen zurecht. Oder unter die Nutten. Es müssen schon die aus der Gosse sein, denn die anderen bestehen auf ihre Gummis. Heute nacht ist unsere Nacht, Alex! Und was ist mit Thomas? Schiebe ihn weg. Er sperrt uns. Er ist uns im Weg. Ich will raus! Lass mich endlich hier raus, du Schwein. Alex, du bist das Schwein, nicht ich. Du hast den Kopf, ich bin nur dein gemeiner Schwanz. Ich leere noch einen Whisky. Jetzt bin ich gut drauf. Noch einen Blick in den Spiegel. Richard ist jetzt zuerst einmal tot gesoffen. Mit dem Koks wird er wieder aufstehen. Hoffentlich treffe ich heute abend Thomas nicht. Richard würde es mir nicht verzeihen. Ich suche den Schlüssel, dann ab ins Cabrio. Und ab in Richtung Betonbau auf ein paar Linien Koks.

Erika
Immer wieder habe ich in dem Buch gelesen. Es war wie ein Sog. Manche Passagen erinnerten mich an Marcel Proust von der Schreibe her. Heute habe ich die letzten Seiten gelesen und fast wären mir die Tränen gekommen. Daß es immer noch Menschen gibt, die Andere ausgrenzen, ist fast nicht zu fassen. Wenn mein Thomas mir einen Mann bringen würde, wäre ich natürlich zuerst einmal schockiert, aber ich denke, man muß sich nur an Gedanken solcherart gewöhnen. Deswegen würde ich ihn auch nicht weniger lieben oder ihn gar verstossen.
Von dem lange ruhig sitzen sind meine Glieder ganz klamm geworden. Ich überlege mir, ob der Gelbbademantelmann wohl auch schwul ist? Ich sollte ihn mal zum Kaffee einladen. Langsam erhebe ich mich und gehe zum Fenster. Er sitzt nicht auf dem Balkon. Kein Lebenszeichen in seiner Wohnung. Ich werde ihm eine schriftliche Einladung geben. Wenn ich nur wüßte, wie er heißt! Aber wenn ich den Briefkasten von der Wohnung ganz unten finde? Dann könnte ich dort den Brief einwerfen. Ich setze mich an den Tisch und schreibe:
„Lieber Unbekannter!“
.....

Als ich unten vor den Briefkästen stehe und den Richtigen suche, macht es plötzlich klack klack auf dem Pflaster. Erschreckt drehe ich mich um. Es ist der junge Mann. Er ist unrasiert. Das weiße Hemd hat rötliche kleine Flecken und ist aus der Hose gerutscht. Die Schuhe sind schmutzig, als ob er im Mehl gelaufen wäre.
Es ist mir für ihn peinlich, daß ich ihn so ertappt habe, und ich sage:
„Ähh, entschuldigen Sie, ich wollte Ihnen eine Einladung zum Kaffee hinterlassen.“
Seine Augen zwinkern in der Mittagssonne.
„Ja, natürlich, meine Dame. Wann wäre es Ihnen recht?“
Ihm scheint es gar nicht peinlich zu sein und ich bin erleichtert.
„Wie wärs mit Morgen. So gegen 15.00 Uhr?“
Er willigt ein, ich entschuldige mich für die Störung und während ich „Auf Wiedersehen“ sage, drehe ich mich auch schon um, auf dem Weg in mein Refugium, in der rechten Hand mit dem Brief wedelnd.

Thomas
Ich habe eine entsetzliche Woche hinter mir. Ich habe mich in das Nachtleben gestürzt auf der Suche nach Alex. Die ersten vier Tage waren sinnlos mit Trinken und langem Herumhängen an Bars. Ich hatte mir ein Buch mit den Schwulentreffs besorgt. Ich wußte gar nicht, dass es so viele Orte für Schwule gibt. Ich kannte nur die eine Bar, in der mich Alex neulich nachts aufgegabelt hatte. In einer Bar bekam ich unzählige Angebote auf einen kurzen Fick. Ich habe sie alle ausgeschlagen. Ich dachte nur an Alex. Hin und wieder meinte ich, ich hätte ihn gefunden. Von hinten kann man ja schon einmal Jemanden verwechseln. Es hämmerte in meinem Kopf:
„Warum gehst du nicht einfach zu seiner Wohnung und klingelst. Schließlich hat er deine Adresse nicht.“
Aber irgendetwas in mir war zu stolz, es zu tun. So hing ich weiter ab in dunklen Bars.

Es geschah in der fünften Nacht. Es war so gegen drei Uhr morgens. Ich trank gerade mein siebtes Bier. Harte Sachen hatte ich mir nach den ersten drei Abenden abgewöhnt, da ich jedesmal mit einem Brummschädel erwacht war. Die Bar war noch immer zum Brechen voll. Gesichter konnte man nur von nahem erkennen, da es so dunkel war. Dunkel um Tatschen zu können. Wie oft mir an jenem Abend die Typen an den Arsch gingen, weiß ich nicht mehr. Plötzlich war im hinteren Eck ein Tumult ausgebrochen. Wie von einer höheren Macht gelenkt, stand ich auf und schob mich durch die Menge. Natürlich kassierte ich wieder Tatscher auf meinen Arsch. Irgendetwas schien an ihm wohl dran zu sein. Schließlich erreichte ich das Herz des Geschehens. Alex prügelte sich mit einem Typ. Der Typ hatte schon eine aufgeschlagene Nase und schrie ihm ständig entgegen: „Du Arsch! Was denkst du dir eigentlich dabei, hier deine Viren verbreiten zu wollen?“ Alex wollte ihm gerade noch eine hauen, aber da spurtete ich nach vorne und hielt ihn am Arm. Mit Schreck im Gesicht starrte er mich an, als ob ich ein Alien wäre.
„Ddduuu? Thomas?“

Alex
Ich erwache an jenem Morgen in einem fremden Raum. Langsam schaue ich mich um. Ein geschmackvoll ausgestatteter Raum mit Möbeln ganz nach meinem Geschmack. Durch die weißen halbdurchsichtigen Gardinen kann man in einen grünen Hinterhof blicken. Vor dem Fenster in dem Baum piept eine Amsel. Ich fasse mir an den Kopf und kann mich nicht erinnern, was letzte Nacht geschehen ist. Überhaupt, die letzten paar Nächte sind mir nicht mehr in Erinnerung. Ständig bin in anderen Absteigen neben den unterschiedlichsten Typen erwacht. Dann ab nach Hause, ein bißchen schreiben, ein paar Happen essen und ein wenig mit den Hanteln trainieren.

Aber was war in den letzten Nächten geschehen, nachdem ich mich zugedröhnt hatte mit allem möglichen Zeugs? Ich habe noch eine fahle Erinnerung an den ersten Abend, wie ich mich zurecht gemacht hatte und nur an Drogen dachte, um den Kerl da unten zu betäuben. Dieses unersättliche Ding, das nicht nur an meinem Körper, sondern auch an meinem Bewußtsein nagte. Als ob sich etwas verselbstständigt hätte, um andere zu töten. Wie oft hat er zu mir gesprochen:
„Hallo, hier ist Amokrichard. Lass mich jetzt endlich raus!“
Was hatte ich angerichtet? Hatte ich Andere angesteckt mit Aids?

Neben mir schläft Thomas.

Ich gehe zu der Anlage und lege Lou Reed ein. „...and love, glory of love.“

Ich streiche ihm über die vollen Haare und denke, er ist es. Er ist der, mit dem ich mein Leben verbringen will. Ob er wohl auch will?

Ich entsorge den Gummi im Müll und ziehe mich an. Mein weißes Hemd trägt feine Blutspritzer. Meine ehemals schwarzen Schuhe sind weiß. Beschwingt trete ich nach draußen in die Mittagssonne.

Erika

Ich bin aufgedreht wie ein kleines Maschinchen. Renne von Zimmer zu Zimmer, richte dieses und jenes und weiß gar nicht, wo ich zuerst anfangen soll. Nach einer Stunde Werkeln steht immer noch nichts so, wie es sollte. Nach zwei Stunden lasse ich mich in den Sessel plumpsen und lehne mich zurück. Warum das alles? Als ob ich im zweiten Frühling wäre. Aber ich bin doch gar nicht verliebt. Vielleicht in meine Blumen, aber nicht in einen Menschen. Trotzdem bin ich aufgeregt, ja aufgeregt könnte es beschreiben. Genauso ist es, wenn Thomas sich zu Besuch ankündigt.

Er steht plötzlich mitten im Raum. Fast so groß wie Thomas in einem olivgrünen Hemd, das seine dunklen Augen unterstreicht. Bei olivgrün denke ich immer an Krieg, aber ich weiß ja, daß die jungen Leute heute sowas tragen. Bin ja auch nicht vom Mond. Thomas hatte auch schonmal so eine olivgrüne Hose an. Ich wollte sie ihm ja ausreden, aber beim nächsten Besuch hatte der Trotzkopf die Hose wieder an.

Ich nehme Alex bei der Hand und führe ihn zu seinem Stuhl, den ich schon fünf Stunden vorher für ihn auserkoren habe. Ich habe das Buch in seinen Blickwinkel gelegt, damit er sofort weiß, dass ich es gelesen habe. Aber komischerweise reagiert er während des Gesprächs überhaupt nicht auf das Buch. Er erzählt von seiner Arbeit. Dem Schreiben bei dem Stadtmagazin und seinem Wunsch, endlich eine dauerhafte Beziehung einzugehen. An der Stelle hake ich nach.

„Tatsächlich? Ich dachte die jungen Leute heute wollen sich nicht festlegen.“
Er wirkt etwas verlegen.
„Ich habe da jemanden gefunden. Ich weiß bloß nicht, ob er auch will.“
Ich schenke ihm von dem Wein nach und nehme auch noch einen großen Schluck. Ich lehne mich nach vorne.
"Wissen Sie, ich habe das Buch da gelesen." während ich auf den Titel zeige.
"Achso, ja, natürlich. Ich habe es ja neulich auch gelesen. Aber ich lese ja soviel. Es gehört zu meinem Beruf."
"Und, Sie sind nicht...?"
"Was meinen Sie?"
"Homosexuell?"
"Dient das der Sache?" fragt er etwas mißtrauisch geworden.
"Heute können Homosexuelle auch heiraten. Wußten Sie das? Und ein normales Leben führen."
"Entschuldigen Sie, ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten." Ich nehme noch ein großen Schluck Wein und mein Kopf fängt an zu tanzen.

In jenem Moment klingelt es. Froh aus dieser Situation herauszukommen, betätige ich den Öffner ohne zu fragen, wer unten ist. Das mache ich normalerweise nie.

Ich öffne die Tür.
Erschreckt klappt mir das Kinn herunter.
Es ist Thomas. Er gibt mir einen Kuß auf die Wange. Er sieht Alex von hinten.
"Du hast Besuch? Ohh, ich wollte nicht stören. Wollte nur wissen, ob du klar kommst."
Als er noch im Reden ist, dreht sich Alex um. Und jetzt klappt Thomas die Kinnlade hinunter. Aber er fängt sich sofort wieder und sagt etwas roboterhaft:
"Willst du mich nicht vorstellen?"
In jenem Moment kriecht mir eine kleine Spinne in den Nacken.
"Das ist Alex, Alex, das ist Thomas mein Sohn."
Kurz herrscht Schweigen.
"Thomas, willst du auch etwas trinken? Setz dich doch."
Thomas setzt sich so, als ob ich es ihm befohlen hätte. Und dann packe ich aus.
"Wissen Sie, Alex, mein Thomas hat nicht gerade ein musisches Talent. Er ist eher nüchtern und sachlich. Ich hätte ja auch gerne so eine Muse daheim bei mir gehabt, aber er hat nichts von mir abbekommen. Als Kind hat er sich nie groß für die Bücher interessiert, die ich ihm gegeben habe. Stattdessen ist er raus auf den Hof mit den anderen Kinder und hat Fußball gespielt."
Während ich so rede, beobachte ich die beiden und kurz meine ich zu sehen, wie sie sich beide zugezwinkert haben. Ob sie überhaupt mitbekommen haben, was ich da so rede? Ich beiße mir auf die Lippen. Ich bin genau in das Schema zurückgefallen, das mir Thomas seit er erwachsen ist, immer vorgebetet hat.
"Mama, falle nicht in mein Leben ein. Es ist meines."
Ich schiebe es auf den Wein. Schließlich kann das doch jedem mal passieren.
Das Gespräch wurde nach meinen Sätzen etwas beklemmend und schleppend. Ich ging in die Küche und begann aufzuräumen. Hin und wieder erhaschte ich einen Fetzen. Ja, ich habe gehorcht. Darf man das denn nicht als Mutter?
"...deine Mutter.." "pscht, nicht so laut" "muß das sein" "lachen"
Sie redeten über mich. Also mußten sie irgendeine Beziehung zueinander haben. Aber welche? Alex mit seinen Schriftstellerambitionen gefiel mir sehr.
Ich stellte mich in den Türrahmen und sagte:
"Ich glaube, ich brauche jetzt ein Päuschen. Würde es euch ausmachen..?"
"Oh, kein Problem, Mama, wir sind schon weg. Du hast doch alles, oder?"
"Ja, ich habe alles."

Als ich sie verabschiede, denke ich mir nur insgeheim.
"Eigentlich wäre es schön plötzlich zwei Jungs zu haben. Einen Romantiker und einen Techniker."

Thomas
Unten vor der Haustür wartet Alex und raucht eine Zigarette. Genüßlich inhaliert er das Nikotin.
"Und, wie findest du meine Mutter?"
"Bißchen konservativ, oder? Würde sie denn mit einem Outing klarkommen?"
"Weiß nicht, wie es jetzt ist. Aber als mein Vater noch lebte, wäre es grausam gewesen. Der hat uns gehasst. Er hätte mich wahrscheinlich fallen gelassen. Deswegen habe ich ja bis neulich noch nie gewagt..."
"Verstehe. Und wie geht es jetzt nach dem Hinterher?"
"Prächtig!"
Alex nimmt mich an der Schulter.
"Weißt du, ich ähh, habe ja bis jetzt auch nur so dumme One-Night-Stands gehabt. Zu einer festen Beziehung ist es bei mir noch nie gekommen. Tja, und wenn das mit uns was werden würde. Naja, ich fände das klasse."
Ich spüre, wie mir das Blut ins Hirn schießt.
"Du meinst also echt, Mann, ähh? So ein richtiges Paar? Bißchen schnell oder?"
Alex streift seine Schuhspitze auf dem Gehweg hin und her, dabei sagt er, ohne mich anzuschauen:
"Weißt du, als ich neulich bei dir erwacht bin, da hab ich mich ein bißchen in deinem Zimmer umgeschaut und es war fast so, als ob ich daheim wäre. Du hast den gleichen Geschmack und ich mag auch deine Klamotten."
"Mir geht es ja ähnlich, aber, was war das denn neulich Nacht? Was hat denn dieser Typ geschrien, mit dem du dich geprügelt hast? Weißt du das noch?"
"Nee, keine Ahnung. Völliges Blackout. Ich hab glaub zu viel gesoffen und Drogen genommen."
"Machst du das öfters?"
"Ja, seit,...aber das ist eine andere Geschichte. Ich erzähls dir später irgendwann mal."
"Was machen wir jetzt?"
Alex schaut mir jetzt stechend mit unbezwinglichem Blick in die Augen.
"Was hälst du davon, eine Nummer zu schieben? Ich hab noch etwas Koks daheim."
"Koks, ähh, hab ich noch nie genommen."
Er nimmt meinen Arm.
"Komm schon."

Ich schaue nach oben zu dem Fenster, hinter dem ich meine Mutter vermute, während Alex das Koks sucht. Soll ich es wagen? Aber warum nicht? Kann ja schon nicht so schlimm sein.

Er bietet mir einen Drink an. Während ich an dem Getränk nippe, leert er den Stoff auf den Glastisch, holt ein Stück Papier und inhaliert durch die Nase. Ich bin danach dran. Ich lehne mich in dem Sessel zurück und nach einem Weilchen zuckt es in meinem Hirn wie bei einem Gewitter. Alex macht ständig Witze und ich kann mich fast nicht halten vor Lachen. Und dann merke ich, wie er mir steht.
"Und, hast du Bock?"
"Bin rallig wie eine Ziegenbock?"
Über das Wortspiel müssen wir erneut lachen.
Uns gegenseitig in die Seite stupsend landen wir in Alexs Bett.
Wir reissen uns gegenseitig die Klamotten vom Leib, als ob es nicht schnell genug gehen könnte. Ich denke gerade noch an den Gummi. Stülpe ihn Alex über und da ist er schon in mir drin. Sein Orgasmus ist ein einziger Schrei. Mein Orgasmus, als ich in ihm drin bin, kann ich nicht beschreiben. Das habe ich noch nie erlebt.

Während ich langsam nach dem Sex hinwegdämmere, denke ich an das Mädchen, das ich meiner Mutter vorstellen wollte. Sie war flachbrüstig und war immer zu stark geschminkt. Die Haare hatte sie platinblond gefärbt wie eine Nutte. Ich habe sie auch immer genommen wie eine Nutte. Ihr hat es gefallen, aber ich hatte immer ein schlechtes Gewissen dabei, da ich während dem Orgasmus an einen Männerkörper dachte.

Gegen später erwache ich. Die Bettseite ist leer. Ich schlüpfe schnell in meine Jeans. Ich muß ihn suchen, bevor wieder irgendetwas passiert.

Erika
„Und, wie machen wir es heute?“
Der Friseur fragt keck, ein bißchen frech, während ich meine jämmerlich grauen halblangen Haare im Spiegel anschaue. Er greift mir in das Haar und meint:
„Ich würde es an Ihrer Stelle etwas kürzer machen.“
Ich überlege kurz und dann sage ich:
„Franz, wissen Sie was? Ich will es ganz kurz haben und blond, fast weiß.“
Ich sehe, wie sich sein Gesicht ein wenig in Entsetzen weitet.
„Aber Madame, das ist zu schnell! Wir kürzen es ein wenig und färben es dunkelblond, wie ihre ehemalige Haarfarbe.“
„Nein, ich will es kurz und platinblond.“
„Na gut, wie Sie wollen, aber ich habe sie gewarnt. Sie werden sich nicht wiedererkennen.“

Die grauen Haarbüschel liegen um den Stuhl verteilt auf dem Boden. Ich sitze wartend mit der Haarfarbe auf dem Kopf und blättere in einer Modezeitschrift. Gedanken fegen mir durch den Kopf. Was würde der alte Herr dazu gesagt haben? Aber ich blase sie weg wie Rauch, schließlich ist Albert auch in Rauch aufgegangen. Er ist nur ein Häufchen Asche, das in einer Urne im Wohnzimmerrregal steht. Hin und wieder hatte ich noch, wenn ich ein schlechtes Gewissen hatte, mit dem Häufchen geredet. Aber jetzt nach 10 Jahren wird es immer weniger. Eine neue Zeitrechnung bricht an. Seit ein paar Tagen trage ich mich mit dem Gedanken, das Haus zu verkaufen. Es war sein Heiligtum. Ich würde gerne ein Häuschen irgendwo im Süden erwerben mit dem Blick aufs Meer. Eine Insel wäre schön. Und ich könnte mich dort niederlassen und an das anknüpfen, was vor der Albert-Zeitrechnung stattfand. Während ich da so sitze und spüre, wie sich die Haarfarbe in den Kopf ätzt, meine ich, mein Hirn freizubekommen. Mich aus der 40 Jahre währenden Albert-Dunstglocke befreien zu können. Die Gedanken werden immer düsterer und ich beginne, ihn zu hassen. Er hat mich seinen Eichenholzmöbeln, seiner Knigge und seinem patriarchalischem Gerede erschlagen. Mit 20 Jahren war ich ein Freigeist mit allen möglichen guten Ideen für ein schönes Leben im Kopf. Er hat sie im Kern erstickt! Was hatte ich für einen Widerling geheiratet! Mein gesamtes Leben hat er verpfuscht!

Franz wäscht mir die Farbe aus den Haaren und fönt sie.

Mir sitzt ein anderer Mensch gegenüber, als ob ich eine Schlangenhaut abgeworfen hätte. So trete ich nach draußen.

In jedem Spiegel, in jedem Schaufenster drehe und wende ich mich wie ein Königin. Schließlich betrete ich einen teuren Laden und kaufe mir ein knallrotes Designerkleid, dazu flache Pumps mit Leopardenmuster. Albert hätte mich erschlagen, wäre ich in diesem Aufzug zu ihm nach Hause gekommen.

Zurück in der Wohnung drückt mich die muffige Atmosphäre. Die schweren Möbel, die verstaubten Bücherregale. Ich überlege kurz, ob ich jetzt alles sofort kurzerhand hinausschmeissen oder ob ich bis zu dem Umzug warten soll und dann alles so verkaufe, wie es im Moment ist. Während ich so durch die Wohnung gehe, glotzt mich immer wieder die Urne an, als ob sie Augen hätte, wie in dieser Roald Dahl-Geschichte, in der die Augen des verstorbenen Mannes in einer Schale liegen und sich die Ehefrau immer noch beobachtet fühlt. Und wenn ich ehrlich bin, ich schleiche um sie herum wie eine wilde Katze um das Futter, die sich nicht herantraut, da ein Mensch in der Nähe ist.

Gegen später öffne ich ein Fläschchen Wein. Immer wieder renne ich zum Spiegel, um mein neues Outifit zu beurteilen. Und es gefällt mir immer besser. Es ist so ungefähr 22.00 Uhr, ich leere den letzten Schluck aus der Flasche. Da habe ich eine Idee. Ich nehme die Urne mit auf die Toilette und nachdem ich gepinkelt habe, leere ich den Inhalt der Urne, Alfreds Asche auf meine Pisse und spülte hinterher dreimal kräftig. Ein letztes Häuflein „Forscherarzt-Existenz“ rollt durch die alten Rohre. Wie erleichtert trete ich aus der Klotür und lege mich mit seeligem Grinsen in das Gästezimmer. An ein Ehebett will ich mich in jenem Moment nicht erinnern.

Alex
Aussetzer, ich habe Aussetzer im Hirn. Irgendetwas scheint das Dopamin im Kopf fehlzuleiten. Cocaine. Und jetzt rein damit. Richard, du willst es doch so, du kleines Schwein, du Minischwanz. Immer weiter steche ich und will nicht das sehen, was mir mit Entsetzen in die Augen sieht. Es riecht übel nach Kot und Urin. Irgendwo am Uferrand. Dunkel. Lauernde Gestalten. Du kleiner Pisser denke ich, als ihm der Sabber aus dem Mund trieft. Ja, ich weiß, du willst ein Bier, du mieser Penner. Aber du kriegst von mir nur Sperma. Auf das es deine Zellen aufweicht und dich mir gleichmacht, einen pickligen Aidskranken. Warum solltest du es besser haben als ich, du mieses Schwein. Ich stöhne. Langsam komme ich. Ich ziehe ihm den Hut vom Gesicht und greife neben die Plastiktüte mit seinen Essensresten. Die stülpe ich ihm auf den Kopf, damit ich ihn nicht sehen muss, wenn ich komme. Ahhhh. Ich ziehe meinen Schwanz raus. Danach gebe ich ihm einen Tritt mit dem Fuß. Als ich meine Hose zumache, plötzlich eine Hand auf meiner Schulter. Ich drehe mich um und sehe in das Gesicht von Thomas.
„Du mieses Schwein! Was soll das?“
Ich werde mit einem Schlag nüchtern.
Thomas reisst dem besoffenen Penner die Tüte vom Gesicht. Der stiehlt sich schnell davon.
„Aber das war nicht ich, das war Richard. Ich zeige auf meinen Schwanz.“
„Bist du verrückt oder was?“
„Nein“ schreie ich ihn an. „Herrgottnochmal, ich habe Aids!“
Er weicht einen Schritt zurück.
Sein Gesicht, als ob er gleich abgestochen werden würde.
„Das hat nichts mit dir zu tun. Du bist meine grosse Liebe.“ heule ich, wimmere ich ihn an wie ein kleiner Hund.
Thomas wirkt plötzlich sehr distanziert und meint:
„Wie wärs mit einem Entzug?“
Wir stehen in dieser düsteren Unterführung. Um uns huschen dunkle Gestalten. Das Wasser schwappt klebrig wie Erdöl ans Ufer. Und wir in den besten Hemden nach Rasierwasser riechend schauen uns befremdet an wie auf einem anderen Stern.
Eine Flasche zerbricht. Das Klirren löst die Stille.
„Und, was hab ich von deinem Scheißentzug, wenn ich in zehn Jahren tot bin?“
„Du kannst es ja nicht wissen, vielleicht finden die Wissenschaftler ja etwas.“
„Ach, einfach so nach 20 Jahren? Das ist wie Krebs. Da können sie auch nicht helfen. Es wuchert. Ich werde Beulen bekommen. Ich werde bei jeder Erkältung zusammenbrechen, da es mein Immunsystem zerhauen wird.“
„Was soll denn diese Nummer mit Richard? Ich glaub dir kein Wort. Wie kann einer mit seinem Schwanz reden? Du bist verrückt. Ich bring dich jetzt von hier weg.“
Ich schaue ihn mißtrauisch an.
„Du willst mich also wegsperren? Einfach so?“
„Ich will, dass du gut aufgehoben bist, da ich mit dir zusammen sein will.“
„Neee, das ist jetzt aber zu viel der Gefühle. Ich glaube dir kein Wort.“
„Komm, ich habe noch eine Linie Koks bei dir geklaut. Das nehmen wir jetzt im Auto und dann fahre ich dich...“
„Wohin?“
„Davon später.“
Im Auto hauen wir uns das Koks rein und küssen uns kurz und heftig. Dann fährt Thomas los.
Während er uns durch die dunkle Stadt lenkt, klopft er zuerst nur auf das Lenkrad. Dann sagt er:
„Mein Vater war Arzt und Forscher an einer Klinik, in der auch Aidspatienten behandelt wurden. Dorthin fahren wir jetzt.“
Ich lehne mich zurück. Die Gebäude huschen wie Riesen an mir vorbei.
Dann wieder seine Stimme an einer roten Ampel.
„Wieviele hast du eigentlich schon angesteckt?“
„Ich weiß es nicht.“
„Können wir sie finden?“
„Keine Ahnung, woher sollte ich...“ meine Stimme bricht trocken weg.
Die Ampel schaltet auf Grün.

Thomas
„Wie siehst du denn aus, Mama? Bist du dem Retrolook verfallen? Annie Lennox als 60-jährige?“
Meine Mutter schaut etwas beschämt zu Boden, dann richtet sie ihren geraden Blick auf mich und sagt:
„Weisst du was? Ich habe deinen Vater entsorgt.“
„Du hast was?“
„Na, ich hab den Inhalt der Urne über meine Pisse ins Klo entleert.“
Ich sage nichts und denke mir nur meinen Teil. Dann schaue ich mich in der Wohnung um. Die gesamte Einrichtung scheint verpackt in Kisten.
„Willst du weg? In den Urlaub? Oder löst du die Wohnung auf?“
„Ich dachte, ich bräuchte mal wieder Urlaub. Ich will wieder anfangen mit meiner Malerei und da habe ich mir eine Insel ausgesucht. Die Wohnung werde ich auflösen und das, was jetzt in Kisten verpackt ist, will ich wegwerfen. Den ganzen Schrott deines Vaters.“
Ich schaue sie erschreckt an und murmle betreten.
„Das darfst du nicht. Er war ein großer Forscher.“
„Na, jetzt setz dich zuerst einmal. Du siehst ja völlig aufgelöst aus. Geht es dir nicht gut?
Sie holt ein Fläschlein von dem besten Wein, einen Montalcino.
„Bist du jetzt unter die Alkoholiker gegangen?“
„Nein, warum?“
Dazu zündet sie sich eine Davidoff an.
„Seit wann rauchst du wieder?“
„Ich war schon immer eine Raucherin. Dein Vater durfte es bloß nicht wissen. Er hat mich von vorne bis hinten diktiert, in allem was ich tat. Jetzt bin ich endlich frei.“
Ich schaue erstarrt meine Mutter an in ihrem neuen Look und denke, es sieht gar nicht so schlecht aus. Eine verruchte mittelalte Dame mit Zigarette und Rotwein.
„Und, was malst du so? Hast du schon etwas fabriziert?“
Sie tippt sich an den Kopf.
„Alles hier drin. Dachte an Transvestiten und so...“
Jetzt fällt mir die Kinnlade herunter. Verstört nippe ich an dem Rotwein und denke an das Krankenhaus. Der Arzt meinte, die Halluzinationen von Alex kämen von dem Koks. Das könnte eine exogene Psychose verursachen. Er müsste auf Entzug gehen.
„Also, Mama, ich wollte dir noch was sagen...“
Die entspannte Atmosphäre plötzlich scheint mich redselig werden zu lassen. Sie beugt sich vor und zieht an ihrer Zigarette. Sichtlich ist sie gespannt. Ich weiche nochmals aus und schaue um mich und sehe das Buch, mit dem Titel „Die Schönheitslinie“.
Ich stehe auf und nehme mir das Buch, überfliege den Buchdeckel.
„Woher hast du das? Und warum liest du das? Hast du es gelesen?“
Sie schaut mich unverwandt an.
„Ja, ich habe es gelesen. Alex hat mir den Buchtipp gegeben.“
Ich schnaufe durch.
„Ähh, Mama, was würdest du sagen, wenn ich noch nie eine richtige Freundin gehabt habe. Männer....“ Ich breche ab.
„Du meinst Alex?“ Ihr Gesicht bekommt einen Schimmer.
„Ja, Alex.“
Ich atme tief durch.
„Das ist die eine schlechte Neuigkeit.“
„Sie ist nicht schlecht. Sie ist normal.“
Erstaunt schaue ich meine Mutter an.
„Aber Vater war doch immer gegen die Schwulen.“
„Ich nie, ich durfte es bloß nie sagen.“
„Also, du, du hattest nie was gegen die...?“
„Nein, Thomas, wo denkst du hin? Seit ich Albert vernichtet habe, geht es mir gut und dir soll es auch gut gehen.“
Sie drückt ihre Zigarette aus. Und ich warte kurz bis sie im Aschenbecher ausgeht und dann sage ich:
„Jetzt die zweite schlechte Neuigkeit. Alex hat...“
Ich wage es nicht auszusprechen.
„Aids?“
„Ja.“
Es ist raus. Erleichtert schaue ich ihr jetzt gerade aus in die Augen.
„Und, er ist Cocaineabhängig.“
Alkoholabhängig, Zigarettenabhängig. Wir sind alle abhängig.
„Aber er hatte Halluzinationen. Er dachte, er müsste alle möglichen Leute mit dem Virus anstecken und vermutlich hat er es getan.“
„Wir müssen ihm helfen. Was gibt es zu tun?“
„Wir müssen die Kisten alle öffnen. Die Albert-Kisten. Weißt du noch, wie er kurz vor dem Tod von dem Serum sprach?“
„Meinst du, er hat etwas entdeckt? War er vielleicht deshalb so gegen die Schwulen? Wegen Aids? Diese Hilflosigkeit?“
Sie zuckt mit den Achseln.
„Kann sein. Ich weiß es nicht. Er hat so wenig über seine Arbeit gesprochen, aber am Schluß dachte ich, er sei etwas Großem auf der Spur. Etwas, was er nicht aussprechen wollte. Vielleicht hat er tatsächlich etwas gefunden.“
„Bist du bereit, die Kisten nochmal auszupacken? Auch auf die Gefahr hin, dass wir schlimmeres entdecken?“
„Wenn es Alex hilft, auf jeden Fall. Er passt zu dir. Seine ganze Art. Er ist dir wie auf den Leib geschnitten. Wäre eine Traum für mich, einen Techniker und Romantiker vereint zu sehen.“
Ich greife die Hand meiner Mutter und es fühlt sich gut an.
„Gut, dann laß es uns morgen angegehn.“
„Jetzt muß ich aber noch los, die Anmeldung für den Künstlerverein abgeben. Ich werde hier noch ein zweites Standbein haben neben der Insel.“
Wir erheben uns. Und ich sehe eine attraktive 60-jährige Frau von ihrem Muff befreit ihre Tasche nehmen.

Erika
Ich habe die Kisten eine nach der anderen durchgesehen und es sind mir zwei Dinge aufgefallen.

In der Fotokiste ist mir ein Bild unter die Hände gekommen. Mir stockte das Blut. Es zeigt Albert mit einem Mann. Sie küssen sich gerade sehr innig. Albert und der andere Mann im Süden, am Meer. Ich versuche zu überlegen, wann es gewesen sein könnte. Aber er hatte allerlei Gelegenheiten gehabt. Schließlich ist er zweimal im Jahr ohne mich zum Segeln nur mit Männern unterwegs gewesen. Der spiessige Albert hat mich mit einem Mann betrogen. Ich weiß nicht wieviele Jahre. Der andere ist der Chefarzt des Klinikums. Wie oft war er bei uns zum Abendessen eingeladen mit seiner mondänen Gattin? Und nichts, nichts ist mir aufgefallen. Ich schäme mich fast für meine Arglosigkeit während all der Jahre.

Ich sitze auf dem verstaubten Sofa, halte mir das Bild vor die Augen und lache dann hämisch. Er hat es sorgfältig hinter seinem Spießertum vertuscht. Das muss man ihm zugute halten.

Und es gibt tatsächlich eine Kiste, in der sich alle möglichen Unterlagen zu Untersuchungen über den Aidsvirus befinden. Warum hat er sie nicht veröffentlicht? Was hatte er für einen Grund? Wahrscheinlich hat ihn der Tod zu plötzlich erwischt und deshalb diese Bitte auf dem Sterbebett, wir mögen uns um das Serum kümmern. Die einzige plausible Erklärung.

Ich nehme die Kiste und fahre ins Klinikum. Das Foto lasse ich auf dem Sofa. Einen Skandal will ich nicht. Wozu auch? Albert ist tot. Ich will nur das mit dem Serum klären. Ich will den Chefarzt sprechen.

Lange warte ich auf einen Termin und gehe in diesem antiseptischen Geruch in den langen weißen Gängen auf und ab und zünde mir eine nach der anderen an.

Alex
Diese Leere im Kopf. Ich halte es nicht aus. Mir fehlt der Stoff. Ich drehe mir Zigaretten, aber sie sind nicht der Kick. Der Kick ist das Koks. Ständig laufe ich hin und her und sehe diese Gestalten, die schon in einem Stadium jenseits von gut und böse sind. Mit ihrem Tropf schlurfen sie die Gänge entlang. Und ich bilde mir ein, die Beulen stinken. Ich rieche an mir, ob ich auch diesen Geruch des Todes verbreite. Und dann meine ich, auch schon so weit zu sein. Verwesend, langsam vor sich hinsiechend. Qualvoll sterben. Manchmal hilft morgens eine Rasur, ein Blick in den Spiegel, aber tagsüber dann bei dem Anblick der Anderen. Leere. Ekel. Zweifel.

Der Oberarzt
Die Frau von Albert hat mir vor ein paar Tagen diese Kiste gebracht. Nächtelang habe ich in den Unterlagen gelesen. Ich war überrascht von welcher Seite her Albert den Virus erforscht hat. Soweit ist bis jetzt noch niemand gestossen. Mir trieb es immer wieder die Tränen in die Augen. Was hatten wir für eine Leidenschaft und dann ist er einfach so im Beisein seiner Frau und seines Sohnes gestorben. Ohne mich. Lange hatte ich es verdrängt und jetzt bricht es wieder aus, das schwarze hemmungslose Pferd.
Aber ich muß mich zusammen nehmen. Es geht hier um größeres. Das Serum wurde an Menschen noch nicht getestet. Erika meinte, sie hätte sogar eine Testperson.

Alex
Der Oberarzt hat gerade mit mir gesprochen. Ich soll das Serum testen.

Das Koks rückt gerade weit weg und ich denke an eine Zukunft. Eine Zukunft als Schwuler ohne den Virus.

Ich sehe mich auf einer Insel im Süden mit Thomas und seiner Mutter.

Sie war heute da und hat mir ein winzigkleines Ölbildchen dagelassen. Es war in einem kleinen gläsernen Gefäß und darin war eine Kerze, die das Bild anstrahlte. Das Gefäß erinnerte mich an eine Urne. Auf dem Bild war ein alternder Transvestit zu sehen und ein bißchen sah er so aus wie sie. Es ist ja immer so, dass man immer ein Stück von sich selbst abbildet, wenn man malt.

Patina
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Re: amokkoma

Beitragvon Patina » 02.05.2007, 16:04

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Patina
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Re: amokkoma

Beitragvon Patina » 17.06.2007, 13:48

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