Die "Begegnung“ meines Lebens - eine „Liebesgeschichte“

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Pentzw
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Die "Begegnung“ meines Lebens - eine „Liebesgeschichte“

Beitragvon Pentzw » 28.05.2011, 15:29

Ich sitze im Cafe. Da läuft sie vorbei. „Sie“, wie anmaßend, kenne ich sie doch nicht. Doch das Mädchen erscheint mir so interessant zu sein, ihr Gesicht, ihr Gang, der melancholische Blick, dass ich gerne über es schreiben würde. Aus es heraus natürlich. Wozu ich es kennen müsste. Doch die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass ich das erreiche. Nur der Zufall würde es mir in die Hände treiben. Doch der wird es nicht tun. So bleibt diese Geschichte ungeschrieben. Schade darum, wirklich schade.
Natürlich könnte ich über mich schreiben, ich tue es ja gerade, aber diese Geschichte ist todlangweilig, sie merken es ja gerade, wo sie sie lesen.
Ich weiß, diese Geschichte wird um so todlangweiliger, als ich weiter über mich schreibe. Würde ich es doch nicht tun müssen, stattdessen über diese Frau, die sich, ich fasse es nicht, sich jetzt an den Nebentisch setzt. Als wollte sie, dass ich über sie schriebe! Als machte sie es bewusst! Kann sie denn in meine Innerstes schauen? Hat sie das Mitleid erfasst, mir abgelesen, aha, er langweilt sich mit sich selbst, empfindet sich tot und leer, so komme ich ihm näher, damit ihm etwas Ausgefülltes in seinem Leben zustieße?
So blickt sich mich jetzt auch an: anteilnehmend - so kommt es mir vor.
Beschämt schlage ich meine Lider nieder, instinktiv, obwohl ich es nicht will. Ich bin machtlos.
Sie bestellt. Wie sie bestellt! Eine Stimme, die so vieles verheißt, was, das weiß ich nicht, aber in ihr steckt so viel schillerndes Leben.
Mein Gott, sie blickt jetzt wieder her. Sie beobachtet mich geradezu. Was will sie von mir? Ich kann mich ihr nicht offenbaren, so sehr ich es wollte, will. Ich bin verlegen, die Verlegenheit ist stärker als mein Wille, sie anzusprechen. Wie auffordernd ihr Blick doch ist: sprich mich doch an, hier hast du eine Gelegenheit, auf die du doch schon seit langem wartest...
Stattdessen schlage ich wieder die Augen nieder, hefte meinen Blick alibigleich auf ein Buch, in denen so viele beneidenswerte, lebensdurchtränkte Stories stecken, dass ich paff bin, mehr noch neidisch, erzürnt, gerührt und mich selbst armselig erfahrend.
Wenn sie mich doch nur auffordern traute. Was „traute, die traut sich sicherlich. Ja, wenn sie sich doch erbarmen würde mich anzusprechen!
Ich merke, sie will es. Sie ist kurz davor, das darf nicht wahr sein!
Je länger ich ihre Aufmerksamkeit auf mich spüre, desto mehr spüre ich eine Unruhe. Plötzlich, ungebremst, verziehe ich schamhaft lächelnd den Mund und erschrecke innerlich bis in die tiefste Faser meines Wesens. Was muss ich denn da für einen idiotischen Eindruck vermitteln bei solch einem saudummen Bild, das ich wohl abgebe?
Dabei blicke ich noch immer keinesfalls auf, im Gegenteil. Ich kapiere jetzt, dass die Spannung, unter der ich stehe, wiewohl sie auch, eine extrem unangenehme, nachgerade zum Zerreißen angespannte ist. Und im selben Moment schnalle ich es: jetzt, jetzt ist der Zeitpunkt günstig, wo du so saudoof grinst, aufzublicken. Damit würde sich alles auflösen. Du würdest dich ihr ausliefern und sie würde bereitwillig deine Demut entgegennehmen. Es würde sich damit Entspannung einstellen, ein leichtes wäre es dann, ein Wort an sie zu richten. Ja, damit wäre die heißersehnte Eisschmelze zwischen uns eingetreten. Also los!
Nur ein Blick. Aufblicken! Aufbliiecken!
Aber ich bin blockiert! Ich bin versteinert. Eine Salzsäule par exellance. Ich spüre meine Lider wie Blei nach unten gesenkt. Und die Zeit läuft mir unwiederbringlich davon. Je länger ich noch zögere. Noch zaudere...
Wie wenn es einen Schlag getan hätte, ist mit einem Mal der Moment verstrichen. Ich habe verspielt, merke ich im selben Augenblick. Und was bleibt mir jetzt anderes übrig, also scheinbar umso konzentrierter in mein Buch zu stieren, um so schärfer die Buchstaben ins Visier zu nehmen?
Hoffentlich kommt jetzt der Kellner und bringt ihr den Kaffee, auf dass es nicht mehr geschehe, was nicht mehr geschehen darf und kann. Und selbst wenn, wenn ich noch den Karren aus dem Dreck ziehen, diese Unpässlich- und Unstimmigkeit mit einem freudigen Redeschwall hinwegblasen und übertünchen könnte, was kann ich ihr schon bieten, ihr erzählen über mein trostloses Leben? Darüber erzählen, das alles so leer und fade ist bei mir, sie würde sich gequält und gelangweilt bis zum Tode nur wieder bald abwenden.
Und dann, ja dann geschieht das Unerwartete, das Unmögliche, Ungeahnte. Es tritt jemand zu ihr hin, küsst sie erfreut und setzt sich zu ihr. Ach ja, ein Freund, ihr Freund.
Ich merke, wie mir ein Stein vom Herzen fällt. Wie recht habe ich daran getan, nicht mit ihr in Kontakt zu treten, mich nicht ansprechen zu lassen, denn ihr Freund wäre doch bald gekommen. Ich seufze befreit aus.
Ach ja, was schon hätten wir uns sagen können in solch kurzer Zeit? Gerade in dem Moment, wo wir vielleicht warm geworden wären, wäre er dazwischengetreten. Was wäre da für ein Schmerz entstanden!?
Unmöglich hätte ich ihn können kommen sehen, um mir schnell noch ihre Telefonnummer geben lassen zu können. Er hätte sie dann - wie er das ja auch jetzt tut und dies ist der unabwendbare Beweis - total in Beschlag genommen, so dass ich keinerlei Möglichkeit mehr gehabt und eine gute Chance verpasst hätte, mit einer ungeheuerlich interessanten Person, vielleicht der besten Frau, der ich je im Leben begegnet bin, den Kontakt aufrechtzuerhalten und in Verbindung zu bleiben.
Nein, alles besser als dies! Ich lese angestrengt weiter.
Bald bin ich wieder verzaubert von dem darin pulsierenden Leben des Autors...
Ich verliere mich.



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