ein versuch auf seiten des vogels

In diesem Forum kann sich jeder mit seinem Text der Kritik des Publikums stellen. Selbstverständlich auf eigene Gefahr ...
vogel
Phantasos
Beiträge: 1889
Registriert: 28.05.2003, 19:55
Wohnort: Braunschweig
Kontaktdaten:

ein versuch auf seiten des vogels

Beitragvon vogel » 08.05.2004, 09:37

sehen wir es als versuch an ...



[Deutsch]



null Punkte
die Augen sehen
null Punkte
dort gibt es keine Angst
alles was dich hält sind :
einhundert Punkte




Es ist wie eine Explosion. Du rammst deinen Kopf gegen die weiße Tür.
Es ist, als würde darin irgend etwas wachsen, so unendlich groß werden.
Du hast es doch hinter dir.
Am Liebesten schreien.
Die anderen haben alle noch Unterricht.
Einfach nur schreien.
Einfach nur schreien und hören wie alles in die Luft fliegt.


Sie bekommt das Aufgabenheft um 8 Uhr 15.
Wahlaufgabe 1 is ne Interpretation und Analyse. Erich Kästner, Der September ? .. Kreatives Schreiben.
Erörter- ... Schulden .. Jugendliche ?
Sachtextanalyse .. Ach nö ...
Können die Tanten nun endlich mal aufhören zu labern ?
Und wer war Kästner ?

Sie schreibt auf ihr Deckblatt ihren Namen.
Klasse.
Wahlaufgabe ?
Sie schreibt eine Eins hin.
Ihre Uhr tickt nicht.
Sie liest das Gedicht.
Hört auf zu quatschen !!
Und wer war verdammt noch mal Kästner ?

Sie zieht die Ränder auf ihren Blättern. 2cm links, 5cm rechts.
Ob die reichen ?
Sie grinst in Richtung des Tisches.
Sie liest das Gedicht noch mal.
Ihre Uhr tickt nicht.
Sie trägt das Reimschema ein.
Seltsamer Rhythmus.
Wie war das mit dem Metrum ?

Sie schmiert mit ihrem weichem Bleistift auf dem Aufgabenblatt herum, macht Pfeile.
Steigerung.
Sie liest das Gedicht noch mal.
Sie legt ihre Uhr vor sich hin.
Sie rostet schon.
Wie lange habe ich sie ?

Die Uhr glitzert im Licht der Lampen.
Sie lacht in sich hinein.
WEITER !

Sie blickt an die Tafel.
Abgabezeit ist 10:45 Uhr.
Sie blickt auf die Uhr. 8:45 Uhr
Noch Zeit.
Sie schreibt den Übersichtssatz.
Warum sind die hier so steif ? Erich Kästner beschreibt in seinem Gedicht „Der September“ aus dem Jahre 1955 ..
Sie hört ihre Uhr nicht ticken.
Sie schreibt.
Sie schreibt 8,825 Worte die Minute.
Gut, dass Mutti mir den Duplo hingelegt hat.
Sie bricht ein Stück ab.
Muss der hier vor mir die MOZ lesen ? Ich setz’ mich nie wieder soweit vorn hin.
Sie schreibt 529,5 Worte die Stunde.
Ihre Uhr tickt nicht.
Seite 6.
Sie liest das Gedicht noch mal.
Karussell. Vielleicht sollte ich das Gedicht endlich mal weiter schreiben.
Sie schaut auf das Wort.
Ich wollte mal nach dem Freizeitpark in Spanien schauen, vielleicht gibt’s ja im Internet nen Bild von dem Karussell, das da stehen soll.
Sie schreibt weiter.
Sie streckt sich. Ihre WAT - Lehrerin steht vor ihr und reicht ihr die Hand. Sie lachen beide leise.
Sie blickt auf die Uhr.
Seite 10.
Sie schreibt das letzte Wort.
Worte : .. Scheiße, die zähl’ ich jetzt aber nicht einzeln.
150 auf Seite 2 mal 9 plus 64 von Seite 10.
Auch egal.

Ihre WAT- Lehrerin steht neben ihr. Sie sprechen ziemlich leise.
„Kann ich das hier auf dem Zettel stehen lassen ?“
„Ja klar. Hast du die Wörter gezählt ?“
„Yo, hab ich.“
Sie zeigt Seite 10.
„Ho !“
„Hat eigentlich irgendjemand die Gedichtinterpretation gewählt ? Alle die bis jetzt abgegeben haben, haben das kreative Schreiben gemacht.“
Sie kennt die andere Lehrerin nicht mal vom Sehn.
„Hier – meine Gute hat’s Gedicht genommen.“
Die Lehrerin lacht ihr raues Lachen und geht weg.
Ich schreibe jedes Mal mehr ...
Sie schreibt die 1412 auf das letzte Blatt.
Ihre Uhr tickt nicht.
Auf das Deckblatt schreibt sie noch hinter ‚Abgegebene Blätter’ eine 10.
Sie legt den Duden auf den Nachbarstisch.
Sie packt ein.
10:30 Uhr.
Sie legt die Uhr wieder an.
Sie grinst.
„Tschüß “
„Ja, tschüß“
Sie verlässt den Raum, blickt auf die Uhr.
Der Zeiger dreht sich ganz normal.
Ich habe verdammt Hunger!
Sie geht Richtung Toilette.


Du machst die Tür auf, wäscht dir die Hände. Es regnet.
Zum Glück habe ich n Schirm mit.
Deine Augen sind rot. Genau wie deine Wangen.
Du wäschst dir dein Gesicht.
Der Schirm ist blau. Er passt nicht zu deiner Jacke.
Doch er ist klein, passt in deine Tasche.
Du blickst auf deine Uhr.
Dein Zug fährt erst in einer dreiviertel Stunde.
Auf dem Dorf ist der Regen schöner ...
Mein Ich ist ein Pfogel aus Metall, doch Du hast ihn berührt und beschützt.

Silentium
Mnemosyne
Beiträge: 2771
Registriert: 24.05.2003, 17:50

Re: ein versuch auf seiten des vogels

Beitragvon Silentium » 09.05.2004, 17:03

Ohhhh, du glückliche! Ihr bekommt zur Schularbeit noch kreative Aufgaben?
*neidneidneid*
Wenn wir Gedichte kriegen, hatten wir noch Glück. Gibt nichts faderes, als irgendwelche Figuren aus irgendwelchen totlangweiligen Büchern ("Schöne Tage" von Innerhofer- Wäh!) zu analysieren.
Sei froh, wenn du noch Herausforderung hast. Zweistündige Schularbeiten sind schlimm... eine Stunde schreibst du, eine Stunde hast du frei, weil du in Stunde eins eh längst fertig bist. Faaad!
...sorry, bin grad schlecht gelaunt, da verschnupft.

Zum Text: lieb. Kenn ich. Beileid.
Ein paar Wendungen sind typisch Bundesdeutsch, aber dass lassen wir mal (wie hat I. Amman mal bei einem present-yourself-Kurs gesagt: Meine Herrschafte, man darf ruhig hören, woher sie kommen...
Die hat gut reden, die ist aus Vorarlberg!)

Am Liebesten schreien.

Am Liebsten.

Auf dem Dorf ist der Regen schöner ...

AUF?

Einfach nur schreien und hören wie alles in die Luft fliegt.

Gute Idee! Hab ich schon erprobt... neulich bei einem Mathematiktest, mir fällt eh nix ein, da geht sich eine Rechnung nicht aus, ich bin am Verzweifeln... und mein Sitznachbar fängt plötzlich an, mit der Zunge zu schnalzen... tkl-tkl-tkl-tkl...
"Würdest du bitte ruhig sein?", zischt Silentium.
tkl-tkl-tkl-tkl-tkl...
Die Rechnung geht sich nicht aus. Wie war die Gottverdammte Formel?
tkl-tkl-tkl-tkl-tkl...
Silentium reißt die Gedult.
"Ziiiiiimmer!!!" (so heißt der Affe)
Zimmer fällt fast vom Sessel, die gesamte Klasse zuckt zusammen. Da geht mir auf, dass ich ihn angebrüllt hab wie wasweisich. Seitdem ist neben mir Ruhe während Tests... und ich darf mir die Geschichte dauernd anhören- ist quasi ein running gag geworden... :-D


So far, silly Silentium
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon

vogel
Phantasos
Beiträge: 1889
Registriert: 28.05.2003, 19:55
Wohnort: Braunschweig
Kontaktdaten:

Re: ein versuch auf seiten des vogels

Beitragvon vogel » 10.05.2004, 17:27

hi my silentium ... ;}

Ohhhh, du glückliche! Ihr bekommt zur Schularbeit noch kreative Aufgaben?
so sind wir halt die brnadenburger ...

Ein paar Wendungen sind typisch Bundesdeutsch, aber dass lassen wir mal (wie hat I. Amman mal bei einem present-yourself-Kurs gesagt: Meine Herrschafte, man darf ruhig hören, woher sie kommen...
Die hat gut reden, die ist aus Vorarlberg!)
so ? welche denn ? sag mal.
hast du nie gehört dass man seine äußerungen begründen soll ? .p
ich steh dazu - ich komm nu mal ausm osten ... .D


Auf dem Dorf ist der Regen schöner ...
na im bestimmt nicht ... wie meinst du dass ??? auf dem lande hört sich zu bäuerlich an.
ich mein das im bezug auf stadt ... (wobei der regen da auch schön ist)


So far, silly Silentium
i hope, du bist mir nicht böse, that sometimes i call you "my silly silentium" ?!

Einfach nur schreien und hören wie alles in die Luft fliegt.

die gewschcihte ist ja lieb mit zimmer. (selstamer name) auch wenn ich nicht dirket im raum schreien wiollte ...

Danke, alles liebe

kleinervogel ...
Mein Ich ist ein Pfogel aus Metall, doch Du hast ihn berührt und beschützt.

razorback
Phantasos
Beiträge: 1983
Registriert: 10.09.2002, 20:36
Wohnort: Leverkusen
Kontaktdaten:

Re: ein versuch auf seiten des vogels

Beitragvon razorback » 06.06.2004, 02:34

Oha, Li'lbirdie, es gibt also doch noch Leute, die über's Schülerin sein schreiben können.

Es gibt also doch noch etwas NEUES was man darüber schreiben kann!

Es gibt also doch eine nicht ausgelutschte Form, in der man darüber schreiben kann! Ja! Bravo! Gut gemacht!

Auf mich übertragen kann ich das nicht. Irgendwie erinnere ich Klausuren sehr stark atmosphärisch und diese Atmosphäre hier kommt in meiner Erinnerung nicht vor. Das liegt aber an einer Stärke des Textes - es ist Deine Atmosphäre und Du ziehst mich als Leser schon sehr hinein. Ich habe auch anders empfunden, viel focussierter. Und ich kenne einige Worte nicht, die Du benutzt. All das macht den Text aber nicht schlechter, im Gegenteil. Es ist selten, dass es einer Autorin oder einem Autor gelingt, mich so in eine Atmosphäre und eine Empfindung zu ziehen, die sehr individuell und mir fremd ist. Du machst Dich - bzw. Deine Figur - hier ausserordentlich transparent. Sehr eckiger, unkonventioneller Text, als solcher weder affektiert noch effekthascherisch, einfach nur gut. Kompliment.
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You


Zurück zu „Texte“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste